Nationalismus und Patriotismus

Ich wundere mich ein wenig, dass ein solcher Artikel nicht schon in meinem Blog ist – zumindest habe ich nichts gefunden – denn das Thema taucht bei jeder EM und WM seit 2006 auf: Der böse Nationalismus, der durch die Deutschlandfahnen und Fantum hervorgerufen wird. Die GRÜNE JUGEND hat durch eine entsprechende Aktion nun für einigen Wirbel gesorgt.

Ich halte von diesen ganzen Theorien nicht viel. Bei Weltmeisterschaften geht es um eins: Den Sport. In wenigen Wochen ist der Spuk wieder vorbei und baut sich auch in erster Linie während dieser Sportereignisse auf – weil man eben mit der eigenen Mannschaft mitfiebert. (Klar, einzelne Fahnen bleiben immer mal wieder hängen, aber es ist ja nicht so, dass dauerhaft die gleiche Art der oft ja auch internationalen Beflaggung bleibt.)

In wenigen Wochen kommen dann statt Deutschlandfahnen wieder Vereinsfahnen an die Fenster. Und dagegen habe ich nichts von der GRÜNEN JUGEND oder linken Gruppierungen gehört. Aber macht es einen Unterschied, ob man jemanden ablehnt, weil er Ire ist oder weil er aus Dortmund kommt und schwarz-gelb im Fußball schicker findet als blau-weiß. Die Sprüche bei solchen Spielen sind auch nicht ohne – vielleicht sogar harscher als bei Länderspielen.

Und eigentlich müsste hier auch entsprechender Protest aufkommen. Da fehlt er aber. Denn hinter dieser Theorie steht doch eins: Die Angst vor Ausgrenzung. Sprüche danach, das ein „wir“ auch immer ein „die anderen“ bedeuten würde, gelten auch für die Bundesliga. Diese Sprüche gelten für sehr vieles. Es gilt für Parteien, für Vereine, politische Strömungen und – auch wenn ich mir damit vielleicht Feinde in der GJ mache – doch auch ein wenig für Essgewohnheiten. Wenn man sich manche Äußerungen gegenüber „Fleischessern“ angucke, ist doch auch die Frage im Raum, wo beginnt dann Diskriminierung und Ausgrenzung.

Aber sei es drum. Ich will jetzt keine Diskussion über Veganismus, Vegetarismus und gesunde Ernährung und Tierschutz lostreten, sondern nur eins deutlich machen: Jeder von uns hat mehrere Identitäten, die sich nicht ausschließen oder dazu führen, dass man sich über andere stellt. Man ist nicht entweder Deutscher oder Europäer, man kann Deutscher und Europäer sein. Darum kann man auch Fan der deutschen Nationalmannschaft sein und eine Deutschlandfahne aus dem Fenster oder am Auto hängen haben, ohne deshalb wieder in alte Denkmuster über Nationalismus zurückzufallen.

Und dann die deutsche Vergangenheit. Ja, die deutsche Vergangenheit hatte viel damit zu tun, dass man die nationale Identität Übersteigert hatte und sich als Herrenrasse in Europa über die anderen Staaten stellte. Die Folgen – Krieg, Zerstörung und Massenmord – sind bekannt. Aber wer damit bei jeder Gelegenheit die letzten inzwischen fast 70 Jahre Bundesrepublik negiert verkennt das neue – schwarz-rot-goldene – Deutschland. Die Bundesrepublik hat sich in Europa integriert und bereits früh diese europäische Säule zu einer Grundlage der eigenen Politik gestellt. Die Fahne die momentan in den Fenstern hängt und als Zeichen des Nationalismus bekämpft wird, war von den Nationalsozialisten verboten worden, da sie eben ein Zeichen der Freiheit darstellt und bei der deutschen Revolution 1848 genutzt wurde. Und eins ist ganz klar: Zu dieser Geschichte des Landes und zu seiner Identität gehört auch die nationalsozialistische Vergangenheit. Dies ist aber auch immer Teil der Politik der Bundesrepublik gewesen.

Natürlich gibt es viel Kritik an der Politik in Deutschland. Man kann auch darüber streiten, ob Deutschland in den 90er Jahren den Status einer Zivilmacht verloren hatte. Aber die Deutschlandfahne deswegen als nationalistisch zurückzuweisen, weil man sie mit dem Nationalsozialismus gleichsetzt, wird der Geschichte ebenso wenig gerecht, wie eine Aussage, dass der Holocaust ja schon Geschichte sei und man diesen vergessen solle.

Es geht mir mit diesem Artikel nicht dazu, irgendjemanden davon zu Überzeugen, dass Patriotismus doch eine neue Lebenseinstellung sei. Das kann ich kaum, bildet er doch bei mir sicherlich keinen Schwerpunkt. Nur diese ewige Debatte alle 2 Jahre bei der EM oder WM, dass die Deutschlandfahnen am Auto den Untergang eines demokratischen, toleranten und offenen Deutschlands bedeuten, nervt mich irgendwie und ich bin ja auch überrascht, dass ich nicht darüber geschrieben habe. Es zwingt einem niemand eine Deutschlandfahne aufzuhängen, man muss kein Fan der Nationalmannschaft sein, man kann die ganze EM ablehnen. Aber dieser moralische Zeigefinger und der Versuch anderen den Spaß an dem sportlichen Wettstreit zu verderben geht einfach nicht. Ausgrenzung findet beim Mannschaftssport auch absetzt von nationalen Mannschaften statt. Ausgrenzung findet aber auch statt, wenn man sich moralisch über einen anderen Teil der Bevölkerung stellt und diesen vorschreiben will, was gut und richtig ist.

Bei RTL abschalten – Grüne Jugend GE ruft zum Boykott auf

Die Grüne Jugend Gelsenkirchen ruft zu einem Boykott gegen den Fernsehsender RTL auf. Hintergrund bildet die Sendung „Erwachsene auf Probe“, bei der Babys an Jugendliche „verliehen“ werden, damit diese mal üben können, wie das Leben mit Kind ist. Mehrere Verbände haben bereits kritisiert und auch mit Strafanzeigen gedroht. Die Grüne Jugend denkt aber, dass es weiter gehen müsste: Wenn RTL schon eine solche Sendung macht, um Einschaltquoten zu generieren, dann muss man sie eben an den Einschaltquoten packen und daher komplett boykottieren. Zum generellen Sendekonzept sagt Kevin:

„Die Fernsehkultur ist momentan geprägt von Sendeformaten, bei denen Menschen sich bewusst oder unbewusst lächerlich machen und zur Schau gestellt werden. Mit diesem neuen Sendekonzept geht RTL aber einen Schritt weiter – kleine Kinder werden nicht nur aus dem vertrauten Umfeld gerissen, sondern sie laufen auch Gefahr, Bindungsschäden fürs ganze Leben davon zu zutragen. Sie werden als Versuchskaninchen für dramatisierende Szenen vor der Kamera missbraucht und Teenager in Situationen gebracht, die sie überfordern. Bei aller Kontrolle vor Ort könnte niemand schnell genug eingreifen, um Gewaltakte zu verhindern.”

Ich halte ein solches Vorgehen für richtig, denn wenn es RTL nur darum ginge, Teenager auf die Verantwortung vorzubereiten, die ein Kind mitbringt, hätte der Sender diese auch zu solchen Puppen greifen können, wie es bei Schulprojekten ja beispielsweise der Fall ist. Aber es geht darum eben Kinder zu Versuchskaninchen zu machen und mit ihnen zu experimentieren und das geht dann doch zu weit.

Weltrekord beim Aufstehen

Am Wochenende stand nicht nur die Grüne Jugend auf, um gegen Armut zu demonstrieren, sondern auch 127.071 weitere Menschen in Deutschland und weltweit 117 Millionen. Fast 2% der Weltbevölkerung stand an diesen drei Tagen des Stand Up auf, um gegen Armut und für die UN-Milleniumsziele zu demonstrieren. Dies ist nicht nur eine beeindruckende Zahl, sondern auch ein neuer Weltrekord. Mehr auf Grünes Gelsenkirchen und bei „Deine Stimme gegen Armut“.

Aufstehen gegen Armut

Gestern war Blog Action Day gegen Armut und leider hatte ich es nach langer Grünen Sitzung nicht geschafft, hier noch bis Mitternacht zu posten, aber so reiche ich das eben jetzt noch nach und verbinde es gleich mit einem Terminhinweis.

image Am kommenden Wochenende hat die weltweite UN-Milleniumskampagne und „Global Call to Action against Poverty“ (in D.: „Deine Stimme gegen Armut“) dazu aufgerufen gegen Armut aufzustehen. Bei symbolischen Aktionen in ganz Deutschland und der ganzen Welt stehen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes auf, um die Einhaltung der UN-Milleniumsziele einzufordern. Und da ist Handeln wirklich mehr als notwendig, wie man schon beim ersten Ziel erkennen kann: Bekämpfung von extremer Armut und Hunger.

Im neuen Welthunger-Index der Deutschen Welthungerhilfe und dem Washingtoner Foschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) hat sich die Lage von 2005 zu 2007 noch verschärft: Rund 923.000.000 Menschen leiden weltweit unter Hunger. Und dabei sind die gestiegenen Lebensmittelpreise und Hungerkrisen der letzten Zeit noch nicht erfasst, so dass der Trend eher in eine negative Richtung verweist. Wie man da bis 2015 – so das Ziel der Milleniumsziele – eine Halbierung hinbekommen will, ist ein Rätsel. Vor allem, wenn man sich die Finanzielle Lage ansieht:

Tatsächlich können Entwicklungshelfer von Summen wie den 470 Milliarden Euro, die die Bundesregierung gerade zur Rettung der Banken lockergemacht hat, nur träumen. Sie erhielten mit rund 12 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gerade mal ein Vierzigstel davon. (Quelle)

imageOffensichlich ist dies so eine Entwicklung bei der Armutsbekämpfung aber auch im Umweltschutz: Wenn es uns gut geht, kann man sich über solche Dinge wie Entwicklungshilfe unterhalten, aber sonst kümmert man sich erstmal um sich selbst. Wobei: Die Entwicklungshilfe war nie wirklich größer, wenn man eingerechnete Schuldenerlasse mal abzieht und selbst damit hat man das Ziel von einmal 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens kaum erreicht und ob man die eigenen bilanzierten Ziele von 0,51 bis 2010 erreicht, ist auch zweifelhaft.

Darum muss man grade solche Aktionen nutzen, um symbolisch deutlich zu machen, dass es so nicht weiter gehen kann. Die Grüne Jugend führt deshalb in Gelsenkirchen am kommenden image Sonntag um 11.30 Uhr die Stand up – Aktion in Gelsenkirchen am Neumarkt durch. Von 11 bis 12 wird dies flankiert von einem Infostand, bei dem man die Indienhilfe Bottroper Realschüler unterstützt, aber auch auf die aktuelle Postkartenkampagne von erlassjahr.de bewirbt. Dabei geht es darum, dass im Abschlusskonferenzentwurf der Entschuldungskonferenz von Doha bereits enthaltene faire Entschuldungsverfahren auch weiterhin in dieser Erklärung zu halten und die Regierung aufzufordern, sich gegen entsprechende Verwässerungstendenzen zu stellen.

Alles in allem sind dies zwei kleine Schritte, die man machen kann, um ein Zeichen gegen Armut zu setzen. Sie kosten weder viel Zeit noch viel Geld, aber tragen ihren Teil dazu bei, diese Welt vielleicht ein kleines bischen besser zu machen. Notwendig wäre das zumindest.

Foto von publik16 unter CC Lizenz

Grüne Jugend gegen Atomenergie

image Eigentlich wollte ich mit diesem Artikel nur kurz auf die erfolgreiche kleine Aktion der Grünen Jugend Gelsenkirchen vom letzten Samstag hinweisen, bei der wir mit vier Leuten in Maleranzügen und selbst gebauten „Geigerzählern“ durch die Innenstadt gelaufen sind um Flyer anlässlich der Katastrophe von Tschernobyl und Hinweise zur Stromwechselparty morgen zu verteilen. Tja und dann brauche ich doch mal Ratschläge von den WordPress-Experten, die hier ab und an ja mal vorbei gucken :) Und zwar funktionieren bei dem Artikel im Blog der Grünen Jugend die Absätze nicht. P-tags werden aus dem Quelltext einfach herausgenommen. Weiß jetzt nicht, ob da irgendeine blöde veraltete CSS Sache dran hängt oder das Template zu alt ist oder so. Hat jemand einen Ratschlag dazu? Ansonsten noch der Hinweis auf die Flickr Bilder und den Bericht bei Grünes Gelsenkirchen.

Tja, das war es…

Wir wussten alle, dass der Tag irgendwann kommen würde. Seit Jahren hatte ich mich darauf vorbereitet und auf diesen Moment eingestellt. Aber kann man sich darauf wirklich vorbereiten? Ich glaube nicht. Worum es geht?

Tja, das wars...

Kurz: Mit 28 ist man zu alt für die Grüne Jugend. Bei mir dauert es bis dahin zwar noch einen Monat, aber mein „Plan“ kurz vorher auszutreten, um diesen Brief zu vermeiden hat nicht geklappt :) Naja, meine Gelsenkirchener haben die Altersgrenze bei 30 Jahren belassen und so darf ich hier noch weiter mitmischen, wobei sich mein Schwerpunkt bekanntlich in Richtung „Alt-Grüne“ verschoben hat.

Ein kleines Weihnachtsgeschenk: Der Consol Kalender 2008

Als kleines Weihnachtsgeschenk für meine Blogleser gibt es einen selbstgestalteten Wandkalender. Er hat zwar einen regionalen Bezug zu Gelsenkirchen, aber vielleicht zumindest hier ja für den ein oder anderen interessant ;) Die Grüne Jugend hatte um ein Kreativ-Wichteln gebeten und so habe ich die Bilder des Ausflugs vor wenigen Wochen genutzt um einen Kalender daraus zu machen. Angereichert wurde dieser mit Fakten zur Geschichte der Zeche Consolidation in Gelsenkirchen, die monatlich fortgeschrieben wird. Auch wenn es eine Menge Arbeit war, bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden und überlege jetzt jährlich einen eigenen Kalender zu basteln… mal sehen, ob sich diese Idee auch im nächsten Jahr hält :)

ConsolKalender.jpg

Anleitung: Ausdrucken, oben Löcher hinein stanzen (ich würd vorschlagen bei 1/4, 1/2, 3/4) und bei den beiden äußeren Möglichkeiten schaffen, damit man den Kalender umblättern kann. Ich hatte hierzu einen alten Collegeblock und Teile dessen Spirale benutzt. Wenn man es hat, sieht natürlich eine stabile Folie vorne und eine Pappe am Ende noch schicker aus, ebenso wie ein Ausdruck auf Fotopapier. Aber ich denke man kann da einiges anders machen :D

So, nun noch der Download (2,6 MB, PDF):

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Demo in Neurath

Samstag ging es ja nach Neurath zur Großdemo gegen das Braunkohlekraftwerk von RWE, welches grade gebaut wird. Insgesamt fanden sich dort über 3.500 Menschen ein um für eine CO² freie Klimapolitik zu demonstrieren. Die eigentliche Kundgebung war dabei ein gutes Stück Fußmarsch von der „Bushaltestelle“ entfernt, so dass ein kleiner Fußmarsch anstand. Direkt an der Demo wurde man neben einigen Infoständen von beteiligten Gruppen des Klimabündnisses auch von RWE fast höhnisch mit einem riesigen Plakat („Klimaschutz jetzt: neue, effizientere Kraftwerke“) begrüßt. Am Abend wurde dies dann noch auf die Kühltürme projektiert. Aber auch Greenpeace warf eine Grafik auf die Türme: „Stop CO²“, aber RWE blendete mit weißem Licht drüber, damit man es nicht mehr lesen konnte. So wurde dann eine wirkliche Verfolgungsjagd draus. Ansonsten hatte man Glück mit dem Wetter, denn auch wenn es schon etwas kalt war, regnete es jedenfalls nicht und so hielt man die Zeit doch gut durch. Erst am Abend in Gelsenkirchen schüttete es dann doch ziemlich, aber da saß man schon bei einem Spieleabend im Grünen Büro. Nun noch einige Bilder…
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Ich bin wieder hier…

So, die letzten Tage war es mehr als ruhig hier im Blog. Der Grund liegt in der Landesmitgliederversammlung der Grünen Jugend NRW, die mich Samstag und Sonntag komplett in Beschlag genommen hatte und am Freitag eben alles andere aufgearbeitet werden musste. Naja, lange Rede kurzer Sinn: Ich bin wieder da und ab sofort gibts auch was zu lesen – schon in wenigen Minuten :D Einen Bericht zur LMV hat Ada für die Grüne Jugend Seite angekündigt und ich werde – für alle, die es interessiert – dann darauf verlinken ;)