TagKillerspiele

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Twitterzitat des Tages: Alkohol und “Killerspiele”
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Nachwehen von Winnenden
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Killerspiele verboten
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Pingpong in Sachen Killerspiele
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Computerspiel Schuld am 11.September
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Updates einiger Beiträge
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Computerspiele
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Killerspiele – einige Klarstellungen
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Bayerns Bundesratsinitiative zu “Killerspielen”

Twitterzitat des Tages: Alkohol und “Killerspiele”

Nein, eine Reihe wird nicht draus, aber ich fand die Aussage einfach zu gut, um sie hinten rüber fallen zu lassen. Also: Puh (Patrick Steinke) schrieb vor etwa 4 Stunden:

Jedes Jahr sterben zigtausende Menschen in folge von Alkoholkonsum aber der Kaufhof nimmt Spiele ab 18 aus dem Verkauf – gehts noch dümmer?

Viel mehr kann man eigentlich zu der Entscheidung von Kaufhof nicht geben, außer vielleicht, dass bei unvernünftigem Alkoholkonsum die Folgen sehr viel eindeutiger sind, als bei dem unvernünftigen Umgang mit Computerspielen – dort kippt man eher vom Stuhl, wenn man zuviel spielt, oder verliert seine sozialen Kontakte, aber nur wenn noch ganz, ganz, ganz, ganz viel anderes dazu kommt, kann dies dazu führen, dass jemand zum Amoktäter werden könnte. In Deutschland ist dies bisher 3 mal passiert – zugegeben mit einigen – zuvielen – Toten. Aber wenn man wirklich etwas tun will, dass weniger Menschen sterben in Deutschland, dann fängt man mit  Computerspielen am falschen Ende der Statistik an!

Nachwehen von Winnenden

Vor einer Woche gab es den schockierenden Amoklauf in Winnenden. Und eins muss man dann doch feststellen: Die panikartigen Schreie nach dem Verbot der bösartigen Killerspiele sind ohne größere Wirkung geblieben – zumindest in der Politik. Allerdings gab Galeria Kaufhof bekannt, dass man selber keine USK 18 Spiele mehr verkaufen wolle. Halte ich persönlich auch für Blödsinn – fliegen dann auch bald Filme mit rotem Aufkleber raus? – aber sei es drum, dann kauft man das eben woanders.

Rechtliche Folgen dürfte es wohl für den Vater des Täters haben: Die Staatsanwaltschaft bereitet eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung vor. Also ich muss sagen, dass ich es ein wenig wie Heribert Prantl sehe und mich frage, ob dies sinnvoll ist. Also zum einen ist er sowieso schon ziemlich gestraft, aber ich frage mich auch, ob man auch wirklich nachgewiesen werden kann, dass er eine Labilität bei seinem Sohn erkennen konnte, die auf einen Amoklauf hindeuten könnte. Also mal abgesehen von der Waffe: Wenn er das hätte sehen können, wäre es nicht ohne Waffe das selbe?

Also natürlich gehört es bestraft unsorgsam mit den Waffen umzugehen, aber ich bin mal gespannt und eher etwas kritisch, ob es wirklich eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung sein muss.

Killerspiele verboten

Die Bundesregierung hat sich heute auf eine Änderung des Jugendschutzgesetzes verständigt, nach der Computerspiele, die

“besonders realistische, grausame und reißerische Gewaltdarstellungen und Tötungshandlungen beinhalten, die das mediale Geschehen selbstzweckhaft beherrschen”

mit entsprechenden Vertriebs-, Werbe- und Abgabeverboten bestückt sind. Also angesichts der Tatsache, dass Gewalt oder Krieg verherrlichende Spiele sowieso verboten sind, dürfte die Frage im Raum stehen, welche Spiele nun unter diesen Gummiparagraphen fallen. Der Interessensverband BitKom bezeichnet die Regelung damit zu Recht als

“ausgesprochen interpretationsfähige und nicht zuletzt durch das subjektive Empfinden des jeweiligen Nutzers geprägte Begrifflichkeiten”.

Man darf gespannt sein, welche Spiele in Zukunft unter diese Regelungen fallen…

Computerspiel Schuld am 11.September

Die internationale Kritik an Computerspielen hat einen neuen Höhepunkt: In dem angekündigten Film Moral Kombat wird neben dem üblichen Hinweis auf die Gewalt in Computerspielen auch wieder der Verweis auf den 11. September und den Microsoft Flugsimulator aufgebauscht. Wie schön, dass man alles auf Computerspiele schieben kann – und interessant was ich nach der Theorie alles kann: U-Boote steuern, Kampfjets oder Hubschrauber fliegen, mit dem Schwert oder auch Magie finstere Drachen besiegen, Städte aufbauen, die Weltherrschaft übernehmen, Fremde Welten erkunden, Großunternehmen aufbauen – wow, wieso studiere ich eigentlich noch? Alles was ich zum Leben brauchte habe ich – nach deren Theorie – ja schon durch Computerspiele gelernt. Achja, über die laschen Waffengesetze als Ursache für Gewalt in den USA haben die Filmmacher natürlich nichts gesagt… Weiterlesen

Updates einiger Beiträge

Hier einige aktuelle Meldungen zu zwei älteren Berichten von mir – zwar hat sich (wahrscheinlich) diese Änderung nicht durch mich ergeben, aber interessant ist es dennoch zu beobachten, wie sich etwas entwickelt 😉

Zum Artikel “Kinderrechte ins Grundgesetz” vom 20. September:
Die Forderung danach Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen hat sich wohl durchgesetzt. Neben von der Leyen haben sich Vertreter aller Parteien positiv dazu geäußert.

Die Vorsitzende der Kinderkommission im Bundestag, Miriam Gruß (FDP), erklärte: “Wir müssen zeigen, dass das Kindeswohl für uns an erster Stelle steht. Und was gebe es da Schöneres, als mit einer überwältigenden Mehrheit im Bundestag für die Kinderrechte zu stimmen?

Wäre schön, wenn dem so wäre und sich dann natürlich auch in praktischer Politik niederschlägt.

Ansonsten hat Frontal 21 auf des Video reagiert, in dem die fehlerhafte Berichterstattung der Medien aufgelistet wurde. In dem fünfseitigen PDF Dokument versucht die Redaktion m.E. einfach anhand einzelner Beispiele die tendenziöse Darstellung rechtfertigt.

Killerspiele – einige Klarstellungen

Killerspiele sind ja eine tolle Zielscheibe für Politiker und die Lösung für alle Probleme mit gewalttätigen Jugendlichen – wenn man den Medien glauben darf. Dass man dies nicht sollte, zeigt folgendes Video, welches einigen Blödsinn richtigstellt (meine Lieblingsstelle: World of Warcraft (Fantasy Rollenspiel) mit Battlefield (Taktik-Shooter) verwechselt!)

[youtube R9JRm3iQQak]

Update: Frontal 21 hat mit einem PDF Dokument geantwortet – siehe Beitrag.

Bayerns Bundesratsinitiative zu “Killerspielen”

Lange war es um die bösen und gefährlichen “Killerspiele” ruhig geworden, aber nun hat der angezählte Ede aus Bayern das Thema wieder aufgegriffen und die bayerische Landesregierung hat eine entsprechende Bundesratsinitiative beschlossen.

Der Beschluss umfasst dabei acht Eckpunkte:

1. Verbot virtueller Killerspiele im Strafgesetzbuch
2. Verbot real nachempfundener Killerspiele wie Gotcha, Paintball oder Laserdrome im Ordnungswidrigkeitenrecht
3. Verbot offensichtlich schwer jugendgefährdender Filme und Computerspiele
4. Vermiet- und Verleihverbot indizierter jugendgefährdender Filme und Computerspiele
5. Verbesserungen bei der Freiwilligen Selbstkontrolle
6. Erhöhung des Bußgeldrahmens bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz
7. Verbesserungen bei Internet, Fernsehen und Online-Spielen durch Änderung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages der Länder
8. Initiative im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit

Gucken wir uns diese doch zunächst einmal in aller Kürze an, bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, wie sinnvoll (oder eher sinnlos) das Ganze eigentlich ist. Zur Begrifflichkeit “Killerspiele” empfiehlt sich noch ein Artikel bei Telepolis 😉
Punkte 1 und 2 sind abgesehen von meiner Ablehnung eines solchen Verbotes schon aus einem einfachen Grund ziemlich blödsinnig, wie Heiko auch in seinem Affenhaufen Blog schreibt, denn:

virtuelle Killerspiele im PC werden ggfs. mit
Gefängnisstrafe belegt, in der Realität auf einen anderen Menschen zu
schießen wird zur Ordnungswidrigkeit. Man wird also kostenpflichtig
verwarnt bzw. bekommt einen Bußgeldbescheid.

Punkte 3 und 4 richten sich weniger an den Jugendschutz, sondern an den Erwachsenenschutz, denn “schwer jugendgefährdender Filme und Computerspiele” können indiziert und damit nur über 18 Jährigen zugängig gemacht werden – und diese sollten doch eigentlich damit umgehen können, oder? Zumindest wird 18jährigen Männern schon automatisch eine Waffe in die Hand gedrückt!

Gegen Punkte 5 und 6 habe ich nichts und bei 7 vielleicht auch nicht mal. Dass man die FSK verbessert mag noch in Ordnung sein und Erwachense zu bestrafen, die sich nicht an die Jugendschutzregelungen halten finde ich auch okay. OPunkt 8 ist wie Punkt 7 so schwammig, dass ich da nix zu sagen kann.

Aber immerhin hat die CSU es jetzt wieder geschafft für schwere Probleme eine einfache Lösung zu finden. Anstatt die sozialen Probleme anzugehen, die junge Menschen ausgrenzen oder das Gefühl geben Verlierer zu sein, wird eine Jugendkultur angegriffen, nur weil einige Wenige nicht damit umgehen können.

Natürlich können Computerspiele negative Einflüsse auf (junge) Spieler haben, soziale Isolation, Suchtsymtome oder Vernachlässigung der Schule sind solche Aspekte, die man durchaus ernstnehmen und angehen muss. Das Gefühl im Spiel als “Gewinner” herauszugehen kann als positive Erfahrung im Vergleich zur Lebensrealität, wo dies nicht so einfach möglich ist, zwar auch zur Steigerung des Selbstwertgefühls, aber eben auch zum Verlust der Verbindungen in die Realität führen. Dies hat mit “Killerspielen” aber wenig zu tun, denn auch ganz humane Spiele können hierzu führen, als Beispiele mögen Onlinerollenspiele, aber auch Klassiker wie Civilization herhalten, die eine Suchtwirkung aufbauen können. Entscheidend hierfür ist etwas eigentlich völlig normales: Medienkompetenz – insbesondere der Eltern. In einem Zeitungsartikel vor einiger Zeit wurde gefragt, wo denn die Eltern in dieser ganzen Frage sein? Müssten Sie nicht kontrollieren, wieviel und vor allem wie oft die Kinder vor dem Rechner sitzen? Natürlich kennen diese sich nicht alle in der Welt der Computerspiele aus, aber selbst wenn es nur eine zeitliche (keine inhaltliche) Kontrolle gibt, dürften selbst grässliche “Killerspiele” keine alzugroße Wirkung haben.

Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen stellte dazu Ende November in einem Interview mit dem Tagesspiegel fest:

Unser Problem ist, dass unsere Schule zu sehr auf Wissensvermittlung setzt und zu wenig auf soziales Lernen. Die Nachmittagsgestaltung der Schulen müsste unter der Überschrift „Lust auf Leben wecken“ stehen. Wir vermitteln den Kindern zu wenig Möglichkeiten zum Austoben und bieten ihnen damit zu wenig Anerkennungs- chancen. (…) Schon bei der frühen Aufteilung der Kinder auf Hauptschule, Realschule oder Gymnasium sind wir auf einem falschen Kurs, weil die Hauptschüler zu diesem Zeitpunkt schon mitgeteilt bekommen, dass sie Verlierer sein werden.

Er fordert des Weiteren auch verstärkte Kontrolle der Eltern und eine Verbesserung der Vorhanden Jugendschutzmechanismen – auch heute wieder in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung. Ich muss sagen, dass ich dagegen auch nichts habe. Jugendschutz bedeutet nunmal die Jugend zu schützen und dann muss auch nicht alles (auf normalem Wege) zu bekommen sein, aber ein allgemeines womöglich noch pauschales Verbot Spielen solcher Art.

Denn eins sollte man auch nicht vergessen: Verbote sind auch anziehend und irgendwo wird ein Jugendlicher immer auf so ein Spiel stoßen können, denn beispielsweise das Internet hört nicht an der deutschen Grenze auf. Und momentan erlebt man das ein oder andere mal ja noch, dass ein Spiel extra für den deutschen Markt entschärft wurde, um einer verschärften Jugendkontrolle zu entgehen. Das führt dann soweit, dass in Strategiespielen keine menschlichen Soldaten, sondern Roboter aufeinander schießen, aber mich hat es zumindest nie gestört 🙂

Im übrigen gab es Kinder- und Jugendliche, die auf einander schießen doch auch schon immer, oder? Als Kind habe ich auch Räuber und Gendarm gespielt, wo man auch mit Spielzeugpistolen oder der “Handpistole” aufeinander geschossen hat und der andere “tot” war. Man mag darüber und über “Killerspiele” ja halten, was man will, aber ich bezweifle deren starke schädigende Wirkung für die Gesellschaft.

Und damit dann zum Abschluss noch eine provokante Frage, die Markus Reschke in seinem Blog aufgeworfen hat:

Warum kümmert man sich so stark um das Verbot von Killerspielen zur
Vermeidung von Amoklaüfen, durch die verhältnismäßig nur wenige
sterben, wenn z.b. durch die Folgen des Passivrauchens deutlich mehr
Menschen sterben? Und was wurde aus dem Rauchverbot, welches mir
weniger in den Medien prässent erschien als Killerspiele?

Eine wie ich finde mehr als berechtige Frage. Betrachten wir doch einfach die Zahlen: 2006 ist eine Person in Elmsdetten durch “Killerspiele” gestorben (und das war die Selbsttötung des Täters), davor 2002 nochmal 16 Personen. Es wurden mindestens 37 Personen verletztend und sicherlich einige hundert in Panik und Angst versetzt, was ich alles nicht herabreden will. Passivrauchen hingegen tötet jährlich geschätzte 3.000 Menschen und wie reagiert die Politik? Mit butterweichen Regelungen, da man die Wirtschaft ja nicht schädigen wollte. Mal abgesehen davon, das selbst eine Pub-Kultur wie Irland Rauchverbote haben und damit besser fahren als vorher, zeigt sich, dass hier reiner Populismus gegen eine Gruppe von Menschen und Unternehmen am Werk ist, die nicht eine so starke Lobby haben, wie unsere Raucher. Nach der Logik der bayerischen Staatsregierung müsste es hier übrigens nicht nur ein Rauchverbot in öffentlichen Gaststätten geben, sondern das Rauchen würde komplett verboten!