Afrika! Afrika!

Heute Abend ging es nach Afrika. Um genau zu sein in „Afrika! Afrika“ eine Show, die Musik, Tanz und Artistik vereint und nun wohl auf Deutschlandtour geht. Es war ein Geburtstagsgeschenk für unsere Mutter, das heute eingelöst wurde. Ich wusste eigentlich nicht, was mich erwartet und ich bin schon überrascht, was für eine bunte, fröhliche und faszinierende Show das war. Nicht nur Trommeln und afrikanische Musik, auch klassische Artistik mit „Schlangenmenschen“, Jonglagen und sogar Basketball haben sich in dem rund zweistündigem Programm abgewechselt. Ich fand es einen schönen Abend und vielleicht ja auch was für euch? :) Mehr Infos zur Show

Einer der vielen Künstler in der Show. (Foto: Afrika! Afrika!)
Einer der vielen Künstler in der Show. (Foto: Afrika! Afrika!)

Wüstenblume

Direkt am Abend der Bundestagswahl hatte ich noch das Vergnügen mit zwei guten Freundinnen in die Spätvorstellung von Wüstenblume zu kommen. Zunächst hatte ich den Film schicksalshafterweise mit Feuerherz verwechselt, also war von einem Film über Kindersoldaten ausgegangen. Ob meine beiden Begleiterinnen mich nun bewusst in dem Fehlglauben ließen, sei mal dahin gestellt, aber als ich herausbekam, um was es in dem Film wirklich ging, waren die Karten gekauft und mein Pfirsichsaft in der Kinobar auch fast ausgetrunken. Vielleicht war es aber auch ganz gut so, denn Wüstenblume dreht sich auch um das Schicksal vieler Kinder in Afrika, genauer um das von Mädchen, denn es geht um die Genitalverstümmelung1 derselben, die vor allem dort aber auch in anderen Teilen der Welt geschieht.

Wahrscheinlich hätte ich mir den Film ohne diesen Irrtum und ohne meine Begleiterinnen nicht angesehen. Warum kann ich nichtmal genau sagen, das Thema hatte mich vorher nicht wirklich interessiert. Es wäre vermessen zu behaupten der Film hätte nun alles geändert, aber ein wenig mitfühlender, was dieses Thema angeht bin ich dann doch geworden. Aber vielleicht kurz erstmal worum es geht:

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch Wüstenblume von Waris Diries, in dem diese ihren Weg von der somalischen Steppe bis zum weltberühmten Starmodell darstellt. Dies alleine erscheint einem oft schon wie ein Märchen und voller glücklicher Zufälle getragen, aber hinter allem liegt der Schatten eben der Beschneidung mit drei Jahren, die sie schließlich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in einem Interview publik macht und damit das Thema der öffentlichen Diskussion aussetzt.

Wie schon gesagt: Es ist oft wie ein großes Märchen: Die Flucht aus Somalia gelingt nur, weil die Großmutter jemanden in London kennt, dort lernt Waris die Lebenskünstlerin Marilyn kennen und schließlich wird sie in einem Fastfood Restaurant als Modell entdeckt. Manche Geschichten schreibt das Leben eben doch selbst. Immer wieder wird in diese Geschichte jedoch der dunkle Schatten der Vergangenheit eingepflegt, ob nun beim Flirt in der Disco, als sie Marilyn beim Sex überrascht oder eben ganz konkret, als sie unter Schmerzen leidend ins Krankenhaus geht. Und als schließlich das Interview aufkam hoffte ich nur, dass es bei der Erzählung bleibt und einem der Rückblick erspart bleibt. Aber der Film hätte seine Wirkung verfehlt, würde er diesen Zeitsprung nicht machen und das Gesicht des leidenden Kindes überspringen. Die ganzen im Film deutlich werdenden Folgen dieses Verbrechens an kleinen Mädchen haben in dieser Szene ihren Ursprung.

Im Prinzip ist dies auch der Wendepunkt ihres Lebens wenn man es so will. “Die Genitalverstümmelte” sei ihr Job geworden, so ihr Manager. Ein ziemlich harter und unangenehmer Job, wie man auch in einem Interview für die Brigitte nachlesen kann:

Ich habe es so satt, darüber zu sprechen. Ich mache das nicht zum Vergnügen, es ist nicht leicht sich immer wieder vor Menschen zu stellen und diese sehr persönliche Geschichte zu erzählen. Es ist anstrengend, und es wird mit der Zeit auch langweilig. Es geht hier nicht um meinen persönlichen Kampf, deshalb macht es mich wütend, wenn Leute mir zurufen: "Viel Glück, was du machst ist großartig." Als wäre ich alleine für die Bekämpfung von Genitalverstümmelung verantwortlich.

Und auch wenn ich den Film zu Beginn ein wenig als Märchen – von armen somalischen Flüchtling zum Top-Modell – bezeichnet habe, darf man diesen Hintergrund nicht vergessen. Und vor allem nicht, dass sie damit symbolisch für die Mädchen in der Welt stehen, die diesen Weg nicht gehen können.

  1. Ich verwende die gleichen Begriffe wie von terre de femmes vorgeschlagen, werde hier im Artikel deshalb immer von Genitalverstümmelung sprechen und nicht von Beschneidung, da dies das Ausmaß der Tat deutlicher macht. Eine Beschneidung wird womöglich der bei Männern zu schnell gleichgesetzt und dadurch verharmlost. Gegenüber Opfern sollte dennoch dieser Begriff benutzt werden, denn als verstümmelt sollte man diese dennoch nicht bezeichnen. []

Berichte eines Staatsministers

Kurz bevor es zur Uni geht nur kurz ein Hinweis auf interessante Lektüre: Der ehemalige Staatsminister und grüne Bundestagsabgeordnete bis 2005 Dr. Ludger Volmer hat angefangen ebenfalls seine Erinnerungen zur rot-grünen Außenpolitik aufzuschreiben:

Was ich anbiete, sind Erzählungen, keine politikwissenschaftlichen Analysen. Sie sind subjektive Geschichten, nicht der Versuch einer objektivierten Geschichtsschreibung. Sie schildern nichts als meine persönlichen Erlebnisse. Es wird nicht um Enthüllungen gehen oder Entlarvung, wie manch einer von mir erhoffte. Doch auch Neues wird sichtbar, im Großen wie im Detail. Manche Einschätzung widerspricht den kursierenden Deutungen, die zu (falschen) Gewissheiten zu werden drohen.

Der erste Bericht handelt im Kern von seiner Reise 1999 um -vergeblich – einen Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien zu verhindern. Dieser Bericht freut mich natürlich besonders, da ich mich mit diesem Konflikt ja schon eingehender beschäftigen durfte (und mir der eritreische Botschafter genauso vorkam, wie Ludger es in seinem Bericht vom Staatschef beschreibt ;) ). Angereichert wird dieser Bericht aber auch von persönlichen Erfahrungen in Afrika, die noch vor seiner politischen Karriere liegen. In einer Email hatte er angekündigt weitere Berichte im Abstand von etwa einem Monat zu veröffentlichen – man darf also gespannt sein ;)

Papst fordert Schuldenerlass

Anlässlich des Besuches des neuen kamerunischen Botschafters im Vatikan rief Papst Benedikt XVI. zu einem Schuldenerlass für Afrika auf. Um Ländern wie Kamerun zu Aufschwung zu verhelfen müsse die Schuldenlass solcher Länder verringert oder gar aufgehoben werden.

Die Staatengemeinschaft müsse durch ihre Hilfsmaßnahmen und eine gerechte globale Wirtschaftspolitik “den Teufelskreis von Unterentwicklung und Armut durchbrechen”, so der Papst. Zudem verlangte er mehr internationale Aufmerksamkeit für die sozialen Folgen von Überschwemmungen, Klimaveränderung, Seuchen sowie Kriegen und Terrorismus in den armen Ländern.

Ich finde diese Aufforderung sollten sich natürlich die katholischen Politiker, aber auch protestantische oder anders- oder nichtgläubige Entscheider zu Herzen nehmen. Mehr im erlassjahr.de Blog

Atlantropa – Eine verrückte Vision

atlantropa_mittelmeer.jpgManchmal gibt es Visionen, die so verrückt klingen, dass sie schon wieder faszinierend sind. Und so ist es auch bei der Vision von Atlantropa, die 1928 geboren wurde. Der deutsche Architekt Herman Sörgel hatte nämlich einen Gedanken, der heute mehr als abwegig erscheint: Durch ein gigantisches Staudammprojekt an der Straße von Gibraltar sollte das Mittelmeer, welches einen Großteil des Wassers aus dem Atlantik bezieht, langfristig austrocknen. In den endgültigen Planungen sollte der Wasserspiegel um 100 Meter sinken, was ca. 576.000 km² neues Land freigesetzt hätte. Selbst Straßenverbindungen über Italien und Sizilien nach Afrika waren so bereits auf Karten geplant. Weiter lesen „Atlantropa – Eine verrückte Vision“

Eritrea Schlusslicht in Sachen Pressefreiheit

Reporter ohne Grenzen hat einen neuen Jahresbericht zur Pressefreiheit herausgegeben. Schlusslicht ist das am Horn von Afrika gelegene Eritrea, welches ich 2005 noch in New York bei den National Model United Nations vertreten durfte:

„Die Lage in Eritrea ist desaströs. Private Medien existieren nicht mehr und die wenigen Journalisten, die es wagen, das Regime Issaias Afeworkis zu kritisieren, landen im Gefängnis. Mindestens vier von ihnen sind bereits in der Haft gestorben. Wegen weiterer Festnahmen steht Eritrea nun ganz am Ende der Liste“, so ROG.

Neben Eritrea findet man auf den letzten 20 Plätzen folgende Länder: Pakistan, Sri Lanka, Laos, Vietnam, China, Burma, Nordkorea, Äthiopien, Äquatorial Guinea, Libyen, Somalia, Syrien, Irak, Palästinensische Gebiete, Iran, Weißrussland, Usbekistan, Turkmenistan und Kuba.

Deutschland befindet sich auf Platz 20 und ist damit neben Kanada (18) das einzige G8 Land unter den ersten 20 Plätzen.

Erneute Ermittlungsverfahren gegen Journalisten wegen Beihilfe zum Geheimnisverrat, gesetzliche Regelungen und Vorschläge, die den Quellenschutz aushöhlen, Drohungen und Übergriffe gegen Journalisten, die im rechten Milieu recherchieren sowie Einflussnahme auf Redaktionen durch Anzeigenschaltungen haben zu Punkten geführt.

An der Spitze finden sich auch dieses Jahr wieder nordeuropäische Staaten wie Island, Norwegen und Estland. Dänemark hatte sich nach dem Karikaturenstreit im letzten Jahr auch wieder erholt, und liegt nun auf dem 8. Rang. Einbuße musste in Europa aber die Niederlande erleiden, nachdem dort Journalisten für zwei Tage ins Gefängnis mussten, da sie ihre Quellen nicht offenlegen wollten – für das Land bedeutete dies den Absturz von Platz 1 auf Platz 12.

Insgesamt sind alle Staaten der Europäischen Union mit Ausnahme von Bulgarien (51.) und Polen (56.) unten den Top-50 anzufinden. Auch die Vereinigten Staaten finden sich noch knapp in dem Bereich:

Die Vereinigten Staaten rangieren auf Platz 48. Der Blogger Josh Wolf kam nach 224 Tagen Haft frei. Der sudanesische Kameramann von Al-Dschasira, Sami Al-Haj, wird seit Juni 2002 in Guantanamo festgehalten. Im August dieses Jahres wurde der Journalist Chauncey Bailey in Oakland erschossen. Der Quellenschutz ist weiterhin gefährdet.

Wie man sehen kann, werden auch Maßnahmen gegen Blogger in das Ranking eingezogen, da diese sich in einigen Staaten nicht von denen gegen traditionelle Medien unterscheiden:

Mindestens 64 Menschen sind derzeit weltweit wegen Veröffentlichungen im Internet im Gefängnis. China bleibt mit 50 Inhaftierten Vorreiter bei dieser Form der Unterdrückung. Acht Internetdissidenten werden derzeit in Vietnam festgehalten. In Ägypten erhielt der Blogger Kareem Amer vier Jahre Haft, da er Präsident Mubarak und den Einfluss des Islam an den Universitäten kritisiert hatte.

Neue Partnerschaft mit Afrika

Horst_Koehler.jpgBundespräsident Horst Köhler hat anlässlich des Welternährungstages eine „ehrliche, verlässliche und auf Partnerschaft fußende Entwicklungspolitik für den ganzen Planeten“ gefordert. Insbesondere die vom Westen vorgegebene Ausrichtung auf Export fördere den Anbau von Monokulturen und habe damit – wie mit dem Aufbau von unnötigen Prestigeobjekten – falsche Weichenstellungen gesetzt. Auch sei es wenig sinnvoll, überschüssige Nahrungsmittel aus Europa „dauerhaft in Entwicklungsländern unterzubringen“, sondern oberstes Ziel müsse es sein „eine Grundversorgung mit Nahrungsmitteln vor Ort und aus der Region“ zu erreichen. Weiter lesen „Neue Partnerschaft mit Afrika“

Wenn Rohstoffreichtum arm macht

Wenn man an Gold, Öl oder Diamanten denkt, dann sieht man oft ermessenen Reichtum vor seinen Augen. Auch für die Länder, in denen solche Rohstoffe gefunden werden stellt man sich ein Leben in Reichtum vor. Oft ist aber genau das Gegenteil der Fall: Von den Geldern des Rohstoffexportes kommt nicht viel bei der Bevölkerung an und schlimmer erhöht der Reichtum die Chancen auf bewaffnete Konflikte: Es kommt zum sogenannten Reichtumsparadoxon. Weiter lesen „Wenn Rohstoffreichtum arm macht“

Fair Trade

Zusammensetzung des Kaffee Preises - Quelle: WikipediaEr ist für viele Menschen vom Frühstückstisch nicht mehr wegzudenken und oft kommt man erst mit ihm „richtig in Schwung“: Der Kaffee. In Deutschland trinkt jeder durchschnittlich pro Tag 4 Tassen und somit 160 Liter des Getränks pro Jahr. Und es ist auch erschwinglich: rund 4 – 5 Euro muss man für 500 Gramm Kaffee auf die Ladentheke legen.Aber grade hier liegt ein Problem: Hast du dir beim Einkaufen mal Gedanken darüber gemacht, was hiervon am Ende bei den Kaffee-Bauern ankommt? Grade mal 5 Prozent dieses Betrages, also 20 bis 30 Cent erhält derjenige, der tagtäglich dafür auf dem Feld arbeitet. Das übrige bleibt bei Zwischenhändlern stecken.

Auch der Weltmarkt spielt eine große Rolle. Wurden 1995 für 500 Gramm noch 1,51 Euro auf dem Weltmarkt bezahlt, sind es seit 2001 nur noch 0,54 Euro – mit drastischen Folgen für die Bauern in Entwicklungsländern.

Auch bei anderen Rohstoffen ist unfairer Handel an der Tagesordnung. Bei einer Tafel Schokolade mit einem angenommenen Preis von einem Euro erhält der Kakaobauer 3 Cent., jeweils 32 Cent gehen an die Schokoladenfabrik und den Supermarkt, insgesamt 19 Cent an den Aufkäufer des Kakaos und dessen Importeur, und 14 Cent erhält der Staat über Steuern. Weiter lesen „Fair Trade“

Ban: Kriegsgefahr zwischen Eritrea und Äthiopien

UN-Generalsektretär warnte in einem Bericht vor dem UN Sicherheitsrat vor einem neuen Krieg am Horn von Afrika. Er sehe einen Stillstand zwischen beiden Staaten, der schnell in aggressive Kampfhandlungen umschlagen könnte. Der Sicherheitsrat muss bis Ende des Monats über ein neues Mandat der UN Friedenmission in Äthiopien und Eritrea (UNMEE) entscheiden. Wir es aussieht, werden die Mitglieder des Sicherheitsrates das Mandat um weitere 700 Soldaten auf 1.600 Soldaten verkleinern. Bereits im Mai wurde das Mandat von 3.000 auf 2.300 verringert, da der Erfolg der Mission angesichts des Stillstandes zwischen beiden Staaten nur schwer erreichen ist.
unmeemapNach einem 30jährigen Unabhängigkeitskrieg war Eritrea 1992 unabhängig geworden. Ein Grenzstreit führte 1998 zu einem Krieg mit dem ehemaligen Mutterland Äthiopien der bis 2000 dauerte und 70.000 Menschen das Leben kostete. Beim Friedensabschluss wurde eine Internationale Kommission damit beauftragt die Grenzziehung vorzunehmen – dessen Resultat Äthiopien jedoch nicht anerkannte.

Seitdem spannen sich die Beziehungen zwischen beiden Staaten mehr und mehr an. Im Oktober hat Eritrea die temporäre Sicherheitszone wieder mit rund 2.000 eigenen Soldaten, inklusive Panzern, Artillerie und Luftverteidigungseinheiten betreten. Auch Äthiopien rüstete in der Region auf. Eritrea hat im übrigen die Arbeit der UNMEE stark eingeschränkt, ihr beispielsweise Hubschrauberflüge verboten. In Gesprächen zur Vorbereitung auf die Vertretung Eritreas bei der NMUN in New York erfuhren wir, dass dies mit der mangelnden Friedensleistung der UNMEE zu tun habe. Der Somaliakonflikt schien sich allerdings nicht zu einem Stellvertreterkrieg der beiden Staaten auszuweiten.
Aus russischen UN Kreisen ist zu hören, dass sich eine „beachtliche Frustration“ über den Stillstand im Friedensprozess aufgekommen ist und auch Generalsektretär Ban Ki-moon sieht politischen Handlungsbedarf und die Aufforderung nach mehr Engagement für Frieden bei den beiden beteiligten Staaten:

Mr. Ban warns that Ethiopia and Eritrea both need to do much more than settle their border issue if they are to establish sustainable peace and reconciliation.

“The two Governments need to take the political decision to put the conflict behind them, for the sake of their own people, and move forward in a number of other areas that would help them to normalize relations.”

(Quelle: UN News)