Über die angebliche Unwahrheit der Umfragen in der US-Wahl

Es ist eine Woche her, dass es zum überraschenden Sieg von Donald Trump über Hillary Clinton kam. Wobei für mich weniger überraschend ist, dass es so gekommen ist, als viel mehr, dass die Amerikaner es soweit haben kommen lassen. Trotzdem wird immer eher so getan, als ob die Umfragen katastrophal falsch lagen.

Zum einen: Lagen sie nicht. Ich habe am Abend vorher ja noch die Daten angeguckt und folgendes Ergebnis gesehen:

uswahlen-knapp

Die Karte zeigte die Staatenverteilung anhand der Umfragen – darunter auch die Staaten, die eigentlich umstritten waren. Dabei wurden einfach die letzten auch knappen Umfragen genutzt.

Natürlich zeigte auch dies einen Sieg von Clinton, aber jedem musste klar sein, dass es knapp wird. Ein Staat der kippt und schon ist alles gegessen.

Umso überraschender dann am Abend, als ich in der ARD (oder ZDF?) im Vorbericht von 268 Stimmen von Clinton ausging. Sie müsse nur einen der umstrittenen Staaten gewinnen und alles sei geritzt. Schon eine unverständliche Position, aber wenn man einige Staaten eben sicher für Clinton zuweist, die umstritten sind, dann ist der Sieg von Clinton eben in greifbarer Nähe.

Zweitens: Wahrscheinlich ist nicht sicher. Hierzu gibt es eine interessante Analyse von Stefan Niggemeyer bei Übermedien. Selbst wenn die New York Times von 80% Chance ausgeht, bleiben 20% Unsicherheit.

Und dann beginnt die spannende Frage, wie wir im Kopf mit Prozentzahlen umgehen? Was bedeuten 30% Regenwahrscheinlichkeit, 80% Sicherheit für den Ausgang im Wahlkampf oder sogar 83% Überlebenschance beim Russisch Roulette für einen?

Jedenfalls ein interessanter Artikel, der sich zu lesen lohnt.

Und trotz allem bleibt ein alter Spruch: Demokratie ist eben keine Demoskopie.

Statistiken die niemand braucht

Manchmal werden Daten gesammelt oder erhoben, die man wirklich nicht braucht. Heute in der Süddeutschen bin ich jedenfalls über eine Umfrage über das Sexualverhalten in Beziehung zu den Parteien gestoßen. Das Sozialforschungsinstitut Gewis befragte dabei im Auftrag der Zeitung „Cicero“ 1254 Männer und Frauen zwischen 16 und 60 Jahren. Die Ergebnisse in Kurzform:

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Politcamp #2 – Wahlkampfarena

Die erste wirkliche – will sagen klassische – Session gab es zu dem Projekt Wahlkampfarena. Vor einigen Tagen war ich irgendwie bereits auf deren Twitteraccount gestoßen, konnte mir aber nichts drunter vorstellen. Heute wurde die erste Beta-Version der Seite gezeigt und das Prinzip vorgestellt. Vereinfach gesagt kann man sich die Wahlkampfarena als Diskussionsseite vorstellen. Grundlage bilden Fragen, die man entweder PRO oder CONTRA betrachten und beantworten kann. Eingebunden wird das ganze in ein neues Community Konzept der Wochenzeitschrift Freitag und steht von daher in einem größeren Zusammenhang. Weiter lesen „Politcamp #2 – Wahlkampfarena“

Der nächste US-Präsident heißt Barack Obama

Zugegeben, ich bin etwas früh dran mit diesem Titel, aber nachdem ich das Thema in den letzten Wochen etwas hab schleifen lassen, braucht man eine reißerische Überschrift. Obwohl: So reißerisch ist sie nicht, denn in Irland hat beispielsweise ein Wettbüro die Sache schon als entschieden angesehen und den Wettern ihren Gewinn bereits ausgezahlt.

Basieren tut dies wohl offensichtlich auf den Umfragen, die ganz eindeutig in eine Richtung gehen. Und damit ist weniger die landesweite Stimmung in den USA gemeint, bei der Obama mit 8 Prozent führt, sondern entscheidender ist die Stimmung in den einzelnen Staaten. Es zählt – nur zur Erinnerung – nämlich das Ergebnis der einzelnen Staaten: Wer dort die Mehrheit gewinnt, bekommt – in den meisten Fällen – alle Wahlmänner aus diesem Staat. Und am ende muss man so auf 270 Wahlmänner kommen.

Nach den kumulierten Ergebnissen von Pollster hat Obama dieses Ergebnis weit überschritten und liegt auch in den meisten der unsicheren (gelben) Staaten vorne:

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In dieses Ergebnis noch nicht eingeflossen ist die neuste Wahlempfehlung, die Barack Obama verbuchen kann: Der ehemalige Außenminister unter George W. Bush Colin Powell hat gesagt, er werde – als Republikaner – für Obama stimmen. McCain sei ihm zu weit nach rechts gerutscht. Vor allem für gemäßigte Unentschlossene der Mitte ein guter Grund nochmal über die Wahl nachzudenken.

Insgesamt weiß man nicht, womit McCain Obama noch einholen will. Bereits in den letzten Wochen hatte man einen harten Kurs gefahren und versucht dessen Kontakte in den 70er Jahren mit einem Bombenleger gegen ihn zu verwenden, was aber nicht zündete. Im Gegenteil: Die Vize-Präsidentschaftskandidatin muss sich gegen eigene Vorwürfe wehren und gilt als unfähig für ein solch hohes Amt.

In diesem Sinne scheint das Ergebnis vom 4. November zwar bereits festzustehen, aber dennoch werde ich das natürlich live beobachten und hier mitbloggen ;)