Tag - Benjamin Barber

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Lauter unnütze Produkte
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Die Gefährdung der Demokratie durch den Kapitalismus V – Fazit
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Die Gefährdung der Demokratie durch den Kapitalismus IV – Vergleich
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Die Gefährdung der Demokratie durch den Kapitalismus III – Gegensätzliche Ansichten
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Die Gefährdung der Demokratie durch den Kapitalismus II – Barbers Kapitalismuskritik
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Die Gefährdung der Demokratie durch den Kapitalismus I – Einleitung

Lauter unnütze Produkte

In der Frankfurter Rundschau findet man heute ein interessantes Interview mit Benjamin Barber, in der dieser abermals seine Kritik an einem Kapitalismus als Weltbild darlegt. Im Prinzip folge dieser in erster Linie der Produktion von Dingen, die man eh nicht brauche – wie beispielsweise Wasserflaschen:

[I]n der ersten Welt wird Trinkwasser in Flaschen verkauft – und das, obwohl genügend gutes Wasser aus der Leitung kommt. Und zur gleichen Zeit haben in der dritten Welt gut drei Milliarden Menschen kein sauberes Trinkwasser. Der Kapitalismus hätte die Aufgabe, dieses Problem zu lösen. Das passiert aber nicht – er bleibt dort, wo das Geld ist. Er berücksichtigt zur Zeit nicht die tatsächlichen Bedürfnisse vieler Menschen. Stattdessen passiert genau das Gegenteil: Es werden überflüssige Güter für eigentlich nicht vorhandene Bedürfnisse produziert.

Dies sei der eindeutige Beweis dafür, dass Kapitalismus und Markt eben nicht die Probleme dieser Welt lösen können, sondern sie eher noch verstärken oder eben auch verursachen. In dem Zusammenhang greift er dann auch die “Politik mit dem Einkaufswagen” auf, also die bewusste Entscheidung für oder gegen bestimmte Produkte als politische Strategie:

Es wäre schön, wenn sich zum Beispiel mehr Menschen Autos mit geringerem Spritverbrauch kaufen würden. Aber es wäre effektiver, wenn der Staat einfach den Verkauf von Automobilen verbieten würde, die viel Benzin oder Diesel verbrauchen. Die Unternehmen wären gezwungen, sinnvollere Produkte herzustellen. Der Staat muss seine Instrumente dafür einsetzen. Und dafür wiederum müssen sich die Bürger stark machen. Wir brauchen also keine mündigen Verbraucher, sondern vielmehr mündige Bürger.

Dabei sieht er noch immer nicht Unternehmen in der Pflicht sozial zu handeln, sondern empfindet es als deren Aufgabe “Güter zu verkaufen und Geld für ihre Anteilseigner zu verdienen”. Entscheident ist die Regulierung durch den demokratischen Staat, um hier den Weg in richtige Bahnen zu lenken.

Grundsätzlich hat Barber hier sicherlich recht, auch wenn die Frage des Wassers dies sicher etwas zuspitzt geht es um den Vergleich einer Überflussgesellschaft und der Unterentwicklung in vielen Ländern dieser Erde, die nunmal ganz einfach auch in einem Zusammenhang steht. Das Risiko bleibt bestehen, wenn der Bürger nur noch Verbraucher ist und der Rest sich alles eben über den Markt dann klären soll. Verbraucher und demokratischer Bürger ist nunmal etwas anderes. Bei erstem denkt man an seine (womöglich erzeugten) Bedürfnisse, bei zweitem an die Gesellschaft. Und während erster damit auch – in dieser Rolle – schlecht für die Gesellschaft handeln kann, kann er dies als Bürger wiederum kompensieren.

Aus diesem Grunde ist und bleibt es wichtig auch weiterhin nicht der Annahme zu Glauben, der Markt werde alles richten, sondern weiterhin auf einem Staat zu bestehen, der hier einen Rahmen gibt und den Markt dennoch schützt. Denn eins ist auch für Barber ganz klar:

[Der Kapitalismus] muss gerettet werden, weil wir keine Alternativen dazu haben, oder besser gesagt, die Alternativen, etwa die staatliche Planwirtschaft, trotz all ihrer guten Absichten versagt haben.

Hierzu auch noch der Hinweis auf meine weitergehende Analyse der Kapitalismuskritik von Benjamin Barber.

Die Gefährdung der Demokratie durch den Kapitalismus V – Fazit

Nach nunmehr fünf Teilen der Reihe kommen wir nun zum vergleichsweise kurzen Fazit:

Auch wenn man demnach alleine aus dem Menschenbild von Liberalismus gegenüber dem der starken Demokratie von Benjamin Barber keine Schlussfolgerungen auf eine zukünftige Welt von McWorld ziehen kann, muss dies noch mit den vorherigen Ergebnissen insbesondere zur unsichtbaren Hand des Marktes verbunden werden.

Und damit zeigt sich, dass Interessen der Gesellschaft bei verstärkter Orientierung zum Kapitalismus verloren gehen können, weil sie entweder nicht vernünftig artikuliert werden können, wenn die gemeinschaftliche Diskussionen von Problemen verdrängt wird oder weil sich eben nicht durch die unsichtbare Hand das beste Ergebnis für die Gesellschaft einstellt.

Die Beispiele in der Verbindung zwischen Demokratie und Kapitalismus haben gezeigt, dass mehr Kapitalismus nicht zwingend mehr Demokratie bedeuten muss, sondern sich die Wirtschaft aus nachvollziehbarem Eigeninteresse selber gedrängt oder veranlasst sieht die Position des eigenen Unternehmens in den Vordergrund der Betrachtungen zu nehmen und es dabei zu gesellschaftlich ungewünschten Nebenwirkungen kommen kann.

Wie Barber schon sagte ist es nicht Aufgabe der Firmen für die Gesellschaft Sorge zu tragen, sondern die der demokratischen Gesellschaft selbst, die aber ihrerseits dann auch nicht diese Zügel aus der Hand geben darf, sondern ein engagiertes Gegengewicht zu McWorld aufbauen muss.

Download der Arbeit als PDF Datei

 

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Die Gefährdung der Demokratie durch den Kapitalismus IV – Vergleich

In diesem vierten Teil der Reihe sollen Barbers Position und die Gegenpositionen nun verglichen werden. Dieser Artikel ist damit der vorletzte Teil der Arbeit über die Kapitalismuskritik von Benjamin Barber. Ein abschließendes Fazit kommt um 15 Uhr, damit man vorher dieses – längste Kapitel – der Reihe lesen kann 😀 Weiterlesen

Die Gefährdung der Demokratie durch den Kapitalismus III – Gegensätzliche Ansichten

Nachdem im zweiten Teil die Kritik, die Barber am ungezügelten Kapitalismus, dem freien Markt und dessen „unsichtbarer Hand” äußerte, betrachtet wurde wird im Folgenden nun der Blick auf liberalere Positionen gelenkt, die eine laissez-faire Politik bestätigen sollen. Dieser Artikel ist dabei Teil einer längeren Reihe. Weiterlesen

Die Gefährdung der Demokratie durch den Kapitalismus II – Barbers Kapitalismuskritik

Heute folgt nun der zweite Teil der Reihe “Gefährdung der Demokratie durch den Kapitalismus” und damit der eigentliche Einstieg in das Thema. Der folgende Text dient dazu, die von Barber eingebrachte Kritik zu verdeutlichen und darzustellen. Morgen wird dann mit Zuhilfenahme von Milton Friedmann und Ludwig von Mises eine Gegenposition erarbeitet. Die Einleitung und den Hintergrund kannst du hier lesen. Weiterlesen

Die Gefährdung der Demokratie durch den Kapitalismus I – Einleitung

Benjamin BarberDer amerikanische Politikwissenschaftler Benjamin Barber wird heute 68 Jahre alt. Er gilt als einer der renomiertesten Politikwissenschaftler der Vereinigten Staaten und hat mit einer an Rousseau angelegten Kritik am repräsentativen System und dem von ihn vertretenen Ansatz einer “starken Demokratie” die nicht nur Staatsform, sondern auch Lebensform sein soll, die Diskussion über Bürgerbeteiligung und partizipative Demokratie verstärkt. Auch wenn das Buch bereits über 20 Jahre alt ist, ist es für Denkanstöße noch immer zu empfehlen, da er nicht ein utopisches Modell erstellt, sondern praktische Vorschläge für die Umsetzung von basisdemokratischen Elementen und der – wie er es nennt – “Wiederbelebung der Bürgerschaft” einführt. Am beeindruckendsten fand ich den Vorschlag, die Idee eines zweitstufigen Volksbegehrens über Multiple Choice Verfahren. Naja, um es vorweg zu nehmen: Es wird in diesem Artikel nur am Rande um diese Demokratievorstellungen gehen, hierzu empfehle ich noch immer die Lektüre seines Buches. Weiterlesen