Bayerns Bundesratsinitiative zu “Killerspielen”

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 10. Januar 2007

Lange war es um die bösen und gefährlichen “Killerspiele” ruhig geworden, aber nun hat der angezählte Ede aus Bayern das Thema wieder aufgegriffen und die bayerische Landesregierung hat eine entsprechende Bundesratsinitiative beschlossen.

Der Beschluss umfasst dabei acht Eckpunkte:

1. Verbot virtueller Killerspiele im Strafgesetzbuch
2. Verbot real nachempfundener Killerspiele wie Gotcha, Paintball oder Laserdrome im Ordnungswidrigkeitenrecht
3. Verbot offensichtlich schwer jugendgefährdender Filme und Computerspiele
4. Vermiet- und Verleihverbot indizierter jugendgefährdender Filme und Computerspiele
5. Verbesserungen bei der Freiwilligen Selbstkontrolle
6. Erhöhung des Bußgeldrahmens bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz
7. Verbesserungen bei Internet, Fernsehen und Online-Spielen durch Änderung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages der Länder
8. Initiative im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit

Gucken wir uns diese doch zunächst einmal in aller Kürze an, bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, wie sinnvoll (oder eher sinnlos) das Ganze eigentlich ist. Zur Begrifflichkeit “Killerspiele” empfiehlt sich noch ein Artikel bei Telepolis ;)
Punkte 1 und 2 sind abgesehen von meiner Ablehnung eines solchen Verbotes schon aus einem einfachen Grund ziemlich blödsinnig, wie Heiko auch in seinem Affenhaufen Blog schreibt, denn:

virtuelle Killerspiele im PC werden ggfs. mit
Gefängnisstrafe belegt, in der Realität auf einen anderen Menschen zu
schießen wird zur Ordnungswidrigkeit. Man wird also kostenpflichtig
verwarnt bzw. bekommt einen Bußgeldbescheid.

Punkte 3 und 4 richten sich weniger an den Jugendschutz, sondern an den Erwachsenenschutz, denn “schwer jugendgefährdender Filme und Computerspiele” können indiziert und damit nur über 18 Jährigen zugängig gemacht werden – und diese sollten doch eigentlich damit umgehen können, oder? Zumindest wird 18jährigen Männern schon automatisch eine Waffe in die Hand gedrückt!

Gegen Punkte 5 und 6 habe ich nichts und bei 7 vielleicht auch nicht mal. Dass man die FSK verbessert mag noch in Ordnung sein und Erwachense zu bestrafen, die sich nicht an die Jugendschutzregelungen halten finde ich auch okay. OPunkt 8 ist wie Punkt 7 so schwammig, dass ich da nix zu sagen kann.

Aber immerhin hat die CSU es jetzt wieder geschafft für schwere Probleme eine einfache Lösung zu finden. Anstatt die sozialen Probleme anzugehen, die junge Menschen ausgrenzen oder das Gefühl geben Verlierer zu sein, wird eine Jugendkultur angegriffen, nur weil einige Wenige nicht damit umgehen können.

Natürlich können Computerspiele negative Einflüsse auf (junge) Spieler haben, soziale Isolation, Suchtsymtome oder Vernachlässigung der Schule sind solche Aspekte, die man durchaus ernstnehmen und angehen muss. Das Gefühl im Spiel als “Gewinner” herauszugehen kann als positive Erfahrung im Vergleich zur Lebensrealität, wo dies nicht so einfach möglich ist, zwar auch zur Steigerung des Selbstwertgefühls, aber eben auch zum Verlust der Verbindungen in die Realität führen. Dies hat mit “Killerspielen” aber wenig zu tun, denn auch ganz humane Spiele können hierzu führen, als Beispiele mögen Onlinerollenspiele, aber auch Klassiker wie Civilization herhalten, die eine Suchtwirkung aufbauen können. Entscheidend hierfür ist etwas eigentlich völlig normales: Medienkompetenz – insbesondere der Eltern. In einem Zeitungsartikel vor einiger Zeit wurde gefragt, wo denn die Eltern in dieser ganzen Frage sein? Müssten Sie nicht kontrollieren, wieviel und vor allem wie oft die Kinder vor dem Rechner sitzen? Natürlich kennen diese sich nicht alle in der Welt der Computerspiele aus, aber selbst wenn es nur eine zeitliche (keine inhaltliche) Kontrolle gibt, dürften selbst grässliche “Killerspiele” keine alzugroße Wirkung haben.

Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen stellte dazu Ende November in einem Interview mit dem Tagesspiegel fest:

Unser Problem ist, dass unsere Schule zu sehr auf Wissensvermittlung setzt und zu wenig auf soziales Lernen. Die Nachmittagsgestaltung der Schulen müsste unter der Überschrift „Lust auf Leben wecken“ stehen. Wir vermitteln den Kindern zu wenig Möglichkeiten zum Austoben und bieten ihnen damit zu wenig Anerkennungs- chancen. (…) Schon bei der frühen Aufteilung der Kinder auf Hauptschule, Realschule oder Gymnasium sind wir auf einem falschen Kurs, weil die Hauptschüler zu diesem Zeitpunkt schon mitgeteilt bekommen, dass sie Verlierer sein werden.

Er fordert des Weiteren auch verstärkte Kontrolle der Eltern und eine Verbesserung der Vorhanden Jugendschutzmechanismen – auch heute wieder in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung. Ich muss sagen, dass ich dagegen auch nichts habe. Jugendschutz bedeutet nunmal die Jugend zu schützen und dann muss auch nicht alles (auf normalem Wege) zu bekommen sein, aber ein allgemeines womöglich noch pauschales Verbot Spielen solcher Art.

Denn eins sollte man auch nicht vergessen: Verbote sind auch anziehend und irgendwo wird ein Jugendlicher immer auf so ein Spiel stoßen können, denn beispielsweise das Internet hört nicht an der deutschen Grenze auf. Und momentan erlebt man das ein oder andere mal ja noch, dass ein Spiel extra für den deutschen Markt entschärft wurde, um einer verschärften Jugendkontrolle zu entgehen. Das führt dann soweit, dass in Strategiespielen keine menschlichen Soldaten, sondern Roboter aufeinander schießen, aber mich hat es zumindest nie gestört :)

Im übrigen gab es Kinder- und Jugendliche, die auf einander schießen doch auch schon immer, oder? Als Kind habe ich auch Räuber und Gendarm gespielt, wo man auch mit Spielzeugpistolen oder der “Handpistole” aufeinander geschossen hat und der andere “tot” war. Man mag darüber und über “Killerspiele” ja halten, was man will, aber ich bezweifle deren starke schädigende Wirkung für die Gesellschaft.

Und damit dann zum Abschluss noch eine provokante Frage, die Markus Reschke in seinem Blog aufgeworfen hat:

Warum kümmert man sich so stark um das Verbot von Killerspielen zur
Vermeidung von Amoklaüfen, durch die verhältnismäßig nur wenige
sterben, wenn z.b. durch die Folgen des Passivrauchens deutlich mehr
Menschen sterben? Und was wurde aus dem Rauchverbot, welches mir
weniger in den Medien prässent erschien als Killerspiele?

Eine wie ich finde mehr als berechtige Frage. Betrachten wir doch einfach die Zahlen: 2006 ist eine Person in Elmsdetten durch “Killerspiele” gestorben (und das war die Selbsttötung des Täters), davor 2002 nochmal 16 Personen. Es wurden mindestens 37 Personen verletztend und sicherlich einige hundert in Panik und Angst versetzt, was ich alles nicht herabreden will. Passivrauchen hingegen tötet jährlich geschätzte 3.000 Menschen und wie reagiert die Politik? Mit butterweichen Regelungen, da man die Wirtschaft ja nicht schädigen wollte. Mal abgesehen davon, das selbst eine Pub-Kultur wie Irland Rauchverbote haben und damit besser fahren als vorher, zeigt sich, dass hier reiner Populismus gegen eine Gruppe von Menschen und Unternehmen am Werk ist, die nicht eine so starke Lobby haben, wie unsere Raucher. Nach der Logik der bayerischen Staatsregierung müsste es hier übrigens nicht nur ein Rauchverbot in öffentlichen Gaststätten geben, sondern das Rauchen würde komplett verboten!

Reinhard Loske zum bedingungslosen Grundeinkommen

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 09. Januar 2007

In der TAZ vom gestrigen Montag hat sich Reinhard Loske in einem Interview unter anderem auch zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) geäußert. Ich habe diese Äußerungen hier einmal übernommen, weil sie so ziemlich genau meine Meinung zum BGE darstellt.

Sie sind der erste grüne Bundespolitiker, der für das
bedingungslose Grundeinkommen plädiert. Jeder Bundesbürger soll 850
Euro vom Staat erhalten – egal, ob er arbeitet oder nicht. Haben Sie
Unterstützung in Ihrer Partei?

Einige haben sich schon positiv geäußert – etwa der neue Tübinger
Oberbürgermeister Boris Palmer. Wir werden die Debatte jetzt führen und
Ende 2007 auf einem Parteitag entscheiden. Ich will, dass die Grünen
sich öffnen für diese Idee, auch wenn man sie nicht eins zu eins
umsetzen kann. Aber es ist grundsätzlich der richtige Weg, unseren
Sozialstaat umzubauen.

Welches ist Ihr wichtigstes Argument für das Grundeinkommen?

Die Würde des Menschen. Jeder ist ein vollwertiges Mitglied der
Gesellschaft – unabhängig davon, ob er einer Erwerbsarbeit nachgeht
oder nicht. Deshalb muss das würdelose Erbetteln von Sozialtransfers
bei allen möglichen Stellen ein Ende haben. Außerdem müssen wir die
Bedürftigkeitsbürokratie abschaffen. Die hat ein sehr negatives
Menschenbild. Der Mensch wird angeblich nur tätig, wenn man ihn
kujoniert und triezt.

Wie sieht Ihr Menschenbild aus?

Ich könnte mit Hannah Arendt beginnen und ihrem Buch “Vita activa”.
Der Mensch ist geboren, um tätig zu sein. Aus sich heraus und seiner
eigenen Vervollkommnung. Ich gebe zu, das ist auch ein idealisierendes
Menschenbild. Aber es ist mit Sicherheit genauso realistisch wie das
andere, das uns weismachen will, der Mensch sei ein notorischer
Faulpelz.

Bei den Leistungsträgern, von denen SPD-Chef Kurt Beck
spricht, hat das Grundeinkommen keine Chance, denn es verstößt gegen
eine jahrtausendelang eingeübte Arbeitsideologie. Sie versuchen eine
Kulturrevolution.

Auf der Meta-Ebene betrachtet, mag das stimmen. Schon der Apostel
Paulus schrieb an die Thessaloniker: “So jemand nicht will arbeiten,
der soll auch nicht essen.” Trotzdem müssen wir uns an den Gedanken
gewöhnen, dass es der Produktivitätszuwachs immer schwerer macht,
Vollbeschäftigung zu erreichen.

Die Arbeit geht uns nicht aus. Die USA, Japan, Schweden oder Österreich sind nahe dran an der Vollbeschäftigung.

Aber was sind das für Jobs? Es ist nicht erstrebenswert, so wenig zu
verdienen, dass man drei Arbeitsplätze braucht, um über die Runden zu
kommen.

Das gilt für die USA.

Auch die anderen Länder haben Probleme mit dem Zuwachs der
Produktivität. Sie müssen permanent ein hohes Wachstum generieren, um
für die wegrationalisierten Beschäftigten neue Stellen zu schaffen. Das
kann nicht im Interesse der Grünen sein, die auch die Umweltfolgen von
Wachstum bedenken.

Das Grundeinkommen würde zwischen 500 Milliarden Euro und 1 Billion pro Jahr kosten. Woher soll dieses Geld kommen?

Größtenteils wird es ja heute schon für Sozialtransfers ausgegeben.
Man würde das Geld nur umwidmen und zusammenfassen. 850 Euro für
Erwachsene pro Monat sind wohl realistisch, für Kinder die Hälfte.
Außerdem müssten wir uns verabschieden von der Finanzierung des
Sozialsystems durch Steuern und Abgaben, die die Arbeit belasten. Wir
sollten uns hinwenden zur Besteuerung des Konsums und des
Ressourcenverbrauchs.

Also Ökosteuer und Mehrwertsteuer. Letztere aber
belastet einseitig die Geringverdiener, die verhältnismäßig mehr für
Konsum ausgeben als Wohlhabende.

Damit es nicht zu Ungerechtigkeiten kommt, müssen wir die
Verbrauchsteuern differenzieren. Es sollte einen niedrigen Satz der
Mehrwertsteuer geben für Grundbedarf wie Lebensmittel und Wohnung – so
wie heute auch. Dann einen normalen Satz und zusätzlich einen dritten,
hohen für Luxusgüter und umweltschädliche Produkte.

Was verstehen Sie unter Luxusgütern?

Geländewagen wie der Porsche Cayenne sind mit Sicherheit Luxusgüter.
Dass die Wohlhabenden und Reichen besonders besteuert werden, ist
wichtig. Deswegen sollte es auch eine nennenswerte Belastung von
Kapital und Vermögen geben.

Sie sagen, Wirtschaft solle für die Grünen mehr
bedeuten als Wettbewerb und Profitmaximierung. Was verstehen Sie unter
Solidarischer Ökonomie?

Tauschringe, Regionalwährungen, Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften
in der Landwirtschaft, Restauration und Recycling alter Materialien,
gemeinnützige Betriebe, die von Spenden leben.

Ist das mehr als eine Nischenveranstaltung, die nur 1 Prozent der Bevölkerung interessiert?

Ja, das Bild wird bunter. Bei mir zu Hause in der Eifel entwickeln
sich viele Mischmodelle – Arbeitsplätze, die nur teilweise vom Markt
finanziert werden. Deshalb spreche ich von einer “Dual-Ökonomie”.
Natürlich haben wir den produktiven Kern der wettbewerbsorientierten
Wirtschaft. Aber parallel dazu entwickeln sich mehr und mehr
Aktivitäten, bei denen es nicht primär um Produktivitätsfortschritt
geht.

Woher kommt das?

Es hat einfach nicht jeder Lust, ständig dem Geld hinterherzurennen.
Teilweise sind diese Beschäftigungen aber auch aus der Not geboren.

Leute, die ihre Arbeit verlieren und keine Hilfe erbetteln wollen?

Ja, und genau das würde durch das Grundeinkommen viel leichter.
Durch die Befreiung vom Zwang zu falscher Arbeit würden auch neue Räume
geschaffen für interessante Tätigkeiten.

Fraktionschef Fritz Kuhn will die Grünen zu einer Wirtschaftspartei machen. Halten Sie das für den richtigen Weg?

Die Grünen sollten ihr wirtschaftspolitisches Profil schärfen.
Einfach deshalb, weil uns nur knapp 2 Prozent der Bevölkerung eine
ökonomische Kompetenz zuschreiben. Das darf so nicht weitergehen.

Sind die Grünen eine Unternehmerpartei?

Nein. Aber ich plädiere dafür, dass die Grünen ein positives
Unternehmerbild bewahren. Freude an freier Tätigkeit und
Veränderungswillen in gesellschaftlicher Verantwortung, das passt zu
uns. Das grüne Wirtschaftsmotto sollte lauten: “Geld verdienen, Spaß
haben und die Welt verbessern!”

Fänden Sie es gut, wenn mehr Menschen bereit wären, mehr Risiko auf sich zu nehmen?

Unbedingt. Aber es muss ein Netz geben, damit sie nicht ins Bodenlose fallen, wenn sie scheitern.

Weitere Ansichten von Ihm unter anderem zu seiner Person und der Bedeutung der Ökologie für die Grünen gibts im kompletten Interview.

Fürstentum zum Verkauf

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 08. Januar 2007

Hätte ich in den letzten Jahren doch mal ein wenig mehr aufs Geld geachtet! Für läppische 750 Millionen Dollar hätte ich mir schließlich ein eigenes Fürstentum vor der Küste Englands kaufen können. Fas Fürstentüm Sealand steht nämlich zum Verkauf.

Bei Sealand handelt es sich um eine Bohrinsel, die im zweiten Weltkrieg außerhalb der damals üblichen 3 Meilen Zone errichtet und dann verlassen zurückgelassen wurde. Nach einigen Piratensendern übernahm am 2. September 1968 der Brite Paddy Roy Bates die Insel und proklamierte sie zum unabhängigen Fürstentum Sealand. Ein Versuch der britischen Regierung die Bohrinsel 1968 zurückzuerlangen wurde nach einigen Schüssen von der Insel wohl aus Befürchtung vor der Öffentlichkeitswirksamkeit eines solchen Fehlschlags vor der eigenen Küste abgebrochen. Ein aufgrund der Schüsse eingeleitetes Strafverfahren in England führte zu einem wegweisenden Urteil, als das Gericht gestellte nichtzuständig zu sein, da Sealand außerhalb der Grenzen der britischen Gerichtsbarkeit läge.

Der Rechtsstatus von Sealand ist recht umstritten. Laut der Konvention von Montevideo, die zum Völkergewohnheitsrecht zählen muss, ist ein Staat wie folgt definiert:

Der Staat als Subjekt des internationalen Rechts sollte folgende Eigenschaften besitzen: (a) eine ständige Bevölkerung; (b) ein definiertes Staatsgebiet; (c) eine Regierung; und (d) die Fähigkeit, in Beziehung mit anderen Staaten zu treten.

Während die Regierung und die Fähigkeit zu diplomatischem Austausch kaum zu bestreiten ist, sind die anderen beiden Punkte umstritten. Bei weniger als zehn ständigen Bewohnern ist aber die Staatsbevölkerung kaum gegeben. Und bezüglich des Staatsgebietes ist auch unklar, ob das künstliche Gebilde einer Bohrinsel als Staatsgebiet gelten kann. Insgesamt wird Sealand international nicht anerkannt.

Interessanterweise scheint die Geschichte um Sealand momentan auch verfilmt zu werden und dürfte 2008 im Kino zu sehen sein.

Gefälschte 1&1 Rechnungen im Umlauf

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 08. Januar 2007

1und1virus.jpgNach der Post.. äh Pfostenbank Email vor Weihnachten tauchte mal wieder etwas seltsames, dieses mal aber durchaus gefährlicheres im Postfach auf: Eine Rechnung von 1&1 über einen Betrag von 59,99 Euro. Das besondere daran ist der Anhang im scheinbar neuen PDF-EXE Format.

Da diese Email gut formuliert war, ist es nicht unwahrscheinlich, dass der ein oder andere Computerbenutzer hier einen Klick zuschnell gemacht hat und erleben durfte, was im roten Blog nur getestet und bei Rokopsecurity analysiert wurde: Der Virus verabschiedet sich mit einer Fehlermeldung und nistet sich dann im System ein, wo er nach einem Neustart versucht weitere schadhafte Dateien herunterzuladen – was nicht mehr möglich ist, da diese Dateien nicht mehr existieren.

1&1 geht nach heise.de Berichten von einer riesigen Welle falscher Rechnungen aus:

“Bis jetzt haben wir über 50.000 Delivery Errors und mehrere 100.000 Mails an eigene Kunden eingeliefert bekommen. Da wir die Mails von vielen Dialup-IP-Adressen bereits blockieren und diese in der Zahl nicht enthalten sind, deutet das auf ein sehr hohes Gesamtvolumen von vielen Millionen verschickter Mails hin.”

Interessant finde ich, dass anders als früher bei Telekom Emails nun keine horrenden Summen als Rechnungssumme genannt werden, sondern ein durchaus realistischer Betrag. Dazu die gute Sprache (soll nach einigen Berichten zusammengeklickt sein) macht diese Verschickung wirklich zu einer auf den ersten Blick guten Fälschung.

Inzwischen haben scheinbar die meisten Virenscanner auf diese Bedrohung reagiert und die Datenbanken aktualisiert. Nur bei 1&1 auf der Homepage findet man keine diesbezügliche Warnung…
In dem Zusammenhang sei nochmal auf die Grundlagen für einen sicheren PC hingewiesen:
1. Immer einen aktuellen Virenscanner installiert haben. Bei free-av.de kann man sich als Privatanwender beispielsweise kostenlos einen herunterladen.
2. Keine Emailanhänge öffnen, die verdächtig erscheinen oder auf .exe, .bat, .scr, .com, .vbs enden.
3. Wenn man auf Nummer sicher gehen will, dann die Datei seperat auf der Festplatte speichern und mit dem Virenscanner testen (keinesfalls ausführen!) oder online testen bei virustotal.com. Dorthin kann man auch verdächtige Emails mailen. Einfach an scan-at-virustotal-dot-com mit dem Betreff scan und schon wird getestet.
4. Sicher ist es aber auch einfach beim Absender nachzufragen. ;)

DHL “express”

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 04. Januar 2007

Am 22. Dezember wurde mir ein Paket mit meinen reparierten Laptop zurückgeschickt – zumindest hoffe ich, dass er repariert ist, denn bis heute ist nichts hier angekommen. Grund: DHL “Express”. Nun gut, angeblich ist es am 27. mal versucht worden zugestellt zu werden, aber leider haben wir zuhause (also dort wo das Ding hingeliefert wurde) nichts davon mitbekommen (obwohl immer jemand da war), was vielleicht auch daran lag, dass es keine Benachrichtung über den angeblichen Zustellbesuch gab! Gestern konnte ich dann nach mehrmaligen Anrufen bei ASUS die Treckingnummer herausfinden und habe bei der Post eine erneute Zustellung für heute morgen 8-12 Uhr gewünscht. Tja, um es so zu sagen: Es ist 16.32 Uhr und ich schreibe nicht an meinem Laptop. Um 13 Uhr hatte ich das Warten nämlich satt – also soll mir keiner Sagen ich hätte nicht Verständnis für eine kleine Verspätung und wiedermal die Hotline anzurufen, die mir dann offenbarte, dass irgendwie das Paket nicht mitgeschickt wurde. Jetzt erfolgt heute abend hoffentlich eine Zustellung – im Wagen ist es laut Sendungsverfolgung jedenfalls und ich werde unten den ganzen Abend warten (Zustellzeit 17-22 Uhr). Aber vor DHL Express kann ich nur warnen, andere Zustelldienste stellen nämlich wirklich zu. Selbst mit normaler Sendung hätte ich mein Paket schon, denn – abgesehen davon dass der Zusteller bei uns immer jemanden antrifft – gibt’s da eine Karte mit der man das Paket auch abholen könnte. Aber nach Dortmund ist mir etwas zuweit. Und UPS stellt sogar automatisch dreimal zu, bevor man etwas ausmachen muss – tja, es gibt eben “express” und express.

Hier noch das Schreiben, was ich diesbezüglich an DHL geschickt habe:

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch wenn mein Vorgang noch läuft und ich die Hoffnung nicht ganz aufgegeben habe mein Paket noch zu bekommen, möchte ich bereits hier meinen Umnut zum Ausdruck bringen und mich bei Ihnen über den mangelnden Service von dhl “express” beschweren!

Am 22. Dezember wurde mir vom Hersteller ein beschädigtes Gerät zurückgeschickt (P484463247861), das ich BIS HEUTE nicht erhalten habe! “Express” ist das jedenfalls nicht, da wäre ich mit dem Fahrrad und Selbstabholung schneller gewesen, aber nun weiter:

Am 27. Dezember gab es – angeblich – eine Zustellung. Angeblich deshalb, weil hier den ganzen Tag jemand anzutreffen war und normalerweise auch eine Benachrichtigung vorliegen dürfte. Naja, zumindest ist das bei der Konkurrenz wie UPS so, die sogar (!) mehrmals versuchen jemanden anzutreffen.

Wie dem auch sei, ohne Benachrichtigung konnte ich erst gestern durch erneutes Anrufen bei ASUS die Trackingnummer in Erfahrung bringen und habe umgehend die Hotline (zum Preis von 14 ct. je angefangene Minute) angerufen um eine erneute Zustellung hinzubekommen, die heute zwischen 8 und 12 Uhr stattfinden sollte. Nun gut, da dachte ich noch, dass eben nicht alles so gelaufen ist, wie es sollte, aber nun gut.

Heute morgen wurden dann alle anderen Dinge unterbrochen und von 8-12 Uhr andere Tätigkeiten zuhause unternommen, damit man ja den DHL “express” Zusteller nicht verpasst. Naja, um 13 Uhr habe ich dann doch lieber entschieden nochmal die Hotline anzurufen (zum Preis von 14 ct. je angefangene Minute). Jetzt ist für heute abend 17-22 Uhr eine neue Lieferung angekündigt und ich werde wieder meinen Tagesplan danach umstellen und hoffen das dringend benötigte Gerät zu erhalten.

Ich bin jedenfalls von ihrer Transportleistung mehr als enttäuscht. Wie gesagt bei UPS gibt es 3 Zustellversuche mit jeweils einer Benachrichtung und der Sicherheit, dass wenn man was ausmacht, es auch geliefert bekommt. Und selbst bei ihrer Tochter, Mutter oder was auch immer der “normalen” DHL hätte ich mein Paket sicher schon auspacken können, denn auch da gibt es notfalls eine kleine rote Karte, mit der man das Paket dann selber abholen kann, aber bis nach Dortmund zu fahren ist mir dann doch zu blöd.

In diesem Sinne hoffe ich, dass ich heute abend dann doch mal Glück (oder darf man mehr erwarten?) haben werde und mein Paket erhalte. Ansonsten müsste ich überlegen, ob die Nichtzustellung nicht andere Gründe hat und ggf die Verbraucherzentrale oder einen Anwalt einschalten, denn irgendwie ist es ja noch MEIN Paket, was bei Ihnen im Lager vor sich hin schimmelt. Jedenfalls werde ich in Zukunft lieber auf die normale DHL oder andere Unternehmen ausweichen, denn schlimmer als 7 Tage Verspätung kann es kaum werden.

Mit freundlichen Grüßen
Patrick Jedamzik

P.S. Auch passend zu “Wir sind immer für Sie da” und meinen Erfahrungen, dass selbst dieses Formular sich erst nach dem xten Mal verschicken ließ, da “Sorry, but the requested application is not available at the moment. Please wait a moment and restart the application! (PIF-15111)”. Da kann man ech nur noch den Kopf schütteln. Fast wäre es sogar zum lachen, aber leider ist mir bei dieser Sache nicht mehr nach Lachen zumute.

Werde euch auf dem Laufenden halten, was DHL angeht ;)

Hinrichtung mit Folgen

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 03. Januar 2007

Die Hinrichtung von Saddam Hussein zieht schon jetzt kurzfristige Folgen nach sich. Damit meine ich weniger die Videos, die inzwischen von seiner Hinrichtung kursieren und mit den darauf gezeigten Verspottungen die Befürchtungen für eine Verschlechterung der Situation im Irak erhöhen. Nein, vielmehr gibt es bei den Vereinten Nationen zwei interessante Entwicklungen…

Zum einen hat Italien als neues Mitglied des Sicherheitsrates angekündigt, eine Initiative gegen die Todesstrafe in die Vereinten Nationen einzubringen, dass zu einem “universellem Moratorium gegen die Todesstrafe” werden soll. Dazu sollen zunächst die 85 Staaten kontaktiert werden, die sich bereits nicht-bindend gegen die Todesstrafe ausgesprochen haben, sowie das Thema beim Treffen der EU-Justizminister diskutiert werden.

Zum anderen hat sich der neue Generalsektretär Ban Ki-moon zur Todesstrafe etwas abweichend von der eindeutig ablehenden Haltung der Vereinten Nationen folgendermaßen geäußert (deutscher Artikel):

“Saddam Hussein was responsible for committing heinous crimes and unspeakable atrocities against the Iraqi people. We should never forget the victims of his crimes. The issue of capital punishment is for each and every Member State to decide.

Der Sondergesandte der VN im Irak Ashraf Qazi war dagegen kurz nach der Hinrichtung bei allem Respekt für die Gefühle der Iraker eindeutiger:

“Based on the principle of respect for the right to life, the United Nations remains opposed to capital punishment, even in the case of war crimes, crimes against humanity and genocide.”

Die Hinrichtung weiterer Mitangeklagter ist im übrigen für den morgigen Donnerstag angesetzt worden.

Lustige Werbung: BILD Zeitung

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 02. Januar 2007

Ich habe mir heute überlegt sozusagen als monatliche Neuerung hier immer einige wenige lustige Spots vorzustellen (hab ich irgendwo schon gesagt, dass youtube mir immer besser gefällt? :) ). Den Beginn mache ich diesen Monat mit Werbung für ein Medium, welches mir an sich gar nicht gefällt: Der BILD Zeitung. Aber es gibt auch eine Gegenwerbung ;)
Unter dem Motto “Nichts ist härter als die Wahrheit” (mehr zur “Wahrheit” der Bild gibts übrigens bei Bildblog.de) gab es vor einiger Zeit zwei Werbespots, die im Vergleich zum Inhalt der Zeitung doch nicht schlecht sind:


Aber dafür habe ich bei youtube dann auch noch eine sehr gute “Gegenwerbung” der TAZ gesehen:

So, dass die erste eigene Werbe-show ;) Nächsten Monat werde ich übrigen IKEA Spots zeigen, das steht schon fest!

Persönlicher Jahresrückblick

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 01. Januar 2007

Mit dem heutigen Tag beginnt ein neues Jahr und diese Tage eignen sich daher besonders, um auf die vergangenen 12 Monate zurückzublicken und sich der Zeit nochmal bewusst zu werden.

Der Rückblick wird wahrscheinlich nur Teile wiedergeben und ich befürchte bereits jetzt das ein oder andere zu vergessen, naja, fangen wir am Besten einfach an.

Februar
Im Februar ging es auf eine Grüne Jugend Fahrt nach Berlin. Das besondere an dieser Fahrt war, dass sich dort Freundschaften bildeten und entwickelten, die sich das ganze Jahr hindurch weiter entwickelte und immer wieder zu schönen Parties, Treffen, Museumsbesuchen und ähnlichem führe ;)

berlin.jpg

Hier auf dem Bild (von links) Gerrit, Andre, Terry und Ellen. Nicht dabei und dennoch zum Freundeskreis gestoßen ist auch Terrys Schwester Sophia, Lisa (die in diesem Jahr mit Kevin zusammen kam). Diesen allen (und anderen :) ) vielen Dank für viele schöne Ereignisse in 2006.

April
Im April ging es zur National Model United Nations Konferenz nach New York, wo ich zusammen mit 12 anderen Studierenden aus Duisburg(-Essen) den Staat Eritrea vertreten. Ich saß dabei mit Ahmed zusammen im UNICEF und habe versucht die knappen Finanzen anzusprechen beim Thema der Hilfe in Katastrophensituationen. Unsere afrikanische Resolution ist dann aber nur ganz knapp durchgekommen.

[BILD]

Mai/Juni
Im Mai und Juni drehte sich alles um eine Demonstration, die die NPD in Gelsenkirchen am 10. Juni durchführte. Die Wochen zuvor gab es viele Aktionen auf der Bahnhofsstraße bei deren Infoständen (so es welche gab) und schließlich am 10. Juni zwei Aktionen, an denen wir uns von der Grünen Jugend beteiligten: Einem Fest am Musiktheater und der Gegendemo des Bündnis gegegn Rechts.

Juni/Juli
Einen Tag vor der Nazi-Demo begann die Fussball-WM 2006 in Deutschland und damit auch in Gelsenkirchen. Zurückblickend war die WM wohl das Ereignis des Jahres, wo man in Gelsenkirchen dann auch häufiger den Flair einer Weltstadt erleben konnte. Glücklicherweise hatte meine Mutter noch Karten für das Spiel Polen-Ecuador gewonnen, so dass uns der erste Tag dann auch in die Arena führte, um mitten unter Polen für die Ecuadorianer zu sein ;)

Und hier nocheinmal ein Video als die Polen ihre Mannschaft anfeuern:

Die Wochen dannach ging es dann immer zur Glückaufkampfbahn, wo jedes Spiel (mit ausnahme des ersten, welches in der Arena auf dem Videowürfel geguckt werden) mit vielen tausenden anderen Fans geguckt wurde und so das Auf- und Ab noch besser erlebbar war, als es vor dem heimischen Fernseher möglich gewesen wäre. Und selbst nach dem dritten Platz ging es hupend durch die Straßen Gelsenkirchens.

August
Im August fing ich dann meinen Job bei Erlassjahr an, was sich nicht nur finanziell, sondern auch sonst recht positiv ausgewirkt hat. Der neue Job macht viel Spaß und man macht eben doch noch mehr als “nur” studieren. In meiner Zeit dort habe ich unter anderem auch bereits an der G8-Aktionskonferenz in Rostock teilgenommen.

Der Rest
Dannach fallen mir jetzt keine großartigen Ereignisse mehr ein, es gab eben eher viele kleine, die dann den Rest des Jahres füllten: Ich habe angefangen mit Cthulhu-Rollenspielen, bin bei den Grünen nun Kreiskassierer und das Studium geht eben so weiter :)

Links
Weitere Bilder:
WM 2006
Gallery der Grünen Jugend
Aussicht
Das kommende Jahr wird auch einiges Interessante zu bieten haben: Im Februar werde ich mein Vordiplom haben, im März steht die World MUN Tagung in Genf an, im Juni dann das Treffen der G8 in Heiligendamm und im Herbst soll noch eine UN-Simulation der Grünen Jugend stattfinden. Also auch 2007 bisher ein volles Programm ;)

Herr der Ringe Parodie

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 31. Dezember 2006

Zum neuen Jahr gibts noch eine kleine lustige Parodie (entstanden für den MTV Movie Award) auf Herr der Ringe. Zugegeben ziemlich alt und auch auf der Special Extended Edition DVD zum ersten Teil zu finden (wie erkläre ich unten), aber jetzt nochmal bei YouTube gefunden und damit hier im Blog eingebunden. Viel Spaß damit ;)

Und wie findet man es auf der DVD? Hier die Erklärung von einer Easter Egg Seite:

Legen Sie die erste Film-DVD ein. Wechseln Sie in das Menü “Szenenanwahl”. Springen Sie auf die Seite “25-27″. Heben Sie Kapitel 27 hervor. Drücken Sie noch einmal “Runter”, um einen gelben Ring zu markieren. Bestätigen Sie mit [Enter]. Sie sehen eine dreiminütige Parodie auf “Herr der Ringe” von Sarah Michelle Gellar und Jack Black mit Originalausschnitten aus dem Film. Sie wurde ursprünglich produziert für die MTV Movie Awards.

Hinrichtung von Saddam Hussein

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 30. Dezember 2006

180px_TrialSaddam.jpgLaut Agenturberichten soll in diesen Minuten die Hinrichtung von Saddam Hussein im Irak stattfinden – oder ist womöglich schon gelaufen. In dem Zusammenhang muss man – abgesehen von den Folgen die dies im Irak haben könnte – abermals die grundsätzliche Einstellung zur Todesstrafe prüfen und sich fragen: Hat Hussein dies verdient? Ich denke nein!

Nicht etwa, weil ich seine Taten verteidigen will. Im Gegenteil: Wer Giftgas gegen die eigene Bevölkerung einsetzt hat nicht viel Mitleid verdient, aber eins definitiv auch nicht: Den Tod. Er bleibt, so sehr man ihn als “Monster” bezeichnen mag, auch noch ein Mensch, der das Grundrecht aufs Leben hat.

Wer einfach nach dem Motto “Auge um Auge” vorgeht, vergisst dass es nicht Aufgabe eines Staates sein kann, irgendwelche Rachegelüste zu befriedigen. Das Leben eines Menschen ist meiner Ansicht nach ein zu hohes Gut, als dass sich irgendjemand heraus nehmen dürfte, dies zu nehmen – weder eine Person, noch der Staat. Im übrigen, wer “Auge um Auge” als Element der Bibel heranzieht, sollte auch das Gebot “Du sollst nicht töten” nicht einfach ausklammern. Einen Menschen zu töten um auszusagen, dass man nicht töten darf ist genauso unlogisch, wie Eltern die ihre Kinder schlagen, weil diese ein anderes Kind gehauen haben.

Womit wir auch – wenn es auch nicht unbedingt auf Saddam Hussein passt – zum Thema Abschreckung kommen. Britney Spears sagte zu allgemeiner Belustigung einmal:

“Ich bin für die Todesstrafe. Wer schreckliche Dinge getan hat, muss eine angemessene Strafe bekommen. So lernt er seine Lektion für das nächste Mal.”

Mal abgesehen davon, dass man den oder die Getöteten wohl kaum fürs “nächste Mal” abschrecken kann, ist die Abschreckungswirkung empirisch einfach nicht gegegeben. Dafür müsste ein Mörder (oder für was auch immer man in Teilen der Welt noch hingerichtet wird) ja einplanen gefasst und verurteilt zu werden, was aber wohl kaum vorkommt. Die Initiative gegen die Todesstrafe macht noch ein anderes Beispiel hierzu:

Im 18. Jahrhundert wurde in England sogar Taschendiebstahl mit dem Tode durch den Strang bestraft. Während der öffentlichen Hinrichtungen von Taschendieben nutzten immer wieder “Berufskollegen” die günstigen Gelegenheiten im Gedränge, um die Taschen der Schaulustigen zu leeren.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es für mich kaum Argumente für die Todesstrafe gibt – wie schrecklich die Tat auch immer gewesen sein mag. Auch nicht für Saddam Hussein. Wie es aussieht ist er während ich diesen Artikel geschrieben habe wirklich hingerichtet worden. Ich kann ehrlich gesagt nicht sagen, dass mich sein Tod nun sehr bewegt – eher tut es die Situation in dem eh am Rande des Bürgerkriegs stehenden Landes. Dennoch finde es es wichtig sich auch grade bei solchen Menschen immer wieder deutlich zu machen, dass die Todesstrafe nicht der richtige Weg ist.

Am Rande und zum Abschluss noch eine Anmerkung: Beim Rumsurfen bin ich auf einen Bericht gestoßen, der in der Washington Post geschrieben wurde (hier deutsche Übersetzung) und sich damit beschäftigt wieso in Deutschland die Todesstrafe in Artikel 102 GG verboten ist. Kernaussage: Es waren rechtsgerichtete Politik, die Kriegsverbrecher des Dritten Reiches schützen wollten. Ehrlich gesagt gefallen mir die Motive nicht, aber zum einen glaube ich nicht, dass es in der heutigen todesstrafenablehnenden Gesellschaft darum geht irgendwelche Taten schönzureden und zu verheimlichen und damit Täter zu schützen, sondern darum, dass auch Täter noch Menschen mit Rechten sind und sich kein Staat über die grundlegenden Prinzipien stellen darf – so schwer es auch fallen mag.

Und somit stimmt das Ende des Artikels dann auch wieder:

Als US-Truppen im Dezember 2003 Saddam Hussein verhafteten, erklärte Gerhard Schröder: „Ich bin gegen die Todesstrafe, und das trifft auf jeden zu – auch auf Diktatoren wie Saddam Hussein, die ihr Volk auf grausamste Weise quälten.“ Damit stellte sich der Kanzler in die Nachkriegstradition seines Landes. Mehr vielleicht, als ihm bewusst war.

Wer gegen die Todesstrafe ist, dann auch – so schwer es fallen mag dies bei unserer Geschichte – bei Kriegsverbrechern des Naziregimes. Nicht weil man deren Taten rechtfertigen oder sie vor Strafe bewahrenwill, sondern weil auch sie noch Menschen sind und die Todesstrafe ein unmenschliches Mittel ist.


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