Atomwaffen raus aus Deutschland

Im kleinen Ort Büchel mit 1.200 Einwohnern wird noch immer ein wenig Kalter Krieg gespielt. Auf dem Fliegerhorst dort lagern nämlich unter amerikanischer Aufsicht die letzten 20 Atombomben in Deutschland. Deren Einsatz wird dabei nicht von den Amerikanern geübt, viel mehr sind es deutsche Tornadopiloten, die den Abwurf der Massenvernichtungswaffe trainieren. Mehr hierzu und den völkerrechtlichen Problemen habe ich vor etwas weniger als einem Jahr geschrieben. Jetzt kommt das Thema wieder auf, weil eine amerikanische Untersuchung Sicherheitsmängel an den europäischen Atomwaffenstandorten festgestellt hat. Politiker aller Oppositionsparteien fordern deshalb jetzt den Abzug dieser Waffen aus Deutschland und auch in der SPD gibt es kritische Stimmen. Alleine die CDU hält die atomare Teilhabe für notwendig:

Man müsse an der atomaren Abschreckungsstrategie festhalten, sagte der außenpolitische Sprecher der Fraktion, Eckart von Klaeden (CDU), der „Berliner Zeitung“. Die Waffen müssten selbstverständlich nach den höchsten Sicherheitsstandards gelagert werden, aber „wir können nicht auf sie verzichten, solange es Nuklearwaffen auf der Welt gibt. Sie schützen auch uns“. Klaeden: „Wir müssen uns auch davor wappnen, dass uns zum Beispiel ein Land wie der Iran in Zukunft zu Geiseln nimmt.“

Also das uns die 20 Atombomben in Büchel vor einem hypothetischen Angriff aus dem Iran schützen sehe ich nicht. Wir würden die wahrscheinlich ja nichtmal in den Iran transportieren können oder schon etwas umständlich mit den Tornados. Im Kalten Krieg mögen diese Abschreckunsmechanismen so noch funktioniert haben, vor allem als man selber das Schlachtfeld eines solchen geworden wäre. Die Welt sieht fast 20 Jahre später aber doch deutlich anders aus.

Thirteen days

Leider war es die letzten Tage ja auffällig ruhig hier im Blog – der Grund: Eine Diplomprüfung in Geschichte am nächsten Mittwoch. Themen: „Die USA im ersten Weltkrieg“ und „Kennedys Außenpolitik“. Momentan ist da wirklich nicht viel Zeit, denn von Morgens bis Abends wird gelesen und zusammengefasst. Dennoch möchte ich dazu passend doch noch einen kurzen Filmtipp geben: Thirteen Days von Roger Donaldson mit Kevin Costner. In dem 140 Minuten langen Spielfilm aus dem Jahr 2000 werden die 13 Tage der Kuba Krise nochmal dargestellt. Und das sehr gut. Klar, es stimmt nicht alles zu 100 Prozent, aber das meiste ist schon richtig und teilweise findet man sogar 1:1 Zitate. Jedenfalls hab ich den Film – wie meine Twitterbeobachter mitbekommen haben – gestern nochmal gesehen und kann ihn nur empfehlen. Auch die Dokumentation auf der zweiten DVD ist sehr interessant :) Also kaufen :D

Berlin, Peking und Seoul

Der Marshallplan Plan1 war dann auch Ursache für die erste große Krise in diesem Kalten Krieg. Für das Gelingen der Wirtschaftshilfe war es erforderlich geordnete wirtschaftliche Bedingungen aufzubauen, für Deutschland bedeutete dies eine gemeinsame Währung. Am 19. Juni 1948 wurde dementsprechend die D-Mark in den Westzonen eingeführt, drei Tage später auch in Westberlin. Dies veranlasste Stalin dazu, zum „Schutze der Interesen der Bevölkerung und der Wirtschaft der sowjetischen Zone sowie zur Vorbeugung der Desorganisation des Geldumlaufes“2 eine Blockade Berlins zu veranlassen. Alle Land- und Schifffahrtswege wurden gesperrt und schließlich auch die Stromversorgung gekappt. 2 Millionen Westberliner waren Geiseln des Systemkonflikts geworden, die Stadt zum – wie der damalige Bügermeister Ernst Reuter es ausdrücke – zum „Stalingrad der deutschen Freiheit“3 geworden.

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  1. siehe Teil 3 der Reihe zum Kalten Krieg []
  2. Zit. nach Ströver S. 89 []
  3. Zit. nach Ströver S.90 []

„Kriegserklärungen“

Nachdem die Sowjetunion sich im Westen durch Satellitenstaaten abgesichert hatte, blieb für Stalin noch eine unsichere südlichere Grenze. Er stellte deshalb erneute Forderungen auf, die selbst seinem Außenminister Molotow als zu weitgehend erschienen:

  1. Er zögerte den Rückzug der sowjetischen Truppen aus dem Iran heraus, welches 1941 gemeinsam von Briten und Sowjets besetzt wurde, um die Nachschubwege der Westalliierten in die Sowjetunion, aber auch die Ölvorräte zu sichern.
  2. Er forderte militärische Basen in der Türkei, insbesondere um Kontrolle über den Bosporus und die Dardanellen zu erhalten.
  3. Schlußendlich wurde auch eine Beteiligung an der Verwaltung der ehemaligen italienischen Kolonien in Nordafrika gefordert, um so Flottenstützpunkte im Mittelmeer zu errichten.1

Die Reaktion der Westmächte war eine eindeutige Ablehnung. Im Iran gelang es der Sowjetunion zwar kurzzeitig eine autonome Republik ausrufen zu lassen, aber nach dem Anruf Irans bei den Vereinten Nationen und Druck der Alliierten zogen sich die sowjetischen Truppen am 25. März 1946 schließlich zurück und die Iran-Krise war überwunden.2

Auch die anderen Forderungen am Mittelmeer wurden eindeutig abgewiesen. Die USA bestärkten ihre Ablehnung durch die Entsendung eines Flottenverbandes ins östliche Mittelmeer. Auch wurde der UdSSR durch eine Note unmissverständlich mitgeteilt, dass die Souveränität der Türkei notfalls mit Waffengewalt verteidigt werde.3

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  1. Auflistung nach Gaddis, S.42f. []
  2. Für eine genauere Darstellung der Ereignisse siehe Ströver, S. 54f. []
  3. Vgl. Ströver S.49 []

Vorgeschichte des Kalten Krieges

Nach der theoretischen Einführung des ersten Beitrages wird es nun Zeit wirklich in die Geschichte einzutauchen – und zwar mit den Hintergründen des Kalten Krieges. Beginnen will ich mit einem interessanten Zitat:DeTocque

Es gibt heute auf der Erde zwei große Völker, die – von verschiedenen Punkten ausgehend – zum selben Ziel vorzurücken scheinen: die Russen und die Amerikaner.
Beide sind im verborgenen groß geworden und während die Aufmerksamkeit der Menschen anderswo gefesselt war, sind sie plötzlich in die vorderste Reihe der Nationen getreten, (…)
Sein Ziel zu erreichen, baut der Amerikaner auf das private Interesse und läßt die Kraft und Vernunft des Einzelnen wirken, ohne sie zu dirigieren.
Der Russe drängt gewissermaßen die ganze Macht der Gesellschaft in einem Menschen zusammen.
Freiheit ist dem einen der Antrieb, Knechtschaft dem anderen. Ihr Ausgangspunkt ist verschieden, verschieden ist ihr Weg; und doch, nach einem geheimen Plan der Vorsehung scheint jeder von ihnen berufen, dereinst die Geschicke der halben Welt zu lenken.1

Was auf den ersten Blick wie eine zeitgemäße Analyse der Situation nach dem Zweiten Weltkrieg aussehen mag, ist zu dem Zeitpunkt bereits über 100 Jahre alt. Der Franzose Alexis de Tocqueville schrieb dies bereits 1835 in seinem Werk „Über die Demokratie in Amerika“, einer Analyse des amerikanischen Regierungssystem. Auch wenn Russland nach dem Zweiten Weltkrieg sicher anders aussah, als es Tocqueville kannte, sollte er Recht behalten. Jedoch wäre es wohl – bei aller Bedeutung seines Werkes – überzogen hier die Vorgeschichte des Kalten Krieges beginnen zu lassen.

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  1. Tocqueville, Alexis de: Über die Demokratie in Amerika, Stuttgart 1985, Amazon []

Literaturempfehlungen Kalter Krieg

Um es mir beim Zitieren etwas leichter zu machen und gleichzeitig ein wenig zu sammeln, welche Literatur im Rahmen der Blogreihe zum Kalten Krieg genutzt wurde, gibt es nun diese Literaturliste, die ich in den Artikeln verlinken werde. Dort werde ich dann – außer bei der ersten Nennung – nicht mehr den kompletten Buchtitel angeben, sondern nur Autor und Kurztitel (ggf. plus Jahr). Am Ende wird der Artikel dann auch in die Reihe eingefügt, noch muss er leider separat bleiben. Auch wird dieser Artikel im Laufe der Reihe sicher mehrmals überarbeitet werden, dies erkennt man auch an der folgenden Kommentierung der Bücher :)

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Der Kalte Krieg: Eine Definition

Den heutigen ersten Weihnachtstag habe ich wirklich genossen: Man konnte gemütlich lange im Bett rumliegen und in den Büchern schmökern, die man gestern bekommen hat und das Leben so an sich vorüberziehen lassen. Naja, um ein wenig daraus zu ziehen, will ich versuchen1 meine lang gehegten Wünsche nach mehr tiefergehenden Artikelreihen hier im Blog in die Realität umzusetzen. Die erste Reihe wird sich mit dem Kalten Krieg beschäftigen, der Zeit zwischen 1945 und 1991, als die Welt noch klar in zwei Blöcke aufgeteilt war und grade deshalb öfter am Rande der totalen Zerstörung stand. Haupthintergrund bildet das Buch „Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalters 1947 – 1991“ von Bernd Stöver, welches ich nach den ersten 66 Seiten nur empfehlen kann. Es ist gut geschrieben, dennoch wissenschaftlich korrekt und sehr inhaltsstark. Sollten also in meinen Artikeln keine Quellen angegeben sein, dürfte dieses Buch als Quelle dienen, wobei ich auch versuche Seitenzahlen anzugeben. Aber ich will nicht nur abschreiben, sondern – wo es sich inhaltlich und vor allem zeitlich ergibt – auch andere Literatur zu Rate ziehen. Nun aber los.. :) Weiter lesen „Der Kalte Krieg: Eine Definition“

  1. Ob sich dies auch im Alltag halten lässt, weiss ich natürlich nicht :D []

Der Dritte Weltkrieg

Auch wenn der Titel es vermuten lassen mag, geht es dieses mal nicht um die inzwischen relativierte Warnung von Bush im Iran-Atom-Konflikt, sondern um ein Stück Geschichte. Oder ich sollte lieber sagen nicht erlebte Geschichte. In der folgenden 1,5 Stunden Langen „Dokumentation“ hatte das ZDF bereits vor einigen Jahren mal durchgespielt, was passiert wäre, wenn der Protest in der DDR nicht friedlich verlaufen wäre und in der Sowjetunion härtere Kräfte am Werk gewesen wären – was nach Angaben des sowjetischen Außenministers damals garnicht so unrealistisch war. Da ich alternative Geschichtsspielchen marke „Was wäre gewesen wenn…“ liebe, habe ich den Film schon mehrmals gesehen und kann nur sagen: Es lohnt sich ;)

Die Frau vom Checkpoint Charlie

Sonntags abends ist Tatort Zeit – normalerweise. Gestern abend lief anstatt des Krimis der erste Teil der „Frau vom Checkpoint Charlie„. Veronica Ferres verkörpert in diesem Fall die Erlebnisse von Jutta Fleck, der 1982 nach einem gescheiterten Fluchtversuch ihre beiden Kinder entzogen wurden. Sie wurde später von der Bundesrepublik freigekauft und sah ihre Kinder erst 1988 wieder. Der Film war sicher in einigen Dingen absehbar, wie beispielsweise des Verrats durch den Fast-Ehemann (Jutta Fleck hat sich zu den wirklichen Spitzeln nicht geäüßert), aber dennoch hat er mich nochmals zur Geschichte der DDR aufhorchen lassen. Weiter lesen „Die Frau vom Checkpoint Charlie“