Wenn man als Kunde sein Produkt nicht nutzen kann…

Heute habe ich mich richtig geärgert. Neben einigen Arbeiten an der Grünen Homepage wollte ich eine Folge LOST laufen lassen auf dem zweiten Monitor. Bei manchen Arbeiten geht das ja ganz gut. Mal abgesehen davon, dass ich erstmal ein Programm suchen musste, was dies bei Blu-Rays unter Windows 8 ermöglicht1, tauchte schließlich folgendes Bild auf:

rechte

Kurz gesagt: Ich darf den Film auf meinem zweiten Monitor nicht abspielen, weil dieser nur per VGA angeschlossen ist, anstatt mit einem anderen digitalem Kabel. Das Ganze ist eine Art Kopierschutz, um zu verhindern, dass sich etwas dazwischen schaltet. Wieder einmal bin ich als Käufer der Dumme, weil die Hersteller in ihrer paranoiden Art annehmen damit irgendetwas verhindern zu können.

Eine Blu-Ray über analog aufzunehmen ist doch schon ziemlicher Blödsinn. Immerhin geht Qualität verloren. Wenn man einen solchen Film kopieren wollte gibt es sicherlich bessere und sinnvollere Methoden. Ich habe jetzt zwar nicht gesucht, aber ich bin mir sicher, dass es schwereres gäbe. Und vor allem: Wenn es drauf ankäme, würde ich die Folgen der Serie oder den Film auch auf anderem Wege erhalten.

Stattdessen kann ich mir die Folgen – zumindest nicht ohne Umwege – nicht einfach so angucken. Bin darum jetzt auf Laptop und Fernseher umgestiegen, anstatt den PC zu nutzen. Und ein gutes hat es auch: Über den Kauf einer Blu-Ray Software muss ich mir keine Gedanken machen.

Aber im Ernst: Wieder ein Beispiel dafür, dass ein ehrlicher Käufer der Dumme ist. Hinzu kommen noch Werbung für irgendwann total veraltete Filme, Warnhinweise verschiedenster Art und ein Video in dem dem Käufer einer DVD lange gezeigt wird, dass er im Knast landet, wenn er ihn kopiert. Sehr nett. Manche sagen inzwischen Danke – finde ich angemessener als nach dem Kauf nochmal mit dem Verdacht besehen zu werden, den Film nur kopieren zu wollen.

Vor einiger Zeit geisterte dazu ein Bild im Netz umher:

GxzeV

Oben der Ablauf, wenn man eine kopierte DVD hat: Einlegen und der Film läuft. Darunter die Kopie: Viel Werbung und Hinweise, bis der Film startet.

Bisher konnte ich mit dem Kram leben und ich werde auch jetzt nicht plötzlich anfangen Kram aus dem Netz zu laden oder sonst was. Aber die Filmindustrie braucht sich dabei echt nicht wundern, wenn Leute sich dann eher illegalen Angeboten zuwenden, wenn man das legale nicht nutzen kann.

  1. ist eine Testversion geworden []

Umgang mit „Geheimdossiers“ bei Zeitungen: Urheberrecht und Steueroasen

Es ist schon ziemlich seltsam, was man auf dem WAZ Rechercheblog lesen kann. Dass dem Verteidigungsministerium nicht gefällt, dass im November letzten Jahres viele geheime Daten aus dem Bundestag zum Afghanistankrieg veröffentlicht wurden, ist klar. Nun geht das Ministerium aber juristisch dagegen vor:

Mit Bezug auf das Urheberrecht will das Ministerium nun diese Unterlagen aus dem Internet löschen lassen.

Mit dem Urheberrecht? Gegen Journalisten? Bei staatlichen Dokumenten? Geheimnisverrat zählt ja nicht, weil die WAZ diesen ja nicht begangen hat. Daher dann Urheberrecht.

Problematisch dürfte aus meinem Laienverständnis vor allem der Volltext sein. Würde die Zeitung nur Zitate präsentieren und mit diesen Arbeiten, könne man nichts dagegen sagen. So aber schon. Ob es durchgeht oder nicht, wird am Ende vielleicht ein Gericht entscheiden. Die WAZ hat jedenfalls angekündigt der Forderung nicht nachzugeben. Ich habe mir die Daten jedenfalls schon mal gesichert.

Persönlich finde ich, dass geleaktes Material öffentlich bleiben sollte. Wie sonst soll man sich ein persönliches Bild machen? Sonst unterliegt man am Ende nur der Auswahl der Medien.

Darum finde ich auch nicht ganz unproblematisch, wenn die Süddeutsche sich nun weigert, Daten aus dem Dossier zu Steueroasen an den Staat weiter zu geben. Heribert Prantl sagt hierzu:

Behörden können ihren Nutzen aus dem veröffentlichten Material ziehen wie jeder andere auch; aber Behörden haben kein Recht auf Sonder-, Extra- und Geheimlieferung. Würden staatliche Ermittlungen auf noch nicht veröffentlichtem, aber weitergegebenem Material beruhen, das Journalisten den Behörden offeriert haben – dann könnte darüber nicht mehr unbefangen berichtet und kommentiert werden.

Die Medien sind nicht die Hilfsorgane von Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung, Journalisten keine Hilfspolizisten. (…) Die Presse wird bisweilen als vierte Gewalt bezeichnet; das ist übertrieben. Aber wenn man bei dieser Terminologie bleiben will: Es gilt dann auch hier die Gewaltenteilung.

Ich weiß nicht genau, wie die SZ nun damit umgehen will. Natürlich müssen Informanten geschützt werden. Und wenn die veröffentlichten Informationen dann auch ausreichen, um die Steuersünder in Deutschland aufzutreiben, dann soll mir das auch Recht sein. Aber das ist das Minimum, was es geben sollte. Ansonsten hat er mit einem Satz am Ende allerdings vollkommen Recht:

Die Staatsgewalten haben ganz andere Mittel und Möglichkeiten als die Presse, um gegen Steuervermeidung, Steuerflucht und Steuerbetrug vorzugehen. Die Staatsgewalten haben ganz andere Mittel und Möglichkeiten, Geldströme zu kontrollieren. Sie müssen nur wollen, sie müssen es nur tun. Sie müssen damit beginnen.

Eine Forderung, die man nur unterstützen kann.

Generell zeigt sich aber, dass „geleakte“ Daten nicht nur ein moralisches Problem, sondern – ganz abseits von dem Geheimnisverrat – auch juristische Fragen aufwirft.

Leistungsschutzrecht im Bundesrat

Vor einigen Tagen hatte ich bereist über das Leistungsschutzrecht geschrieben: Unsinn im Bundestag. Nun hat das Gesetz auch den Bundesrat passiert. Ursprünglich war ja geplant, das Gesetz dort in den Vermittlungsausschuss zu geben, um den Protest der Länder zu institutionalisieren und mit viel Glück vielleicht gar zu verhindern. Nun sagt die SPD sinngemäß: „Nö, macht ja alles keinen Sinn. Wir lassen das durchlaufen und machen nach der Wahl ein neues Gesetz“. Meine Meinung dazu und insbesondere auch mal darum, warum nicht GRÜN, sondern nur die SPD es vermurkst gibts im meinem (partei-)politischem Blog. Kurz zusammengefasst:

  • Verhalten der SPD nicht nur inhaltlich, sondern auch vom verfahren absolut unverständlich.
  • GRÜNE sind weiterhin für einen Vermittlungsausschuss
  • Bundesrat kann aber nur Einspruch einlegen. Bei Uneinigkeit ist eine Enthaltung angesagt. Da man Zustimmen muss für einen Vermittlungsausschuss ist das in diesem Fall negativ.
  • GRÜNE können damit nicht viel machen, anstatt mit SPD diskutieren. Koalitionsbruch wäre überzogen angesichts des unsicheren Ausgangs.
  • Auch Piraten würden darauf keine Antwort haben

Zum Abstimmungsergebnis und der GRÜNEN Positionen habe ich auch etwas geschrieben oder siehe die Pressemitteilung der Landtagsfraktion oder von Malte Spitz

 

Unsinn im Bundestag

Heute wird im Bundestag wahrscheinlich das unsinnigste Gesetz seit langem verabschiedet. Damit meine ich nicht mal inhaltlich – da gab es einigen Unsinn in den letzten Jahren – aber das Leistungsschutzrecht setzt dem ganzen die Krone auf.

Ursprünglich kam das Gesetz auf, weil die Zeitungsverlage es unfair fanden, dass man bei Google News ihre Meldungen sehen kann, aber die Leute nicht mehr auf die Seite gehen, Google aber mit der Werbung Geld verdient. Mag jetzt arg verkürzt sein, aber ich komme vielleicht gleich noch mal drauf zurück.

Erst stand im Raum, ob ich für Links, wie gerade beim iWatch Artikel zu Spiegel schon zahlen müsste, aber das Gesetz bezieht sich jetzt ganz eindeutig auf gewerbliche Anbieter von Suchmaschinen oder gewerbliche Anbieter von Diensten“ (hier der Gesetzentwurf) – kurz es hatte den Titel „Lex Google“ erhalten.

Nach einer Anhörung soll das Gesetz nun durchgepeitscht werden und wird noch schwammiger, denn es wird geändert, so dass „einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte“ erlaubt sind. Die entsprechende Änderung hier.

Screenshot von Google News
Screenshot von Google News

Wenn man sich nun den Screenshot bei Google News anguckt: Ist das nun ein „kleinster Textausschnitt“? Ich denke schon. Aber am Ende muss die Definition wohl ein Gericht treffen. Und wenn dem so ist: Wieso dann noch das Gesetz? Google wäre dann ja als wahrscheinlich größter News-Aggregator raus.

Bei Spiegel Online wird folgendes vermutet:

Das betrifft etwa Smartphone-Apps wie „Flipboard“ und „Pocket“, die aus ganzen Texten eine personalisierte digitale Zeitung basteln. Doch auch hier ist unklar, ob das Kalkül aufgeht, dass die Anbieter Geld an Verlage zahlen – oder ob sie einfach ihr Angebot in deutschen App-Stores einfrieren.

Ob die nun soviel damit verdienen, dass es ein eigenes Gesetz geben müsste, lasse ich mal dahin gestellt, aber das Gesetz verliert eben seinen Sinn. Was wird denn jetzt geschützt? Und vor allem wieviel soll es bringen?

Das Problem ist doch, dass Leute immer weniger bereit sind für Informationen zu bezahlen. Oder sagen wir lieber für Zeitungen und Zeitschriften. Ich weiß nicht, wie alt der Spruch ist, dass nichts so alt ist, wie die Zeitung von gestern, aber das ist heute umso richtiger. Darum setzen Zeitungen auch immer mehr auf den Onlinemarkt. Aber hier ist es offensichtlich auch nicht leicht Geld zu machen.

Mir hatte sich der Sinn zu Beginn schon nicht erschlossen. Wäre ich Google, hätte ich dann einfach die Seiten rausgenommen, die Knete haben wollen. Vielleicht nicht ganz fair, aber bei der Position dieser Suchmaschine verständlich. Irgendwie wollen ja die Seiten auch gefunden werden.

Und nun bekommt man ein Gesetz, wo man weder weiß wer betroffen ist und wie lang denn ein Text nun sein darf. Und noch interessanter: Wieso werden nur bestimmte Texte besonders geschützt. Und überhaupt: Wieso reicht Zitatrecht und Urheberrecht nicht aus? Wer einfach Texte von anderen zur Verfügung stellt, macht sich doch schon dem Urheberrechtsverstoß schuldig.

Diese Unsicherheiten überlassen den Gerichten die Entscheidungen, wer betroffen ist, warum und schaffen nur neue Abmahnwellen. Die Digitale Gesellschaft hat in einer Pressemitteilung die Risiken auf den Punkt gebracht:

“Aber was ist, wenn Blogger von Gerichten als kommerzielle Medienangebote angesehen werden, was in der Regel schon der Fall ist, wenn sie einen Flattr-Button zur Refinanzierung ihrer Serverkosten eingebaut haben?” kritisiert Markus Beckedahl, Vorstand des Digitale Gesellschaft e. V.. “Dass man den Verlegern ein Leistungsschutzrecht versprochen hat, ist für uns kein Argument, ein schlechtes Gesetz mit ungewissen Auswirkungen auf das Internet und seine Nutzung auf den Weg zu bringen.”

So wird morgen zwischen 9 und 10 dieser Unsinn mit Stimmen von CDU/CSU und FDP verabschiedet und selbst Kritiker des Gesetzes wie Volker Kauder werden dort fleißig die Hand heben – nur 6 Leute aus den Koalitionsfraktionen werden dieses Gesetz ablehnen. Schade, Mitdenken wäre manchmal doch wünschenswert und ein vernünftiger Urheberrechtsschutz – nicht nur für Journalisten – wäre ein sinnvolleres Projekt als dieses Gesetz. Aber daran wird nicht wirklich gearbeitet…

Geheimniskrämerei des “Aufklärers” Sauerlamd

Vor einigen Wochen erschienen mehrere tausend Seiten Dokumente über den Afghanistan-Krieg. Gestern brachte das Duisburger Blog xtranews 300 Seiten Anhang zu dem guten Gutachten zur Verantwortung der Stadt bei der Loveparade Katastrophe, in dem man die Genehmigungen und Schriftwechsel findet. Dem “Aufklärer” Sauerland gefiel das wohl garnicht und so ist das Blog direkt verklagt worden. Die Veröffentlichung widerspreche dem Urheberrecht. Mal ganz abgesehen von der rechtlichen Frage, ob öffentliche Dokumente und vor allem Genehmigungen beispielsweise überhaupt unter das Urheberrecht fallen, ist es auch bezeichnend, dass man sich auf dieses Recht zurückzieht und angesichts von 21 Toten so agiert. Im Law Blog wird das wie folgt bewertet:

Im Angesicht von 21 Toten mit dem Urheberrecht zu kommen und sich den Mitteln von Sony Pictures und Bushido zu bedienen, das ist unterste Schublade. Es ist wünschen, dass dieser miese Schachzug der letzte ist, mit dem Adolf Sauerland von sich reden macht.

In der WAZ wurde auch darüber berichtet und in den Kommentaren wurde auf mangelnden Datenschutz hingewiesen. Das mag man kritisch sehen, wenn einfache Sachbearbeiter und Anwohner mit ihrem Namen und ggf. der Anschrift dort auftaucht. Aber das war nicht der Kritikpunkt. Es ging nicht um eine Änderung der Veröffentlichung, es wird nicht mit Datenschutz argumentiert, sondern um das klare Verbot und die Tatsache, dass unerwünscht ist, dass sich Bürger sich ein eigenes Bild machen können.

Und genau damit schießt sich Duisburg ins eigene Bein. Es ist doch altbekannt, dass Verbote Dinge nur noch interessanter machen. Und die Dokumente sind inzwischen weit gestreut worden, wie man am bereits oben verlinkten Artikel von Netzpolitik und den Kommentaren sehen kann. Die Aufmerksamkeit ist gestiegen und die Rolle des Aufklärers Sauerland – mal abgesehen davon, dass die Aufklärung bei der Staatsanwaltschaft liegt und nicht beim OB – wird damit wieder geschwächt und unglaubwürdiger.

Neu ist diese Geheimniskrämerei allerdings auch nicht. Vor kurzem wurde bereits versucht an die Dokumente per Informationsfreiheitsgesetz in NRW heranzukommen, ohne Erfolg. Erfolgreiches Mauern auf allen Seiten.

xtranews will gegen die Einstweilige Verfügung vorgehen und bittet darum hier um Spenden.

Wenn die Urheberrechtsschützer der Urheberrecht verletzen

Eigentlich ist das Urheberrecht ja eine ganz tolle Sache: Wer etwas erstellt, soll auch das Recht an diesem Produkt haben und alleine entscheiden können, was auch immer damit geschehen darf. Im Internet wird es zunehmend schwerer dies zu kontrollieren, weshalb bei YouTube immer mal wieder Videos verschwinden, die eben Musik nutzen. Man mag darüber streiten, ob das Urheberrecht dieser neuen Technik angepasst werden müsste und man andere Wege finden muss, um den Ersteller von Produkten zu entlohnen. Eine Anpassung sind meines Erachtens die Regeln des Creative Commons. Hier gibt man unter bestimmten Bedingungen das eigene Werk frei, beispielsweise unter Namensnennung. Dennoch: Der Kampf alter Organe des Urheberrechts geht doch etwas weit.

Womöglich beim Versuch Musikvideos und ähnliches beim Videoportal Vimeo.com zu löschen ist die „Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverstößen e.V.“ nun womöglich selbst zum Verletzer der Urheberrechte geworden. Netzpolitik.org berichtet in zwei Beiträgen davon, dass diese einige Videos haben entfernen lassen. Darunter auch mehrere Folgen des Elektrischen Reporters von Sixtus oder das „Du bist Terrorist“-Video. Das Problem: Beide standen eben unter besagter Creative Commons Lizenz bzw. wurde von diesen selber reingestellt.

Auf seiner Seite beschreibt die GVU die Rechte des Urhebers wie folgt:

Nur der Urheber hat ein ausschließliches Recht an seinem Werk. […] Der Urheber entscheidet, wann und wie und ob überhaupt mit seinem Werk Geld verdient wird. Dem Urheber steht es frei, sein Werk kostenfrei jedem zugänglich zu machen. Er kann auch jedem die unbegrenzte Vervielfältigung seines Werkes erlauben. Er hat aber ebenso das Recht, den Zugang zum Werk wie dessen Vervielfältigung zu beschränken. Diese individuelle Entscheidung des Urhebers gilt es zu respektieren.

Es muss nicht zwingend respektlos sein, was da geschehen ist – um den letzten Satz des Textes mal aufzugreifen. Aber auch ohne unterstellte Absicht der GVU stellt sich doch die Frage, wie das passieren kann und wer eine solche Organisation eigentlich kontrolliert. Und angesichts der „Raubkopierer sind Verbrecher“ Kampagnen und weiteren darf man sich jetzt auch mal ganz genüsslich zurück lehnen und gespannt sein, wie nun der „Chefankläger“ in Sachen Urheberrecht mal zurechtgewiesen wird – Rechtsmittel sind jedenfalls schon in Aussicht gestellt. Urheberrecht wird eben nicht nur von den finsteren und bösen Raubkopierern verletzt, sondern offensichtlich auch von der Seite, die es sich sonst ganz groß auf die eigene Fahne schreibt. Aber vielleicht gibt es in dieser Welt keine kostenlosen Angebote und im paranoiden Wahn des Untergangs von Film- und Musikindustrie wird lieber einmal zuviel gelöscht als zuwenig?

Youtube-Viral befeuert Plattenverkäufe einer Indie-Band

Die Musikindustrie kämpft engagiert gegen Musikvideos bei YouTube, dabei gibt es doch Gegenbeispiele, wie solche Videos den Verkauf von Musik noch verstärkt:

So, instead of demanding that YouTube pull the video, the band posted a response to the ‘Kuroshio Sea’ video on the site, thanking their new found fans and the uploader who posted the original video.

“We’re so flattered to learn that it features one of our songs called Please Don’t Go,” Barcelona’s lead singer Brian Fennell says in the video response.

“We want to let you know that it’s been affirming in the last week to watch in the iTunes store a correlation with the sales of our record ‘Absolutes’, growing in the rock charts as a result of having the song placed in the video,” drummer Rhett Stonelake added.

mehr bei nerdcore.de

Bilder vorrübergehend deaktiviert

Nachdem ich heute morgen meinen ersten kostenpflichtigen Hinweis auf Unsauberkeiten bei den Quellenangaben zu Bildern bekommen habe, habe ich diese nun vorübergehend komplett deaktiviert und werde sie nach und nach freischalten. Sorry für die Unannehmlichkeiten, aber lieber so, als noch mehr Geld auf den Tisch zu legen, nur weil ich den Urheber vergessen habe anzugeben – was ich hiermit nicht kleinreden möchte :)

Holocaustleugnung und Geschichtsrevisionismus

Gleich zweimal lief mir heute das Thema der Verleugnung des Holocaust über den Weg und anstatt zwei Artikel aus diesen Verweisen zu machen, packe ich sie in einen, ohne damit eine Verbindung herzustellen: Denn die Katholische Kirche hat nun wirklich nichts mit der NPD gemein.

Dennoch hatte sich Papst Benedikt XVI. am Wochenende dazu entschlossen mit der Rücknahme der Exkommunikation von vier fundamentalistischen Bischöfen zumindest den Anschein zu Erwecken, ihm sei diese Leugnung und das christlich-jüdische Verhältnis egal. Dabei geht es weniger um die Exkommunikation als solches, denn ob die katholische Kirche wirklich wieder den Strom integrieren will, der dem interreligiösen Dialog ablehnend gegenübersteht und den Gottesdienst in Latein abhalten will, ist in erster Linie eine interne Angelegenheit. Allerdings hatte einer der 1988 von dem abtrünnigen Bischofs Marcel Lefevbre ohne Zustimmung des Papstes ernannten Bischöfe Richard Williamson noch vor einigen Tagen den Holocaust verleugnet, als er sowohl Gaskammern, wie auch den millionenfachen Mord abstritt. (Mehr zum Hintergrund der Exkommunikation und natürlich auch des aktuellen Streits bei Telepolis) Für alle Vertreter der Kirche, so auch dem Vertreter der Bischofskonferenz heute morgen im Morgenmagazin, scheint dies sauber zu trennen zu sein: Die Kirche habe sich mehrmals zum Dialog und gegen die Leugnung des Holocaust ausgesprochen, dem habe sich Williamson nun zu fügen und außerdem ging es ja nur darum, diese Kirchenspaltung aufzuheben. Demnach soll sich Williamson nun eben erneut erklären und werde genau beobachtet. Klingt erstmal eben nach Vergebung und Rückkehr in die christliche Familie, aber das Problem ist, dass es sich doch nicht um ein Schäfchen handelt, welches vom Weg abgekommen ist und nun wieder auf den Weg Gottes geführt werden soll. Nein, dieses „Schäfchen“ ist ein Hirte und bevor man diesem nun offiziell den Segen der Amtskirche übergibt, sollte man doch vorher klären, ob er den Weg auch kennt und vertritt, oder? Im Prinzip kann es mir als Protestant völlig egal sein, aber irgendwie musste das raus :)

Als zweiter Teil zum Thema Holocaustleugnung kommt nun ein Link zum NPD-Info Blog. Dort findet sich ein interessanter Artikel dazu, wie die NPD sich offiziell zwar von Holocaust-Leugnern distanziert, aber zwischen den Zeilen die Geschicht verharmlost. Beispiele aus dem Artikel:

  • Der Aufruf von Horst Mahler, dass sich alle Holocaust Leugner doch selbstanzeigen mögen, um so das Gerichtssystem zu überlasten, wird von der NPD als „Verheizaktion“ kritisiert, weil die Anzeigenden eben bestraft würden, gleichzeitig wird aber gesagt, „in Deutschland [gäbe] es keine objektive Geschichtsforschung“.
  • Holocaust wird für andere geschichtliche Ereignisse genutzt, um dieses singuläre Ereignis zu relativieren: „Bomben-Holocaust über Dresden“ oder Demoaufrufe „Stoppt den Holocaust in Gaza“
  • In einer Broschüre für Wahlkämpfer wird empfohlen das Thema zu umschiffen. Auch soll die Verschärfung des Paragraphen zur Volksverhetzung, nach der es „schon“ strafbar sei, wenn man die „nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt“ als Maulkorb Paragraph angeprangert werden.

Alles schon ziemlicher Blödsinn. Spätestens, wenn man versucht in der Betrafung der Verherrlichung einer Schreckensherrschaft einen Maulkorb zu sehen, dürfte jedem Klar sein, mit welchem Gedankens Kind man es hier zu tun hat.

Anders im übrigen – und da zeigt sich abermals, was einem beim Bloggen so alles einfallen kann – bei den Herausgebern der Zeitung „Zeitungszeugen„. Einmal pro Woche werden hierbei Zeitungen aus der Zeit des Nationalsozialismus nachgedruckt und mit Kommentaren versehen verkauft. Der bayrischen Landesregierung, die die Urheberrechte für Schriften der Nationalsozialisten hat, gefällt das nicht und hat die Veröffentlichung unterbunden – unter Verweis auf das Urheberrecht. Im Kern geht es aber um etwas anderes: Die Frage, wieviel nationalsozialistische Propaganda man den Menschen zugängig machen darf. „Mein Kampf“ ist ja beispielsweise nicht verboten, es darf nur nicht neu gedruckt werden, dabei – soviel zur Rücksichtnahme auf die Opfer – kann man dieses Schundwerk Hitlers bereits in Israel auf Hebräisch kaufen. Klar: Keins dieser Schriftwerke sollte unkommentiert herauskommen, um eine historische Einordnung und Richtigstellung der Texte zu ermöglichen. Andererseits sind es eben auch Quellen aus einer Zeit deutscher Geschichte, die nun – wie Marc Felix Serrao für die Süddeutsche gut darstellt – mystifiziert werden und dadurch noch interessanter und für Nazis eben eher eine Trophäe sind. Jedenfalls behaupte ich, dass die Leute vor denen man Angst haben müsste, dass sie wirklich auf diese Propaganda hereinfallen würden, wahrscheinlich nichtmal dazu greifen würden, wenn es frei verfügbar ist oder alternativ bereits jetzt schon „Mein Kampf“ und andere Nazi-„Literatur“ aus dem Netz gezogen haben – ist ja nicht so, dass ich als Hitler-Fan Probleme haben müsste, mir entsprechende Texte zu organisieren. Nur so bekommt man sie garantiert ohne irgendeine Anmerkung. Und im übrigen, liebe Bayrische Landesregierung: 2015 läuft das Urheberrecht eh auf, da wäre es m.E. sinnvoller gewesen diesem Projekt, an dem u.A. auch renomierte Wissenschaftler wie Prof. Dr. Wolfgang Benz oder Prof. Dr. Hans Mommsen teilnehmen, seine Unterstützung zu geben und damit die Veröffentlichungen zu dieser Thematik geregelt und fachlich kommentiert einzuleiten und hiermit zu verhindern, dass 2015 plötzlich jeder den Blödsinn von Einst einfach so abdrucken kann, ohne dass es früher bereits qualitativ hochwertige Veröffentlichungen für interessierte gegeben hat. Und im übrigen: Den Zeitungszeugen liegt keineswegs nur Nazipropaganda bei, sondern auch Nachdrucke von Vorwärts oder anderen Zeitungen.

„Die Farben unterscheiden sich“

Also das war grade wirklich der Spaß des Tages: StudiVZ weist die Fälschung von facebook zurück. So müsse die Software selber geschrieben werden, da diese Dateien nicht kopieren könne. Allerdings seien beide Seiten auch nicht zu verwechseln:

„Die Farben unterscheiden sich: StudiVZ ist rot, Facebook ist blau.“

Also nach dieser Logik dürfte ich dann ja wohl auch eine Hausarbeit kopieren dürfen, wenn ich nur die Schriftart ändere oder bei Bildern spielt das Urheberrecht dann wohl auch keine Rolle, wenn ich mit den Farben arbeite. Also ziemlicher Blödsinn.

Es geht ja nichtmal darum, dass das StudiVZ die Software gestohlen hat, diese ist bei facebook doch viel weiter. Dort konnte man immerhin von Beginn an Nachrichten an mehrere Mitglieder schicken und ähnliches. Es geht auch nicht um die Idee eines sozialen Netzwerkes Aber auch das Äußere ist eine schöpferische Leistung. Wer schonmal Templates für Internetseiten erstellt und sich eingehender mit CSS beschäftigt hat wird wissen, wieviel Aufwand das ist.

StudiVZ hat im übrigen reagiert und vor dem Landgericht Stuttgart eine Feststellungsklage eingereicht, damit die Vorwürfe von facebook durch ein deutsches Gericht entkräftet werden.