Streifzug durchs Netz vom 28.07.2010

Gerade auf dem Heimweg war mir beim durchgehen der Twittermeldungen mal aufgefallen, wieviele interessante Links heute auf meiner Read Later Liste landeten, bei Twitter als Favorit (als Erinnerung zum später lesen) oder über Twitter von mir weitergegeben wurden. Und irgendwie fehlt mir die Möglichkeit selber noch mal zu rekapitulieren, aber auch das ganze im Blog zu verarbeiten. Darum soll es jetzt jeden Morgen einen Beitrag mit einigen kommentierten Links geben. Wie lange ich es durchhalte – keine Ahnung. Also los gehts. Ein wesentliches Thema auch heute ist noch immer die Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg…

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Religion oder Ethik

Als ich am Freitag in Berlin ankam, hingen hier auch einige Wahlplakate und – da in Gelsenkirchen ja auch bereits gehängt wurde – dachte ich mir nicht viel dabei. Nur die komische Botschaft, dass Religion Privatsache sei, wie auf Plakaten der LINKEN angegeben, passte für mich nicht wirklich zu Europa – aber nun gut. Aber als dann auf einem der 26.4. April stand und die TAZ Berlin während einer ruhigen Minute am erlassjahr Stand gelesen wurde, was klar worum es geht: Am heutigen Sonntag können die Berliner entscheiden, ob es wieder regulären Religionsunterricht an den Schulen geben soll oder weiterhin für alle das Fach „Ethik“ gelten soll. Auf den konkreten Volksentscheid will ich jetzt nicht eingehen, für die Auswirkungen mag dieser Artikel in der Berliner Morgenpost reichen, aber ein paar Gedanken dazu habe ich natürlich dennoch ;) Weiter lesen „Religion oder Ethik“

Einheitsschule ungleich Einheitsbrei

Grade bei Anne Will ging es mal wieder um unser verkorkstes Bildungssystem. Mit dabei der Bildungssenator Zöllner aus Berlin, der eine solche in einer light-Variante1 einführen will und als sein politischer Konterpart war Norbert Röttgen von der CDU, der meint man müsste im bestehenden System nur ein wenig herumdoktorn und irgendwann werde sich auch der Ruf, Ansehen und Bildung der Hauptschule ändern. Also ich will jetzt nicht die Diskussion komplett wiedergeben, aber ich muss sagen, dass ich dabei nochmal genauer über das aktuelle System nachgedacht habe und mit meiner Überzeugung, dass eigentlich nur ein großer Wurf, nämlich die Einführung einer Einheitsschule die richtige Idee sein kann!

Individuelle Förderung statt Einheitsbrei

Auch wenn der Name es anders erklingen lässt (und von daher überdacht werden sollte), ist das einzige was an der Einheitsschule wirklich gleichgemacht wird ist das Gebäude. Denn nach meiner Vorstellung sollte dann die individuelle Einstufung nach Fähigkeiten und Interessen folgen. Ich finde es zwar wichtig, dass es eine Art Klassenverband gibt, da dies zum Erlernen von sozialen Fähigkeiten notwendig ist, aber dieser sollte etwas aufgebrochen werden. So kann ich mir beispielsweise vorstellen, dass manche Kurse und Fächer in diesem Klassenverbind ein Grundlagenwissen über Geschichte, Erdkunde, Sozialwissenschaften und weiteres bieten, während andere Fächer klassenübergreifend und nach Fähigkeiten unterrichtet werden. Oder es gibt ergänzend zum „normalen“ Unterricht im Klassenverband spezielle Förderangebote. Auch fände ich wichtig, dass es neben dem bisher ja auch vorgesehenen Lernpensum spezielle Angebote gibt. Für Leseratten unter Schülern vielleicht ein Kurs, der den Deutschunterricht erweitert um weitere Lektüren, in Physik vielleicht weitere Experimente, die die Kreativität fördern, aktuelle Diskussionen zur Politik oder die Philosophie der alten Griechen. Je nachdem was anbietbar ist und wofür es eine Nachfrage gibt. Aber auch Kurse zur Berufs- oder Studiumsvorbereitung und weiteres direkt praxisbezogenes empfinde ich dort sehr wichtig.

Wie ich in einem früheren Beitrag bereits gesagt habe, ist es ja doch eher so, dass es momentan einen Einheitsbrei gibt, oder um genau zu sein drei: die Gymnasiasten, Realschüler und Hauptschüler. Das es dort übergänge gibt und ein Hauptschüler in manchen Dingen besser sein kann, als ein Gymnasist wird da vernachlässigt. Man wird pauschal abgestempelt und der Lebensweg damit inzwischen ja deutlich vorgeschrieben.

Soziale Fähigkeiten lernen – Eingliedrig statt zweigliedrig

Ich kann die Vorbehalte insbesondere des Bildungsbürgertums2 gut verstehen. Hauptschulen stellen oft einen sozialen Brennpunkt dar, man hat nicht nur vom Ruf dieser Schulform her und den oft mangelnden Zukunftschancen, sondern auch aufgrund des „Umgangs“ das Problem damit seine Kinder auf solche Schulen zu schicken oder diese zusammenzulegen. Ganz ehrlich würde ich meine Kinder momentan auch natürlich am liebsten auf ein Gymnasium schicken, aber dennoch plädiere ich dafür die Abkapselung bzw. die „Ausgrenzung“ durch die Integration in eine Schulform zu beenden.

Dieses gemeinsame Lernen kann nach meiner Einschätzung das Miteinander verstärken und verbesserte Zukunftsaussichten für diejenigen, die sonst auf der Hauptschule bereits in Kursen das Ausfüllen des Hartz IV Formulars lernen3, könnten auch deren Frust sicherlich abbauen. Kurse beispielsweise zur Konfliktbearbeitung müssen ebenfalls ihren Teil dazu beitragen, die auftretenden „Klassenunterschiede“ aufzufangen.

Alles in allem sehe ich für dieses deutsche Selektionsmodell nicht, wie es eine Schule für morgen sein soll. Alleine ein Modell der Einheitsschule ohne Ausnahme eines parallel laufenden Gymnasiums kann wirklich dazu führen, dass man das optimum aus allen Schülern herausholt und das beste versucht, um eine Art der Gleichberechtigung hinzubekommen. Jetzt gibt es eine solche nämlich nicht, wenn das beste 1er Zeugnis auf der Hauptschule nicht zu Ausbildungsplätzen führt.

  1. Gymnasium bleibt bestehen []
  2. um einfach mal ein Schlagwort zu nutzen :) []
  3. was ich jetzt nicht als Kritik verstanden wissen will an dieser leider realistischen Vorbereitung auf die Zukunft :( Allgemein könnte ich mir soetwas aber auch gut vorstellen, also Einführung ins Leben (Versicherungswesen, Steuern, Verwaltungskram und so) aber ich schweife ab []

Hauptschule abschaffen!

Diese Forderung erhob Panorama soeben in ihrer Sendung und hat mich damit dann doch noch vor den Computer gelockt. Denn ich stimme dem vollkommen zu und sage: Gymnasium und Realschule auch gleich. Die Dreiteilung der Schulbildung ist absolut unsinnig und führt nur klassische Standesvorstellungen weiter. Die Elite im Gymnasium, die Unterschicht in die Hauptschule – diese Bilder existieren noch immer und gelten entsprechend dann auch für die Berufschancen. Und welchen Sinn hat diese Aufteilung? Angebliche Leistungsunterschiede? Da muss ich doch lachen, denn zum einen muss man sich wirklich fragen, ob mit 10 Jahren wirklich erkennbar ist, wer wie gut ist und damit den Lebensweg dieser Kinder entscheidend vorbestimmt. Und anders als Vertretern einer gemeinsamen Schule bis 10 vorgeworfen wird, geht es keineswegs um Gleichmacherei. Im Gegenteil: Es geht um individuelle Förderung. Wer geht denn davon aus, dass auf dem Gymnasium dauerhaft alle Schüler gleich gut in Englisch, Mathe oder Biologie sind? Dort gibt es doch auch Unterschiede. Es gibt einige, die immer nur Bahnhof verstehen und einige, die sich womöglich langweilen, wenn der Lehrer es nochmal oder zu langsam erklärt. Wäre es nicht sinniger hier individueller zu agieren und ein Schulsystem zu haben, bei dem es für jedes Fach Leistungsstufen gibt, als diese zu pauschalieren. So kann ein Schüler eben in der „besten“ Klasse für Mathe sein, in Physik „durchschnittlich“ und in Englisch verstärkt gefördert werden und dies an einer Schule. So, das musste jetzt einfach raus. Dieses dreigliedrige Schulsystem selektiert und grenzt aus und es gibt keinen vernünftigen Grund dafür daran festzuhalten, oder? Noch ist der Beitrag bei Panorama nicht online, aber guckt selber nach, ob sich das geändert hat, ansonsten wird der Beitrag morgen auch geändert, wenn dies ansteht.

Kopfnoten

Nach einem Gast-Artikel bei Dennis zum Thema Kopfnoten ist mir aufgefallen, dass ich hier meine ablehnende Position noch kaum beschrieben habe :) Ich mache es jetzt auch etwas kürzer und verweise für mehr auf den Beschluss der Grünen Jugend Gelsenkirchen dazu, der das sicherlich weiter ausführt.

Also Hauptgrund meiner Ablehnung ist der mangelnde pädagogische Nutzen, den ich an diesen Noten sehe. Jemanden der sich eh nicht für die Schule interessiert wird eine solche Note nicht beeindrucken, zurückhaltendere Charaktere erhalten womöglich Abzüge für Leistungsbereitschaft. Und weiter geht es mit der Tatsache, wie Lehrer das überhaupt bewerten wollen? Sie sehen die Schüler nur im Unterricht und maximal noch auf dem Pausenhof, aber selbst in der Schule ist die Beobachtungsgabe doch deutlich eingeschrängt, wie Opfer von Mobbing sicherlich berichten können. Demnach kann sich in unbeobachteter Zeit jemand unsozial gegenüber Mitschülern verhalten, während er im Unterricht und gegenüber den Lehrern ein positives Bild abgibt. Die Noten bringen nur einem etwas: Dem Personalchef, der sich damit Persönlichkeitstests sparen kann und sofort einen Filter für die Bewerbungen mitgeliefert bekommt. Schülern würde gezielte Förderung und ein persönliches Gespräch sicher mehr helfen, als sechs weitere Zahlen auf dem Zeugnis.