Tag - Lena Mayer-Landrut

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Promo-Show als Wahlveranstaltung getarnt
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Lena als Marke
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Eurovision Song Contest 2010

Promo-Show als Wahlveranstaltung getarnt

Ich sitze noch an der Uni und werde es wohl nicht bis um 20.15 Uhr nach hause schaffen. Dann könnte ich mir – zumindest theoretisch – “Unser Song für Deutschland” angucken, bei dem der deutsche Song für den Eurovision Song Contest ausgewählt wird. Auch wenn ich diesen eigentlich immer geguckt habe mit Freunden, hätte mich die Vorauswahl wohl nicht vor den Fernseher gelockt. Die habe ich nie geguckt. Und dieses Jahr hätte man es eigentlich auch “Lena in Concert” nennen.

Zugegeben, Lena hatte mit ihrem Charme sicherlich viel zum Gewinn im letzten Jahr beigetragen und dafür gesorgt, dass der Contest in diesem Jahr in Deutschland stattfindet. Aber das man daraus jetzt einen Freifahrtsschein macht, ärgert mich doch. Wo ist dann noch die Auswahl? Achja, man kann auch den Liedern wählen, die Lena im Februar auf CD herausbringt. Sie kann also zur Primetime ihre neue CD vorstellen und dafür mächtig Werbung machen. Und der Zuschauer hat dann die Wahl, welches Lied es sein soll.

Für die Kandidatin ist das doppelt praktisch: Die Teilnahme ist ihr sicher und den Verkauf der CD steigert es mit Sicherheit auch direkt. Super. Und da die Chancen den Erfolg mit einem bekannten Gesicht im diesen Jahr beim Song Contest zu wiederholen ist sowieso gering, also ist der Druck da sicher auch nicht so hoch.

In einem Artikel bei DerWesten schrieb Tim Rahmann, dass ein neuer Kandidat es schwer hätte und immer mit Lena verglichen worden wäre. Natürlich, da ist ein Druck hinter, aber es ist immerhin eine Chance. Und es ist eine Wahl. Hier wird Lena auf einen Thron gestellt, bei der man sich die Frage stellt, wieso man nicht eine Lenakratie einführt:

Er oder sie würde blass wirken, weniger frech, weniger authentisch. Zu Lena gibt es keine Alternative.

Woher will man das wissen? Sie hätte ja antreten können und dann können die Zuschauer eben dies entscheiden. Anstatt dessen ist dies hinter verschlossenen Türen geschehen und man bekommt es nur fortgesetzt. In den letzten Jahren war es m.E. immer eine gute Tradition die Entscheidung über die Gewinner sowohl bei der Vorauswahl, wie auch dem eigentlichen Contest den Menschen zu überlassen und weg von Juryentscheidungen im Hinterzimmer zu kommen. Offensichtlich gilt nun das Prinzip Lena und eine Mitbestimmung wird begrenzt. Aber sie hätte ja auch damals locker die Nachfolge von Horst Köhler antreten können im Lena-Wahn…

Lena als Marke

Wer noch dachte, dass Lena Meyer-Landrut eine 19 jährige Sängerin ist, die den Eurovision Song Contest gewonnen hat, muss sich eines besseres belehren lassen: Lena Meyer-Landrut ist eine Marke und sie gehört Raab TV. Tja, so schnell wird man offensichtlich von einem Menschen zu einer Marke. Hintergrund:

Nachdem der unter anderem für Science Fiction und Fantasy bekannte Heyne Verlag unlängst eine Biografie mit dem Titel [extern] “Lena – Einfach raus und leben” ankündigte, bekam er Post von einer Kölner Kanzlei, die behauptete, dass [local] Stefan Raabs Firma Raab TV die Inhaberin “sämtlicher ausschließlicher Nutzungsrechte an dem Namen Lena Meyer-Landrut” sei und selbst “in erheblichem Umfang eigene gleichgelagerte Produkte vertreiben” werde.

Der Verlag werde die Biographie dennoch am 2. August herausbringen. Mal abgesehen davon, dass ich mich – ohne jetzt etwas gegen Lena sagen zu wollen – frage, wieso es für eine 19-jährige deren Karriere gerade erst begonnen hat schon eine Biographie geben muss, halte ich das auch für richtig. Lena ist nunmal mehr als eine Marke, sondern eine Person des öffentlichen Lebens. Und diese muss nunmal auch damit leben, dass über sie geschrieben wird – auch von Leuten, die sie nicht nach oben gebracht haben.

Eurovision Song Contest 2010

In den letzten Jahren hatte ich immer – naja zumindest 2007 und 2008 – meine Liste des Eurovision Song Contestes gepostet. Der guten Tradition nach gibt es auch in diesem Jahr 2010 die Liste, wobei ich mir den ersten Platz meiner Titelliste mal spare, denn Satellite hört ihr in den nächsten Wochen bestimmt oft genug 😀

Und so kommen wir mal zu den Beiträgen aus den anderen Ländern. Ein Ranking erspare ich mir und euch mal, denn eine Reihenfolge fiel mir bei unserem “Tippspiel” am Abend bereits schwer genug:

Daniel Diges mit Algo pequenito (Spanien)

Mir gefällt einfach die etwas verrückte Art dabei und die fröhliche Musik, die an dem Abend doch etwas herausstach. Besonders ja auch der Störer beim ersten Versuch, wobei ich den aber – insbesondere weil dann ja wirklich noch ein anderer Sänger auftritt – für dazugehörig werte. Außerdem war der Sänger ja auch nicht aus der Ruhe zu bringen.

maNga mit “We could be the same” (Türkei)

Eben etwas rockiger 🙂

Giorgos Alkaios & Friends mit OPA (Griechenland)

Wiedermal etwas fröhlichere, schnelle Musik

Sunstroke Project & Olia Tira mit Run Away (Moldawien)

Die Gruppe sah zwar etwas strange aus und erinnerte ein wenig an das Ende von Rocky Horror, aber das Lied fand ich schon ganz nett… vielleicht weil das alles etwas verrückt ist 🙂

Safura mit Drip Drop (Aserbaidschan)

Sie galt als ernsteste Konkurrentin für Lena und ihr Lied fand ich auch recht gut – nur der Tänzer fand ich teilweise etwas deplatziert.

Noch abschließend einige Bemerkungen:

1. Ich finde die Arena Auf Schalke ist ein exzellenter Ort für den Eurovision Song Contest 2010 🙂

2. Sich über den Erfolg von Lena / Deutschland zu freuen ist keine Rechtfertigung für Antisemitismus.

3. Kann man davon ausgehen, dass Stefan Raab nun Narrenfreiheit im Fernsehen hat?