Kennedy und Reagan in Berlin

Aus aktuellem Anlass hier die beiden Reden von John F. Kennedy und Ronald Reagan in Berlin:

(Deutsche Übersetzung der Rede von Kennedy)

Es wird ja gerne davon ausgegangen, dass die Rede heute Abend ähnlich historisch werden würde, wobei diese Erwartung schon etwas übertrieben ist. Obama wird sicherlich versuchen diese Reden einzubeziehen, aber beide Reden haben ihre Bedeutung eben auch aus dem historischen Hintergrund.

Kennedy kam nach dem Mauerbau in die nun geteilte Stadt. Die Teilung war ein gewaltiger Schock für die Bewohner Berlins, beendete aber auch faktisch die zweite Berlin Krise. Mit diesem Besuch stärkte Kennedy das Vertrauen in den amerikanischen Bündnispartner und dessen Sicherheitsgarantien für das freie Berlin. Und Reagans Rede gewinnt insbesondere durch den Wandel im Osten und schließlich den Mauerfall zwei Jahre später seine große Bedeutung.

Wenn ein nichtmal bestimmter Präsidentschaftskandidat1 nun ohne großen historischen Hintergrund eine solche Rede hält, kann diese sehr gut werden – dass hat er bei seiner Rede zur Rassenfrage „A more perfect union“ bewiesen – aber historisch ist schon etwas viel erwartet. Ich bin jedenfalls mal gespannt, denn über das transatlantische Verhältnis wird es sicher gehen. Wie gesagt ab 18.302 gibt es hier ja ein Live-Blog mit Kommentarmöglichkeit ;)

  1. die formelle Nominierung findet ja erst Ende August statt []
  2. vielleicht etwas später []

Obama in Berlin – Der Kampf um den Platz

Morgen ist es soweit: Barack Obama, womöglich nächster Präsident der Vereinigten Staaten, macht einen Wahlkampfbesuch in Berlin. Und was war das für ein Krampf: Brandenburger Tor ja, nein? Man merkt eben doch, dass irgendwie Sommerloch ist, wenn das Hauptthema der Politiker der Ort eines Auftritt eines amerikanischen Politikers ist. Und klar, die Symbolwirkung des Brandenburger Tors ist nicht zu unterschätzen, aber bei so vielen Werbeaktionen, die dort schon stattfanden, finde ich die Aufregung über die Wahlwerbung eines Amerikaners doch etwas merkwürdig – aber gut, lassen wir das mal der Diplomatie geschuldet.

Als dann aber die Siegessäule als Veranstaltungsort feststand, kamen auch wieder die gleichen Stimmen auf: Die Säule sei negativ belastet, sei ein Zeichen für den deutschen Imperialismus unter Hitler. Ähm… also mal abgesehen davon, dass jeder Ort in Berlin sicher irgendwie belastet ist, müsste man dann doch einfach Fragen, wieso eine solche „nationalistische Statue“ (mal überspitzt formuliert) denn noch an so zentraler Stelle in Berlin steht?1 Ist es nicht vielmehr so, dass die Statue – nicht zuletzt durch Loveparade und Co. – inzwischen kaum noch mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird? Es werden sogar Millionen in die Restaurierung gesteckt. Es ging Seitens der kritischen Politiker also wieder darum, seinen Namen mal wieder in der Zeitung zu lesen. Und ich helfe auch noch bei der Verbreitung dieser Aussagen – Mist ;)

Sei es drum: Obama kommt morgen und ab 16 Uhr ist die „Fanmeile“ in umgekehrter Richtung geöffnet2. Taschen und Schilder sind verboten. Erstes aus Sicherheits-, Zweites aus wahltaktischen Gründen: Antiamerikanische oder auch Bush-feindliche Sprüche kommen in den USA weniger gut an als erwartet. Ich hatte, als ich zuerst davon gehört hatte, auch kurz überlegt nach Berlin zu reisen. Jetzt sind mir 135 Euro doch zuviel und die über 8 Stunden Fahrtzeit kann3 ich sinnvoller nutzen. Stattdessen werde ich die Übertragungen im Fernsehen4 betrachten und morgen entsprechend ab ca. 16 Uhr hier auch ein Live-Blog anbieten, bei dem man bekanntlich nicht nur lesen, sondern auch direkt kommentieren kann. Live Chat würde ich es noch nicht nennen, aber es kommt nah dran und wer Lust hat, kann ja vorbei gucken ;) Morgen gibt es dann auch ein allgemeines Update zum Wahlkampf in den USA.

  1. Es sei nur kurz angemerkt, dass nach dem zweiten Weltkrieg durchaus eine Sprengung vorgeschlagen, aber von Briten und Amerikanern abgelehnt wurde. []
  2. im Vergleich zu WM und EM []
  3. oder eher muss []
  4. oder zumindest eine davon :D []

Der Präsidentschaftswahlkampf in 8 Minuten

Wer – wie ich in letzter Zeit – an Zeitmangel leidet, wird zu schätzen wissen, was eine gute Zusammenfassung wert ist. Auch für diejenigen, die einfach nur nochmal schnell zurückblicken wollen, fasst dieses Video den US Präsidentschafts-Vorwahlkampf der Demokraten nochmal in rund 8 Minuten zusammen. Viel Spaß – sowohl bei dem Video, als auch beim Fußball heute abend :D

(via)

Obama ist demokratischer Präsidentschaftskandidat

image

Ich habe die Nacht doch durchgeschlafen, auch wenn sich bereits bei einem kurzen Aufstehen um drei Uhr der Trend von gestern Abend festigte: Schon vor dem Ausgang der Wahlen in South Dakota und Montana strömten die Superdelegates ins Obama Lager und der Wahlausgang in den beiden Staaten ist demnach fast nebensächlich. Dennoch natürlich der Vollständigkeit halber das Ergebnis aus Obama Sicht:

image

image Benötigen würde er die 26 Delegierte aus den beiden Staaten praktisch nicht mehr. Mit 2156 Delegierten hat er fast 40 mehr, als die absolute Mehrheit erfordert.

In ihrer Rede in der Nacht hatte Hillary Clinton Obama zwar gratuliert, aber noch darauf verzichtet eine eigene Niederlage einzugestehen. Sie wolle heute nacht keine Entscheidungen treffen, so die Kandidatin nach einem Bericht von Spiegel Online.

In St. Paul, Minnesota hatte Obama allerdings die erhoffte Siegesrede gehalten und nach vielen, vielen Dankesworten schließlich erklärt, dass er der der demokratische Präsidentschaftskandidat sei. Im weiteren Verlauf seiner Rede lobte er aber auch Hillary Clinton’s Leistungen – nicht in erster Linie wegen der Bühne, die sie Frauen in der amerikanischen Politik eröffnet habe, sondern wegen den Menschen, die sie bewegt habe. Nun sei es Zeit gemeinsam in die Zukunft, zu dem Präsidentschaftswahlen in November zu blicken.

Demnach bildete der zweite Teil dann eine Beschäftigung mit seinem Gegenkandidaten John McCain. Inzwischen kann man es sich direkt online angucken:

 

Nun geht es also darum, diesen Sieg auch national durchzuführen, denn wie schon mehrmals gesagt, ist es keineswegs so, dass der demokratische auch gleich der nächste Kandidat sein muss. Nationale Umfragen zeigen momentan eher ein Kopf-an-Kopf Rennen von McCain und Obama.

image

Es bleiben demnach spannende Wochen und Monate im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf und viel Zeit zum Durchatmen dürfte Obama nun nicht haben…

Sie gibt nicht auf

Auch wenn Hillary Clinton die Wahlen in Puerto Rico abermals eindeutig gewonnen hat, kann sie das Rad einfach nicht mehr umdrehen. 68 zu 32 Prozent erhielt die Senatorin auf der assoziierten Insel, die im November allerdings nicht den Präsidenten mitbestimmen darf.

image

Nicht ganz nach Wunsch verlief allerdings die Entscheidung der Demokratischen Partei im Bezug auf Florida und Michigan. Die Delegierten dürften zwar alle teilnehmen, aber haben nur eine halbe Stimme. So bekam Clinton zwar mit 174 Delegierte fast fünfzig mehr als Obama (126), aber kann sich nur über einen Stimmenzugewinn von 24 freuen.

Weiter lesen „Sie gibt nicht auf“

Zählen Florida und Michigan?

image In diesen Minuten fällt im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf der Demokraten in den USA eine wichtige Entscheidung: Zählen die Delegierten von Florida und Michigan? In beiden Bundesstaaten war bereits gewählt worden, aber aufgrund vorgezogener Wahltermine waren sie nach den Regeln der Demokratischen Partei vom Nominierungsparteitag ausgeschlossen worden. In Florida erhielt Hillary Clinton 50 Prozent der Stimmen, in Michigan gar 55, wobei Barack Obama hier nicht auf dem Wahlzettel auftauchte und 40 Prozent für unbenannte Kandidaten1 stimmten. In Florida konnte er 33 Prozent gewinnen.

image Aktuell führt Obama mit etwas über 200 Delegierten und benötigt nur noch 42 weitere um die Mehrheit für sich zu gewinnen. Sollte sich das Clinton-Lager durchsetzen und beide Staaten komplett gewertet werden wobei Obama in Michigan keine Stimmen erhält, würde sein Vorsprung auf rund 81 sinken und er würde noch 155 benötigen.

Für Obama wäre maximal eine Splittung, also die Hälfte der Delegierten tragbar, wobei die nicht zugewiesenen Wähler in Michigan für ihn gerechnet werden. Dies würde weiterhin bedeuten, dass er mit rund 167(,5) Delegierten führt und damit noch 73 Delegierte benötigt.

In dem „popular Vote“, also der Mehrheit aller Stimmen könnte Hillary Clinton auch nur nach erstem Modell gewinnen, wenn man in Michigan Obama wirklich null Stimmen anrechnen würde.

Heute Nacht wird auch gewählt und zwar in Puerto Rico. Die 63 Delegierten dieses Bundesstaates – der im übrigen bei den Wahlen im November nicht mitbestimmen darf – dürften dabei eher an Hillary Clinton gehen. Die Umfragen stehen hierbei bei ca. 50 Prozent für sie gegen 40 Prozent für Barack Obama.

Die Diskussion des Rules Committee kann man bei CNN live verfolgen. Das Resultat sicher auch später hier…

  1. „uncommittet slate“ []

John Edwards unterstützt Barack Obama

Gestern abend wurde es amtlich: Der ehemalige Präsidentschaftskandidat und dritte im Rennen um die demokratische Nominierung John Edwards unterstützt Barack Obama. Wichtiger als die fast 30 Delegierten dürfte dabei allerdings die Wählerschicht sein, die John Edwards angesprochen hatte: Weiße Arbeiter. Hier die komplette Rede von Edwards, die ich selber noch nicht gesehen habe1, aber da jetzt erstmal die Uni wartet, muss das so reichen :D

Wichtiger ist wohl die Frage, welche direkten Folgen dies im Bezug auf die Wahl hat. Auch wenn man es annehmen kann, wird Hillary Clinton wohl noch immer nicht aus dem Rennen aussteigen. In einem Interview mit CNN machte sie nochmal deutlich, dass sie nicht ausscheiden wolle und es wichtig finde nicht früher aus einem solchen Rennen auszuscheiden. Man müsse bis zum letzten kämpfen. Also wird die Entwicklung direkt keine größere Wirkung haben oder zumindest muss man dies abwarten, wie dies bei den kommenden Wahlen  niederschlägt, also wieviele weiße Wähler sich von John Edwards Empfehlung nun überzeugen lassen. Aber dazu sicher in den nächsten Tagen noch mehr.

  1. kenne nur einen Ausschnitt von CNN []

Hillary Clinton gewinnt in West Virginia

Es war nicht wirklich überraschend, dass Hillary Clinton in der letzten Nacht im kleinen Bundesstaat West Virginia allenfalls die Höhe konnte überraschen: 67% der Wähler stimmten für sie, nur 26% für Barack Obama. Nichts desto trotz ist der tatsächliche Erfolg geringer: 9 Delegierte konnte Hillary Clinton damit auf ihrem Konto verbuchen.

image

Ein eher zu vernachlässigender Erfolg, wenn man sieht, dass Barack Obama dennoch mit fast 170 Delegiertenstimmen führt und inzwischen auch die Führung bei den Superdelegates (+9) übernommen hat, wo Clinton bisher immer geführt hatte und zu Beginn des Jahres auf mehr als 100 Delegierte auf ihrer Seite hatte. Am besten wird soetwas ja in Graphen deutlich, deshalb hier eine entsprechende Darstellung aus dem CNN Podcast:

image

Die hellblaue Linie stellt eben Hillary Clinton dar, die dunklere Barack Obama. Ihr Versuch in den letzten Tagen damit noch Superdelegates für sich zu überzeugen scheint nicht aufzugehen. Ihre Strategie dabei ist, dass sie die Wählerschichten gewinnt, die für Demokraten wichtig seien. Auch hierzu eine entsprechende Grafik aus dem Podcast:

image

Ihre Argumentation: Sie ist in den Swing States stark und könne eben die ärmeren weißen Arbeiterschichten und die Latinos deutlich besser für die Demokraten gewinnen, als Barack Obama. Und deutlicher wird dies bei Spekulationsspielchen im Bezug auf die Wahlen im November:

image

Dieses Bild zeigt die Bundesstaaten der USA, die entweder an Barack Obama (blau) bzw. John McCain (rot) gehen könnten – wie gesagt, alles Spekulationen. Und hier fällt grade diese Lücke auf. Für Hillary Clinton eben die Stoßrichtung zu sagen, dass seit 1916 kein Präsident mehr gewonnen hatte, wenn er nicht auch diese Staaten hatte.

Barack Obama scheint die Statistik nicht wirklich zu stören, denn sein Wahlkampf ist – auch wenn er sich offiziell noch nicht als Kandidat bezeichnet – durchaus schon auf die Hauptwahlen im November ausgelegt: So besuchte er Bundesstaaten, die bereits in den Vorwahlen gewählt hatten und versuchte so das Feld für den Hauptwahlkampf gegen John McCain vorzubereiten.

Im übrigen: Wie eine Studie von ABC News zeigte (gefunden auf Mirror on America) ist das Problem für Barack Obama mit weißen Wählern zwar durchaus gegeben, aber – wenn es um die Hauptwahl gehen würde – nicht viel größer als für Hillary Clinton:

Whites, no college
Obama——40%
McCain —-52

Clinton—-44%
McCain—–52

Whites, college grads
Obama ——47%
McCain —- 50

Clinton—–42
McCain——54

Außerdem glaube ich, dass ein entsprechender Vizepräsident diese Wählerschichten durchaus erreichen könnte. Wenn jemand wie Edwards oder eben Clinton verstärkt diese Wählerschichten anspricht, dürfte das Ergebnis am Ende sicher besser aussehen, als das Clinton Lager dies momentan darstellt.

Zwar ist die Frage des Vizepräsidenten noch komplett offen, aber es gibt durchaus Hinweise, dass Clinton hier ein entsprechendes Angebot bekommen könne. Manche Beobachter gehen sogar davon aus, dass dies einer der Gründe sein könnte, wieso Hillary Clinton die mathematische Niederlage nicht eingestehen will und im Rennen bleibt. Allgemein verwundert diese Haltung viele Medien, die den Clintons sogar vorwerfen den Sinn für die Realität verloren zu haben und sich fragen, ob sie wirklich noch daran glaubt. Wenn nicht gibt es nur die Gründe auf ein formelles Bitten von Obama im Bezug auf die Vizepräsidentschaft zu warten oder – was ich etwas unwahrscheinlicher halte – die Hoffnung eine Schuldenübernahme zu erreichen. Mit 20 Millionen Dollar steht Hillary Clinton bereits in der Kreide und dies wird als weiterer Grund dafür gesehen, dass sie es kaum bis zum Ende durchhalten wird.

Ich denke das Spiel wird jetzt noch bis Anfang Juni durchgezogen und die Vorwahlen sind praktisch schon aufgeteilt: Clinton gewinnt noch zwei, Obama drei der kommenden Wahlen, das scheint relativ sicher. An den Delegiertenzahlen wird sich nichts wesentliches mehr ändern und ich gehe auch davon aus, dass die Tendenz bei den Superdelegates weiter anhält und Barack Obama am Ende die nötigen 2025 Stimmen haben wird. Hillary Clintons Kampf dient m.E. wohl wirklich eher dazu, sich entweder als Vizepräsidentin in Position zu bringen oder nicht einfach zurückstecken zu wollen, sondern einen ehrenvollen Ausstieg zu haben. Theoretisch könnte ich mir ein Duo Obama – Clinton durchaus vorstellen, aber weiss nicht, ob nicht grade nach dem knappen Wahlsieg die Positionen manchmal etwas unklar wären. Persönlich wäre mir Obama – Edwards lieber, aber wer weiss, wer da noch alles in der amerikanischen Politik vorstellbar ist :)