China zensiert weiter das Internet

Manchmal ist es schon ein zu „glücklicher“ Zusammenhang: Alle Benutzer meiner Seite dürften heute für wenige Sekunden einige rote Balken über den Texten erkennen und oben auf der Seite prangt am 30.7. ein Banner von Amnesty International. Mit diesem soll 10 Tage vor dem Beginn der Olympischen Spiele auf die Internetzensur hingewiesen werden. Tja, und wie es der Zufall so will, knickte das Internationale Olympische Komittee heute auch bei der Internetzensur durch China im Pressezentrum ein:

„Meine Verantwortung ist es, sicherzustellen, dass offen über die Wettbewerbe berichtet wird. Das erstreckt sich nicht notwendigerweise auf den freien Zugang und die Berichterstattung über alles, was mit China zu tun hat.“

so Kevan Gosper, Chef der IOC-Pressekommission. Unter anderem Seiten von Amnesty International, der BBC, der Deutschen Welle, der Hongkonger Zeitung „Apple Daily“ und der taiwanischen „Liberty Times“ sind demnach nicht mehr erreichbar.

Die FAZ berichtet nun von Initiativen Europaabgeordneter eine entsprechende Verordnung auf den Weg zu bringen, die das Vorgehen gegen solche Maßnahmen verstärkt. China verweist im Bezug auf Internetsperren auf andere Länder, die dies ebenfalls machen – auch in Deutschland filtert Google beispielsweise rechtsradikale Inhalte aus den Suchanfragen heraus. Allerdings und vielleicht kann mir jemand da weiterhelfen, ist es doch nicht so, dass entsprechende Server hier nicht erreichbar wären, oder? Da gab es doch mal „Versuche“, die aber doch recht eindrucksvoll gescheitert sind. Jedenfalls bin ich schon auf jede noch so abstruse rechtsextreme Seite gekommen, ohne eine Internetsperre umschiffen zu müssen.

Ob ich das nun löblich finde oder nicht sei mal dahingestellt. Ich habe jedenfalls kein größeres Problem damit, dass es bei uns Tatbestände wie Volksverhetzung gibt, die dann zumindest bei der Google Suche ausgeblendet werden und demnach nicht groß verbreitet werden. Den Vergleich den China da aufmacht, braucht man also nicht zu scheuen.

Hier gehört es selbstverständlich dazu Kritik an der Regierung äußern zu dürfen, ohne das das Blog im nächsten Moment nicht mehr erreichbar ist und es gibt eine rechtsstaatliche Überprüfung. Wenn China annähernd soweit wäre und nicht willkürlich alles kritische Sperren würde, könnte man die Argumente nachvollziehen – bis dahin bleibt aber zu Recht eine Empörung und abermals die Feststellung, dass es falsch ist, solche Spektakel wie die Olympischen Spiele an autoritäre Staaten zu geben in der Hoffnung, diese würden sich dadurch öffnen.

Zur angeblichen Freiheit der ausländischen Journalisten in China, die vorher versprochen wurde, kann ich diesen Artikel in der Süddeutschen nur empfehlen.

Quickies: Adidas und Olympia, Kapitalismus und Demokratie, Call-in-TV und der Wunsch nach der D-Mark

Auch wenn ich mir eigentlich „Urlaub“ für das Wochenende verschrieben habe, hier einige kurze Links mit Anmerkungen ;)

Adidas-Chef Hainer kritisiert Anti-China-Demonstranten

In einem Interview mit dem Spiegel kritisierte Adidas Chef die Demonstranten beim Fackellauf, die die Meinungsfreiheit „missbraucht“ hätten, als sie diesen unterbrochen hatten. Dies kann man vielleicht noch so sehen, aber dass er das Engagement noch stark verteidigte und auch Protestforderungen damit ablehnte, dass dies der Versuch sei, adidas in die „Politik hineinzuziehen“. Interessant auch die Aussage zum Imageschaden:

„Wir haben jedenfalls bei Themen wie der Verarbeitung von Känguruleder in unserer Schuhproduktion mehr Protest-E-Mails bekommen als in diesen Tagen wegen China.“

Wirft auch ein interessantes Bild auf die Gesellschaft(en), oder?

Jeder Dritte wünscht sich die D-Mark zurück

Dies ist zumindest das Ergebnis einer aktuellen Studie. Grund: Er ist ein gefühlter „Teuro“. Laut Manfred Weber, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, hält diese Einschätzung für falsch. Und meine Einschätzung: Ich denke wir wären ohne Euro schlechter dran. Nicht nur, weil man dann öfter umtauschen müsste, sondern weil uns wohl auch solche Krisen wie in den USA als einzelner Staat weitaus schwerer treffen würden, als nun die EU. Und demnach wäre das Benzin wohl auch teurer bei dem Ölpreis.

Zwischen Erfolg und Katastrophe
Und wo man schon beim Öl und damit dem Kern des Wirtschaftslebens sind, hier ein kurzer Artikel zur Verbindung von Kapitalismus und Demokratie. Ob allerdings „traditionell“ von der Politikwissenschaften dargestellt wird, dass eine eindeutige Verbindung existiert, wage ich dann doch mal zu bezweifeln.

„Der Hot-Button sucht und sucht…“
Interessantes Interview mit Marc Doehler, dem Betreiber von Call-in-tv, einem Forum, welches kritisch über Call-in-„Quizsendungen“ bereichtet und schon öfter von Abmahnungen betroffen war.

China, Tibet und der Boykott

In der heutigen Süddeutschen Zeitung findet sich ein sehr guter Kommentar zum Boykott der Olympischen Spiele von Nico Fried, den ich nur weiterempfehlen kann. Die zentrale Aussage ist sicherlich:

Die Spiele in Peking sind ein zweiwöchiges, also temporäres Ereignis, von dem man immer wusste, dass es im größten Potemkinschen Dorf aller Zeiten stattfinden würde. Wie ein Staat wie Deutschland dauerhaft mit einer werdenden Großmacht umgeht, deren wirtschaftlicher Erfolg auch auf politischer Unterdrückung basiert, ist dagegen eine Frage, die seit Jahren für Diskussionen sorgt, in denen es keine einfachen Antworten gibt.

Es geht weiter um den Wandel durch Handel, der für China erhofft wird, aber kaum zu erkennen ist und damit der Modernisierungstheorie1 eindeutig wiederspricht, nachdem wirtschaftlicher Aufschwung und Kapitalismus eben zur Demokratie führt. Also lest den Artikel.

Aus China selber habe ich von einem Kommilitonen, der grade ein Auslandssemester in China absolviert, erfahren, dass die Propaganda durchaus funktioniert und in der Bevölkerung eben der Dalai-Lama-Clan als Hauptschuldig gesehen wird und die ausländische Presse eh nur lügt. Manipulation funktioniert damit wohl besser als erwartet…

  1. Liebe Grüße an Daniel, ich weiß wieder wie die Gegenthese zur Dependenztheorie heißt :D []

Olympia und Spaß im Flugzeug

Also der Tag heute war eine mittlere Katastrophe: Erst was in der Bahn verloren und dann läuft noch die Sahne in der Tasche aus. Naja, jedenfalls nicht mein Tag und nachdem ich die erste Hälfte damit zugebracht hatte, Bücher für meine Prüfung zu kopieren stand die zweite im Zeichen von Scrubs und dem Versuch mich wieder aufzuhellen. Naja das ist gelungen, aber hatte keine große Lust hier etwas längeres zu schreiben. Aber zwei Links möchte ich euch dennoch mitgeben:

Jörg Friedrich hat einen Artikel nochmal zu Olympia geschrieben mit alternativen Protestformen neben der Blokade.  Ich hatte ja schon gesagt, dass ich momentan einer Blockade noch kritisch gegenüber stehe. Dennoch muss man abwarten, was sich dort noch alles entwickelt. Mehr dazu vielleicht morgen, mal gucken wie die Nachrichtenlage aussieht :)

Etwas weniger ernst ist ein Artikel bei StoiBär, wie man seinen Nachbarn im Flugzeug schockt. Wirklich riskant, denn solche Scherze können üble Folgen haben, aber dennoch amüsant.

So, jetzt wird noch ein wenig ferngesehen und dann mal gucken, was der Karfreitag bringt…

„The games must go on“ – oder auch nicht?

Mit diesen Worten leitete der damalige IOC Präsident Avery Brundage 1972 die Fortsetzung der Sommerspiele nach der Tragödie von München ein. Die Frage stellt sich in gewisser Weise auch heute nach den Ereignissen in Tibet für China. Historisch wäre der Vergleich mit den Spielen von 1980 oder 1984 besser, also den beiden größeren Boykotts der Olympischen Spiele.

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1980 hatten sich einige Staaten aus Protest gegen den sowjetischen Einfall in Afghanistan die Teilnahme bei den Sommerspielen in Moskau abgesagt. Die entsprechende Reaktion kam 1984 bei den Spielen in Los Angeles. Über den Erfolg dieses Boykotts kann man sicher streiten – wird aber eher kritisch betrachtet. Und auch darauf basieren auch alle Argumentationen im Bezug auf Peking in diesem Sommer.

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