Tag - Hitler

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The Man in the High Castle
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“Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.”
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Zeitungszeugen
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Linktipps 18.10.2007

The Man in the High Castle

Urlaubszeit ist auch immer etwas Fernsehzeit. Und so konnte ich nun auch “The Man in the High Castle” angucken. Im Sommer konnte man diese Amazon Serie bereits wählen und sie hat mich sofort angesprochen. Ich mag eben alternative Geschicht und genau darum geht es in der Serie: Nach deren Prämisse haben die Allierten den Zweiten Weltkrieg verloren und die Vereinigten Staaten sind aufgeteilt in einen “Großdeutschen” Teil und japanische Pazifikstaaten. Dazwischen gibt es eine neutrale Zone, die an einen Wilden Western erinnert.

Die Serie schafft es sehr gut, dieses Bild von anderen Vereinigten Staaten rüber zu bringen. Amerikanische Kultur wird also von einer deutschen oder japanischen überlagert und es ist eine stimmungsvolle Darstellung dieser alternativen Welt.

Die Story selber kann man sicher erst nach der zweiten Staffel abschließend bewerten, denn der Hintergrund der mysteriösen Filmbänder ((SPOILER [aber Folge 1]: die einen alternativen Kriegsverlauf zeigen)) wird nicht aufgedeckt, sondern im Gegenteil noch durch ein Staffelfinale verstärkt. Interessant auch die Rolle von Hitler und die Intrigen in der Serie, bei denen dieser fast als aktueller Friedensfürst gilt. ((SPOILER: Nach seinem absehbaren Tod käme es zu einem erneuten Krieg. Nun zwischen Deutschland und Japan und mit massivem Einsatz von Atomwaffen auf Japan.))

Alles in allem eine sehr gute Serie, die insbesondere durch ihre Stimmung zu fesseln weiß. Die Story ist okay, aber irgendwie bleiben die Charaktere doch noch etwas blass. Vielleicht ändert sich das ja noch zur Staffel 2. Vielleicht sollte ich bis dahin mal einen Blick in die Romanvorlage werfen?

Ansonsten kann ich nur empfehlen mal in die Serie reinzugucken, wenn man Amazon Prime hat.

“Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.”

Dass 1933 die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland “ergriffen” haben, sollte man wissen. Dass der 23. März dabei ein – wenn nicht das wichtigste – Datum ist, vielleicht nicht unbedingt. Zugegeben, der Tag für mich leichter zu merken, habe ich doch an dem Tag (wenn auch viele Jahre später) meinen Geburtstag.

Heute vor 80 Jahren wurde im Reichstag die Selbstentmachtung des Parlaments beschlossen – das “Ermächtigungsgesetz”.

Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich (Ermächtigungsgesetz) vom 24.3.1933

1. Reichsgesetze können außer in dem in der Reichsverfassung vorgesehenen Verfahren auch durch die Reichsregierung beschlossen werden. Dies gilt auch für die in den Artikeln 85 II und 87 der Reichsverfassung bezeichneten Gesetze.

2. Die von der Reichsregierung beschlossenen Reichsgesetze können von der Reichsverfassung abweichen, soweit sie nicht die Einrichtung des Reichstags und des Reichsrats als solche zum Gegenstand haben. Die Rechte des Reichspräsidenten bleiben unberührt.

(…)

 

Kurz: Die Teilung von Regierung und Parlament war aufgehoben und wohin das führte, war schon wenige Wochen später klar: Gewerkschaften und Parteien zerschlagen, Presse “gleichgeschaltet” und Reichstag ausgeschaltet. Alle weiteren Gesetze kamen dann aus Hitlers Reichskanzlei.

Über die weiteren Folgen dieser Einrichtung der Diktatur muss man nicht weiter eingehen. Massenmord, Terror und Krieg konnten widerstandslos durchgeführt werden.

Wobei die Abstimmung selber war schon ein Vorzeichen der folgenden Zeit: Nach dem Reichstagsbrand und der folgenden “Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat” konnten Abgeordnete der Kommunistischen Partei nicht mehr teilnehmen, da sie geflohen oder verhaftet waren. Generell hatte das Terrorregime seine Arbeit bereits begonnen. Auch bei der Sitzung in der Krolloper waren viele SA Uniformierte aktiv und sorgten so für eine entsprechende Bedrohung.

Für die Abgeordneten des Zentrumspartei reichte dieser Druck offensichtlich aus. Bei Wikipedia wird das Abstimmungsverhalten wie folgt charakterisiert:

Der ehemalige SPD-Reichstagsabgeordnete Fritz Baade schrieb 1948: „Wenn man […] das ganze Zentrum nicht durch physische Bedrohung gezwungen hätte, für dieses Ermächtigungsgesetz zu stimmen, wäre auch in diesem Reichstag keine Mehrheit zustande gekommen. Ich entsinne mich, daß Abgeordnete der Zentrumsfraktion […] nach der Abstimmung weinend zu mir kamen und sagten, sie seien überzeugt gewesen, dass sie ermordet worden wären, wenn sie nicht für das Ermächtigungsgesetz gestimmt hätten.“

Die SPD – selber aufgrund der Maßnahmen im Vorfeld nicht vollständig – stellte sich am Ende als einzige Partei gegen das Gesetz. Ausgereicht hatte es nicht. Dennoch ist die Rede von Fraktionsvorsitzenden Otto Wels der letzte demokratische Widerstand und die letzte demokratische Rede im Reichstag ((der im Übrigen danach kaum noch zusammentrat)). Prägnant sind einige Worte aus der Rede als Bekenntnis zur Rechtsstaatlichkeit:

Mag sich die Regierung gegen rohe Ausschreitungen der Polemik schützen, mag Sie Aufforderungen zu Gewalttaten und Gewalttaten selbst mit Strenge verhindern. Das mag geschehen, wenn es nach allen Seiten gleichmäßig und unparteiisch geschieht, und wenn man es unterläßt, besiegte Gegner zu behandeln, als seien sie vogelfrei.

(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)

Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.

(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Nach den Verfolgungen, die die Sozialdemokratische Partei in der letzten Zeit erfahren hat, wird billigerweise niemand von ihr verlangen oder erwarten können, daß sie für das hier eingebrachte Ermächtigungsgesetz stimmt. Die Wahlen vom 5. März haben den Regierungsparteien die Mehrheit gebracht und damit die Möglichkeit gegeben, streng nach Wortlaut und Sinn der Verfassung zu regieren. Wo diese Möglichkeit besteht, besteht auch die Pflicht.(…)

Die Herren von der Nationalsozialistischen Partei nennen die von ihnen entfesselte Bewegung eine nationale Revolution, nicht eine nationalsozialistische. (…) Wollten die Herren von der Nationalsozialistischen Partei sozialistische Taten verrichten, sie brauchten kein Ermächtigungsgesetz. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.)
Eine erdrückende Mehrheit wäre Ihnen in diesem Hause gewiß. (…)

Aber dennoch wollen Sie vorerst den Reichstag ausschalten, um Ihre Revolution fortzusetzen. Zerstörung von Bestehendem ist aber noch keine Revolution. (…)

Wir Sozialdemokraten wissen, daß man machtpolitische Tatsachen durch bloße Rechtsverwahrungen nicht beseitigen kann. Wir sehen die machtpolitische Tatsache Ihrer augenblicklichen Herrschaft. Aber auch das Rechtsbewußtsein des Volkes ist eine politische Macht, und wir werden nicht aufhören, an dieses Rechtsbewußtsein zu appellieren.

Die Verfassung von Weimar ist keine sozialistische Verfassung. Aber wir stehen zu den Grundsätzen des Rechtsstaates, der Gleichberechtigung, des sozialen Rechtes, die in ihr festgelegt sind. Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns in dieser geschichtlichen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus.

(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.)

Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten. Sie selbst haben sich ja zum Sozialismus bekannt. Das Sozialistengesetz hat die Sozialdemokratie nicht vernichtet. Auch aus neuen Verfolgungen kann die deutsche Sozialdemokratie neue Kraft schöpfen.

Wir grüßen die Verfolgten und Bedrängten. Wir grüßen unsere Freunde im Reich. Ihre Standhaftigkeit und Treue verdienen Bewunderung. Ihr Bekennermut ihre ungebrochene Zuversicht –

(Lachen bei den Nationalsozialisten.)

(Bravo! Bei den Sozialdemokraten.)

verbürgen eine hellere Zukunft.”

Hitler bedeutete die Zustimmung der SPD nichts:

„Ich will auch gar nicht, dass Sie dafür stimmen. Deutschland soll frei werden, aber nicht durch Sie.“

Die Rede (komplett hier) sollte uns – wie das Ereignis generell – daran erinnern, dass Demokratie neu verteidigt werden muss. Einschränkungen in Grundrechte und Legislative höhlen die Demokratie schnell aus. Daher besonderer Respekt an die SPD damals, die sich dem Druck entgegen stellte. 

Zeitungszeugen

image Heute habe ich im Copy-Shop meiner Universität doch noch Ausgaben von Zeitungszeugen gefunden. Wie schon berichtet ist dies eine Wochenzeitung, die Zeitungen aus der Zeit des Nationalsozialismus nachdruckt und in einen Zusammenhang stellt. Die Bayerische Landesregierung hatte die Zeitung eingezogen, weil sie die Urheberrechte an Nazi-Propaganda besitzt. Und wie schon im letzten Artikel bleibe ich auch bei näherer Betrachter dabei: Diese Aktion ist sinnlos. Die Publikation ist sehr gut und überzeugt mich durchaus. Und es ist doch durchaus besser, man bringt diese Propagandaschriften jetzt kommentiert heraus, als bis 2015 zu warten, bis dies jeder kann.

Aber anders als beim letzten Mal habe ich nun das Schriftstück direkt betrachten können – zumindest Ausgabe 2 zum Brand des Reichtags, der als Quellen die Vorwärts, den Völkischen Beobachter und die Vossische Zeitung beiliegt, zudem ein Wahlplakat der NSDAP. Letztes fand ich zunächst dann doch etwas verstörend, aber ich habe gesehen, dass in Ausgabe 3 eines der KDP beiliegt. Diese habe ich auch gekauft, aber es ist eine zensierte Sonderausgabe, so zumindest der Titel, denn anstatt dem Angriff und der Frankfurter Zeitung findet man nur eine Erklärung über den Sachverhalt und einen Coupon für die komplette Ausgabe im inneren des Mantels.

Und dieser Mantel rundet das Angebot auch gut ab. Zunächst wird ausführlich auf den Hintergrund und die Ereignisse der Ausgabe eingegangen, also beispielsweise Ermächtigungsgesetz, Reichtagsbrand oder – ab heute – der Boykott jüdischer Geschäfte. Auf der Rückseite wird unter “Geschichte erleben” dann schließlich noch auf die Zeitungen eingegangen, also deren Geschichte und eine geschichtliche Einordnung und Einschätzung, aber auch beispielsweise Besonderheiten, wie besondere Anzeigen und ähnliches. Die Zeitungen selber sind eben so wie Zeitungen aus den dreißiger Jahren. In Frakturschrift geschrieben, mit dem ein oder anderen Bild und auch Anzeigen für Lebensmittel oder den Gewinnspielzahlen der letzten Tage – eben eine Originalausgabe vom jeweiligen Tag. Gelesen habe ich diese wiederum natürlich noch nicht, das dauert grade bei der Schrift dann doch etwas, aber ich freue mich schon darauf, einen eingehenderen Blick in die verschiedenen Darstellungen zu werfen, wohlwissend, dass es sich – je nach Medium – um reine Propaganda handelt.

Aber ich finde man kann nicht viel besser aus der Geschichte und dem Leben in der Zeit des Nationalsozialismus lernen, als durch die Zeitungen, die ja nicht nur die wesentlichen Weltereignisse darstellen, sondern eben auch andere Ereignisse des Tages – verbotene Demos, verschärfte Gesetze, etc. Morgen kommt bekanntlich die Ausgabe zur Boykottierung von jüdischen Geschäften und in einer Woche dann diejenige zum Austritt aus dem Völkerbund.

Das Vorgehen der bayrischen Landesregierung scheint da noch unverständlicher und ganz ehrlich: Ich glaube noch immer nicht daran, dass nun plötzlich die Neonazis Deutschlands in die Läden stürmen, um sich diese Zeitung kaufen oder dass sich jemand einfach so eine rechte Zeitung liest und dann plötzlich der Ansicht ist, dass unter Hitler doch alles besser wäre und die Demokratie ein großer Müll ist.

Im Gegenteil bietet diese Reihe Geschichtsinteressierten eben einen faszinierenden Blick zurück (oder einem befreundeten Rollenspieler neues Quellenmaterial 😉 ) und das sage ich auch als jemand, der die kompletten Protokolle der Nürnberger Prozesse in einem Schuber auf dem Regal verstauben lässt 😀

Linktipps 18.10.2007

Dabeisein ist alles « Stefan Niggemeier Annotated
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Jeder Vierte gewinnt Hitler-Zeit etwas Positives ab Annotated
In einer Umfrage des Forsa-Instituts für die Illustrierte “stern” vertraten 25 Prozent der Befragten die Ansicht, dass unter der nationalsozialistischen Diktatur nicht alles schlecht gewesen sei. Als positive Beispiele wurden zum Beispiel der Bau der Autobahnen oder die Förderung der Familie genannt. 70 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, dass dass die NS-Zeit keinerlei gute Seiten hatten. 5 Prozent antworteten mit “weiß nicht”.

 

»Wir sind viele«, oder: Die Blogosphäre gibt es nicht | Werkstattnotiz XVI | Wissenswerkstatt Annotated
Kategorien, Etiketten, Schlagworte – sie sind notwendig, wir gebrauchen sie alltäglich und doch verstellen sie oftmals die Sicht auf die tatsächlichen Sachverhalte. Jeder weiß, daß es die Politik nicht gibt, wenn er auf bestimmte politische Mißstände hinweist. Jeder weiß, daß Politik von unzähligen unterschiedlichen Akteuren bestimmt wird und dennoch werden pauschale Kategorien genutzt.

 

Über 100 Social Networks aus Deutschland » Beitrag » zweinull.cc Annotated
Liste mit 100+ Social Networks aus Deutschland

 

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Der Frust über die Parteien in Deutschland ist groß. Laut einer Umfrage lehnen 82 Prozent der Befragten eine Mitarbeit ab. Besonders schreckt der “Parteiklüngel” die Deutschen von einem Engagement ab.