Keine Wildtiere im Zirkus

Gestern bin ich auf das unten stehende Video von Peta gestoßen, bei dem es um eine Kampagne gegen die Haltung von Wildtieren in Zirkussen geht. Noch bis morgen kann man dort eine Petition dazu unterscheiden. Vielleicht zunächst mal das Video und der Link zur Petition:

Ich bin nicht zwingend und in jeder Frage Unterstützer von Peta, aber hier haben sie nochmal einen Punkt getroffen. Es mag zwar durchaus Zirkusse geben, die sich möglichst gut um Tiere kümmern, aber wenn wir uns mal angucken, wie artgerechte Haltung in Zoos inzwischen aussieht, kann dies kein Zirkus für diese Tiere leisten.

„Unser“ Weihnachtszirkus wirbt wieder mit weißen Löwen.  Wenn man sich dagegen mal anguckt, wie Löwen momentan in der Zoom Erlebeniswelt gehalten werden und wieviel Platz die dort haben, wird deutlich, dass dies für einen Zirkus einfach unmöglich ist. Wahrscheinlich wird sich dies eher am Maßstab des alten Ruhr-Zoos orientieren.

„Leute wollen die Tiere sehen“, sagt der Zirkusbetreiber in dem Artikel. Und ich sage: Wir haben den Tierschutz in das Grundgesetz geschrieben. Das muss auch seinen Einfluss in die Politik finden und darum habe ich die Petition unterschrieben. Ja, ich habe als Kind auch gerne Tiere im Zirkus gesehen – lieber als Artisten. Aber ich kann nicht für mein Vergnügen und meine Unterhaltung andere Wesen leiden lassen. Und bringt es Kindern nicht viel mehr, Tiere natürlich zu erleben, anstatt mit irgendwelchen erzwungenen Tricks?

Und ja: Ich mache auch Abstriche. Ich bin kein Vegetarier, aber versuche möglichst oft auf Bio-Produkte zu setzen und setze mich politisch dafür ein, dass wir eine Landwirtschaft bekommen, die gute Nahrung, artgerechte Haltung und eben auch Fleischkonsum vereinbart. Ich unterstütze Zoos, die sich um Artenvielfalt kümmern und Tiere vernünftig halten. Darum halte ich unsere Zoom Erlebniswelt auch für einen doppelten Gewinn für die Stadt. Und ich finde es gut, dass der Zoo keine Elefanten mehr hält, weil eine artgerechte Haltung unmöglich ist.

Unsere Gesellschaft muss weg davon, dass andere für uns leiden müssen. Das betrifft für mich Arbeitsbedingungen hier oder auch in Entwicklungsländern und eben auch den Umgang mit Tieren. Das ist nicht immer ganz einfach, aber ich bezweifle, dass Löwen, afrikanische Rinder, Kamele und weitere Exoten das Leben in der Arena als traumhaft empfinden und viel Spaß bei der Show haben. Und auch, dass man „die Vielfalt der exotischen Tierwelt“ (so auf der Homepage vom Circus Probst) hier erleben kann, wage ich einfach zu bezweifeln. Dafür bieten sich Zoos wohl eher an.

Von daher – wenn auch sehr kurzfristig – der Aufruf diese Aktion von Peta zu unterstützen.

Petition für Netzneutralität

Auf den Seiten des Bundestages gibt es aktuell eine Petition zur Netzneutralität. Sie ist kurz und knackig formuliert:

Der Deutsche Bundestag möge ein Gesetz beschließen, das Internetanbieter („Provider“) verpflichtet, alle Datenpakete von Nutzern unabhängig von Ihrem Inhalt und Ihrer Herkunft gleich zu behandeln. Insbesondere sollen keine Inhalte, Dienste oder Dienstanbieter durch diese Provider benachteiligt, künstlich verlangsamt oder gar blockiert werden dürfen.

Hintergrund dafür ist das Vorgehen der Telekom, die Nutzung des Internets zu regulieren, wenn man mehr als einen bestimmten Verbrauch im Monat übersteigt. Mal abgesehen davon, dass dies ein Schritt zurück ist, ist das Problem, dass eigene Dienste wie Entertain ausgenommen wird. Das ist natürlich ein Wettbewerbsvorteil, denn mit Entertain kann man auch nach Überschreiten des Limits genießen, aber YouTube, WatchEver oder ähnliches fällt unter den Tisch.

Und vor allem muss so auch überprüft werden, was überhaupt durch die Leitung zu einem nach Hause kommt, denn wenn es von einem Premiumpartner kommt, muss es ja anders behandelt werden.

Dabei können aber laut Telekom auch andere Premiumpartner werden. Und ab dann wird es noch problematischer: Einige Unternehmen können sich von der Trafficberechnung freikaufen. Oder vielleicht kommen ja besondere Angebote für die Kunden. Für 5 Euro mehr die Flatrate auch bei facebook, Twitter und Co. surfen? Oder nen 10er für unbegrenzten YouTube ausgeben? Wenn Daten nicht gleich – neutral – behandelt werden, kommt es schnell zu Ungleichheit. Und auch die Wahlfreiheit, was man sich im Internet angucken kann, geht dann schnell verloren. Wenn Nachrichtenseite oder Videoseite XY nicht berechnet wird, Angebot ABC aber schon, dann neigt man vielleicht eher zu XY.

Von daher der Aufruf: Unterzeichnet die Petition. Wenn 50.000 Unterschriften erreicht werden, muss der Bundestag sich damit beschäftigen.

plakat_03Quelle des Bildes: Echtes Netz | Digitale Gesellschaft e.V.

 

Politischer Aktionismus bei Internetsperren und Waffenrecht

In der letzten Woche konnte ich mich ziemlich gut aufregen über die Planungen unserer Bundesregierung. Ob nun das Verbot des Paintball-Spiels oder die Reaktion auf die erfolgreiche Petition gegen Netzsperren, bei denen die Unterzeichner durchaus unterschwellig als Pädophile dargestellt werden, beides zeigt, dass man auf Seiten der Bundesregierung nur noch ein Ziel hat: Irgendwie Aktivität zeigen. Ob es etwas bringt oder nichts, ist dabei offensichtlich nebensächlich. Wichtig ist nur, dass man so tut, als wenn man handelt und andererseits eben auch niemand Entscheidenen auf den Fuß tritt.

Und genau dies ist das Problem: Beim Waffenrecht waren die Forderungen im Bezug auf die „echten“ Waffen weitergehender und umgesetzt wurde nix. Heribert Prantl hat dies in einem Kommentar der Süddeutschen so dargestellt:

Die Verschärfung des Rechts sieht nun also so aus, dass man mit Waffen, die nicht scharf sind, nicht mehr schießen darf, sehr wohl aber ohne Restriktion mit scharfen Waffen. Die Verbände haben die Politik also davon überzeugt, dass das ganz Naheliegende ganz falsch wäre: Es wäre falsch, dafür zu sorgen, dass nicht mehr 30 Millionen, sondern nur noch drei Millionen Gewehre in deutschen Privathaushalten lagern. Es wäre falsch, sicherzustellen, dass künftig in Deutschland weniger Waffen zugelassen werden. Es wäre auch falsch, die Aufbewahrung von Waffen und Munition zu Hause zu verbieten. All diese Regelungen würden nämlich, so sagen die Verbände, ihre Mitglieder unter einen Generalverdacht stellen. Der Gesetzgeber hat das eingesehen.

Und wenn man es sich genauer anguckt, wird hier mit hoch emotionalen Themen gearbeitet und das macht es leicht auch gegen Gegner zu argumentieren. Ist es nicht wirklich notwendig, wenn Leute das Töten mit Farbbeuteln nachspielen? Das muss doch wirklich nicht sein. Und was kann man denn bloss dagegen haben, Internetseiten zu sperren, wo Kinderpornos gezeigt werden?

Das Ergebnis ist klar: Entweder werden die Gegner eines solchen Prozesses dann schnell zu Unterstützern der Kinderpornographie, haben aus Amokläufen in Winnenden nichts gelernt oder sie spielen in der gesellschaftlichen Diskussion eben keine große Rolle – anders als Schützenvereine und ähnliches, denen man für eine ähnliche Aktion auf die Füße treten müsste.

Das ganze hat eben seine Schattenseiten. Zum einen verliert die Berliner Politik damit den Anschluss an jüngere oder technisch-affinere Bevölkerungsgruppen, wie man in zwei exzellenten Artikeln bei ZEIT online und dem popkulturjunkie nachlesen kann.  Zum anderen ist es aber auch ein Eingriff in die persönliche Freiheit, die man so nicht hinnehmen sollte – nur weil einige meinen sich dabei in der Mehrheit den einen oder anderen Punkt in der Mehrheit zu sichern.

Nur um es vielleicht nochmal deutlich zu machen: Kinderpornos sind kein Ausdruck von Freiheit, aber es ist ein Ausdruck von Freiheit zum einen die Sperre als sinnlos und Risiko zu kritisieren ohne dafür als Unterstützer der Kinderpornoindustrie angesehen zu werden und vor allem ist die Sperre mit all ihrer Intransparenz als solches immer ein Risiko für die freie Informationssuche im Internet. Aber ich denke meine Ansichten dazu hatte ich ja schonmal gesagt, nur ist es eben etwas problematisch, wenn man in einem Artikel die Grundlagen eines sinnvollen Kampfes gegen Kinderpornographie (mit den falschen Mitteln) in einen Zusammenhang mit dem unsinnigen Verbot eines Sports in Verbindung bringt.

Um diese Frage drehte sich ein weiterer lesenswerter Artikel im Tagesspiegel, der insbesondere zum Verbot von Paintball nochmal erklärte:

Sich gegenseitig mit Farbkugeln zu beschießen, Paintball genannt, soll indes verboten werden. Die Politik hält das für menschenverachtend und eine Animation künftiger Amokläufer. Mit dieser Logik ist auch das Tragen von Spielzeugpistolen zum Cowboykostüm zu verbieten. Aber was macht man mit Kindern, die ihre Zeigefinger aufeinander richten und rufen: Peng, du bist tot? Gehört nicht auch Fechten dazu, Biathlon, Boxen? Simuliert Schach nicht vernichtende Schlachten? Lässt sich die Gier der Banker durch ein Verbot von Monopoly stoppen?

Abschließend kann man dann auch lesen, was das Problem mit dieser Gesetzgebung ist:

Es ist lächerlich, als Konsequenz aus Winnenden ein nur für Erwachsene erlaubtes Spiel zu verbieten – aber auch bedrohlich. Der Staat betritt mit Gewalt eine Welt, in der er nichts zu suchen hat. Paintball wird auf privatem Gelände gespielt. Man mag es blöd oder abstoßend finden, aber wer nicht will, wird davon nicht belästigt. In folgerichtiger Konsequenz kann diese Regierung auch Paaren erklären, welche sexuellen Verhaltensweisen in ihrem Schlafzimmer in Ordnung sind und welche menschenverachtend oder sittenwidrig und deshalb verboten. Unter dieser Regierung wird der Staat zur Moralinstanz – er maßt sich an, darüber zu richten, was gut ist und schlecht. Damit aber löst der Staat kein Problem. Er wird selber zu einem.

Okay, jetzt habe ich wieder viel zu viel geschrieben, dafür dass ich eigentlich nur auf die Artikel hinweisen wollte, aber einfach nur Links rauszuhauen hätte ich auch falsch gefunden ;)

Petition gegen Netzsperre erfolgreich

Zumindest den ersten Schritt hat die Petition gegen Netzsperren genommen: Um ca. 1:16 soll man nach Twitterangaben die magische Grenze von 50.000 Unterzeichnern durchbrochen haben. Ab sofort liegt diese Petition damit dem entsprechenden Ausschuss des Bundestags vor. Ob dies etwas ändert, mag man kritisch betrachten, denn bei allem rasanten Anstieg der Petition (in wenigen Tagen von 0 uf 50.000) sind es eben auch „nur“ 50.000, die gegen die Symbolpolitik der Bundesregierung damit protestiert haben.

Zu der inhaltlichen Frage hatte ich hier ja schon einiges erklärt, aber im Freitag findet man auch eine interessante Zusammenfassung der Kritik an diesem vorgehen. Für alle, die es einfach per Video erklärt haben wollen, bietet dieses Lego Video mal eine Visualisierung:

Gefunden habe ich es per Netzpolitik. Ansonsten sei darauf hingewiesen, dass man die Petition wohl noch bis zum 16.06. mitzeichnen kann – mal gucken, wo die am Ende landet :)