„Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern…“

Man hat ja schon viel über das Sterben der Zeitungen geschrieben und gesprochen. Ich weiß nicht, wie alt obenstehendes Zitat ist, aber eigentlich ist heutzutage ja oft schon die Zeitung von heute veraltet, wenn man sie bekommt. Vieles hatte man im Internet oder Fernsehen schon weiter nach verfolgen können. Für einige ist Zeitungslesen dann noch ein morgendliches Ritual, andere – wie ich – schätzen gute Reportagen, Kommentare und eben, dass man außerhalb seiner Filter-Bubble noch anderes mitbekommt. Dennoch: Die Zeitung steht im Wettstreit mit anderen Medien.

Umso unverständlicher, dass die WAZ nun auf einen Teil der Leser verzichten mag:

„Bedingt durch unvermeidliche Logistikänderungen können wir Ihnen Ihre Zeitung ab dem 1. Juni 2013 leider erst am nächsten Werktag nach dem Erscheinungstag zustellen“, heißt es in einem Schreiben an die Abonnenten, das MEEDIA vorliegt.

Also man bekommt keine Nachrichten, die bis zu 24 Stunden alt sind: Nein! Die Nachrichten sind nun 24-48 Stunden alt, wenn man sie in den Händen hält. Um es mal deutlich zu machen: Manche Skandale oder Themen sind nach einem Tag schon wieder verschwunden oder sehen ganz anders aus.

Gut, diese Angelegenheit betrifft offenbar „vornehmlich“ Menschen außerhalb des WAZ Gebietes – ganz klar ist das nach Meedia Artikel wohl nicht. Aber schon ein weiterer Schritt Richtung Bedeutungslosigkeit von Papiermedien. Da hilft das ePaper Angebot auch nur begrenzt – oder streben Zeitungen nun auf digital-only Varianten zu?

Umgang mit „Geheimdossiers“ bei Zeitungen: Urheberrecht und Steueroasen

Es ist schon ziemlich seltsam, was man auf dem WAZ Rechercheblog lesen kann. Dass dem Verteidigungsministerium nicht gefällt, dass im November letzten Jahres viele geheime Daten aus dem Bundestag zum Afghanistankrieg veröffentlicht wurden, ist klar. Nun geht das Ministerium aber juristisch dagegen vor:

Mit Bezug auf das Urheberrecht will das Ministerium nun diese Unterlagen aus dem Internet löschen lassen.

Mit dem Urheberrecht? Gegen Journalisten? Bei staatlichen Dokumenten? Geheimnisverrat zählt ja nicht, weil die WAZ diesen ja nicht begangen hat. Daher dann Urheberrecht.

Problematisch dürfte aus meinem Laienverständnis vor allem der Volltext sein. Würde die Zeitung nur Zitate präsentieren und mit diesen Arbeiten, könne man nichts dagegen sagen. So aber schon. Ob es durchgeht oder nicht, wird am Ende vielleicht ein Gericht entscheiden. Die WAZ hat jedenfalls angekündigt der Forderung nicht nachzugeben. Ich habe mir die Daten jedenfalls schon mal gesichert.

Persönlich finde ich, dass geleaktes Material öffentlich bleiben sollte. Wie sonst soll man sich ein persönliches Bild machen? Sonst unterliegt man am Ende nur der Auswahl der Medien.

Darum finde ich auch nicht ganz unproblematisch, wenn die Süddeutsche sich nun weigert, Daten aus dem Dossier zu Steueroasen an den Staat weiter zu geben. Heribert Prantl sagt hierzu:

Behörden können ihren Nutzen aus dem veröffentlichten Material ziehen wie jeder andere auch; aber Behörden haben kein Recht auf Sonder-, Extra- und Geheimlieferung. Würden staatliche Ermittlungen auf noch nicht veröffentlichtem, aber weitergegebenem Material beruhen, das Journalisten den Behörden offeriert haben – dann könnte darüber nicht mehr unbefangen berichtet und kommentiert werden.

Die Medien sind nicht die Hilfsorgane von Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung, Journalisten keine Hilfspolizisten. (…) Die Presse wird bisweilen als vierte Gewalt bezeichnet; das ist übertrieben. Aber wenn man bei dieser Terminologie bleiben will: Es gilt dann auch hier die Gewaltenteilung.

Ich weiß nicht genau, wie die SZ nun damit umgehen will. Natürlich müssen Informanten geschützt werden. Und wenn die veröffentlichten Informationen dann auch ausreichen, um die Steuersünder in Deutschland aufzutreiben, dann soll mir das auch Recht sein. Aber das ist das Minimum, was es geben sollte. Ansonsten hat er mit einem Satz am Ende allerdings vollkommen Recht:

Die Staatsgewalten haben ganz andere Mittel und Möglichkeiten als die Presse, um gegen Steuervermeidung, Steuerflucht und Steuerbetrug vorzugehen. Die Staatsgewalten haben ganz andere Mittel und Möglichkeiten, Geldströme zu kontrollieren. Sie müssen nur wollen, sie müssen es nur tun. Sie müssen damit beginnen.

Eine Forderung, die man nur unterstützen kann.

Generell zeigt sich aber, dass „geleakte“ Daten nicht nur ein moralisches Problem, sondern – ganz abseits von dem Geheimnisverrat – auch juristische Fragen aufwirft.

Grafiken politisch gefärbt?

Heute morgen war in der WAZ ein Artikel zur Skepsis in der Bevölkerung zur Energiewende. Hier kann man ihn auch noch im Internet nachlesen. Ich will jetzt nicht riesig auf das Ergebnis der Studie eingehen. Dafür steht mir auch zu wenig überraschendes hin. Natürlich sind im Ruhrgebiet soziale Probleme und Arbeitslosigkeit ein drängenderes Problem, als die Energiewende. Und das der Atomausstieg – wo er verabschiedet wurde – kein großes Thema mehr ist, ist auch nicht wirklich überraschend. Aber ich blogge eigentlich wegen etwas anderen. In der Zeitung finden sich auch Grafiken. Hier mal ein Teil davon: Weiter lesen „Grafiken politisch gefärbt?“

Aktion gegen Netzsperren

Morgen ab 16 Uhr wird die Grüne Jugend auf der Bahnhofstraße eine Aktion gegen Netzsperren durchführen und damit gegen die Gesetzgebung der Großen Koalition protestieren und deren Unsinnigkeit deutlich machen.

Als einziger Kandidat hatte im übrigen nur Robert Zion dies bei den WAZ-Drei-Gründe-Sie-zu-Wählen genannt: (siehe auch Grünes Gelsenkirchen)

3. Internetsperren und Vorratsdatenspeicherung gehören zurückgenommen, der Überwachungswahn gestoppt. Zudem brauchen wir auf Bundesebene mehr direktdemokratische Elemente wie Bürgerentscheide und Volksbegehren.”

Besonders interessant Marco Buschmann von der FDP, der mit:

Um ein Signal zu setzen a) gegen die Große Koalition, b) für eine Entlastung der Menschen in diesem Land und c) für junge Menschen mit Mut und Tatkraft

richtig inhaltliche Argumente bot. Aber was soll man auch von jemandem erwarten, der Hartz IV Steigerungen ablehnt, weil manche Menschen so wenig verdienen, dass sie dann weniger als ein Arbeitsloser hätten, und gleichzeitig Mindestlöhne ablehnt?

Interview mal umgekehrt

Wer die WAZ in Gelsenkirchen kennt, kennt Lars-Oliver Christoph – zumindest dessen Kürzel „loc“ dürfte einem nach 14 Jahren Lokalredaktion doch begegnet sein. In der Politik ist er jedenfalls bekannt wie ein bunter Hund – mal ärgert man sich1 und mal freut man sich – so ist das mit den Medien. Gefreut habe ich mich, als ich über Dennis folgendes Interview mit eben diesem Journalisten gefunden habe, welches von Gelsenkirchener Geschichten geführt wurde.

Das Interview dauert 45 Minuten, aber wer mehr über „loc“ wissen möchte oder auch die Praxis journalistischen Arbeitens wissen will, sollte es nicht verpassen. Im übrigen auch mit interessanten Aussagen zur Schließung der Burschen Zeitung oder dem Verhältnis von Zeitungen und neuen Medien. 

  1. vielleicht auch, weil er den wunden Punkt getroffen hat :D []

Guten Tag, Herr Berger Feld!

Grade bei der Recherche für einen anderen Artikel ist mir auf den Seiten der WAZ etwas seltsames begegnet, dass natürlich gebloggt werden muss:PersonenGelsenkirchen Im WAZ Portal DerWesten findet man auf den Lokalseiten rechts eine Liste von Personen, die am meisten in der Zeitung genannt werden. Es ist da auch klar, dass unser Herr Oberbürgermeister Frank Baranowski vorne liegt, direkt gefolgt (mit einigem Abstand) vom grünen Dezernent für Sport, Jugend, Schule und Kultur1 und auch Jugendamtschef Wissmann sowie CDU Fraktionsvorsitzender Werner Wöll tauchen in der Liste auf. In der Mitte aber ein neuer Shooting Star der Gelsenkirchener Prominenz: Berger Feld. Also ich weis nicht, wie die diese Liste erstellen, aber das Berger Feld ist eben ein Gebiet in Gelsenkirchen, aber definitiv keine Person und wer bei uns kritisiert, dass unter Aktuelles die Einladung zur letzten Mitgliederversammlung steht (eben als letzte Pressemitteilung) muss sich diesen Hinweis auch gefallen lassen :D

  1. offiziell heißt das sicher anders, aber ist jetzt auch egal []