Das Böhmermann Gedicht

Als ich vor zwei Wochen die neue Folge des Neo Magazin Royale direkt am Donnerstag Abend gesehen habe, hatte ich bei dem inzwischen zum Politikum gewordenen „Schmähgedicht“ von Jan Böhmermann über den türkischen Staatspräsidenten Erdogan schon lachend gedacht: „Jan, was machst du nur für Sachen?“

Heute diskutiert halb Deutschland darüber, Jan Böhmermann etwas abgetaucht: Kein Besuch bei der Grimme Preis Verleihung, kein „Sanft und Sorgfältig“, kein Twitter oder facebook und die nächste Sendung des Neo Magazin Royale abgesagt. Er hat zwar einige Dinge voraus gesehen, aber vielleicht nicht den Trubel, den das Gedicht nun seit zwei Wochen verursacht.

Dabei habe ich bei vielen Statements zu dem Thema – auch zum Beispiel in der WAZ heute – den Eindruck, dass viele nur das Gedicht kennen, nicht aber den Kontext und die Einleitung hierzu. Ich empfehle darum nochmal die entsprechenden Passagen hier ab Minute 11 anzugucken.

Neo Magazin Royale mit Jan Boehmermann 31.03.2016 (Uncut Erdogan Gedicht) from msschubi on Vimeo.

Hier erklärt Böhmermann nämlich genau den Unterschied zwischen Satire und Schmähkritik. Man kann darüber streiten, ob es das Beispiel noch gebraucht hätte, aber es zeigt auf, wo wirklich die Grenze wäre und sagt dadurch aus: Wenn sowas im Fernsehen liefe, dann wäre das Verboten – aber doch nicht extra3.

Also ganz klar: Es geht nicht darum, dass das Gedicht Satire sei. Das ist es nicht. Es ist beleidigend. Durch den Kontext wird es m.E. zur Satire. Wir haben eine Person mit zweifelhafter Einstellung zur Pressefreiheit, die schon normale extra3 Satire als ehrverletztend darstellte. Die Überspitzung ist es nun als Folge dazu, um zu zeigen, was wirklich die Grenze überschreitet.

Tatortwatch

Irgendwie ist es schon interessant. Man kommt aus dem Kino wieder und findet einen Haufen Meldungen über einen Twitteraccount @tatortwatch in seiner Timeline bei Twitter. Und dann in Verbindung mit GRÜN. Da wird man als Parteimitglied ja schon neugierig und guckt nach. Die Beschreibung des Accounts sagt:

Aus Liebe zum #Tatort und #BürgerInnenrechten dokumentieren hier #Grüne Rechts- & InnenpolitikerInnen BürgerInnenrechtsverletzungen live.

Wie das ganze Aussehen kann, dann mal an ein paar Beiträgen dokumentiert:

An diesem Konzept gibt es einige Kritik, die GRÜNEN würden bevormunden heißt es da teilweise. Ich persönlich halte von solchen Aktionen zwar auch nicht viel, aber fällt dennoch auch unter sonst bei Twitter sehr hoch geachtete Meinungsfreiheit, oder? Ich meine, die Kritik an der Fernsehserie „24“ ist ja auch altbekannt, würde es da auch eine solche Aufregung geben? Klar, das ist nicht zu vergleichen. Jack Bauer, der folternd und Bürgerrechte ignorierend den längsten Tag seines Lebens wieder und wieder erlebt, ist natürlich ein anderes Kaliber als der sonntagliche Tatort. Aber wer anerkennt, dass man dort Kritik am Vorgehen haben kann, mag vielleicht auch lockerer auf diese Tatortkritik blicken. Und wenn es wie heute am Ende auf ein „korrektes“ Vorgehen der Polizei hinausläuft, ist doch alles gut und eher positiv für die Sendung. Generell sollte man vielleicht etwas lockerer mit soetwas umgehen. Wem das den Spaß verdirbt, kann den Account ja ausblenden oder nicht folgen.

Und um politische Aktionen geht es nicht:

Aber gut, wer provoziert, muss vielleicht auch damit leben. Nur sollte man sich eben auch überlegen, ob man manches nicht vielleicht zu ernst sieht. Ob nun Satire-Account oder nicht. Er ist immerhin „aus Liebe zum Tatort“ entstanden :)

Star Wars 7 mal richtig aufgepimpt

Disney hatte ja Lucasfilm übernommen und damit die Rechte an Star Wars. Direkt damit zusammenhängend wurde der neue Star Wars Film angekündigt. Es gab schon viele mehr oder weniger lustige Videos oder Bilder zu dem Thema. Hier mal ein Beispiel:

Aber wer das wirkliche Mashup mitbekommen will, sollte sich den unten folgenden Vorschlag von Patton Oswald angucken. Aufgezogen ist es als Satire eines Filibusters – einer Methode im parlamentarischen System durch Reden Abstimmungen aufzuhalten. Das ist aber nur am Rande wichtig. Aber guckt es euch an, besonders beeindruckend auch weil es improvisiert und ohne Pause oder Schnitt gesprochen wurde. Und die Gestik mag ich auch :) Wer mag findet – vorher oder nachher – auch hier ein Filmplakat dazu.

Todesstern: Ein Inside Job?

Ganz im Stil des Verschwörungsfilm „Loose Change„, der versucht, die Ereignisse vom 11. September als Verschwörung darzustellen1, gibt es nun auch einen Film, der deutlich macht, dass die Zerstörung des Todessterns nur ein Inside Job gewesen sein kann:

Mit diesem Film wird deutlich , wie man mit dem gezielten Aussuchen von Teilinformationen eine Geschichte gleich ganz anders darstellen kann – und das auch noch glaubhaft. (Gefunden hier per Twitter)

  1. hier meine Ansichten dazu []

Iron Sky

Der heutige Ostertag war echt gelassen im Kino, wo neben den Tributen von Panem auch Iron Sky geguckt wurde. Von dem Film hatte ich ja schon mal berichtet – als Erinnerung nochmal der Trailer:

Und der Film ist wirklich gut geworden. Die negative Kritik der letzten Tage kann ich so nicht wirklichteilen. Klar, die Story ist hanebüchen und wer mit Logik an den Weltraumkampf im Jahr 2018 herangeht, kann den Film nur schlecht finden. Aber man kann den Film nicht wirklich ernst nehmen, das will er auch garnicht. Es ist ein Klischee-überfüllter Film, der sich selber auf die Schippe nimmt. Ganz und garnicht kann ich aber die Kritik aus der Zeit teilen, in der es heißt:

So wirkt der Film bisweilen wie der Traum eines jeden startrekbegeisterten Neonazis und strickt, sicher ungewollt, an kryptofaschistischen Legenden. Und dass diese Weltraumnazis von vorvorgestern den Amerikanern aus dem Jahr 2018 das Wasser reichen können, ist selbst im Rahmen der hanebüchenen Story von Iron Sky ärgerlicher Unfug.

Hergeleitet wird diese Aussage daraus, dass Nazis nicht gleich als völlige Idioten dargestellt werden, die Kommandostrukturen da noch existieren und der antiquierte Bau noch läuft. Also müssen Nazifilme entweder toternst oder noch offensichtlicher Klamauk sein, wie „Mein Führer“? Bei dem gab es auch Kritik, aber mit einem Iron Sky ist das definitiv nicht zu vergleichen. In Iron Sky sind Nazis Gegner, die genauso unter Spott leiden müssen wie amerikanische Republikaner, Nordkoreaner und viele andere. Und ja, man weißt nicht gleich direkt und immer wieder auf das menschenverachtende System der Nazis hin. Das bedeutet aber nicht gleich, dass alles egal ist. Und es wird angedeutet. Brauchen aufgeklärte Filmfans immer die Keule, um bei einem solchen Film nicht als „startrekbegeisterter Neonazi“ zu gelten? Und ohne zuviel zu verraten, natürlich gibt es auch einen moralischen Teil.

Der Film hat mir Spaß gemacht. Er ist witzig, wenn man sich auf eine vollkommen abgedrehte Geschichte einlassen kann, die auch technisch ganz gut umgesetzt ist. Er ist eine Satire auf amerikanische und internationale Politik, ein etwas abgedrehterer Invasionsfilm mit einem Hauch von Steampunk – auch wenn die Nazibauten jetzt natürlich nicht soo alt sind :)

Mein Tipp: Guckt ihn euch mal an, wenn es für euch kein Problem ist, Nazis zu sehen ohne gleich  blind mit dem Kopf darauf gestoßen zu werden, dass sie für ein unmenschliches System stehen, wenn ihr bewusst auch etwas abstrusere Handlungsabläufe akzeptiert und Lust auf etwas abgedrehtere Science Fiction habt. Zu Panem morgen mehr… :)