TagArbeitslosigkeit

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Discounter und Arbeitnehmerrechte
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Nokia zieht sich aus Bochum zurück
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Linktipps 02.11.2007

Discounter und Arbeitnehmerrechte

Heute im Tatort ging es um Discounter und die Arbeitsbedingungen in diesem Handelssegment. Ziemlich drastisch aber – wie es bei Anne Will von einer Betriebsrätin bei Lidl dargestellt – durchaus realistisch wurde deutlich, unter welchem Druck die Menschen dort zu arbeiten haben und wie schnell man den Job los ist, wenn man dann überlegt mal einen Betriebsrat zu gründen. Ich will jetzt nicht im Detail darstellen, wie die Bedingungen sind, beispielsweise kann man dies bei der LIDL Kampagne von verdi nachlesen. Aber dennoch einfach mal eine Zahl: Von 3.000 Lidl-Filialen haben nur sieben einen Betriebsrat.

Stattdessen mal zu zwei Dingen: Zum einen zu dem Hinweis, dass die Menschen ja da kaufen würden. Und bei Anne Will gab es dann auch gleich einige Leute, die interviewed wurden und – trotz offensichtlichen gutem Einkommen –  dort einkauften und sogar eher gleichgültig die Situation der Arbeitnehmer in Kauf nahmen. Diese hätten ja studieren können oder man müsse eben auch solche unteren Schichten haben. Anders als zynisch kann man das nicht nennen. Aber es wird mit der Frage an sich auch das System legitimiert. Die Frage ist doch: Wieso soll wieder der Verbraucher die Fehler ausbügeln, die die Politik zu regeln hat? Es ist doch nicht Aufgabe des Verbrauchers – der zu Recht ein Interesse daran hat, möglichst günstig einzukaufen – für vernünftige Arbeitnehmerbedingungen zu sorgen – selbst wenn er daran natürlich ein Interesse daran haben kann uns sein Einkaufsverhalten daran orientieren kann. Hauptaufgabe ist es doch, dass die Politik dafür sorgt, dass alle Menschen zu würdigen Bedingungen arbeiten können, ohne Repressionen ausgesetzt zu werden.

Aber noch eins fand ich interessant: Es interessiert nur selten jemanden, wie die Arbeitsbedingungen sind. Zum einen die Verbraucher, die günstig einkaufen wollen, aber vor allem auch nicht die Politik. Gucken wir doch mal, wann die Arbeitsbedingungen bei Lidl zu einem Thema wurden: Erst als bekannt wurde, dass dieser Discounter seine Angestellten gezielt bespitzelt, regte sich Widerstand und mediales Interesse. Die Umsätze brachen offensichtlich ein und es änderte sich was. Aber offensichtlich waren die vorherigen Zustände – beispielsweise auch bei Schlecker wo teilweise nur eine Person alleine den Laden schmeißen soll – eben nicht schlimm genug für eine mediale Skandalisierung. Auch Kampagnen von verdi und attac half da nicht und wenn man es ganz ernst nimmt bedeutet dies nichts anderes als, dass soetwas eben völlig normal oder in unserem Wirtschaftssystem eben nicht schlimm genug ist, um öffentlichen Aufruhr zu erregen. Eben weder bei Politik, Medien und damit auch nicht in der Gesellschaft.

Und ob dieser Tatort daran was ändert, darf bezweifelt werden. In Zeiten von vier Millionen Arbeitslosen ist und bleibt das Argument der Kündigung eben zu mächtig. Es profitiert eben niemand so gut von diesem Stand der Arbeitslosigkeit, wie die Arbeitgeber. Ein wichtiger Bestandteil ist es dieses Drohpotential zu entschärfen, beispielsweise mit einem bedingungslosen Grundeinkommen.

Nokia zieht sich aus Bochum zurück

Bochum-NOKIADer Handyhersteller Nokia wird sich aus Bochum zurückziehen und nach Rumänien umziehen. Betroffen davon sind 2.300 Angestellte in dem Betrieb und zusätzlich noch bis zu 1.000 Leiharbeiter und 1.000 Arbeitsplätze in Zuliefererfirmen. Momentan wird geprüft, ob sich Fördergelder an das Unternehmen zurückfordern lassen. Als Begründung gibt Nokia an, dass in Rumänien die Arbeitsplätze 10mal günstiger seien.

Linktipps 02.11.2007

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Wie sich Ägypter wechselseitig Kredite finanzieren | tagesschau.de Annotated
Das Prinzip ist so simpel wie erfolgreich: Wer in der ägyptischen Mittel- und Unterschicht heiraten will oder einen neuen Kühlschrank braucht, geht nicht zur Bank, denn die gibt ihm ohnehin nichts. Er macht eine Gameya: Er sucht sich zehn Bekannte, die bereit sind, zehn Monate lang jeweils 100 Pfund einzuzahlen. Das macht 1000 Pfund im Monat, für jeweils einen aus der Gruppe. Der Initiator bekommt als erster das Geld, dann folgen die anderen. Es gibt keine Zinsen – aber jeder hat was davon.

Statistik: Der Trick mit den Arbeitslosen – Wirtschaft – stern.de Annotated
Jubelstimmung am Arbeitsmarkt, nur noch 3,5 Millionen Menschen ohne Job. Doch langsam: In der offiziellen Statistik werden viele Personen nicht berücksichtigt – und eigentlich gibt es rund 1,4 Millionen Arbeitslose mehr. Eine echte Bilanz.

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