Tag - Diktatur

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Angespielt: Papers, please!
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Die DDR war eine Diktatur!

Angespielt: Papers, please!

Heute stelle ich ein Computerspiel vor, welches auf den ersten Blick langweiliger klingen mag, als vielleicht der Agrar Simulator 2011: Papers, please! Die Simulation eines Grenzbeamten, der Dokumente prüfen muss. Aber bevor man wegen vermeintlicher Langeweile gleich bei der Beschreibung aussteigt, es steckt weitaus mehr in dem Spiel, als es aussieht.  

2013-08-12_00009Zunächst geht es also wirklich darum, falsche Daten auf den eingereichten Dokumenten zu finden und diesen nachzugehen. Manchmal muss man dann mit Fingerabdrücken überprüfen, ob die zwei verschiedenen Namen stimmen oder jemand versucht so über die Grenze zu kommen – oder eben ob Dokumente bereits abgelaufen sind, wie oben im Bild.

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Im Laufe des Spiels sammeln sich dann einige Dokumente an, wie man hier sehen kann. Neben dem Personalausweis gibt es den “Work Pass”, wenn man in unserem Land arbeiten will, den “Entry Pass”, den Ausländer generell brauchten und das “Identity Supplement” mit Daten zum Gewicht und Größe. Daneben gibt es für Asyl, Diplomaten oder Bürger noch eigene Dokumente. Und eigentlich alles davon kann gefälscht sein – und wenn es die Ausgabestadt des Passes gibt. Und wenn man Mist baut und etwas nicht erkennt, gibt es auch direkt eine Ermahnung: 2013-08-12_00012Zwei Fehler sind okay, ab dann muss man aber Strafe bezahlen. Der kurze Moment zwischen dem Verlassen der kleinen Kontrollkabine und dem Moment, wenn das Tickern der Fehlerkorrektur aufkommen würde, ist da durchaus schon erschreckend. Ob man falsch eingeschätzte Personen bezahlt bekommt, habe ich jetzt nicht nachgehalten, aber Geld spielt eine Rolle, denn um die Familie über die Runden kommen zu lassen, sollte man 11 Personen pro Tag durch die Kontrolle bekommen. Denn Ende des Tages wird abgerechnet.

Folgende Darstellung ist jetzt vom Ende des Spiels normalerweise ist weit weniger auf der Liste.

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Nun habe ich aber ja gesagt, dass dies nicht alles ist. Und “Ende des Spiels”? Richtig, man kann “Papers, please!” durchspielen. Es gibt einen Storymodus mit 20 verschiedenen Enden. Das besondere ist nämlich, dass Arstotzka nicht eine liebe, friedliche Demokratie ist, sondern eine Diktatur, was sich insbesondere später im Spiel immer mehr zeigt.

Es gibt also eine Story, bei der man sich durch seine Aktionen – insbesondere wen man durch die Grenze schleust – entweder die Terroristen / Widerstandsbewegung unterstützt oder eben treu zum Regime steht: 2013-08-12_00014

Generell steht aber immer eine moralische Frage im Raum: Lässt man die Frau nicht zu ihrem Sohn, nur weil der Name falsch geschrieben ist auf einem Dokument? Hält man sich streng an die Regeln, wenn es um Journalisten geht? Gerade habe ich einen Guide gefunden, wie man das Einkommen optimieren kann, indem man eben nicht groß nachfragt, sondern bei Fehlern einfach ablehnt. Ungleicher Name? Dein Problem.

Andererseits fühlte ich mich auch an das erinnert, was man über die “Industrialisierung” und Verwaltung von Diktaturen gelernt hatte. Das besondere war oft ja eben, dass man nur ein kleines Rad in der Unterdrückungsmaschinerie ist. Es gibt klare Regeln, die man kontrolliert, alles andere spielt keine Rolle. Man hat nur ein kleines abgeschottetes Arbeitsfeld. Und irgendwie muss man ja selber auch über die Runden kommen.

Im Spiel bekommt man irgendwann noch den Schlüssel zur Waffenkammer – aber schießt man selber auf den Grenzbrecher? Zugegeben, dies sind in der Regel wirkliche Angreifer oder Terroristen, aber dennoch ein seltsames Gefühl, wenn man immer mehr Aufgaben bekommt und auch gleichzeitig immer wieder das Gefühl gestärkt wird: Du bist Teil dieses Rades und wirst selber kontrolliert. 2013-08-12_00018Alles in allem ein nettes Spiel. Ob man es nun wirklich oft spielen muss, um alle 20 verschiedenen Enden (Spoiler!) zu erleben, weiß ich nicht, aber einige Stunden kann es einen schon ganz gut beschäftigen und unterhalten. Und vielleicht zum Nachdenken anregen, wie diese Steam Diskussion zeigt. Ich fand jedenfalls schon interessant, wie schnell man mit seiner Aufgabe warm wird und wirklich wie eine Machine einfach nur ab arbeitet und das menschliche vielleicht aus dem Auge verliert.

Der Preis liegt bei 8,99 Euro und es kann über Steam bezogen werden.

Die DDR war eine Diktatur!

Bei Anne Will wird heute abend für mich etwas befremdlich über die Frage diskutiert, ob die DDR wirklich eine Diktatur sei. Also, dass zu bezweifeln halte ich für einen ziemlichen Unsinn: Wo man seine Meinung nicht vollkommen und überall frei äußern konnte oder ausreisen konnte, kann man doch nicht anfangen darüber zu zweifeln, ob es eine Diktatur war. Ob nun der Begriff Unrechtsstaat dann noch dazu kommt, ist dann nur noch eine Detaildiskussion, wobei ich mir nicht wirklich vorstellen kann, wie man die DDR nicht so bezeichnen will.

Und klar: Nicht alle Menschen in der DDR hatten unter dem Regime zu leiden oder unterstützen dies. Viele hatten in der DDR sicher ein erfülltes und glückliches Leben und der Alltag war für viele damit sicher kein Problem – vielleicht erscheint es sogar angenehmer als das Leben nun in der Bundesrepublik.

Aber welche Bedeutung hat dies denn für die Bewertung des Staatssystems? Ist ein Staat weniger diktatorisch, weil er jedem eine Arbeit bietet oder ein besseres Sozialsystem hat? Wohl kaum. Freiheit findet sich natürlich auch im Sozialsystem und ich finde, dass in industriellen Nationen zur Freiheit auch eine Grundversorgung mit Kultur gehört, aber wenn dazu nicht die Grundfreiheiten wie Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit oder eben die Wahl der eigenen Regierung gehören, ist ein gutes Sozialsystem nicht mehr als Brot und Spiele, um einen sozialen Frieden zu wahren.

Ich halte dementsprechend auch nicht viel davon, dass man – wie Thierse es in der Diskussion wohl forderte ((zumindest hatte ich ihn so verstanden)) – gleichzeitig mit der Bezeichnung der DDR als Diktatur auch das Lebenswerk der Menschen dort schützt. Ich finde das sind wie gesagt zwei Paar Schuhe. Wenn man das Dritte Reich als Dikatur bezeichnet, erwähnt man ja auch nicht gleichzeitig, dass nicht alle Menschen in der Zeit Nazis waren und am Massenmord beteiligt waren, sondern viele sich auch einfach mit der Situation arrangiert und ihr Leben gelebt haben. Sowas ist selbstverständlich und die Aussage, dass das Dritte Reich auch seine Guten Seiten hätte, ist ebenso unnutzbar. Völlig klar: Der Vergleich hinkt, Diktatur ist nicht gleich Diktatur und sowohl der Schrecken als auch der innerstaatliche Eingriff in das Leben war in den 12 Jahren unter den Nationalsozialisten gravierender, als in den 40 Jahren der DDR, aber dennoch relativieren solche Aussagen auf die DDR angewendet dieses Regime deutlich.

Ebenso im übrigen auch wie eine Verherrlichung deren Symbolen als Ostalgie. Also zum Beispiel das Hotel, welches dort gezeigt wurde im alten DDR Stil. An den Wänden sind Bilder von Honecker oder als Tischdekoration Schildchen der Freien Deutschen Jugend zu finden. Also einem Menschen, der für viele Tote an der innerdeutschen Mauer verantwortlich und mehrere Tausende, die für ihre Meinung eingesperrt wurden, und die Insignien einer Organisation die für die politische Gehirnwäsche von Jugendlichen genutzt wurde.

Klar, vielleicht sehe ich das mit dem Auge eines Westlers und ich spitze hier im Artikel ich etwas zu, aber nach dieser Diskussion musste der ein oder andere Gedanke einfach mal raus 🙂 Und – das war ja das erste Skurrile der Diskussion vorhin – am Beginn wurde doch glatt gesagt, Wessis könnten kaum darüber reden, weil sie die Erfahrung nicht hätten. Also mal abgesehen von dem “Miteinander reden”, was dort ja auch immer betont wurde, frage ich mich, ob man dann auch nur über den Nationalsozialismus oder was weiss ich, die Diktatur im Irak reden dürfte, wenn man das alles miterlebt hätte. Nun mit diesem Beitrag habe ich mich darum ja nicht gescherrt 🙂