Tatortwatch

Irgendwie ist es schon interessant. Man kommt aus dem Kino wieder und findet einen Haufen Meldungen über einen Twitteraccount @tatortwatch in seiner Timeline bei Twitter. Und dann in Verbindung mit GRÜN. Da wird man als Parteimitglied ja schon neugierig und guckt nach. Die Beschreibung des Accounts sagt:

Aus Liebe zum #Tatort und #BürgerInnenrechten dokumentieren hier #Grüne Rechts- & InnenpolitikerInnen BürgerInnenrechtsverletzungen live.

Wie das ganze Aussehen kann, dann mal an ein paar Beiträgen dokumentiert:

An diesem Konzept gibt es einige Kritik, die GRÜNEN würden bevormunden heißt es da teilweise. Ich persönlich halte von solchen Aktionen zwar auch nicht viel, aber fällt dennoch auch unter sonst bei Twitter sehr hoch geachtete Meinungsfreiheit, oder? Ich meine, die Kritik an der Fernsehserie „24“ ist ja auch altbekannt, würde es da auch eine solche Aufregung geben? Klar, das ist nicht zu vergleichen. Jack Bauer, der folternd und Bürgerrechte ignorierend den längsten Tag seines Lebens wieder und wieder erlebt, ist natürlich ein anderes Kaliber als der sonntagliche Tatort. Aber wer anerkennt, dass man dort Kritik am Vorgehen haben kann, mag vielleicht auch lockerer auf diese Tatortkritik blicken. Und wenn es wie heute am Ende auf ein „korrektes“ Vorgehen der Polizei hinausläuft, ist doch alles gut und eher positiv für die Sendung. Generell sollte man vielleicht etwas lockerer mit soetwas umgehen. Wem das den Spaß verdirbt, kann den Account ja ausblenden oder nicht folgen.

Und um politische Aktionen geht es nicht:

Aber gut, wer provoziert, muss vielleicht auch damit leben. Nur sollte man sich eben auch überlegen, ob man manches nicht vielleicht zu ernst sieht. Ob nun Satire-Account oder nicht. Er ist immerhin „aus Liebe zum Tatort“ entstanden :)

Durchgemachte Nächte und viele Zahlen

So, das Ende ist in Sicht. Nächste Woche muss die Diplomarbeit abgegeben werden. Heute abend werden noch die letzten Seiten mit Schlussfolgerungen formuliert und morgen geht es dann in die erste Schlussredaktion mit meinem Kommillitonen um die getrennt geschriebenen Teile in Form zu bringen und noch mehr als natürlich schon im Vorfeld aufeinander abzustimmen. Einige Arbeit ist es noch, aber ich bin jetzt echt froh, wenn das vorbei ist und dabei auch zuversichtlich, dass was gutes rausgekommen ist. Weiter lesen „Durchgemachte Nächte und viele Zahlen“

Einige Worte zu #occupyberlin und Twitter

Ich war heute abend dabei für meine Diplomarbeit einige Twitter-Accounts für unseren Abschnitt zu „echo chambers“ zu prüfen, als bei einem Account Meldungen über die Räumung in Berlin auftauchten. Kurze Zusammenfassung: Ca. 200 Leute hatten die Wiese vor der Bundestag besetzt, Zelte aufgebaut und es sich gemütlich gemacht und um Mitternacht sollte der Platz geräumt werden.

Ich ärgere mich schon ein wenig, dass ich die Proteste nicht miterleben konnte und unterstütze diese inhaltlich. Ich teile auch die Bedenken einer Räumung und kann den Sinn dahinter auch nicht wirklich verstehen. Ich meine, ist es wirklich entscheidend, ob die Leute heute nacht da rumsitzen und frieren oder nicht? Ka4015 hat dies in einem Artikel ebenfalls kritisiert und die Frage nach den Erfahrungen mit Castor-Transporten und Stuttgart 21 aufgeworfen, ob eine Demokratie das nicht erdulden sollte:

Ein demokratischer Staat sollte meines Erachtens nicht Demonstranten wegtragen, wegspritzen und wegknüppeln, die, egal wie gut sie Ihren Protest organisieren, nichts an dem Protestgegenstand ausrichten werden. Ein Staat hat mehrere Tage oder Wochen Zeit, ein Staat hat Beamte und kann diese im Schichtdienst austauschen. Ein Demonstrant hat diese Zeit nicht. Ein Demonstrant bekommt aber durch die Anwendung von (Staats-)Gewalt sehr schnell das Potenzial, noch mehr für seine Demo zu mobilisieren.

Letzteres wird sich morgen wohl bewahrheiten. Ich will jetzt auch nicht die Diskussion breittreten, dass Polizisten natürlich auch im Schichtdienst nicht dauerhaft mit Demos gebunden sein können – dafür ist die Personaldeke wohl etwas eng. Aber sei es drum. Ich deine schon, dass eine Demokratie eine Nutzung des öffentlichen Raums durch Demonstranten auch erdulden muss. Und das gilt auch für die Wiese vor dem Bundestag. Eine Bannmeile um den Bundestag gibt es nicht mehr und zumindest bis Montag dürfte man dort ja auch nicht in der politischen Arbeit stören, wenn da 200 Leute campen. Genau das ist ja auch Hintergrund der Aktion und in anderen Städten ist bis zum 19. Oktober in der Regel diese Aktionsform geduldet.

Von der Räumung selber war nichts in den allgemeinen Medien zu sehen, ein Livestream funktionierte nicht und so war Twitter ein Hauptmedium. Und dann ging es ganz schnell mit Fehlinformationen: Das Netz sei von der Polizei ausgeschaltet, der Kameramann des Livestreams verhaftet und sogar 5 Tote wurden ernsthaft behauptet. Wer weiß, was sonst noch alles da lief. Das einzige was man bei Twitter gefunden hat sind Verschwörungstheorien. Ne halbe Stunde später war alles vorbei. Ohne Tote, Netz gab es auch die ganze Zeit und der Livestream klappte auch wieder. Selbst der Einsatz war offensichtlich nicht so brutal wie dargestellt.

Klar, man kann immer über Verhältnismäßigkeiten streiten und bestimmt gab es Leute, die sich beim wegtragen lassen weh getan haben – aber so ist das eben, wenn man sich wegtragen lässt. Ich kann wie gesagt sogar die Wut darüber verstehen, wenn man nicht versteht, wieso diese Polizeiaktion stattfindet. Das ist mehr als berechtigt und ich finde auch gut, dass man sich davon nicht ins Bockshorn jagen lässt und morgen um 15 Uhr wieder demonstrieren will vor dem Reichtstag. Ob das klappt ist eine andere Frage, aber das muss die Demokratie aushalten.

Was gar nicht ging, war es diese deswegen für tot zu erklären oder gar die Bundesregierung mit der früheren ägyptischen Diktatur gleichzusetzen. Hier wurde ein Platz geräumt, wie es momentan aussieht auch ohne schwere Verletzungen und brutalem Polizeieinsatz, und das kommt in keinster Weise an das Risiko und das Vorgehen in Ägypten ran. Dort sind 365 Menschen dafür gestorben Demokratie zu erleben, tausende wurden verletzt. In diesem Land waren heute 40.000 Menschen auf der Straße und viele werden in den nächsten Tagen auf öffentlichen Plätzen schlafen. Das hätte man in Berlin auch machen können und die Berliner Polizei ist durchaus berüchtigt, aber es bringt dem Protest auch nichts ihn zu skandalisieren und ihn mit dem Freiheitskampf in der arabischen Welt oder der Wende 1989 gleich zu setzen. Davon ist das meilenweit entfernt.

Mit dieser angeblichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit die dort stattgefunden haben sollen, hat Twitter sich leider selber etwas diskreditiert in dem Fall und zeigt, dass man in solchen Fällen erstmal ruhig bleiben sollte. Es gibt momentan – unr irgendwo schon länger – das Gefühl verfolgt zu werden und so entstehen dann Verschwörungstheorien. Also locker bleiben und nicht gleich von den gleichgeschalteten Medien reden und davon reden, dass die Demokratie damit beendet ist, dass eine Wiese mitten zwischen zwei politischen Hotspots Deutschlands geräumt wird, während ansonsten in diesem Lande problemlose Camps stattfinden. Skandalisierung bringt nur etwas, wenn es einen Skandal gibt.

Und kurz zu den Medien: Ich habe meine Kritik zur mangelnden Berichterstattung bei der Revolution in Ägypten geäußert, aber man sollte eben auch hier aufpassen, dass in Berlin nicht zu hoch zu hängen. Es war eine Aktion von einer halben Stunde, eben ohne größere Probleme bei einer Menge von 200 Menschen. Sollen ARD, ZDF und Co überall in Deutschland 24 Stunden auch solche Camps begleiten, weil vielleicht irgendwas passiert? Offenbar war Reuters vor Ort und in der Welt findet man auch Fotos, also waren auch „Qualitätsmedien“ vor Ort und wäre mehr gewesen, als eine Verlagerung von Menschen, würde wohl sicherlich mehr berichtet werden, als beispielsweise dieser überschaubare Artikel in der TAZ.

Also: Weiter demonstrieren, die Inhalte skandaliseren, aber nicht immer mit der Opfermentalität durchs Leben gehen und mit ruhigen Kopf an solche Dinge angehen. Und Bürgerjournalismus kann auch nur dann funktionieren, wenn er den Bereich des Journalismus berücksichtigt. Fehlinformationen über Stunden hinweg, ungeprüfte Gerüchte und Skandalisierung wo keine ist, schädigen am Ende nur die wahren Informationen und damit die berechtigten Interessen der Demonstranten.

Twitter Verwirrung über Zurück in die Zukunft

Ich bin auch drauf reingefallen und habe es unkorrigiert noch kurz vor meiner Fahrt zum Rollenspiel getwittert:

In ‚Back to the Future‘ Doc Scott sets the time clock in the Delorean to a day 25 years in the future. Today is that day! (Link zum Originaltweet – hatte nur nen RT)

Irgendwie fand ich die Meldung ganz nett und bin einfach davon ausgegangen, dass sie stimmt. Und da ich für Twitter jetzt auch keine riesigen Recherchen mache im Normalfall wurde es einfach als Anekdote weitergegeben. Wie ich nun weiss, wohl fehlerhaft.

Denn heute vor 25 Jahren lief der Film an. Gespielt hatte er allerdings am 21. Oktober 1985. Und der erste Film führte auch nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit. Erst im zweiten ging es in die Zukunft und selbst dann wäre es das Jahr 2015 gewesen. Alles genauestens Nachzulesen bei Medienrauschen.

Ob ich in 5 Jahren daran denke, den Tweet dann nochmal zu schicken wage ich einfach mal zu bezweifeln, aber somit ist das ja erstmal bereinigt. Und dann gibt es bestimmt wieder nen Tweet zum retweeten ;)

Gerüchte über Gerüchte bei Bundespräsidentenwahl

Momentan läuft der 2. Wahlgang bei der Bundespräsidentenwahl. Nach dem ersten Wahlgang gab es in der Auszählzeit schon einige Gerüchte per Twitter. Sogar mit Zahlen wurde schon hantiert, obwohl den Wahlhelfern die Handys abgenommen wurden. „Aus gut informierten Kreisen: 529 Gauck, 595 Wulff, 118 Jochimsen, 2 Rennicke“ hieß es in dieser Nachricht. Keine der Zahlen sollte sich bestätigen.

Aber – auch wenn die ARD dies auf Twitter schieben wollte – auch die klassischen Medien heizten die Gerüchteküche an. Dort wurde nämlich von Blumen berichtet, die herangetragen werden und von Fotographen, die sich sammeln. All dies seien Anzeichen für das Ergebnis und auch aus dem letzten Jahr bekannt. Später wurde dann gesagt dieses Gerücht wäre bei Twitter aufgekommen, obwohl dort diese Meldung nur von der ARD übernommen wurde.

Eins kamm man definitiv sagen, dass die Geheimhaltung dieses Jahr besser funktionierte. Die Ruhrbarone titelten darum wohl zurecht „Bundestagspräsi Lammert schlägt Twitter“. Bin mal gespannt, was in den nächsten Runde jetzt für Gerüchte aufkommen… ;)

studiVZ und Twitter

image Einige Freunde bei studiVZ werden mich wohl in nächster Zeit zur Nervensäge erklären. Zumindest beim „Buschfunk“, dem Tool bei dem Netzwerk, wo man auf die Frage Antwortet, was mach grade so tut. Da ich das sowieso schon immer bei Twitter tue, hatte ich keinen Sinn darin gesehen, das nochmal beim studiVZ zu tun. Facebook importiert die Daten ja schon länger und – was weiterhin noch ein Vorsprung ist – bietet auch eine direkte Diskussion zu dem jeweiligen Thema. Ich hatte davon ja hier schon berichtet. Aber immerhin gibt es bei studiVZ nun auch meine Meldungen zum nachlesen. Zur Diskussion müssten dann die Pinnwände herhalten. Ansonsten sei gesagt, dass man neben belanglosen Informationen in meinem Twitter-Stream sicher auch mal den ein oder anderen interessanten Link finden dürfte – ist dies doch das interessanteste für mich bei Twitter. Man stößt eben darüber auf manchen guten Artikel :) Also vielleicht verhindert es ja eben das, dass ich als Nervensäge abgestempelt werde – und wenn doch ist es eben so ;)

Jeff Goldblum bestätigt seinen Tod

Im Umfeld des Todes von Michael Jackson tauchten per Twitter wohl auch Gerüchte auf, der Schauspieler Jeff Goldblum sei in Neuseeland ebenfalls tödlich verunglückt. Und irgendwann sieht Jeff Goldblum dies auch ein und hält seine eigene Nachrede:

The Colbert Report Mon – Thurs 11:30pm / 10:30c
Jeff Goldblum Will Be Missed
www.colbertnation.com
Colbert Report Full Episodes Political Humor Jeff Goldblum

Witzig. Mehr auch bei Cinematical (alles englisch).

Twitter als Medium der iranischen Opposition

Die Wahlen im Iran haben einige Unzufriedenheit hervorgerufen. Ob es Hossein Mussawi der Herausforderer des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadineschad – – nun am Ende geschafft habe sei mal dahin gestellt, aber eins ist eindeutig: Ein solcher Erdrutschsieg riecht eben nach Wahlfälschung. Nun kommt es tagtäglich zu Massenprotesten im Land – oft gegen die Verbote des Innenministeriums und den Widerstand von Polizei und Milizen.

Seit gestern kann man feststellen, dass #IranElection immer wieder bei Twitter auftaucht. Direkte Berichte werden über diesen Dienst verbreitet und so erfährt man nicht nur von den Nachrichtenagenturen, was in Teheran vor sich geht. Wie wichtig dieser Dienst inzwischen ist, zeigt sich an einer bemerkenswerten Aktion: Eigentlich sollte Twitter heute nacht zu Wartungszwecken für 1,5 Stunden ausgeschaltet werden, wogegen sich eben per Twitter einiger Widerstand meldete – mit Erfolg. So kann man auf Twitter.com nun nachlesen, dass der Wartungstermin verschoben wurde:

In coordination with Twitter, our network host had planned this upgrade for tonight. However, our network partners at NTT America recognize the role Twitter is currently playing as an important communication tool in Iran. Tonight’s planned maintenance has been rescheduled to tomorrow between 2-3p PST (1:30a in Iran).

Natürlich versuchen staatliche Stellen den Zugriff auf diesen Dienst wie weitere zu unterbinden, aber die Opposition umgeht diese eben mit verschiedenen Proxyservern – im übrigen nur am Rande: So wie man die Netzsperren in Deutschland auch umgeht. Man sieht also, dass eine Internetsperre in der globalisierten Welt nicht wirklich haltbar ist – zumindest nicht für die informierten Bürger. Twitter ist eben mehr als eine „virtuelle Klowand“.

Mehr zu dem Nutzen von sozialen Netzwerken im Iran gibt es auch bei Spiegel online oder Carta.

Twitter Bashing bei der Zeit

Der Sinn von Twitter mag vielen nicht wirklich erscheinen, auf dem ersten Blick ist die Frage „What are you doing?“ vielleicht auch wirklich etwas banal und in der Tat, vieles dort ist banal, wie man an diesem schwarzen Humor in Bezug auf China erkennen konnte:

China has blocked Twitter. Now 1.3 billion people will have no idea what I’m having for lunch.

Allerdings ist es absolut vereinfacht, wie es sich nun Jens Uehlecke macht, wenn er Twitter gar als virtuelle Klowand bezeichnet und weiter sogar aussagt: Und so hat das Unterschichten-Fernsehen endlich seine Entsprechung im Netz“ oder „Jeder darf sich äußern, wann und so oft er will. Selbst jene, die nicht einmal mehr von all den Bärbels und Britts in Trash-Talkshows eingeladen würden.“

Ob nun bewusst oder aus Unwissenheit verkennt der Autor damit aber, dass man nur das betrachten muss, was man will. Wie beim Unterschichten-Fernsehen kann man einfach uninteressante Twitterer ausblenden oder muss nicht an Twitter teilnehmen. Aber mit noch einem hat er unrecht: Wahrscheinlich bestand seine „Recherche“ eben im stichprobenartigen Betrachten von Twitterbeiträgen und der Selektion.

Klar, auch ich überfliege Twitter immer wieder, weil einiges dabei ist, was mich nicht interessiert oder wirklich belanglos ist. Aber als Linkschleuder ist das Gremium eben sehr gut und man kommt schnell auf interessante Seiten. Da bietet Twitter zumindest mir immer einen guten Mehrwert und dies mit einer Klowand zu vergleichen zeigt eben von mangelnder Kenntnis. Mal ganz abgesehen davon, dass Twitter – anders als im Artikel angegeben – nicht nerven kann: Wer es nicht will, wird damit nicht belästigt.

Ein weiterer Artikel dazu findet sich auch bei Lars Wichert.