Buch zur Berliner Brücke

Buch zur Berliner Brücke

Ich kenne die Stadt nicht anders: Kurt-Schumacher Straße, eine lange Brücke direkt nach der Grillostraße, der direkte ungestörte Weg nach Buer – naja, Stau mal ausgenommen, aber als Bahnfahrer hat man damit auch weniger zu tun. Aber das es mal ganz anders war, zeigt das neue Buch des Heimatbund Gelsenkirchen: “Berliner Brücke”. Es geht dabei um diese Brücke, die 700m lang über die Bahnanlagen in Schalke führt. Momentan hat man mit der Bahn ja nur noch zu tun, wenn man überlegt, ob man die Uechtingstraße fährt – wo man dann unter Umständen wenige Minuten darauf warten muss, dass die Bahn eben durchführt.

Früher war das offensichtlich anders: In einer 14 Stunden langen Messung noch vor der Brücke aus dem Jahr 1956 senkte sich die Schranke 118mal und führte zu 5 Stunden und 18 Minuten Wartezeit.1 In der im Ruhrgebiet offenbar typischen Selbstironie nannten die Gelsenkirchener diese Schranken “Glückauf” Schranke – mit Glück war sie auf :)

Naja, und da es so nicht weitergehen konnte, wurde schließlich die Berliner Brücke gebaut. Optionen, Probleme und viele technische Details werden in dem kleinen Heft gut beschrieben. Für 5 Euro ein nettes Stück Heimatgeschichte zu einer Brücke, die heute eine der Lebensadern der Stadt ist, vor 50 Jahren aber noch an einem Trennpunkt unserer Stadt stand.

Zu bekommen ist es unter anderem in der Buchhandlung Junius. Die WAZ hatte heute auch einen Bericht dazu.

berlinerbrueckebuch

Fotos: Beitragsbild mit Gedenkschild Berliner Brücke von Michael Westphal unter CC-by-sa 3.0 Lizenz / Buchfoto: Eigene Aufnahme

 

  1. Koenen, Hans-Joachim / Heimatbund Gelsenkirchen:”Berliner Brücke”, Gelsenkirchen 2015, S.10 []

“Kindeswohl” von Ian McEwan

Am Sonntag habe ich mir als Hörbuch das neue Buch von Ian McEwan gekauft. Ich möchte “Saturday” und “Abbitte” von ihm schon sehr und das Kernthema das neuen Buches war auch interessant: Wie damit umgehen, wenn ein Jugendlicher und seine Eltern eine lebensnotwendige Bluttransfusion aus religiösen Gründen ablehnen? Eine Richterin steht vor genau dem Problem. Dazu kommt dann noch ein Ehemann, der sie betrügt bzw. verlässt und weitere moralische Fragen zu siamesischen Zwillingen oder wir orthodox eine Bildung sein darf.

Das Buch machte soweit Spaß und war spannend, regte zum Nachdenken an, bis genau diese Fragen geklärt waren und im Prinzip nur noch das zwischenmenschliche im Raum stand. In den anderen Büchern nett, fand ich es jetzt nicht wirklich spannend, überraschend und nach den moralischen Fragestellungen, die zum nachdenken und mitentscheiden einluden doch auch etwas fade.

Auch im Rückschau der Zeit findet sich eine ähnliche Kritik:

Dieser Ehekonflikt allerdings bleibt vollkommen blass und unausgeführt; beinahe hat man den Eindruck, als hätte McEwan, wie in Fernsehserien üblich, geradezu pflichtschuldig auch noch einen Liebeskonflikt als Kontrapunkt zu dem philosophischen Diskurs an sein Buch herangestrickt.

Insgesamt bleibt das Buch aber für den ersten Teil eine gute Unterhaltung und macht Spaß zu … naja bei mir hören. Das lag sicher auch an der Sprecherin Eva Mattes, die Stimmung und Personen gut rüber gebracht hat.

Entweder als Buch oder Hörbuch kaufen.

Gaucks Freiheit 1

Gaucks Freiheit

Was ist in den letzten Tagen alles gemutmaßt worden, was Gauck meint. Ob er überhaupt ein Demokrat sei und vielleicht nicht ein böser Neoliberaler. Richtig erfahren wird man es wohl erst, wenn er als Bundespräsident seine Reden halten wird und Klaus Hildebrand hat in der taz recht, wenn er aufruft sich auf Gauck zu freuen. Und das wegen seiner Reden:

Gauck kann streiten. Das sollte man nicht mit Spalten verwechseln. Anstatt den Mann zu fürchten und ihn schon vor seiner Amtseinführung zum Beelzebub im Priesterrock zu erklären, sollten wir uns auf diesen Streit freuen. Gauck ist befähigt, etwas weniger schnarchsackschlafmützige Reden zu halten als diverse seiner Vorgänger.

IMG_0001Eine Möglichkeit mehr über unseren Bundespräsidenten zu erfahren bietet vielleicht neben seiner Biographie auch das neu erschienene Büchlein “Freiheit”.Büchlein ist dabei der richtige Ausdruck. In DIN A7 Größe und knapp 60 Seiten Text sind nicht wirklich mehr, insbesondere, wenn die Seiten mit großzügigem Rand versehen sind.

Aber bei dem Titel kann man erwarten, dass es um Grundlagen geht. Und das tut es auch, denn es beschreibt die für Gauck wesentlichen Merkmale unserer Gesellschaft: Freiheit, Verantwortung und Toleranz. Und dies nicht aus der Rolle eines "Propheten", sondern einen Zeitzeugen und "Liebhaber der Freiheit".

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John Asht und Literaturkritik 1

Ab und an schreibe ich hier ja auch mal über Bücher. In der Regel recht positiv, weil ich euch die Bücher vorstellen will, die ich gelesen und für gut befunden habe. Ähnlich – wenn auch viel mehr – macht es auch Myriel, die in ihrem Blog “Bücherzeit” über von ihr gelesene Bücher berichtet. So auch im letzten November, als sie über “Twin-Pryx. Zwillingsbrut” von John Asht berichtete. Und das nicht gerade positiv:

Bei meinem ersten Versuch mit diesem Buch habe ich es nicht mal bis Seite 30 geschafft, beim zweiten Anlauf immerhin bis Seite 90. Einen Dritten wird es nicht geben. Denn auf diesen Seiten sind mir schon so viele Dinge aufgefallen und haben mir quer im Magen gelegen, so dass ich gar nicht erst wissen möchte, wie es weiter geht.

 

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In drei Teufels Namen

In drei Teufels Namen

IMG_0294[1]Wieder ein Buch durch. Dieses mal “In drei Teufels Namen. Die etwas andere Geschichte der Hexen und ihrer Verfolgung”. Ich hatte es mir vor kurzem gekauft um ein wenig mehr über die Hintergründe und Geschichte der Hexenverfolgungen im Mittelalter zu erfahren und ich glaube das ist wirklich gelungen. Und das auch sehr unterhaltsam.

Dieter Breuers berichtet diese Geschichte nämlich anhand von Geschichten und Berichten der damaligen Zeit. Anstatt also reine Fakten zu präsentieren werden diese mit Einzelbeispielen verknüpft. Das Buch ist damit sicherlich keine wissenschaftliche Abhandlung, denn Fußnoten fehlen ebenso wie andere Quellenangaben, aber ich denke dennoch, dass meinen einen guten Überblick über die Geschichte erhält. Also für Interessierte eine klare Kaufempfehlung. Dennoch noch einige Beispiele und auch generell etwas dazu, was ich aus dem Buch gelernt habe.

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Obamas Kriege

Obamas Kriege

image Heute habe ich das neuste Buch von Bob Woodward durchgelesen, in dem dieser sich mit “Obamas Kriegen” beschäftigt, womit nicht nur der “wirkliche” Kritik in Afghanistan gemeint ist, sondern auch der “Krieg” mit oder zwischen Militär und Beratern im eigenen Land. Woodward der zusammen mit Carl Bernstein den Watergate Skandal recherchierte gilt als einer der renommiertesten Journalisten der Vereinigten Staaten und dies erkennt man auch an dem Buch. An vielen Stellen bekommt man fast den Eindruck, Woodward habe bei den Besprechungen im Oval Office oder Situation Room dabei gesessen. Von daher bekommt man einen Einblick in die amerikanische Politik und diesen Konflikt zwischen Militär und politischer Führung im ersten Jahr der Präsidentschaft von Obama.

Kern war dabei die Frage nach der Strategie und die Anzahl der dafür benötigten Soldaten. Kernbegriffe dabei sind die Aufstandsbekämpfung (die eine hohe Präsenz zum Schutz der Bevölkerung benötigt) und die Terrorbekämpfung (nach der man mit Spezialkräften gezielt gegen Terrorcamps vorgeht). Auch die Frage, was ein “Sieg” oder “Erfolg” ist, spielt dabei eine Rolle.

Während die Militärs eigentlich nur eine wirkliche Option – 40.000 Soldaten auf unbestimmte Zeit – zur Aufstandsbekämpfung haben wollten, ging es Obama vor allem auch um die Frage, wie man diesen Krieg so beenden kann, dass die afghanische Seite selber für die Sicherheit sorgen kann. Dabei geht es dann nicht mehr um eine schwer vorstellbare Vernichtung der Taliban, als viel mehr eine “Eindämmung”, die eine Machtübernahme durch diese unmöglich macht. Dies führte dann über einen langen Weg, viele Diskussionen und interne Konflikte zu dem Strategiepapier von Obama, nachdem 30.000 Soldaten geschickt werden, um die Dynamik der Taliban zu stoppen.

Neben diesem internen Konflikt wird aber auch deutlich, welche Probleme die afghanische und pakistanische Regierung einer Lösung des Konfliktes dienen und wie ratlos auch die Vereinigten Staaten dort stehen.

Man bekommt beim Lesen also einen interessanten Einblick in die Politik der USA. Der Krieg spielt natürlich seine Rolle, aber man kommt nach dem Lesen einer eigenen Lösung nicht wirklich näher. Im Gegenteil: Es scheint eher so, als ob die handelnden Personen in der USA selber einem Erfolg bis zum Juli – dann soll der Rückzug eingeleitet werden – skeptisch gegenüber stehen. Aber der Fokus des Buches liegt eher darin, die Entscheidungsprozesse in den USA und Beziehungen zwischen den verschiedenen zivielen und militärischen Beratern darzustellen. Dazu ist dieses Buch wirklich interessant geschrieben und wer wissen will, wie die Amerikaner über diesen Konflikt denken und wie sie “ticken”, sollte es gelesen haben.

Hier kann man es bei Amazon kaufen und hier auch erstmal einen Blick in das Buch werfen

Die Landkarte der Zeit

Die Landkarte der Zeit

Zeitreisen im viktorianischen London, eine Prise Jack the Ripper, Joseph Merrick und H.G. Wells und man hat das Buch “Die Landkarte der Zeit” von Felix Palma schon ganz gut beschrieben.

In drei Teilen entführt er uns dabei wirklich in diese Zeit und lässt die Begeisterung der damaligen für neue Techologien und Wissenschaften sowohl an dem Erfolg von “Die Zeitmaschine”, aber auch an einer Firma “Murray Zeitreisen” miterleben. Zweitere bietet den Menschen eine Reise ins Jahr 2000 an und verlangt ein “angemessenes” Honorar dafür.

Die Geschichte wird anhand von mehr oder weniger drei Protagonisten dargestellt, dessen Verbindung (und damit vielleicht die wirkliche Hauptperson) der Schriftsteller H.G. Wells ist. Der Erzähler selber versteckt sich in dem Buch nicht als Beobachter, sondern er erzählt wirklich und nutzt mit einem Augenzwinkern die Kutschfahrt von zwei Personen, um die Geschichte deren Väter zu erzählen, anstatt sich über Polster und Landschaft auszulassen. Ab und an wird so also quasi von außerhalb kommentiert oder eingeordnet, was den Leser aber nicht komplett aus dem Lesefluss herausreißt, sondern eher eine amüsante Ergänzung bietet.

Die Geschichte wiederzugeben, würde doch viel spoilern, nutzen wir mal den Klappentext:

Eine Reise durch Jahrhunderte. Eine Liebe ohne Grenzen. Eine Geschichte voller Phantasie. London, 1896: Andrew, ein wohlhabender Fabrikanten­sohn, reist in die Vergangenheit, um seine große Liebe wieder­zugewinnen. Die junge Claire macht eine Zeitreise aus dem viktorianischen London ins Jahr 2000 und trifft den Mann, den sie in der Zukunft lieben lernte, in ihrer Zeit wieder. Inspektor Garrett jagt einen Mörder, der seine Opfer mit ­Waffen tötet, die noch gar nicht erfunden wurden. Alle Fäden laufen bei einem dämonischen Bibliothekar ­zusammen. Nur er kennt das Geheimnis der Landkarte der Zeit. Ein Fest der Phantasie, in dem der Leser Jack the Ripper ­begegnet und H.G. Wells, den Erfinder der Zeitmaschine, in einer völlig überraschenden Rolle kennenlernt.

Mir hat das Buch jedenfalls sehr viel Spaß gemacht. Es liest sich sehr gut und spielt auf interessante Art und Weise mit dem Phänomen der Zeitreise. Also für Phantastikinteressierte definitiv ein Kauftipp!

Weiße Woche bei der Mayerschen

Weiße Woche bei der Mayerschen

030 Nur als kleiner Hinweis für Leseratten: Von heute an bis zum 7. August gibt es bei den Mayerschen Buchhandlungen wieder eine “Weiße Bücherwoche”. Dabei werden Bücher zu 50% günstiger verkauft, da es sich um Mängelexemplare oder Restauflagen handelt. Qualitativ sind die Bücher aber meist in Ordnung. Ich war gestern bereits in Essen, während dort die Wannen vorbereitet wurden und heute bei der Mayerschen hier in Gelsenkirchen und bin um drei Bücher reicher. Darunter war sogar eins, welches ich seit Jahren suchte.

Nachtrag zu Thalia

Im Bezug auf den Streit zwischen Thalia und Ennsthaler gibt es eine Entspannung. Helge Fahrnberger – der Autor des ursprünglichen Artikels – hatte eine Email erhalten, nach der die Geschäftsbeziehungen zwischen Thalia und Ennsthaler wieder aufgebaut wurden. Die Facebook Seite von Thalia ist allerdings verschwunden, aber nach eigenen Informationen nicht geplant.

“Ich und die anderen” 2

Ich und die anderenWieder ein Buch geschafft: “Ich und die Anderen” von Matt Ruff wandert damit in das Regalbrett der gelesenen Literatur :) Und es hat sich gelohnt. Ich kannte Matt Ruff bereits über “Bad Monkeys”, welches ich im letzten Sommer gelesen habe und vor kurzem lief mir eben “Ich und die anderen” über den Weg. Worum gehts?

“Ich und die anderen” erzählt die Geschichte von Andrew Gage, der unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung leidet. Wobei: Anders als Penny, die später auftaucht, hat er die verschiedenen Persönlichkeiten in seinem Kopf gut organisiert: Er – bzw. sein “Vater” – hat dafür ein imaginäres Haus gebaut, in dem die verschiedenen Seelen leben und so ist geregelt, welche Person wann die Kontrolle über den Körper übernimmt.

Matt Ruff gelingt es in seinem Buch sehr gut zumindest einen Einblick in diese Welt zu verschaffen. Ob das Leben mit multiplen aktiven Persönlichkeiten wirklich so abspielt, kann ich natürlich nicht bewerten, aber die Thematik wird in dem Buch durchaus ernst dargestellt. Also weder Andrew noch Penny werden in irgendeiner Situation lächerlich dargestellt oder ähnliches. Die “Streitgespräche” zwischen verschiedenen Seelen oder deren Zwischenrufe im Kopf, die immer wieder in die Geschichte eingebunden werden, ebenso wie unvorhersehbare Charaktersprünge sind zwar durchaus auch mal komisch, aber andererseits wird auch an einigen Stellen die Last einer solchen Störung deutlich.

Marcel Korstian beschreibt das Buch in seiner Buchrezension bei read it wie folgt:

Matt Ruff beschreibt diese wirre Geschichte authentisch und liebevoll – da wo es sich anbringt mit einer Prise Humor. Insgesamt handelt es sich dann aber doch um einen mitreißenden, rührenden Roman um zwei Figuren, die ganz anders sind, als die üblichen Romanfiguren. Droht die Spannung des Romans gegen Mitte langsam abzuebben, dreht und wendet Ruff auf einmal die Geschichte, baut eine unglaubliche Wendung ein, und schließt den Roman glaubwürdig ab.

Dem kann ich mich eigentlich nur anschließen und damit eine klare Leseempfehlung [Hardcover] ;)