Nacht im Exil

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 19. Januar 2007

Meine Güte, was war das für ein Sturm gestern abend! Insgesamt sind bisher 11 Menschen durch Sturmfolgen in Deutschland gestorben und auch ich habe die Folgen des Sturms direkt erleben dürfen – wenn auch sicherlich etwas gemässigter als viele andere.

Der gestrige Tag begann natürlich mit der Sturmwarnung, die man in der Zeitung gelesen, aber nicht wirklich als so drastisch angenommen hatte. Vielleicht würde es auf dem Weg von der Uni nach Hause etwas windiger sein und auch ziemlich nass, aber sooo schlimm könne ein Orkan doch nicht werden. So dachte ich selbst noch, als ich um 17.30 Uhr in der Universitätsbibliothek saß und der Regen in Strömen, ja wasserfallartig, an die Scheibe plätscherte. Hauptsache der Laptop werde nicht nass und man würde nicht grade umgeweht und auf diesen fallen war die Hauptbefürchtung.

20 Minuten später ging es dann zu einem Treffen in einem anderen Gebäude, rund 500 Meter die Straße runter. Der Regen hatte aufgehört, so dass es eigentlich ganz angenehm. An einer Kreuzung war dann auch eher die große Frage, wie man die riesige Pfütze an der anderen Straßenseite vermeiden könnte, um nicht wirklich nasse Füße zu bekommen – als plötzlich das Licht ausging. Duisburg war ohne Strom.

Der weitere Weg war daher einerseits schon interessant, aber hatte irgendwie auch etwas Katastrophen- oder Cthulhuartiges :) Tja, in der Uni angekommen, begann das große Suchen nach irgendeiner Lichtquelle, und so sah es kurzweilig so aus, als ob man im Schein eines Teelichtes tagen würde – bis das Licht dann nach insgesamt rund 10 Minuten wieder anging. Während der Sitzung häuften sich dann Hinweise auf ausfallende Bahnen, Leute die nicht nach Duisburg kommen könnten, etc. Aber noch war meine gute Hoffnung und Optimismus nicht aufgebraucht.

So machte ich mich dann um kurz nach sieben zum Hauptbahnhof auf. Alle Fahrgelegenheiten waren noch in Folgesitzungen, so dass es zu Fuß losging, was aber auch nicht weiter schlimm war, denn es regnete ja nicht und der Sturm müsste schon einiges leisten um mich umzuwerfen. (Das er zu weit mehr in der Lage war, wusste ich ja noch nicht :) ) Der Weg war auch in den Häuserschluchten von Duisburg recht windig, aber nicht stürmisch – zumindest bis zu den letzten Minuten vor dem Hauptbahnhof, als der Platz sich immer mehr weiterte. Die Mülheimer Straße herunter konnte ich die ganze Strecke bereits die Eisenbahnbrücke sehen und hoffte Lichter zu sehen, die hinüberfahren – leider war nichts zu sehen und ein Näherkommen bewahrheitete meine schlechten Vorahnungen. Sowohl die Zugänge zur U-Bahn, zu Bushaltestellen und den Bahnsteigen waren abgesperrt: Gestandet in Duisburg.

Der Weg führte mich zur Wartehalle des Bahnhofes um mehr zu erfahren. Eine Stunde warten oder so wäre ja zwar nicht schön, aber drin gewesen – leider war die Aussage des Bahnmenschen: “Vor morgen früh nicht mehr”. So wurde zunächst mit der Heimat, dann mit Freunden in Duisburg telefoniert. Andre steckte selber in Düsseldorf fest, bot mir aber sein Bett an (wofür ich an dieser Stelle nochmal ganz lieb danken möchte :) ) und Kevin hatte seine Freundin Lisa auch per Telefon informiert und so erhielt ich auch dort ein Bett. Am Bahnhof versorgte ich mich dann auf Kosten der Bahn noch mit etwas zu trinken und einer Bratwurst und suchte nach einem Geldautomaten um ein Taxi bezahlen zu können, da die Busse nicht mehr fahren sollten. Apropos Bahn: Oft wird ja gemeckert und so auch gestern das ein oder andere mal, aber ich fand den Service eigentlich okay. Die Bahn kann ja im Prinzip auch nichts dafür und kostenloses Essen, Hilfe bei Hotelsuche und der Bildung von Fahrgemeinschaften ist schon eine gute Hilfe. Naja, zurück zum Erlebten: Kaum Geld gezogen, fuhr aber ein solcher an mir vorbei, dass also Geld gesparrt und die Taxis für die Reisegruppen von Duisburg in alle Richtungen zur Verfügung stehen konnten. Rund eine Stunde später war ich dann bei Lisa.

Dort habe ich dann die Nacht verbracht (auch hier nochmal vielen Dank für die nette Unterkunft) und heute morgen dann die Ungewissheit: Komme ich zur Arbeit nach Düsseldorf und von dort wieder weg? Gibts alternativ einen Weg in die Heimat? Weder Internet noch die überlastete Hotline brachten Hilfe, also direkt zum Hauptbahnhof. Auf dem Weg dorthin erfuhr ich bereits, dass meine Kollegin Uta noch in Köln feststeckte und nicht kommen würde. Am Bahnhof dann schließlich ein gutes Zeichen: Nach Düsseldorf fahre zwar nichts (außer mit 3 mal Umsteigen oder so), aber nach Gelsenkirchen fahre in 20 Minuten ein Zug. Mit Erleichterung ging es also aufs Gleis, wo sich allerdings nichts tat.

Als zum xten Mal durchgesagt wurde, dass der Bahnbetrieb eingestellt sei und Reisende nach Mülheim die Straßenbahn und nach Essen dann mit der U-Bahn fahren können, machte ich mich schließlich auch auf diesen Weg um dann auch von Essen mit der 107 nach Gelsenkirchen zu kommen. Lieber zwei Stunden mit der Straßenbahn, als ewiges Warten am Hauptbahnhof. Aber wie der Zufall es will erklang grade, als ich auf dem Weg zur Bahn meiner Mutter, die mich angerufen hatte, erklärte wie meine Reisepläne aussehen würden kam die Durchsage eines Sonderzuges nach Recklinghausen, eben über Gelsenkirchen.

Und so saß ich um kurz nach 10 in einer Bahn und konnte mich darauf freuen mit über 13 Stunden verspätung dann doch nach Hause zu kommen. Der Weg führte vorbei an umgekippten Bäumen, Menschen die die Dächer von Schrebergärten reparierten und einer Ruhr die weit über die Ufer gestiegen war – der Sonne entgegen (naja, ein wenig zumindest ;) – auf den Ohren Roxettes “Love is all”, welches mich irgendwie schon beim Stromausfall begleitet und einfach in die Stimmung gepasst hatte…

Gelsenkirchen – Stadt mit leeren Taschen

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 18. Januar 2007

Bei einer Mitgliederversammlung der Grünen hat Peter Tertocha, Fraktionsvorsitzender und Mitglied u.A. des Finanzausschusses, gestern ausführlich über die Lage der Stadt referiert, die mir durchaus als ziemlich ausweglos, aber nicht als so ausweglos bewusst war.

Hierzu muss man sich zunächst vor Augen führen, dass Gelsenkirchen, was Altschulden angeht im Jahr 2005 aufgeräumt hatte und alles Tafelsilber verkauft hatte, um den Schuldenstand auf Null zu senken. Dies half aber nicht lange, so dass man nun gut anderthalb Jahre später wieder einen Schuldenstand von ca. 140 Mio. Euro hat. Für 2007 wird davon ausgegangen, dass sich dieser – trotz Einsparungen und günstigen Entwicklungen in der Wirtschaft oder bei Kommunalen Zuschüssen – um rund 100 Mio. erhöhen wird. Und dies bei Einnahmen von ca. 650 Mio. Euro!

Problematisch kommt hinzu, dass im Jahr 2004 bei einem Defizit von 130 Millionen Haushaltssanierungspläne vorgegeben wurden, die dazu führen, dass die Stadt in den kommenden Jahren jeweils 13 Millionen mehr einsparen muss, als im Vorjahr. (Also 2006 waren es 13 Millionen, 2007 werden es 26 sein, etc.) Dieses Jahr wird sich diese Vorgabe wohl noch erfüllen lassen, aber 2008 dürfte nicht mehr viel zu kürzen und sparen sein – zumindest nicht, wenn man in dieser Stadt noch irgendwie leben soll. Eine Modellrechnung von vor 15 Jahren sagte damals bereits schon, dass ein Verkauf oder Aufgeben aller kommunalen “freiwilligen” Einrichtungen nicht ausreichen würde, eine solche Summe aufzubringen.

Und Auswege aus dieser Krise? Schwer zu finden: Im Rat wird bei den aktuellen Planungen um einen Betrag von 1 Mio. gestritten, sonst ist bereits viel vorgegeben. Die Einnahmen auf kommunaler Steuerseite sind kaum zu erhöhen, da die Sätze hier entweder bereits Spitzenwerte in Deutschland haben oder kaum ausreichen um einen Wandel herbeizuführen: Selbst die Gewerbesteuer (auch mit einem Hebesatz von 480% bei maximal 520% sehr hoch) würde maximal 8-10 Millionen einbringen. Da braucht man über Hundesteuer oder gar die Jagdsteuer kaum nachdenken.

Hinzu kommt die strenge Kontrolle durch die Kommunalaufsicht in Münster. Heute war so der OB Baranowski beispielsweise in Münster weil von dort auferlegt wurde die Kürzungen im Landeshaushalt bei Kindergärten durch Erhöhungen des Kindergartenbeitrages zu kompensieren. Der Rat hatte dies im Dezember abgeleht. Und nun, da diese Angelegenheit durch eine Teilerhöhung gelöst werden könnte*, muss ich in der WAZ lesen, dass selbst die Zuschüsse, die die Stadt zur Stadterneuerung geben muss, um Mittel vom Land zu bekommen, freiwillige Leistungen seien. Zur Verdeutlichung: Ein Projekt muss finanziert werden und das Land übernimmt dabei 90%, wenn die Stadt 10% übernimmt. Ohne diese 10% keine 90% und ohne die keine Stadterneuerung. So kann man Gelsenkirchen dann in allen Bereichen kaputtsparen. Hmm…aber vielleicht will die Landesregierung über diesen Umweg ja auch seinen Landeshaushalt kleiner halten?
Wenn fiskalisch nicht mehr viel zu machen ist, muss eine politische Lösung her, die sich überlegt, wie man die Stadt Gelsenkirchen lebenswerter und attraktiver macht, um mehr wohlhabende Bürger und Unternehmen anzulocken – eine Aufgabe, die wir in Zukunft angehen werden und die dabei sicherlich einige Zeit dauern und auch bei uns Grünen dazu führen wird, über die ein oder andere Position neu nachzudenken.

Anmerkung: Ich habe den Artikel noch einigen Personen zum Lesen zugeschickt, damit diese mal drübergucken, ob meine Zusammenfassung so stimmig ist. Von daher könnten sich noch einige Änderungen in den nächsten 1-2 Tagen ergeben, die ich als Kommentar dann aber deutlich machen werde. Zur nun Teilerhöhung der Kindergartenbeiträge (*) habe ich jetzt noch keine dezidierte Meinung, da ich es auf der einen Seite eigentlich grundsätzlich falsch finde dort zu erhöhen, auf der anderen Seite aber natürlich die Frage im Raum steht, wie die Erhöhung aussehen wird und vor allem: Was wäre wenn man sich weiter dagegen stellt? Ein Sparkommissar aus Münster, der dann per Dekret einfach anfängt zusammenzustreichen und den Satz doch hochsetzt fände ich da doch etwas schlechter.

Stoiber dankt ab…

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 18. Januar 2007

Die CSU-Krise endet vorerst – im Abdanken von Ede Stoiber. Heute um 14 Uhr erklärte derjenige, der vor 9 Tagen noch bis 2013 Ministerpräsident sein wollte, seinen Rückzug im Herbst. Zum 30.September gebe er sein Ministerpräsidentenamt ab und werde nicht erneut als Parteivorsitzender kandidieren.

Ob die Krise der CSU damit vorbei ist, werden nun die nächsten Wochen zeigen, wenn sich um die Nachfolge gestritten wird. Kritisch unten durch ist Stoiber insbesondere, als er sich überraschend aus der Berliner Regierung zurückgezogen hat. Schröder beschreibt noch ein weiteres Ereignis, bei dem es immerhin um die Präsidentschaft der EU-Kommission ging, und auch hier Stoiber damals einen Rückzug gemacht hat, was Schröder zu folgender Aussage führt:

“Stoiber ist nach meiner Ansicht alles andere als der bayerische Löwe (…). Im Grunde seines Herzens scheint er mir ein vorsichtiger, wenn nicht ängstlicher Mensch zu sein, der jede Herausforderung, von der er nicht weiß, ob er sie gewinnen kann, eher scheut.”
(zitiert nach dem Blog von Daniel Florian)

Nun wollen wir aber auch mal Danke sagen für viele schöne Ereignisse, wie zum Beispiel dieses hier

und Ede alles Gute für die Zeit nach dem Ministerposten wünschen. Für uns Grüne vielleicht sogar etwas schlecht, dass er nun doch die vielen Solidaritätsbekundungen aus der Parteispitze doch nicht zum Anlass nimmt, doch nochmal anzutreten, denn womöglich hätte uns dies in Bayern (und Bayern selbst? :) ) etwas besser getan…

Wir sind Senegal!

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 18. Januar 2007

Eine ganz kurze Eilmeldung: Bei der World MUN 2007 in Genf werden wir mit 14 Studierenden den Staat Senegal vertreten. In welchem Komitee ich dabei sitzen werde, wird sich erst am Dienstag entscheiden, ich werde auch erst am Wochenende dazu kommen,mich diesbezüglich zu entscheiden ;)

Zeitungsblog: Präsidenten, Wahlen, Geld und Spiele

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 18. Januar 2007

Gestern* morgen beim Lesen der Zeitung war mir wiedermal aufgefallen, zuwievielen Dingen ich eigentlich mal was sagen möchte. Da aufwändige Recherchen aber viel Zeit kosten, mache ich es jetzt einfach mal wirklich in Kurzform, auch wenn ich mich grade schon etwas stoppen musste :)

Denn ich war schon fast dabei das Politische Programm des womöglich nächsten Präsidenten der USA zu suchen. Gestern hat nämlich Barack Obama, der Shootingstar der Demokraten den ersten Schritt zur Präsidentschaftskandidatur bekanntgegeben. Er gilt dabei als bisher einziger ernsthafter Konkurrent von Hillary Clinton, die ihre Kandidatur aber noch nicht offiziell bekannt gegeben hat. Ich glaube jedoch, dass Hillary Clinton aufgrund der höheren Popularität leichter die nötigen Spendengelder für den Wahlkampf auftreiben kann. Obama war von Beginn an erklärter Gegner des Irak Krieges (anders als Clinton) und scheint für amerikanische Verhältnis sozial eingestellt zu sein.

Gewählt wird in den USA der Präsident im November 2008. Auch in Deutschland bahnen sich dann langsam die nächsten Wahlen an und momentan wird über das Wahlrecht ab 0 gestritten. Früher war ich auch ein Fan dieser Idee, um Kinder mehr zu hören, aber je mehr man darüber nachdenkt, desto unsinniger erscheint mir dies. Nicht die Interessen der Kinder oder Jugendlichen werden dann vertreten, sondern wir haben ein neues System des Zensuswahlrechts, bei dem nicht die Höhe des Einkommens, sondern eben die Anzahl der Kinder gilt. Der Gleichheitsgrundsatz, der vom Grundgesetz in Artikel 38 Absatz 1 gefordert wird, entspricht das sicherlich nicht. Aber es gibt noch mehr Anforderungen an die Wahl:

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt.

Und auch zumindest in dem unmittelbar und der freien Wahl sehe ich bei einem Wahlrecht ab 0 ebenfalls wichtige Schwächen. Wie frei kann denn ein Kind von 5 Jahren die Wahlentscheidung treffen? Ich wage einfach zu behaupten, dass dies garnicht geht. Und dass die Wahl nicht unmittelbar sein kann, kann von den Befürwortern, die das Recht der Kinder ja auf die Eltern übertragen wollen, kaum bestritten werden. Alles in allem halte ich diese Diskussion für müssig. Besser wäre es Kinderpolitik einfach mal ernstzunehmen, weil Kinder die Erwachensen von morgen sind und nicht, um sich Wählerstimmen zu organisieren.

Apropos Erwachsene von morgen. Die Bundesregierung hat beschlossen die BaFöG Höchstsätze unverändert zu lassen. Seit 2001 unverändert müssen selbstständig wohnende Studierende mit 585 Euro, bei den Eltern lebende mit 370 Euro auskommen – ohne weitere Zuschüsse für Miete und ähnliches. Wer also auf kein gut situiertes Elternhaus zurückgreifen kann wird nicht drum herumkommen sich zu verschulden oder neben dem Studium zu arbeiten – was dann am Ende zu einem längeren Studium führt.

Fürs Spielen bleibt da normalerweise nicht viel Zeit – normalerweise. Gestern erschien das AddOn zu World of Warcraft, bei dem soweit ich gehört habe auch die Level 61 bis 70 erreichen kann. Um Punkt Null eröffneten die ersten Geschäfte, wie in guten alten Harry Potter Zeiten. Und ich glaube viel gesitteter ging es da kaum zu, eher wie bei einem Tokio Hotel Konzert: In Köln wurde jedenfalls eine Glasscheibe beim Hereinstürmen zerstört, an der sich dann wiederum drei Personen verletzten. Erst als herauskam, dass der Laden mit 1.700 Spielen mehr als genug für die 600 bis 800 Spielebegeisterten auf Lager hatte, beruhigte sich die Situation. Und das alles nur, um wenige STunden vor den anderen aktiv zu werden…

* Eigentlich sollte der Artikel gestern schon erscheinen, aber da war einfach zuviel los. Da ich aber schon angefangen hab, wurde es heute in einem spannenden Verwaltungsmodernisierungsseminar zuende geschrieben ;)

Neue Cthulhu Regelwerke

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 14. Januar 2007

Pegasus hat neue Regelwerke zum Cthulhu-Rollenspiel veröffentlicht. Mehr dazu im befreundeten Cthulhu Blog.

Die UN-Gang

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 14. Januar 2007

Zu Weihnachten fand ich ein Buch unterm Weihnachtsbaum, welches versprach “viele Illusionen über die Weltorganisation” zu enthüllen, da es – so der Untertitel – “über Korruption, Spionage, Antisemitismus, Inkompetenz und islamischen Extremismus in der Zentrale der Vereinten Nationen” berichte.

Der Autor: Pedro A. Sanjuan, denn das Informationszentrum Dritte Welt wie folgt beschreibt:

Seine ersten Schritte in der Politik machte der US-Amerikaner bereits vor langer Zeit als Protegé von Robert Kennedy, der ihn förderte, so dass Pedro Sanjuan schließlich über zweieinhalb Jahrzehnte lang aus der amerikanischen Politik nicht mehr wegzudenken war. Er arbeitete in sieben Ministerien, war zwei Regierungsperioden lang Mitarbeiter im Weißen Haus und wurde schließlich von 1983 bis 1996 US-Repräsentant der Vereinten Nationen in New York.

Er beschreibt in seinem Buch zunächst viel über sowjetische Spionageaktivitäten bei den Vereinten Nationen, die beispielsweise die Bibliothek der Vereinten Nationen nutzten, um sich im Namen der Vereinten Nationen bei den Vereinigten Staaten Pläne von Kampfflugzeugen oder die Strategien für einen Atomschlag besorgen, um diese dann zu übersetzen und an die russischen Behörden weiterzuleiten. Es geht weiter über den organisierten Drogenhandel in der Tiefgarage der Vereinten Nationen über den organisierten Antisemitismus, Korruption, Islamismus bis zur berüchtigten Unübersichtlichkeit einer übergroßen Bürokratie.

Die Deutsche Welle beschreibt das Buch wie folgt:

Ein klassisches Sachbuch ist das wahrlich nicht. Es ist ein Pamphlet. Eine Anklageschrift. Eine Abrechnung. Ein “J’accuse” – gegen die UN. Nicht gegen die UN als Forum der Weltgemeinschaft. Nicht gegen ihre allzu offensichtliche Ratlosigkeit gegenüber den Krisenherden der Erde – von Nahost bis nach Afrika, von Europa bis nach Asien. Nicht gegen ihre Konzeptlosigkeit, auch nicht gegen ihre Reformunfähigkeit. Nein es ist eine bittere, eine zornige, eine enragierte Abrechnung mit dem Alltag der Vereinten Nationen, mit der Organisation selbst.

Dabei hatte ich eigentlich von Beginn an den Eindruck, dass das Buch von einer stark amerikanischen – eher ablehnenden – Sichtweise der Vereinten Nationen geprägt ist. Seine einzelnen Erfahrungen werden von ihm schnell verallgemeinert. Die FAZ sagte Sanjuan “habe (…) die Chance nicht genutzt, seine Kritik von Korruption, Inkompetenz etc. auch durch Analysen und Erklärungen zu fundieren”. Und Konrad Ege erklärt in “Das Parlament”:

“Die UN-Gang” passt in eine seit vielen Jahren in den USA laufende Kampagne rechter Verbände und Politiker gegen das Ungetüm in Manhattan, das gleichzeitig als ineffektiv und böse verspottet beziehungsweise beschimpft wird.

Am Ende macht er einige Vorschläge, aber das wertet das Buch leider nicht wirklich auf. Alles in allem halte ich es für interessant zu lesen, aber es bleibt eben die Frage offen, wieviel an seinen Anekdoten und Erzählungen dran ist.

Doppeltes Veto gegen Myanmar Resolution

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 13. Januar 2007

sicherheitsrat.jpgDie USA und Großbritannien haben gestern eine Resolution eingebracht, die Myanmar auffordern die erforderlichen Schritte für eine Demokratisierung einzuleiten und die mehr als 1.100 politischen Gefangenen, darunter auch die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi freizulassen. China und Russland legten allerdings ihr Veto gegen die Resolution ein.

Das letzte mal, dass diese beiden Staaten zusammen ein Veto einlegten war im Jahr 1972 und auch mehrfache Vetos sind schon lange nicht mehr aufgetreten, zuletzt 1989, als die USA, Großbritannien und Frankreich damit eine Panama Resolution stoppten.

Als Grund für den Stop der Resolution, die ansonsten mit 9 zustimmenden Staaten durchgekommen wäre, führten China und Russland beide an, dass die Situation in Myanmar, dem früheren Burma, keine Gefährdung für die “regionale oder internationale Sicherheit” darstelle. Der chinesische Außenminister Lu Jianchao erklärte dazu:

“If the Security Council passed a resolution on the Myanmar issue, that would have exceeded the duties of the Council laid out in the United Nations Charter.”

Der Minister von Indonesien erklärte ähnliches, auch wenn sein Land sich im Sicherheitsrat in dieser Frage enthalten hatte:

“The case would be more appropriately brought to the attention of the human rights council rather than the UN Security Council”

Dies wird aber auch bestritten, zum Beispiel von Debbie Stothard vom Alternative ASEAN Network on Burma:

“I think the United Nations’ human rights council has been examining this issue closely for over a decade, but there has never been any result. That’s why we need the Security Council.”

LocationMyanmar.pngUnd ganz abwegig ist es nicht: So gab es im Jahr 2006 nur 34 Aktionen bezüglich Menschenrechtsverletzungen in Myanmar, dagegen aber schon 37 wegen welchen in den USA und – für die UN nicht ungewöhnlich – ganze 130 Aktionen gegen Israel (dort im übrigen doppelt so viele wie beim Sudan!). Darunter im übrigen keine Resolution (USA 1, Israel 33) und nur 2 Decision (Israel 10).

Der aktuelle UN Botschafter der Vereinigten Staaten rief die Bevölkerung Myanmar’s auf den Kopf nicht hängen zu lassen:

And the people of Burma should not feel disheartened by this. This was an effort to bring the situation to the attention of the world community and to send a clear signal that we have not forgotten you and we won’t forget you.

Er erkannte aber auch, dass alle 15 Mitglieder für Myanmar gestimmt und das Problem erkannt hätten und von daher in Zukunft weiter durch das Sekretariat, den Menschenrechtsrat und weitere Arbeit behandelt werde.

Richtig werben und Kunden schaffen

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 12. Januar 2007

Zum Thema richtig Werben und Kunden schaffen ein Paradebeispiel aus Berlin ;)

Werbeaktion_berlin.jpg

Die DR3I ??? und das Testament

Geschrieben von Patrick Jedamzik am 11. Januar 2007

300px_Die_drei_fragezeichen.svg.pngHeute morgen berichtete die WAZ, dass sich eine Wende im Rechtsstreit um die Hörspielserie “Die drei ???” ereignet habe und “Die DR3I” bald wieder “drei ???” heißen könnten. Naja, ganz so sicher ist es nicht, dass der Ausflug mit Jupiter Jonas, Peter Crenshaw bald ein Ende haben wird und die drei Detektive aus Rocky Beach auch bei den Hörspielen ihre Satzzeichen zurückerhalten.

Erinnern wir uns zurück: Sony BMG, die Mutter der Europa Hörspielproduktion, hatte im letzten Jahr die Rechte der ersten Bücher durch die Tochter des Autors Robert Arthur erworben und daraufhin die alleinigen Rechte des Vertriebs in Deutschland für sich beansprucht. Der Buchverlag KOSMOS, der die erfolgreiche Kultserie seit 1968 in Deutschland in Büchern vertreibt und Europa eine Lizenz für die Hörspiele erteilt hatte, bestritt die Rechtmässigkeit dieses Rechteerwerbs. Aus diesem Grund erscheinen die “drei ???” seitdem in der Hörspielfassung nur noch als “die DR3I” und haben auch die original amerikanischen Namen angenommen, so das aus Justus Jonas eben Jupiter Jonas wurde. (Meines Erachtens hat sich die Qualität der Serie dadurch aber nicht wirklich verschlechtert.)

Passend zum Auftakt des Prozesses in Düsseldorf (der aber auch erstmal bis September verschoben wurde), wurde nun das Testament von Robert Arthur gefunden, der seine Rechte 1969 der Universität Michigan vererbt hatte – ein Argument für Kosmos, wieso die Rechte demnach nicht an Europa hätten verkauft werden können. Europa hingegen behauptet die Rechte für die Bücher hätten nicht mehr bei Arthur sondern bei seinem Verlag gelegen. Ob sich deshalb ein wirklicher Wandel ergeben hat, halte ich für zweifelhaft. Vielleicht hilft dieses Testament den Prozess durch einen Vergleich oder ähnliches schneller zu beenden, aber womöglich heißt es doch zu warten, bis im September der Prozess wieder losgeht.

Es geht bei bei der ganzen Angelegenheit um viel Geld, wie eine Darstellung von Europa zeigt:

Circa ¾ aller Hörer sind heute zwischen 20 und 35 Jahre alt und dabei ist das Verhältnis Jungen zu Mädchen (Männer zu Frauen) ungefähr ausgeglichen.

Über 27 Millionen Hörspiele wurden bislang von der Serie verkauft. Spitzenfolgen erreichen dabei einen Absatz von über 600.000 Stück.

800px_Die_Dr3i_Logo.svg.pngAm 9. Februar erscheint jedenfalls die 5. Folge der DR3I mit dem “Haus der 1.000 Rätsel” und wenn ich meine Vordiplomsklausur Mitte Februar durchhabe, werde ich selbstredend hier darüber informieren (und ggf. die anderen auch noch nachtragen ;) )
Aus aktuellem Anlass gibts auch noch ein kleinen Zusatz: Das Computerspiel Maniac Manison in der exklusiven Drei ??? Version ;)


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