Tag - Lopavent

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Loveparade: Schaller weißt Polizei die Schuld zu
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Polizei weißt Loveparade-Veranstalter Schuld zu

Loveparade: Schaller weißt Polizei die Schuld zu

Lopavent, der Veranstalter der Loveparade hat nun eine Dokumentation zu den Ereignissen vom 24.7. herausgegeben. Mit Bildern der Überwachungskamera wird der Polizei die Schuld an dem Desaster zugewiesen:

  • Wenn man sich die erweiterte Chronologie anguckt, erkennt man sogar Ähnlichkeiten zum Polizeibericht:
  • Generell sehen beide ein Problem in der richtigen Zuführung der Zuschauer zur Loveparade.
  • Während die Polizei kritisiert, dass der Veranstalter die Zugänge zum Tunnel nicht richtig geschlossen habe, ist dieser über die Polizeisperren verwundert.

Auch die Detailansicht der Chronologie bringt nicht wirklich weiter. Denn auch dort kann man nachlesen, dass der Crowdmanager von Lopavent die Polizei um Unterstützung bittet und die Schleusen dann auch wirklich geschlossen werden. Offensichtlich hatte man hier schon ein Problem mit zuvielen Menschen. Wenn der Zugang wie geschildert reguliert wurde, um dagegen zu wirken, wären die Polizeisperren in der Tat unsinnig gewesen. Laut Polizeibericht waren sie aber nötig, um eine Verstopfung oben auf dem Zugang zu klären und mangels eigener Sperrungen durch den Veranstaler müsste man es so handhaben.

Im Bereich West findet sich auch bei dem Veranstalter der Vermerk, dass diese Sperrung des Eingangs wegen eines Krankenwagens aufgehoben wurde. Eine Begründung, wieso man dieses Tor nicht wieder geschlossen hat, findet man aber nicht. Irgendwann wird der Druck auf die Polizeiketten zu groß und es kommt eben darum zu dieser Katastrophe – auch das ist im Grundsatz unstrittig.

Auch trotz der neuen Bilder bleiben viele Fragen offen:

  • Wieso wurden die Polizeiketten gebildet und was war der Grund beispielsweise für die Bewegung auf die andere Seite der zweiten kleineren Rampe?
  • Wieso hatte der Veranstalter angsichts des Druckes im Tunnel auf die Ketten nicht die Sperren am Zugang zu den Tunneln wieder geschlossen?

Also sind wir wieder nicht schlauer was dies angeht. Schaller ist im übrigen am Donnerstag zu Gast bei Kerner um 22.15 Uhr auf Sat1. Ich mag Kerner jetzt nicht unbedingt und befürchte, dass es eher zu einer Schaller-Werbesendung wird, weil nicht kritisch nachgefragt wird, aber lasse mich gerne eines besseres belehren.

Polizei weißt Loveparade-Veranstalter Schuld zu

Zugegeben, der Innenminister wollte sich formell nicht zum Hauptschuldigen der Katastrophe bei der Loveparade äußern, aber der Tenor bei der vorhin zuende gegangenen Pressekonferenz war eindeutig: Der Veranstalter hat seine Ordner nicht im Griff gehabt.Wichtige Hintergrundinformation ist, dass die Verantwortung für den Tunnelbereich beim Veranstalter lag und bei dessen Ordnern.

Der erste Fehler war demnach wohl schon direkt zu Beginn. Vereinbart war eine Öffnung um 11 Uhr, wenn es voller wird auch schon um 10. Geöffnet wurde das Gelände um 12 Uhr. Da gab es aber bereits entsprechenden Rückstau. Wahrscheinlich wäre dies am Ende dann aber nicht das Problem gewesen. Nach der weiteren Darstellung gab es dann das Problem, dass die Menschen oben an der Rampe nicht weiter auf das Gelände geführt wurden, sondern zum Betrachten der Floats nahe des Eingangs stehen blieben und damit für einen Pulk dort sorgten und Neuankömmlingen den Eintritt versperrten. Dies folgte dann erneut zum Rückstau.

Als dieser zunahm, wurde die Polizei vom Veranstalter um Hilfe gebeten. Um den Rückstau oben aufzulösen und damit die Situation auf der Rampe zu entlasten sollten damit – nach Bericht der Polizei – alle Zugänge geschlossen werden und oben dafür gesorgt werden, dass die Menschen weiter aufs Veranstaltungsgelände gehen. Allerdings wurden die Zugänge nicht wirklich geschlossen, sondern am Westende wurde nach der Durchfahrt eines Krankenwagens der Durchgang nicht nur geschlossen, sondern sogar später ein weiteres Gitter geöffnet, so dass weitere Menschen in die überfüllte Situation an der Rampe strömten. Die Polizei habe nach eigener Darstellung sogar versucht, hier entgegen zu steuern und Polizeiketten im Tunnel gebildet, die aber die Menschen nicht abhalten konnten, was auch zu folgendem Augenzeugenbericht passt:

An einer größeren Straße kontrollierte uns die Security auf Glasflaschen. Danach ließ man uns weiter durch. Es wurden immer mehr Leute. Etwa fünf Meter weit im Tunnel stand eine Reihe von Polizisten, wollte die Menge zurückhalten. Hinter ihnen war sogar noch etwas Platz. Da wurden manche Raver furchtbar wütend. Sie hatten keine Lust zu warten, traten auf die Beamten ein. Ganz viele drängelten sich einfach durch. Der Druck durch die Massen immer größer. Schließlich wichen die Polizisten, die förmlich überrannt wurden, zur Seite aus. Alles strömte in den Tunnel. Der war schließlich so voll, dass man nicht mal mehr den Arm heben konnte.

Dies steht natürlich diamentral zur Aussage des Veranstalters, die Polizei habe Sperren freiwillig aufgegeben. Zum einen hatte sie dies offensichtlich nicht freiwillig, zum anderen ist es nach der Darstellung der Polizei ja auch eine Reaktion auf das Scheitern der Ordner. Die Krönung des ganzen war dann noch, dass laut Informationen des Polizeiinspekteurs nichtmal genug Ordner da waren um alle Einzelkontrollen zu besetzen (als dies noch notwendig war). Auch an anderer Stelle gab es wohl zuwenig Personal seitens des Veranstalters.

Zum Grund, wieso die Menschen an Mästen, dem Container oder eben der Treppe emporgestiegen sind, wollte man keine weiteren Spekulationen abgeben. Dies kann natürlich meiner Ansicht nach an Ungeduld liegen, aber vielleicht auch einfach – und das spekuliere ich eher – als eine Fluchtmöglichkeit aus der Enge. Die dabei überrannten Absperrungen wurden dann zur Stolperfalle.

Alles in Allem ist ein erschreckendes Bild des Veranstalters gezeichnet worden, der nach dem Motto “Wird schon irgendwie” an die Veranstaltung gegangen ist und dessen Sicherheitsdienst mit der Situation überfordert war. Natürlich ist es ein Bericht Seitens der Polizei und man darf gespannt sein, wie der Veranstalter darauf reagiert. Immerhin war es aber so eine Pressekonferenz bei der man – trotz Hinweisen auf die Ermittlungen – durchaus den Eindruck hatte neues zu erfahren. Und Respekt gilt auch dem Polizeiinspekteur, der sichtlich bewegt war, als er von den Toten sprach und mit den Tränen ringen musste. Menschliche Gesten, die man bei den vorgelesenen Erklärungen von Stadt und Veranstalter doch etwas vermissen konnte.

Weitere Berichte der Pressekonferenz gibts bei der Zeit und DerWesten.