Das Versagen der Nachkriegsjustiz

Gestern Abend lief in der ARD zu später Stunde noch eine Dokumentation zum Umgang der Nachkriegsjustiz mit den Verbrechern des Nationalsozialismus. Das Ergebnis ist mehr als ernüchternd: Bewusst und gezielt wurden Täter geschützt und diesen ermöglicht in der Bundesrepublik Karriere zu machen. Hier könnt ihr euch diesen Bericht noch in der Mediathek angucken – Dauer rund 45 Minuten.

„Dankt Gott für die toten Soldaten“

Über eine Scientology und dann eine Ku-Klux-Klan Dokumentation bei YouTube (die ich sicher in den nächsten Tagen nochmal einbinden werde) bin ich auf “Amerikas meistgehasste Familie” gestoßen. Der Name erinnert irgendwie an “die strengsten Eltern der Welt” und die Doku lief auch auf VOX, aber da es eine BBC Produktion war, ist der Titel zu verschmerzen und es ist eine gut gemachte Dokumentation. Jedenfalls großen Respekt für den Reporter, der kritisch aber zugleich respektvoll über die Gemeinschaft berichtet. Die ersten Minuten sagen eigentlich schon alles, aber guckt es euch vielleicht direkt bis zum Ende an. Wobei Ende ist relativ, leider fehlt der 5. Teil auf YouTube ;)

Es ist schon schockierend was man da sieht. Dabei meine ich nicht Mal abstruse Ablehnungen von Homosexualität oder die Meinung, dass der Krieg in Afghanistan oder der 11. September eine Strafe Gottes sei. Das mag man noch unter weitgehende Meinungsfreiheit packen, insbesondere wenn man es religiös einbettet.

Aber es schwingt doch auch eine extreme Form der Menschenverachtung gegen eigentlich alle anderen mit, wenn man bei Beerdigungen von US-Soldaten mit Schildern am Straßenrand steht und Gott für die Toten dankt und das Opfer als wertlos und Sünder verspottet. Es gibt in dieser verklärten Weltsicht nur eine Handvoll Auserwählter – eben die Westboro Baptist Church – und ansonsten eine Welt voller Sünder, die alle in die Hölle gehen werden. Und noch skurriler ist dann die Fixierung auf Homosexualität, denn ob die Soldaten nun homosexuell sind oder nicht, spielt ja keine Rolle! Die “Sünde” ist ja, dass der Staat und die Gesellschaft immer weniger Probleme mit Homosexualität hat.

Sie “schützen” ihren Hass zwar damit, dass Gott die Menschen und die USA hassen würde und nicht sie selbst, aber das ist im Prinzip nur vorgeschoben. Denn helfen wollen sie auch nicht. Ihre Aktionen dienen alleine der Provokation, ihre Weltsicht kennt keine Vergebung, was die Aktionen dann noch unsinniger macht. Aber mit Menschenverstand kommt man wohl nicht wirklich weiter.

Neben den Menschen, die durch diese Provokation verletzt werden, tun mir aber auch die Kinder leid. Ich glaub im dritten Teil sieht man ja, dass diese nicht Mal wissen, worum es geht und fast auswendig gelernte Sätze aufsagen, wenn sie gefragt werden. Diese Kinder werden wahrscheinlich niemals selbstständig denken können und werden entsprechend indoktriniert. Wie soll es auch anders enden, wenn die ganze Welt drum herum ja verdorben ist?

Computerfieber – Die neue Lust im Familienalltag

Heute redet man wahrscheinlich eher von Computersucht, als von Computerfieber, denn der normale gebrauch des Computers ist eben wirklich schon Alltag. Aber interessant ist die gleichnamige Dokumentation dennoch und zwar aus dem ganz einfachen Grund, dass sie aus dem Jahr 1984 stammt, als Computer eben noch nicht Alltag waren und Computerspiele noch durch den Titel identifiziert wurden und nicht durch die Grafik selber. Aber seht selbst. Der erste Teil ist eingebunden, die weiteren kann man dann mit „Ähnliche Videos“ direkt auswählen:

Streifzug durchs Netz vom 28.07.2010

Gerade auf dem Heimweg war mir beim durchgehen der Twittermeldungen mal aufgefallen, wieviele interessante Links heute auf meiner Read Later Liste landeten, bei Twitter als Favorit (als Erinnerung zum später lesen) oder über Twitter von mir weitergegeben wurden. Und irgendwie fehlt mir die Möglichkeit selber noch mal zu rekapitulieren, aber auch das ganze im Blog zu verarbeiten. Darum soll es jetzt jeden Morgen einen Beitrag mit einigen kommentierten Links geben. Wie lange ich es durchhalte – keine Ahnung. Also los gehts. Ein wesentliches Thema auch heute ist noch immer die Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg…

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Meine Daten und ich

[Trigami-Anzeige]meinedatenundich 50 Wörter oder eine Twittermeldung soll ich über die DVD „Meine Daten und ich“ schreiben, so der Auftrag von Trigami durch den ich diese DVD kostenlos im Postfach vorfand. Sorry, aber so kurz geht es dann doch nicht, vor allem weil das Thema Datenschutz sehr aktuell ist und die DVD damit wirklich notwendig in der aktuellen Diskussion ist. Außerdem erscheint der Film heute! Also direkt bestellen.

Aber worum geht es überhaupt? Die Seite zum Film sagt folgendes:

In „Meine Daten und ich“ sucht Filmemacher Axel Ranisch im Stil von Michael Moore nach Antworten bei unterschiedlichen Politikern und Gruppierungen und erfährt, warum Kredite ohne Grund abgelehnt werden, Ämter manchmal mehr Daten sehen wollen, als sie dürfen und harmlose Informationen nur scheinbar harmlos sind.

Und der Trailer ist ebenfalls sehr gut gelungen:

Der Mensch mit der Linie ist übrigens der Filmemacher Axel Reinisch höchst persönlich. Oder sagen wir mal so, der fiktive Filmemacher. Produziert wurde der Film in Wirklichkeit von Philipp Eichholz und die Geschichte um Axel Reinisch ist mehr oder weniger fiktiv eingebaut. Das macht den Film einerseits sympatischer als eine einfache Doku, aber teilweise nehmen die Handlungen neben den Fragen des Datenschutzes doch für mich einen etwas zu großen Rahmen ein (insbesondere am Anfang). Außerdem verwirrt mich die Frage, wieviel von dem realen Filmemacher und Entstehungsprozess in dem fiktiven Stück verarbeitet wird, aber vielleicht ist dies ja genau so gewünscht.

Sei es drum. Im Prinzip geht es in dem Film ja um etwas ganz anderes: Datenschutz und Datensicherheit. Hier wird auch Axel Reinisch persönlich eingebunden, wenn er sich um einen Kredit oder Arbeitslosengeld 2 bemüht und entweder am Scoring oder den Wünschen der Arbeitsagentur im Bezug auf die Offenlegung der Kontoauszüge1 scheitert. Ansonsten wird der Film in erster Linie durch Interviews mit Politikern wie dem stellvertretenden CDU Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Bosbach oder dem Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar getragen, die jeweils mit kurzen Auszügen gezeigt werden. Hinzu kommen noch Fachleute aus Gesellschaft und Wissenschaft, die die Aussagen abrunden.

Auch aktuelle Skandale tauchen in dem Film auf, ob nun Lidl oder die Telekom. Wobei mir da ein wenig die Einordnung fehlt: Bei der Telekom gab es was den Datenschutz angeht ja doch schon einige Skandale, da wäre nochmal gut gewesen, eine kurze Einleitung zu geben für diejenigen, die das damals – warum auch immer – nicht richtig mitbekommen haben oder sich einfach nicht erinnern können. Allgemein wären solche kurzen Einleitungen per lustigen Zeichentrick, wie er im Film ab und an genutzt wird, praktisch gewesen und sei es nur, um nochmal darzustellen, was Vorratsdatenspeicherung ist oder ähnliches. Schließlich sollen ja auch die sensibilisiert werden, denen das Thema vorher relativ egal war.

Trotz dieser kleinen Schwäche ein sehr informativer Film, der die Problematik des Datenschutzes und der Datensicherheit nochmal gut auf den Punkt bringt, grade weil verschiedene Maßnahmen auch hier einmal zusammengebracht werden und so in einen Kontext kommen, der dann am Ende doch noch einen kritischeren Blick auf die Frage werfen lässt was mit den eigenen Daten durch wen auch immer eigentlich passiert.

Wie schon gesagt: Die DVD erscheint heute, kostet auch nur 8,99 Euro und wird von mir hiermit ausdrücklich empfohlen. Und wer will, kann ja auch direkt hier bei Amazon.de bestellen – wohlwissend, dass die auch einige Daten von euch dabei sammeln und clustern :D

  1. nicht rechtens []

Socialcamp – der zweite Tag (Teil 1)

Bevor ich in dieser Mittagspause kurz über die beiden Sessions berichte, die bisher stattgefunden haben, noch zwei Updates und Links im Bezug auf den Artikel gestern: Zum einen ist die Präsentation zum Onlinemarketing online, zum anderen bin ich auf einen Artikel in der Süddeutschen gestoßen, bei dem unter anderem auch mein Kollege Björn zu Wort kommt ;) Achja: Und WLan geht auch wieder :D

Der Tag heute begann wieder recht früh, aber bisher mit zwei Interessanten Sessions: In der ersten griff Stefan Everts eine Idee von Dirk Olbertz auf, die
im Prinzip eine Art Werbeprogramm oder Bannerprogramm für Kampagnen darstellen könnte. Dabei können NGOs ihre Kampagnen mit Werbemittel etc. in eine Datenbank eintragen und Blogger können auf ihrer Seite entsprechende Werbemittel einbinden. Dies müsste dann nicht nur Banner bedeuten, sondern kann eben auch für die Schäuble-Ecke und ähnliche Elemente dienen. Wichtig ist dabei, dass Blogger oder andere Werbetreibende die Kampagne entsprechend auswählen können. Eine ähnliche Idee scheint auch OneAim.org zu verfolgen, bei denen es allerdings längerfristiger um die Etablierung eines neuen Webstandards geht.

Die zweite Session war mit 1,5 Stunden recht lang und hat eher Fragen aufgeworfen, aber das ist bei der Frage Demokratie 2.0 auch nicht anders zu erwarten. In der Präsentation wurde zunächst auf Seiten wie Abgeordnetenwatch oder Trupoli verwiesen, dabei seien Blogger doch viel dezentraler und böten die Möglichkeit der Gegenöffentlichkeit. Interessant dabei war der Verweis auf einen Artikel über die „Unpolitischheit und Unreifheit“ von Bloggern in der Netzzeitung samt entsprechender Reaktion von Netzpolitik.org. Beides eben längere Texte und nicht mal eben runterzulesen, aber sicher interessant und vorgemerkt für später ;)

Als Möglichkeit der Vernetzung wurde Blogpolis vorgestellt, welches in gewisser Form an Blogparaden erinnert, hierbei aber die Organisation übernimmt.

Allgemein kam es zu einer Diskussion über eDemocracy, beispielsweise aufgrund eines Polizeigesetzes in Neuseeland, welches im Wiki erstellt wurde oder einem Bürgerhaushalt, der so erstellt wurde. Naja, es folgte jedenfalls eine lange Diskussion über die Frage, wie Komplex Entscheidungen für Bürgerbeteiligungen sein sollen und inwiefern beispielsweise Betroffene in der Lage sind auch über den Tellerrand hinaus zu gucken.

Als Neuerung habe ich noch den Begriff des „Echo Chamber effect“ mitgenommen, der wohl beschreibt, dass man im gleichen Lager sucht oder aktiv ist. Also es fällt einfach schwer nicht-politisch Interessierte für politische Themen zu interessieren. Demnach konkurrieren politische Seiten oder eben Kampagnen immer um den leichen Pool von Leuten. Einen Weg dieses zu umgehen versucht getdocued.net, welche über den Weg von sozialen oder politischen Dokumentationen Menschen für Politik interessieren können. Mit kurzen Blick auf die Homepage finde ich es als eine interessante Sammlung, die sich durchaus lohnt.

Am Abschluss gab es noch eine durchaus treffende Sichtweise von Markus Beckedahl darüber, wieso politische Blogs in Deutschland noch nicht so angekommen sind. Er sieht den Grund insbesondere darin, dass auch politische Blogs in erster Linie „draufhauen“, also hier auch eine gewisse Boulevardisierung festzustellen sei. Ich denke das trifft es auch ganz gut. Politikinhalte werden eben auch skandalisiert, anstatt sie vielschichtig zu betrachten und werden demnach weniger betrachtet als Zeitungen.

So, und nun gehts in die letzte Sessionphase vor dem Ende des Socialcamp.

Verschuldung – eine Ansichtssache

Für erlassjahr arbeite ich grade an einer Präsentation für die Mitträgerversammlung, die die Ursachen der Verschuldungskrise in den 80er Jahren in die heutige Zeit überträgt. Hintergrund bildet dabei das Video „Verschuldung – eine Ansichtssache“, welche diese Problematik aufgearbeitet hat. Natürlich gibt es das auch im Netz zu sehen:

Weitere Infos und die endgültige Präsentation kommen sicher in den nächsten Wochen :)

Thirteen days

Leider war es die letzten Tage ja auffällig ruhig hier im Blog – der Grund: Eine Diplomprüfung in Geschichte am nächsten Mittwoch. Themen: „Die USA im ersten Weltkrieg“ und „Kennedys Außenpolitik“. Momentan ist da wirklich nicht viel Zeit, denn von Morgens bis Abends wird gelesen und zusammengefasst. Dennoch möchte ich dazu passend doch noch einen kurzen Filmtipp geben: Thirteen Days von Roger Donaldson mit Kevin Costner. In dem 140 Minuten langen Spielfilm aus dem Jahr 2000 werden die 13 Tage der Kuba Krise nochmal dargestellt. Und das sehr gut. Klar, es stimmt nicht alles zu 100 Prozent, aber das meiste ist schon richtig und teilweise findet man sogar 1:1 Zitate. Jedenfalls hab ich den Film – wie meine Twitterbeobachter mitbekommen haben – gestern nochmal gesehen und kann ihn nur empfehlen. Auch die Dokumentation auf der zweiten DVD ist sehr interessant :) Also kaufen :D