Schulz in the Box

Gestern Abend lief die erste Folge von „Schulz in the Box“ auf ProSieben. Olli Schulz war mir insbesondere durch neoParadise und ein wenig durch Circus HalliGalli. Und jetzt eine eigene Sendung. Ich wusste nichtmal genau, was es wird. Dokumentation, Show, Reportage, Klamauk? Und wurde positiv überrascht.

Bei „Schulz in the Box“ steigt Olli Schulz eben in eine Kiste und verbringt dann einen Tag in eine andere „Welt“, Subkultur, etc. versetzt. Gestern zum Beispiel in eine Hippie-Kommune aus Veganern, die mit Sexvideos den Regenwald schützen. Interessant daran war dann, wie man damit umgeht.

Und da war ich doch überrascht. Positiv. Privatfernsehen ist ja weniger durch gute und vor allem respektvolle Reportagen bekannt. Natürlich macht Olli Schulz das ganze auf seine besondere und lockere Art, aber in jedem Fall ist er sehr respektvoll. Ihr könnt euch ja hier mal selber ein Bild machen, denn die Folge kann man komplett im Internet sehen.

Sie erinnerte mich ein wenig an Wild Germany. Nicht von der Art der Reportage, die ist bei Wild Germany deutlich ernster als bei Schulz in the Box. Manuel Möglich ist eben nicht Ollo Schulz. Es geht um den Respekt für verschiedene Lebensformen und auf den ersten Blick skurriles. In beiden Sendungen geht es darum, sich in andere Gruppen einzufühlen und auch zu versuchen, dies nachzuvollziehen.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht mit dieser Serie.

Raabs Populismus-Show

Als ich gestern gehört habe, dass Stefan Raab eine neue Polit-Talk-Show plant, dachte ich erst, dass das ja etwas Bewegung in das Genre bringen könnte. Auf der ARD kann man sich jeden Abend ja irgendjemanden angucken und m.E. sticht nur Maischberger etwas positiver heraus – immer gucken tue ich die Sendung dennoch nicht. Als ich dann aber mehr über das Konzept erfahren habe, wurde mir schon etwas schlecht:

Fünf Diskutanten – Politiker und Bürger – treten nacheinander im Disput gegeneinander an. ProSieben-Politikchef Peter Limbourg ordnet das Gesagte nach jeder Runde ein, dann entscheiden die Zuschauer per Televoting, wer interessant genug war, auch noch in der nächsten Runde Gehör zu finden. Der Sieger hat am Ende rein rechnerisch fünfzig Prozent aller Zuschauer auf seine Seite gezogen und wird mit 100.000 Euro belohnt. (Frankfurter Rundschau)

Kurz: Derjenige, der mit den mehrheitsfähigeren Meinungen auftritt oder diese am reißerischsten Präsentiert kommt also weiter und gewinnt. Wenn das dann auch noch in der verschärften Varianten mit „Runden“ stattfindet, verschwinden Minderheitenmeinungen sehr schnell. Mit Politik hat das meines Erachtens dann nicht mehr viel zu tun. Politik lebt vom Pluralismus, von verschiedenen Meinungen, von Diskussion und vielleicht sogar von Kompromissen. Klar, am Ende im Parlament geht es um Mehrheiten, aber zur Bildung von Meinung gehört es, verschiedene Ansichten zu hören und darauf basierend seine Meinung bilden. Wenn aber sofort derjenige mit der lautesten Stimme und der einfachsten Lösung „gewinnt“ geht dieses Prinzip verloren.

Heute bin ich auf ein Zitat von Mark Twain gestoßen, welches dazu mehr als gut passt:

„Whenever you find yourself on the side of the majority, it is time to pause and reflect.“
[Deutsch sinngemäß: „Wann immer du dich auf der Seite der Mehrheit befindest, ist es Zeit für eine Pause dies zu überdenken“]

Anstatt sinnvoller Diskussion geht es um Unterhaltung, Information muss dem Wettbewerb weichen und am Ende wird der Eindruck erzeugt, eine bestimmte Meinung sei Mehrheitsmeinung. Politik wird vereinfacht auf einen Prozess wo zwei Meinungen gegeneinander stehen und es doch eigentlich ganz einfach sei. Ich fände ein junges, diskutives und modernes Konzept angebrachter, welches die Politikverdrossenheit durch Information absenkt, anstatt sie durch Entertainment zu vergrößern. Aber vielleicht hatte ich mir zuviel von ProSieben und Raab versprochen. Mit solchen Konzepten verdient man keine 0,50 Euro pro Anruf.

Medienkritik zum Aufstand in Ägypten

Man weiss noch nicht genau, wie der Aufstand in Ägypten ausgehen wird. Mubarak hat gerade seine Rede gehalten und begegnet die Forderungen nach seinem Rücktritt mit einem Entlassen der Regierung und dem Hinweis, dass er sich über die Probleme in dem Land bewusst sei. Naja, darüber schreibe ich morgen wohl nochmal, aber ich bezweifle, dass die Menschen jetzt nach Hause gehen und sich denken, dass ja jetzt alles gut sei. Von daher wird es noch eine lange Nacht und spannende Tage und bisher gibt es für mich nur einen “Sieger” dieses Konfliktes: Al Jazeera, den arabischen Sender bzw. dessem englischen Ableger.

Wer sich live über die Ereignisse informieren wollte, kam an dem Sender nicht vorbei. In Deutschland haben wir eh nichts anzubieten, aber dazu komme ich noch. Damit lief im Büro dann CNN und als Webstream eben Al Jazeera mit aktuelleren Bildern aus Kairo. Der Sender hat gute Arbeit geleistet und neutral berichtet, so dass man den Sender durchaus mit CNN gleichsetzen kann. Ich habe sogar eher dem Stream gelauscht, als dem Fernseher.

Was heute aber vor allem aufgefallen ist, ist die miese Medienlandschaft in Deutschland. Die beiden privaten Nachrichtensender N-TV und N24 bringen alles – nur keine Nachrichten. Während sich die Lage in Ägypten zuspitze brachten diese belanglose Dokumentationen. Und was dann besonders nervt: Wenn eine Krake sich während der WM für eine Kiste mit Spanischer oder Deutscher Fahne entscheidet, sind die Sender live dabei. Ewigkeiten wird eine Tür gezeigt, wenn ein Wettermensch aus dem Gefängnis kommt. Aber wenn in einem Land Menschen für ihre Freiheit auf die Straße gehen und damit große Risiken eingehen, dann zeigt man lieber eine Dokumentation über das Bewegen einer Brücke. Ich weiß nicht, ob bei N24 doch nochmal bei Ägypten aufgetaucht hab, denn die Dauerwerbesendung von sonnenklar.tv, die Reisen anbietet habe ich mir nicht angeguckt, aber vielleicht tauchte das Wort Ägypten dann dort doch mal auf.

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gab es auch keine Unterbrechung, aber Sonderberichte – wobei beim ZDF ein unnötiger Schwerpunkt auf den Tourismus gelegt wurde. Und ob man Phoenix Vorwürfe machen kann, weiß ich nicht. Der Sender ist wahrscheinlich aus politischer “Rücksichtnahme” auf die Privatsender auch nur als “Ereignissender” bezeichnet worden. Ein wirklicher Nachrichtensender ist – so zumindest eine Einschätzung im netplanet Blog in einem sehr guten und lesenswerten Artikel zu dem Thema – wahrscheinlich von eben den Privaten bisher erfolgreich verhindert worden. Die meckern ja schon, wenn die Tagesschau ihre Sendungen per App aufs iPhone bringt.

Ich sage: Nehmt meine Gebühren und macht aus Phoenix ein vernünftiges Nachrichtenfernsehen. Die Privatsender hatten wirklich ihre Chance und nur weil ich Volksverblödung nicht zahlen muss (siehe normales Tagesprogramm bei RTL), heißt es ja nicht, dass nicht irgendjemand vernünftige Berichterstattung bringen kann. Wenn die lieber billige Dokumentationen als Füllmaterial zwischen Werbung und Dauerwerbesendungen nehmen, dann muss ein solcher Sender eben anders finanziert werden.

Ich hab kein Problem mit Al Jazeera oder CNN, ich verstehe Englisch, aber wieso man sich nicht auch in Deutschland einen vernünftigen Sender leisten kann, der zumindest ein wenig versucht in diese Richtung zu gehen, verstehe ich einfach nicht. Bei Inlandsberichten macht Phoenix das meist sehr gut, ich glaube, dass dies auch international gelingen könnte. Und das man dies auch finanziert bekommt und wie es geht, kann man ja auch in dem oben gelobten Artikel nachlesen.

Einen weiteren Artikel dazu hat Jens im Pottblog geschrieben, auch der ist sehr lesenswert. So und ich lasse Al Jazeera jetzt noch auf meinem iPhone etwas nebenbei laufen, während ich den Tag mit einer Folge Akte X ausklingen lasse :)

Medienkritik zum Aufstand in Ägypten

Man weiss noch nicht genau, wie der Aufstand in Ägypten ausgehen wird. Mubarak hat gerade seine Rede gehalten und begegnet die Forderungen nach seinem Rücktritt mit einem Entlassen der Regierung und dem Hinweis, dass er sich über die Probleme in dem Land bewusst sei. Naja, darüber schreibe ich morgen wohl nochmal, aber ich bezweifle, dass die Menschen jetzt nach Hause gehen und sich denken, dass ja jetzt alles gut sei. Von daher wird es noch eine lange Nacht und spannende Tage und bisher gibt es für mich nur einen “Sieger” dieses Konfliktes: Al Jazeera, den arabischen Sender bzw. dessem englischen Ableger.

Wer sich live über die Ereignisse informieren wollte, kam an dem Sender nicht vorbei. In Deutschland haben wir eh nichts anzubieten, aber dazu komme ich noch. Damit lief im Büro dann CNN und als Webstream eben Al Jazeera mit aktuelleren Bildern aus Kairo. Der Sender hat gute Arbeit geleistet und neutral berichtet, so dass man den Sender durchaus mit CNN gleichsetzen kann. Ich habe sogar eher dem Stream gelauscht, als dem Fernseher.

Was heute aber vor allem aufgefallen ist, ist die miese Medienlandschaft in Deutschland. Die beiden privaten Nachrichtensender N-TV und N24 bringen alles – nur keine Nachrichten. Während sich die Lage in Ägypten zuspitze brachten diese belanglose Dokumentationen. Und was dann besonders nervt: Wenn eine Krake sich während der WM für eine Kiste mit Spanischer oder Deutscher Fahne entscheidet, sind die Sender live dabei. Ewigkeiten wird eine Tür gezeigt, wenn ein Wettermensch aus dem Gefängnis kommt. Aber wenn in einem Land Menschen für ihre Freiheit auf die Straße gehen und damit große Risiken eingehen, dann zeigt man lieber eine Dokumentation über das Bewegen einer Brücke. Ich weiß nicht, ob bei N24 doch nochmal bei Ägypten aufgetaucht hab, denn die Dauerwerbesendung von sonnenklar.tv, die Reisen anbietet habe ich mir nicht angeguckt, aber vielleicht tauchte das Wort Ägypten dann dort doch mal auf.

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gab es auch keine Unterbrechung, aber Sonderberichte – wobei beim ZDF ein unnötiger Schwerpunkt auf den Tourismus gelegt wurde. Und ob man Phoenix Vorwürfe machen kann, weiß ich nicht. Der Sender ist wahrscheinlich aus politischer “Rücksichtnahme” auf die Privatsender auch nur als “Ereignissender” bezeichnet worden. Ein wirklicher Nachrichtensender ist – so zumindest eine Einschätzung im netplanet Blog in einem sehr guten und lesenswerten Artikel zu dem Thema – wahrscheinlich von eben den Privaten bisher erfolgreich verhindert worden. Die meckern ja schon, wenn die Tagesschau ihre Sendungen per App aufs iPhone bringt.

Ich sage: Nehmt meine Gebühren und macht aus Phoenix ein vernünftiges Nachrichtenfernsehen. Die Privatsender hatten wirklich ihre Chance und nur weil ich Volksverblödung nicht zahlen muss (siehe normales Tagesprogramm bei RTL), heißt es ja nicht, dass nicht irgendjemand vernünftige Berichterstattung bringen kann. Wenn die lieber billige Dokumentationen als Füllmaterial zwischen Werbung und Dauerwerbesendungen nehmen, dann muss ein solcher Sender eben anders finanziert werden.

Ich hab kein Problem mit Al Jazeera oder CNN, ich verstehe Englisch, aber wieso man sich nicht auch in Deutschland einen vernünftigen Sender leisten kann, der zumindest ein wenig versucht in diese Richtung zu gehen, verstehe ich einfach nicht. Bei Inlandsberichten macht Phoenix das meist sehr gut, ich glaube, dass dies auch international gelingen könnte. Und das man dies auch finanziert bekommt und wie es geht, kann man ja auch in dem oben gelobten Artikel nachlesen.

Einen weiteren Artikel dazu hat Jens im Pottblog geschrieben, auch der ist sehr lesenswert. So und ich lasse Al Jazeera jetzt noch auf meinem iPhone etwas nebenbei laufen, während ich den Tag mit einer Folge Akte X ausklingen lasse :)

“Säulen der Erde” im TV

Über das Buch Säulen der Erde hatte ich ja schonmal geschrieben und bin dabei meine Begeisterung losgeworden:

Ein absolut spannendes und faszinierendes Buch, welches sich zu kaufen und lesen lohnt.

Ich kann ja nicht sagen, ob ihr meinem Ratschlag gefolgt seit und das Buch gekauft habt, aber notfalls könnt ihr das Meisterwerk nun auch bei SAT.1 im Fernsehen sehen. Gestern lief die erste Folge der vierteiligen TV Verfilmung, diese kann man auch noch online betrachten oder am Sonntag wohl auch als Wiederholung (16.55 Uhr?).

Ich hatte gestern zu lange Uni und darum etwas zu spät eingeschaltet und war – trotz des gelesenen Buches – doch etwas verwirrt und hatte darum mein Problem einzusteigen. Heute hab ich es dann nochmal im Netz gesehen und muss sagen, die Verfilmung ist wirklich gelungen. Natürlich kann man die Qualität eines Buches oft nur schwer in einen Film packen, aber hier hat man die Geschichte und Charaktere glaube ich ganz gut rübergebracht. Also hier eine klare Empfehlung am Montag dann doch mal reinzugucken.

Vielleicht kann euch dieser Trailer einen Eindruck geben:

Alternativ kann man die Serie übrigens auch schon auf DVD oder Blu-Ray vorbestellen und gemütlich an den Weihnachtsfeiertagen gucken. Oder Hier man liest es als Taschenbuch, als gebundene Ausgabe oder hört es als Hörbuch. Genau das richtige für kalte Wintertage oder als Weihnachtsgeschenk :D

Tatort Internet – So schützt RTL 2 keine Kinder

Gestern abend lief die erste Folge von “Tatort Internet” einer neuen Serie von RTL 2, die den Missbrauch von Kindern durch die Anbahnung sexueller Kontakte über das Internet und Chats thematisieren soll. Drauf gestoßen bin ich zugegebenermaßen durch die BILD Zeitung, die heute die Titelseite damit aufmachte, dass die Ministergattin Stephanie zu Guttenberg nun Jagd auf Kinderschänder mache.

Zunächst dazu: Stephanie zu Guttenberg taucht in der ganzen Sendung kaum auf und schiebt nur zwischendurch Werbeblöcke für Ihre Organisation “Innocence in Danger” ein oder ist wenn man es positiv ausdrücken will, die “Expertin” zwischen den einzelnen Fällen. Ihre einzige Aufgabe war damit für die nötige Publicity für diese Sendung zu sorgen. Selber “jagen” tut sie genauso wenig, wie der Moderator Udo Nagel, ein ehemaliger Polizeipräsident und Innensenator, der nur ab und an in den einzelnen Fällen mal zu sehen ist. Hauptakteurin ist Beate Krafft-Schöning, die als Journalistin die überführten Männer zur Rede steht.

Für alle die es nicht gesehen haben: Das Sendekonzept besteht daraus, dass sie im Vorfeld Chats durchführt, bei der sie sich als 13 jähriges Mädchen ausgibt und Männer, die darauf anspringen und sexuelle Wünsche äußern oder ähnliches eben zu einem Treffen überredet. Dann kommt es dort gegebenenfalls noch zu einem kleinen Gespräch mit einer 18-jährigen Schauspielerin, die das junge Mädchen gibt und dann kommt die Journalistin stellt den vermeintlichen Täter. Dieser wird dann zu dem Warum ausgefragt. Stefan Niggemeier bewertet gerade dieses Gespräch wie folgt:

Diese Szenen, in denen Krafft-Schöning triumphiert vor den Männern sitzt, die möglicherweise gerade noch kurz davor waren, sich an einem 13-jährigen Mädchen zu vergehen, und nun wimmern und stammeln, diese Szenen machen einen großen und den entscheidenden Teil von „Tatort Internet“ aus. Sie dienen nicht der Aufklärung, sie bieten keinerlei Einblick in das, was in so einem Menschen vorgeht. Sie müssen als eine Art Ersatzstrafe fungieren, wenn schon die juristischen Folgen in den meisten Fällen zu vernachlässigen sind: Wenigstens diese bohrenden Fragen, so unbeantwortbar sie auch sein sind (als könnte ein pädophiler oder pädosexueller Mensch seinen Trieb erklären), soll der Angeklagte über sich ergehen lassen. Das hat gleichzeitig etwas verzweifelt Hilfloses — und merkwürdig Sadistisches, weil Frau Kraft-Schöning, die resolute Journalistin, die das Thema seit Jahren beackert und dabei eine nachlesbare Radikalität entwickelt hat, es so offensichtlich auskostet.

Und ich glaube, das kann man auch wirklich als Hauptkritikpunkt an dem Format sehen. Es geht nur um ein Bloßstellen vermeintlicher Täter, die man – aus nachvollziehbaren Gründen – nur stark verpixelt sieht. Nicht, dass mir potentielle Kinderschänder leid tun, aber diese Sendung bietet nichts anderes, als genau das.

Keine Ratschläge dazu, wie man seinem Kind Medienkompetenz vermittelt, wie man das Netz filtert am heimischen Rechner und wie man selber Kinder kontrolliert ohne diesem seine nötige Privatsphäre zu nehmen. Das einzige, was man bei RTL 2 sieht, ist wieder der Versuch möglichst sensationslüstern, hektisch und panikverbreitend dieses Thema zu instrumentalisieren. Noch deutlicher wird dies nach den drei Fallbeispielen, als ein Mädchen ihr eigenes reales Schicksal darstellen soll. Farlion, der auch die anderen Fälle gut analysiert und dargestellt hatte, fasst die Problematik sehr gut zusammen:

Ein 13jähriges Mädchen und dessen Mutter berichten darüber, wie das Mädchen sich als 12jährige dazu erpressen lassen hat, Nacktbilder zu einem angeblich 16jährigen Chatter zu schicken. Im Gegensatz zu den drei vorangegangenen Fällen kam diese Beschreibung auch realistisch rüber.
Ein Chatter brachte das Mädchen dazu, ihm ein anzügliches Bild zu schicken und erpresste es schließlich damit, das Bild mit ihrem Namen zusammen zu verbreiten, wenn sie nicht mehr schickt.
Es endete damit, dass ihre Mutter mit ihr zur Polizei ging und der Chatter sich als 35jähriger, einschlägig vorbestrafter entpuppte. Auch die Empörung der Mutter ist zu verstehen, angesichts der Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einstellte, weil der 35jährige bereits eine weit höhere Strafe für eine härtere Straftat erwartete.
Was ich allerdings nicht verstehe ist, dass RTL2 während des gesamten letzten Beitrags das junge Mädchen ohne jegliche Anonymisierung gezeigt und interviewt hat. Bleibt zu hoffen, dass dieses Mädchen dadurch jetzt nicht genau dem ausgesetzt wird, womit sie sich hat erpressen lassen: dem Spott der Mitschüler.

“Tatort Internet” soll ab Montag in Serie gehen und auch dies zeigt, dass eine sinnvolle Berichterstattung nicht wirklich das Ziel ist, sondern wahrscheinlich das Motto benutzt wird, bei dem einzelne vermeintliche Täter aufgestöbert, gestellt und dann wahrscheinlich laufen gelassen werden. Mag sein, dass das diesen zu einem Umdenken bringt, in seltenen Fällen mag es zu strafrechtlichen Folgen kommen, aber der Nutzen für die Allgemeinheit sind doch eher gering und womöglich fühlen sich Täter eher gewarnt und agieren vorsichtiger.

Das Thema Kindermissbrauch und der Versuch von Erwachsenen über Chats mit Minderjährigen in Kontakt zu kommen sind Probleme, die Verbrechen (und auch die Chattexte, die man lesen konnte) sind abscheulich und deshalb ist es lobenswert das Thema anzugehen. Aber bitte mit einer gebotenen Seriösität, mit einem wirklichen Reportagestil und vielleicht nicht bei einem Sender, dessen Motto noch immer eher “it’s fun” ist und der ansonsten eher mit “Frauentausch”, “Tattoo Attack” oder “Das Tier in mir” eher unrühmliche Beispiele deutscher Fernsehkultur im Programm hat.

Und nicht als Serie. Eine gute Reportage zu dem Thema würde ausreichen. Natürlich auch mit dem Stellen eines vermeintlichen Täters, aber mit einer genaueren Schilderung des “vorhers” und konkreten Tipps für den Umgang mit neuen Medien bei Jugendlichen. Mit der Bloßstellung ist maximal einem Rachegelüste gegenüber solchen Menschen geholfen. Der Untertitel “Schütz endlich unsere Kinder” sollte sich in einer solchen Sendung niederschlagen mit konkreten Vorschlägen und vor allem ohne das Bloßstellen von Opfern sexuellen Missbrauchs, wie heute geschehen.

Weitere Meinungen unter anderem auch in der Augsburger Allgemeinen oder bei Henning Tillmann, der auch bei Twitter einen tollen Kommentar abgeben hat:

Ich schalte ab. Habe auf VHS noch 3 Std. ARD-Testbild von 1994. Hat mehr Inhalte.

Ich finde man sollte öfter mal wieder das Testbild zeigen. Wenn man nicht 24 Stunden senden muss, kommt vielleicht auch mal vernünftiges tagsüber. Aber das ist ein anderes Thema … ;)

Fernsehen können ist nicht naturgegeben

Guckt euch mal dieses Video an:

Reichlich unspektakulär, oder? Ein Zug fährt in einen Bahnhof ein. Um diesen Film hat sich eine Urbane Legende gebildet: Bei der Erstaufführung 1896 sollen die Menschen in Panik ausgebrochen sein und dem Zug ausgewichen sein. Ob dies stimmt oder nicht, der Film hat jedenfalls einige Aufregung verursacht damals – das ist unstrittig und war auch so beabsichtigt: Der Zug fährt immerhin direkt an den Zuschauern vorbei, eine Distanz zwischen Zuschauer und Handlung war erstmals aufgehoben worden.

Gut, das ist jetzt über 100 Jahre her und es ist viel geschehen: Die Zeit des technischen Aufbruchs damals ist vorbei. Wir haben 3D Filme und Züge fahren in Filmen seit Ewigkeiten nicht mehr nur an uns als Zuschauer vorbei, sondern auch über uns hinweg, ohne dass man in Panik gerät. Dennoch: Fernsehen muss erlernt werden.

In der Türkei wurde nun eine kleine Studie darüber durchgeführt und dort Menschen Filme vorgeführt, die bisher vom Fernsehen maximal gehört haben. Und auch wenn Panik nicht das Problem war, gab es Probleme bei bestimmten Perspektiven:

So konnte keiner von ihnen den Perspektivwechsel in einer Szene nachvollziehen, in der ein Mann zu sehen ist, der auf ein Haus zugeht und anschließend das Innere des Gebäudes aus seinem subjektiven Blickwinkel betrachtet. (…) Für die TV-Novizen ebenfalls völlig unverständlich war eine Szene, in der zuerst ein Haus gezeigt wird und nach einem Schnitt eine Frau, die in eben diesem Haus sitzt – der für Zuschauer mit Filmroutine völlig logische Zusammenhang zwischen dem Gebäude und der Person lässt sich für Menschen, die keinerlei Erfahrung mit bewegten Bildern haben, schlichtweg nicht herstellen.

Das interessante Ergebnis ist damit, dass Fernsehen keineswegs so intuitiv ist, wie man es vielleicht annehmen könnte.

Zensur bei Futurama?

Schon wieder was zu Futurama. In den USA läuft nun ja eine neue Staffel und dort lief nun offensichtlich auch eine Folge, in der man sich kritisch mit dem iPhone und Co. auseinander gesetzt hat. Hab die Folge ja noch nicht ganz gesehen, aber was man im Netz mal eben finden konnte, sah schon ganz nett aus. Zum Beispiel diese eyePhone Werbung:

Etwas anderes gefiel dann aber wohl nicht so gut, denn die folgende Szene lief so nur im Fernsehen:

Online wurde die Folge ohne den Zusatz “Introducing the all new eyePhone 2.0” präsentiert. Das kann eine seltsame Panne sein, oder womöglich ein Vorgehen von Apple. Genaueres weiss man natürlich nicht, aber wenn es so wäre, wäre das schon ein starkes Stück.

Kulturschock bei Frauentausch

Ab und an gucke ich mal Frauentausch auf RTL 2, weil man das einfach nebenbei gucken kann ohne wirklich dabei zu sein und dennoch skurrile Menschen sehen kann :) Und dennoch kann man dabei einen Kulturschock bekommen, wenn man über solche Fehler stolpert:

image

Das reichte damals nur für eine Twittermeldung, aber bei einer Aufzeichnung sah ich dann folgendes:

Also über die Arbeitslosigkeit kann man nicht viel sagen, aber hohe Dichte von Atomkraftwerken im Ruhrgebiet? Die ist nicht höher als in ganz NRW – nämlich gleich NULL. Aber okay, Kohlekraftwerke (oder vielleicht auch mal ein Gaskraftwerk) sieht nun nicht ganz unähnlich einem Kernkraftwerk – zumindest was den Kühlturm angeht. Naja, und wieso da noch eine Googlesuche machen? Unnötig für eine solche Sendung – denkt man zumindest bei RTL2, also lieber Blödsinn raushauen…

„Dinge erfahren, von denen man nicht mal wusste, dass man sie nicht wissen will“ oder: Galileo

Seit 10 Jahren gibt es auf Pro7 Galileo, eine „Wissensendung“, die meines Erachtens nur funktioniert, weil direkt davor die Simpsons kommen und man entweder keine Lust hat umzuschalten oder eben nichts anderes läuft. Naja, Stefan Niggemeier hat jedenfalls einen netten Artikel über das Programm geschrieben,

„das sich nicht scheut, auch das zu erklären, was die „Sendung mit der Maus” bei ihrem Vorschulpublikum fahrlässigerweise als Wissen voraussetzt.“

Aber lest selbst ;)