Debatte über den Atomausstieg ist nicht taktlos, sondern nur angemessen

Die Katastrophe in Japan kann man kaum komplett in Worte fassen: Alleine das Erdbeben und der damit verursachte Tsunami hat das Land verwüstet, nun droht auch noch eine Atomkatastrophe. 20km um den Reaktor Fukushima werden die Menschen evakuiert und viele sind bereits verstrahlt worden. Und noch immer ist unklar, wie der aktuelle Stand in den Reaktoren ist – eine Besserung nicht in Sicht eher im Gegenteil.

Und die ersten Reaktionen in Deutschland auf die Kritik an dieser Risikotechnologie war, dass es pietätlos wäre daraus nun ein politisches Thema zu machen. Pustekuchen! Das Gegenteil ist der Fall: Ich finde es taktlos einfach so zu tun, als ob nichts passiert wäre oder als ob soetwas bei uns ja sowieso nie passieren könne.

Hier zeigt sich wieder einmal, dass wir mit einer Technik arbeiten, die wir nicht wirklich kontrollieren können. Man mag die Risiken für gering halten und nun die Situation damit begründen, dass es ein Jahrhundertbeben war, aber die Folgen sind so gravierend, dass man dies nicht einfach ignorieren kann. Und genau das sollte mit diesen Aussagen getan werden. Zeit gewinnen und Kritiker an der Atomenergie zum Schweigen bringen.

Niemand von den Menschen, die in den letzten Tagen Kritik geäußert haben an der Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken und der Atomenergie wünscht sich, dass aus dem GAU in Japan ein Super-GAU wird. Niemand hat sich darüber gefreut, weil man jetzt “Stimmung machen könne” oder auf diesen Zug aufspringen kann. Diese Kritiker sagen dies seit Jahren, manche seit Jahrzehnten und laufen gegen eine Wand der Atomindustrie, die einem immer wieder erzählt, dass alles ganz sicher sei. Und nun wo auch in einem Hochtechnologieland wie Japan, die Situation außer Kontrolle gerät ist bei uns wieder alles besser? Das ist Zynismus den Menschen gegenüber und eine Geringschätzung der Sorgen in Deutschland.

Nun hat die Bundesregierung ja angekündigt zu testen und zu prüfen. Das Ergebnis kann man absehen: Im Grunde ist alles okay in Deutschland. Vielleicht wird man dem ein oder anderen Betreiber kleine Ausbesserungen aufgeben, damit es nicht ganz so fadenscheinig wirkt, aber am Ende wird sich an der Politik der Bundesregierung nichts ändern. Abgeschaltet wird nicht, stattdessen verlängern wir das Risiko einen Ausfalls weiterhin.

Die Antwort auf die Ereignisse in Japan muss sein: Abschalten so schnell wie möglich und in jedem Fall die Rücknahme der Laufzeitverlängerung. Kein Geld der Welt könnte die Schäden einer solchen Katastrophe aufwiegen – mal abgesehen davon, dass die Atomindustrie eh nur verdient: Die Kosten bei einer Katastrophe sind gedeckelt bei 2 Milliarden und für den Müll kommen auch am Ende alle Bürger auf. Also bleibt nur eins: Abschalten!

Bei Grünes Gelsenkirchen findet Ihr noch einen Bericht über die Demonstration heute in Bochum. Sehr empfehlenswert ist auch dieser Artikel zu den „Populären Irrtümern über Atomkraftgegner“.

Grüne Links: Studiengebühren, Schokoticket und Atomausstieg

In den letzten Tagen hatte ich für Grünes Gelsenkirchen einiges gebloggt, darum gibt es hier nur eine kleine Linkparade :) Zum einen habe ich vorhin etwas zum Thema Studiengebühren geschrieben, da das Anliegen der rot-grünen Landesregierung ja zunächst verschoben werden musste. Ich finde es sogar nachvollziehbar, dass die neue Regierung das nicht mal eben abschafft, sondern dies vernünftig und geplant angeht – dies ist mit Sicherheit der bessere Weg für die Unis in NRW.

Mit Irene hatte ich ein Interview zur BP/Ruhr Öl Norderweiterung geführt, welches man dort ebenfalls lesen kann. Hier hatte ich ja schon geschrieben, wieso das Bauverfahren in Scholven abzulehnen ist.

Ein anderes Thema war das Schokoticket, welches für den zweiten Bildungsweg abgeschafft werden soll. Dagegen gab es am Mittwoch eine Demo an der ich teilgenommen habe. Direkt vor Ort habe ich mit dem iPhone ein Video aufgenommen, geschnitten und zu YouTube hochgeladen:

Und zum Abschluss noch einen Tipp: Frontal 21 hat eine sehr interessante Dokumentation zum Atomausstieg gebracht, die man hier ansehen kann.

Neue Campact Kampagne: Atomkraft jetzt abschalten!

Bereits seit einigen Wochen schwirrt ja wieder das Gespenst der Atomenergie durch die Medien. Unter dem Deckmantel der hohen Energiepreise und des Klimawandels versucht die Atomindustrie den Menschen zu erklären, dass es ohne Atomstrom nicht geht, um so weiterhin gutes Geld zu verdienen. Warum diese ganzen Argumente ziemlicher humbug sind, kann man bei mir, den Grünen oder eben auch bei Campact nachlesen. Und dort kann man auch mit wenigen Mausklicks seine Abneigung gegen diese Energieform und den Ausstieg vom Ausstieg deutlich machen. Also schnell hier unterzeichnen… ;)

Rückkehr der Atomenergie?

Das es in der SPD schon länger Stimmen gibt, man solle über den Atomkonsens nachdenken und die Laufzeit der Atomkraftwerke nochmal diskutieren, ist nicht wirklich neu. Wolfgang Clement, seines Zeichens Aufsichtsratsmitglied bei RWE, hatte dies vor der Wahl in Hessen bereits zum Ausdruck gebracht und damit ein Parteiausschlussverfahren angestoßen. Auch Erhard Eppler hat nun einen entsprechenden Vorstoß angebracht, wobei es ihm jedoch darum ging, eine Verlängerung der Laufzeit an eine entsprechende Erklärung im Grundgesetz zu koppeln, die den Atomausstieg festigt. Und auch wenn SPD – Minister Gabriel die Diskussion zurück weisst und feststellt, dass es keine neuen Argumente für Atomenergie gebe, ist die Diskussion um diese Technologie nun neu entbrandt. Auch wenn damit nun alte Argumente ständig neu aufgetischt werden, will ich dieses mal auch einige Anmerkungen dazu loswerden.

1. Atomstrom ist nicht klimaneutral

Atomstrom wird ja gerne als Antwort auf die Klimaproblematik genannt. Die Kraftwerke würden kein CO² in die Atmospähre jagen und damit das Klima schützen. Das Problem: Bei der Anreicherung und dem Abbau von Uran, welches als Rohstoff für diese Energieform notwendig ist, wird soviel CO² frei, dass man es mit einem auf Erdgas basierenden Blockheizkraftwerk vergleichen kann, was aber zusätzlich eben noch Wärme produziert.


Aus einer Anzeige der Atomindustrie:
Ungeliebte Klimaschützer? Wohl kaum

2. Uran ist auch ein Rohstoff

Steigene Rohstoffpreise sind dann das nächste Argument. Als wenn man für Atomkraftwerke keine Rohstoffe bräuchte. Die Uranvorräte reichen je nach Schätzungen 20 bis 65 Jahre. Wenn der Bedarf noch steigt ist allerspätestens 2050 damit Schluss und die Preise würden entsprechend auch steigen. Also wieso nicht verstärkt auf wirklich nachhaltige Energien setzen?

3. Müllproblem

Noch immer gibt es kein Endlager für den radioaktiven Müll, der in den Kraftwerken entsteht. Seit Jahren wird fleißig Abfall produziert, von dem man nicht weiss, wohin damit. Ein „Weiter so“ würde einfach noch mehr Müll erzeugen.

4. International keine Lösung

Auch international ist – auch wenn dort teilweise angeführt – die Atomenergie keine Option, wie dieser Artikel sehr gut zeigt. Nur 15-16% der Energie stammt aus Kernkraftwerken. Man kann sich ja gerne mal vorstellen, was für ein Neubauprogramm das wäre, wenn man Klimaschutz durch Kraftwerke erreichen wollte – mal ganz abgesehen davon, dass dies die Rohstoffknappheit noch verstärkt.

5. Sicherheit

Klar, das Risiko eines Störfalls gibt es immer – ob nun technisch oder menschliches Versagen. Man muss dabei nicht mal nur nach Tschernobyl gucken, im technologischen Westen gibt es auch genug Negativbeispiele, auch in Deutschland. Aber unabhängig davon gibt es eben auch die Gefährdung durch Terroristen, die diese Anlagen einfach missbrauchen könnten.

6. Schäden

Zugegeben, man mag an den Risiken zweifeln, aber wenn man sich überlegt, dass ein GAU im AKW Biblis 2200 bis 2400 Milliarden Euro an Schäden nach sich ziehen würde, ist auch ein kleines Risiko schon unvertretbar. (Quelle) Dies ist wohl auch ganz offensichtlich der Grund dafür, wieso Betreiber von Atomkraftwerken nur bis zu 2,5 Milliarden Haften müssen. Alles was darüber hinaus geht, zahlt der Staat. Eine solche Haftpflichtversicherung hätten wir alle wohl gerne, aber auch diese Regelung zeigt doch, dass man sich keineswegs so sicher ist, wie immer angedeutet. Ansonsten könnte die Sperre ja weg und es würden sich sicher auch Versicherungen finden, die bei dem Maß an Sicherheit, welches uns versprochen wird, dann auch die Versicherung übernehmen würden. Aber ganz so sicher ist es eben nicht…

Wahrscheinlich könnte man noch viele, viele weitere Gründe aufzählen. Und klar, man sollte das vielleicht auch ausführlicher tun, aber für den Überblick dürfte es reichen und für mehr kann man beispielsweise diesen Artikel zur Klimafrage von Atomkraftwerken oder die Seiten von Greenpeace, wo es sogar 365 Gründe für den Atomausstieg gibt. Und aktiv werden kann jeder von zuhause, indem man den Atomausstieg selber macht.

„Grüne“ für längere Atomlaufzeiten

Am Wochenende konnte man in der TAZ einen Artikel unter dem Titel „Grüne für längere Atomlaufzeiten“ lesen. Ob die unklare Formulierung so gewünscht war, lasse ich einfach mal offen, aber es ist nochmal deutlich dargestellt, dass es „eine Grüne“ war und nicht „die Grünen“, die sich nun in den Dienst der Atomlobby gestellt und deshalb den Atomkonsenz in Frage gestellt hat. Weiteres unter Grünes Gelsenkirchen.1

  1. Hatte den Artikel erst für PatJe.de geschrieben, aber dann doch transferiert :) []

Grüne Jugend gegen Atomenergie

image Eigentlich wollte ich mit diesem Artikel nur kurz auf die erfolgreiche kleine Aktion der Grünen Jugend Gelsenkirchen vom letzten Samstag hinweisen, bei der wir mit vier Leuten in Maleranzügen und selbst gebauten „Geigerzählern“ durch die Innenstadt gelaufen sind um Flyer anlässlich der Katastrophe von Tschernobyl und Hinweise zur Stromwechselparty morgen zu verteilen. Tja und dann brauche ich doch mal Ratschläge von den WordPress-Experten, die hier ab und an ja mal vorbei gucken :) Und zwar funktionieren bei dem Artikel im Blog der Grünen Jugend die Absätze nicht. P-tags werden aus dem Quelltext einfach herausgenommen. Weiß jetzt nicht, ob da irgendeine blöde veraltete CSS Sache dran hängt oder das Template zu alt ist oder so. Hat jemand einen Ratschlag dazu? Ansonsten noch der Hinweis auf die Flickr Bilder und den Bericht bei Grünes Gelsenkirchen.

Höhere Leukämieraten in der Nähe von Atomkraftwerken

atomkraft.jpgEine neue Studie hat erhöhte Raten von Krebs und insbesondere Leukämie bei Kindern in der Nähe von Atomkraftwerken festgestellt. Dabei wird man der Studie auch kaum vorwerfen können einseitig zu sein, denn sie wurde vom Bundesamt für Strahlenschutz erstellt und sowohl Atomkraftbefürworter wie -gegner waren an der Erstellung beteiligt. Die Gründe hierfür liegen aber noch im Dunkeln, wodurch sich m.E. eben zeigt, dass Atomenergie doch nicht ganz so rational zu handhaben ist, wie uns gerne erklärt wird. Weitere Informationen gibt’s hier in einem Artikel der SZ…

Chronologie einer Kernschmelze

Die Wolke hat Hamburg erreicht. Die Hansestadt bietet ein gespenstisches Bild: Die Straßen sind mit Fahrzeugen verstopft, aber es sind keine Passanten zu sehen. Die Supermärkte sind nach Hamsterkäufen fast leer. Die Polizei hat Anweisungen bekommen, Plünderungen zu verhindern. Fast alle Geschäfte sind jetzt geschlossen.

So könnte es fünf Stunden nach einem kleinen Störfall des AKW Brunsbüttel in Deutschland aussehen. Technology Review hat den zugegeben nicht sehr wahrscheinlichen Fall eines GAUs im AKW Brunsbüttel nachgezeichnet – empfehlenswert zu lesen, denn trotz aller Unwahrscheinlichkeiten gab es dort ja schon Störfälle und passieren könnte es dennoch – vom ungelösten Atommüllproblem will ich erst gar nicht anfangen…