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Happy Birthday, Wikipedia!
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Bloss kein Wikipedia!
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Schubert angezeigt
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Linke-Vize verklagt Wikipedia

Happy Birthday, Wikipedia!

Über Spreeblick bin ich darauf aufmerksam geworden, dass die größte Online-Enzyklopädie Wikipedia nun 7 Jahre geworden ist. Am 15. Januar 2001 war die Seite als “fun-projekt” geplant unter wikipedia.com erreichbar und der Siegeszug der Seite hielt an: Ende des Jahres gab es Wikipedia bereits in 18 Sprachen, mittlerweile sind es 250. Der Umfang umfasst inzwischen mehr als 8 Millionen Seiten, in Deutschland waren es im Oktober 650.000.

180px-Wikipedia-logo-deHauptkritikpunkt von Wikipedia findet sich auch im entsprechenden Eintrag in der Enzyklopädie: Qualitätsprobleme. Durch die offene Struktur, bei der jeder Besucher auch ohne Anmeldung Beiträge ändern kann, schleichen sich entweder bewusst oder unbewusst Fehler ein. Unter unbewussten Fehlern zählt auch, dass sich womöglich Halbwissen durchsetze. Weil eben viel weniger Menschen zu bestimmten Themen Fachwissen haben, aber viele ein Halbwissen können so richtige Dinge “korrigiert” werden. Jedoch muss auch festgehalten werden, dass 2007 ein Test der Computerzeitung c’t offenbarte, dass die Fehlerquote nicht höher ist, wie beim Brockhaus oder anderen Enzyklopädien.

Zum Abschluss noch der Hinweis, dass sich Wikipedia komplett durch Spenden finanziert. Monatlich kostet der Betrieb der Server und der Angestellten rund 75.000 Dollar, die komplett durch Spenden und Sponsoren hereinkommt. Werbung auf der Seite, die inzwischen zu den 10 bestbesuchten Seiten des Internets gehört (siehe Alexa Rank), wird es allerdings nicht geben. Dieser Streit führte 2002 zu einer Abspaltung und als Reaktion darauf wurde dies für die Zukunft ausgeschlossen. In dem Sinne kann man wohl noch lange werbefrei dort mal schnell einen Überblick über ein bestimmtes Thema bekommen. Für mehr sollte dann aber m.E. noch immer zu einem guten Buch greifen – und unter Hausarbeiten hat Wikipedia nichts zu suchen 😉

Bloss kein Wikipedia!

Diesen Aufruf bekommt man in den ersten Semestern an der Uni regelmäßig um die Ohren gehauen, wenn es um die Auswahl von wissenschaftlichen Quellen geht. Dennoch soll es noch immer Studierende geben, die noch bei der Diplomarbeit als Quelle “www.google.de” oder “www.wikipedia.de” angeben – und zwar genauso. Ob für Journalisten die gleichen Regeln gelten, sei mal dahingestellt, aber dieser Bericht zeigt da schon seltsame Übereinstimmungen bei einer fingierten Fehlmeldung. Im übrigen hier wiedermal interessant, auf welchen Wegen man in der Blogoshäre auf Bekannte aus alten Schulzeiten trifft 😀 (via Stefan Niggemeier)

Schubert angezeigt

Auch wenn die stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei ihre Anzeige gegen Wikipedia bereits zurückgezogen hatte, könnte diese PR Aktion größere Folgen für sie haben: Der Rechtsanwalt Gravenreuth, der vor allem für Abmahnungen oder früher für die Verteidigung des Urheberrechts bekannt ist, hat nun seinerseits Anzeige gegen Katina Schubert gestellt. Sein Vorwurf: Die Anzeige gegen Wikipedia erfülle den Straftatbestand der Falschen Verdächtigung. Hintergrund ist, dass nach Gravenreuth eindeutig sei, dass die Wiedergabe von historischen Dokumenten in einer Enzyklopädie wie Wikipedia eben nicht strafbar ist und dies der Anzeigerin auch als stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei bekannt sei. Dennoch ist der Fall seltsam, weil Gravenreuth nicht grade Freund von Wikipedia ist, aber es scheint als wären die Aversionen gegen die Linkspartei größer. (Quelle)

Linke-Vize verklagt Wikipedia

Momentan scheint es “in” sein zu zu klagen, denn nun hat die stellvertretene Vorsitzende der LINKEN Klage gegen Wikipedia eingereicht wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole:

Es kann und darf nicht sein, dass Einträge aus NS-Quellen zitieren und weit über das, rechtlich geschützte, Maß an Aufklärung hinaus Materialien und Kennzeichen verfassungsfeindlicher und verbotener Organisationen Verwendung finden.

Als Beispiel führt sie den Artikel der Hitler Jugend an, der neben der Flagge auch weitere Symbole der nationalsozialistischen Jugendorganisation, auch andere Insignien und Zeichen der Partei zeigte (hier Link zu älterer Version). Sie fordert von Wikipedia Standards einzuführen, die verhindern, dass soetwas passiert – wie dies bei einem offenen System wie dem Wiki passieren soll, kann sie uns aber natürlich nicht erklären.

In dem Zusammenhang kann ich das so auch nicht nachvollziehen. Okay, ich habe den Text nicht gelesen und kann damit nicht abschätzen, wieviel rechter Müll dort drinsteht, aber grade diese Artikel stehen bei Wikipedia unter besonderer Beobachtung und auch wenn Wikipedia besser sein soll, als der Brockhaus, würde ich im Fall der Fälle doch lieber noch andere Quelle hinzuziehen. Das Benutzen von verfassungsfeindlichen Symbolen ist im übrigen auch nicht verboten, wenn es darum geht hierüber zu informieren:

[Das Verbot] gilt nicht, wenn das Propagandamittel oder die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.

Ansonsten wären alle Geschichtsbücher entsprechend verboten und auch Guido Knopp würde wohl schon im Gefängnis sitzen, da seine Dokumentationen ja oft über das Dritte Reich berichten und dementsprechend öfter mal ein Hakenkreuz auftaucht. Aber so wie es in solchen Fällen gedacht ist, sollte man es bei Wikipedia eben auch betrachten.

Fakt ist jedenfalls, dass die Parteivize auch innerparteilich auf Widerstand stößt. Für mich ist die Aktion eher eine PR Aktion, denn sonst wäre es sicher angemessener gewesen mit Wikipedia Deutschland Kontakt aufzunehmen und diese Kritikpunkte zu nennen – Zielführender wäre es sicher gewesen, als eine Pressekonferenz und eine Strafanzeige.