Parteiübergreifend wird dazu aufgefordert das Flugzeug mal auf dem Rollfeld zu lassen und Urlaub in Deutschland zu machen. Die Süddeutsche Zeitung nannte dies “Inzell statt Indien” und beschrieb, dass Politiker “jetzt parteiübergreifend [wollen], dass die Deutschen weniger mit dem Flugzeug in die Welt fliegen, sondern mehr Urlaub im eigenen Land machen – als Beitrag des Einzelnen gegen die Klimakatastrophe.” Im WDR kritisierte Hubert Maessen diesen Vorstoß jedenfalls als “falsches Spiel”.
So beschreibt er im Bezug auf die CO2 Emissionen des Flugverkehrs:
Da stören Fakten bloß. Zum Beispiel, dass der gesamte europäische Flugbetrieb gerade mal 0,5 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes produziert. Dafür sollen die Menschen daran gehindert werden, auf Reisen ein bisschen von dem Globus kennenzulernen, um den es geht? Menschen, die im Hartz-IV-Land die Groschen genau zählen müssen, die sollen nicht mal billig fliegen können? Ist es das wirklich wert? …
Also ich weiss nicht, wo er diese Zahl her hat, würde mich echt mal interessieren, im Internet bin eher auf Abteile bis zu 9 Prozent gekommen. Und dass der Hauptverkehr diesbezüglich eher im Westen stattfindet, als in anderen Teilen ist wohl auch bekannt. Aber darum geht es nur am Rande: Niemand will jemanden Hindern, nur sollte man sich einfach Gedanken darüber machen. Man bekommt den Klimaschutz nicht freihaus. Auch ich habe da in manchen Dingen bestimmt kein reines Gewissen, aber man sollte sich dem zumindest bewusst sein und ein wenig in die richtige Richtung handeln. Wie dies beim Fliegen aussieht, werde ich später noch darlegen. Was Hartz IV angeht, sehe ich die Lösung nicht in Billigfliegern und der Verschmutzung der Umwelt, sondern darin den Menschen durch ein Grundeinkommen ein würdiges Leben zurückzugeben und womöglich muss man dann eben ein wenig sparen um zu fliegen oder alternative Urlaubsformen wählen.
Und schließlich geht die Kritik zu den Politikern zurück:
Muss man sich von Politikern den Urlaub und einiges andere vermiesen lassen, die jedes Jahr 125.000 Beamtenpendelflüge zwischen Bonn und Berlin veranstalten und selber fliegen, was das Zeug hält? Muss man sich das Auto unbezahlbar machen lassen, von Leuten, die in den dicksten Limousinen kutschieren und sich die gewissensentlastende Ökoabgabe auch vom gebeutelten Bürger bezahlen lassen wollen? Müssen wir uns wirklich von einem Umweltminister Sack und Asche verordnen lassen, der dem Vernehmen nach mit dem Zug Schau fährt, während sein Dienstwagen leer zum Zielbahnhof gefahren wird, um ihn dort abzuholen?
Zugegeben, da hat er in vielen Dingen recht! Die meines Erachtens unsinnige Aufteilung zwischen Berlin und Bonn ist ineffektiv und verursacht unnötige Kosten: Wenn man die Angaben des Berliner Tagesspiegels vom November letzten Jahres aufrechnet, dann kostet dies 12 Millionen pro Jahr – alleine an Flugkosten. Zeit und andere Aufwendungen lassen wir mal außen vor. Nun hat die Bundesregierung vor wenigen Tagen beschlossen, dass alle Dienstreisen Klimaneutral zu führen sind und entsprechende Erstattungen gezahlt werden – was ich grundsätzlich begrüße. Alleine für die Bonn-Berlin Pendler wären das pro Flug ca. 8 Euro, also 1,2 Millionen Euro pro Jahr – das Geld könnte auch sinnvoller in den Klimaschutz gesteckt werden. (Zugegeben: Ein Umzug kostet auch Geld, wahrscheinlich mehr als das Pendeln, aber ich betrachte es sowohl aus langfrist finanziellen, ökologischen und auch Effizienz-Gründen.)
Und auch mit den anderen Angaben hat er Recht: Es darf nicht nur Ersatzleistungen von der Politik geben, sondern auch Einsparungen – so eine Sache wie mit der Zugfahrt ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit! Im Klimaschutz erwarte ich nicht in erster Linie von armen Menschen eine Leistung, sondern zunächst von denen, die es sich leisten können: Normale Glühbirnen sind günstiger als Energiesparlampen und energiesparende Autos kosten Geld, viel Geld. Von jedem Bürger zu erwarten, er würde nun sofort umsteigen wäre unverantwortlich, viele wollen vielleicht etwas ändern und tun dies auch im kleinen, aber für große Schritte sind die verantwortlich, die große Schritte machen können. Und dies meine ich nicht nur national gesehen, sondern auch international. Von Staaten, die grade mit der Industrialisierung beginnen zu erwarten Klimaschützer Nummer 1 zu sein ist unfair (man betrachte mal unsere Umweltbilanz) und unredlich – stattdessen müssen wir unseren Verbrauch abbauen und den Ländern aktiv helfen dies zu beseitigen.
Und damit komme ich nach meinem kleinen grundsätzlichen Abschweifungen wieder zum Fliegen zurück: Denn man kann gleichzeitig anderen Helfen, ihre Emmissionsraten gering zu halten und gleichzeitig sein Gewissen bei einem (notwendigen) Flug erleichter: Bei Atmosfair.de kann man je nachdem wie weit man fliegt entsprechend eine Gebühr bezahlen, die dann in solche Projekte fließt. Mein Flug nach Zürich Ende des Monats wird so beispielsweise 8 Euro kosten. Nach New York kostet ein entsprechendes Umweltzertifikat für den Flug rund 90-100 Euro.
Ich möchte aber bevor ich zum Abschluss komme noch einen Mangel vorbringen und zwar den mangelnden ÖPNV: Ich fahre zwar täglich mit der Bahn nach Düsseldorf und überraschend oft auch pünktlich, aber lokal gesehen ist man ab 0 Uhr teilweise schon aufgeschmissen. Aber auch im Fernverkehr gibts Mängel: Die Reise in die Schweiz wollten wir lieber per Zug angehen – zugegeben vor allem aus Kostengründen – aber als nach wenigen Stunden bereits keine Gruppentickets mehr zu bekommen waren und von daher ein Flug bis nach Zürich mit Weiterfahrt nach Genf günstiger ist, mussten wir als arme Studenten eben darauf ausweichen. Wer die Leute vom Fliegen abhalten will, sollte ihnen gute Angebote machen. Und dann muss die Reise auch nicht zwingend in Deutschland Enden, sondern kann mit der Bahn natürlich auch ins (nahe) Ausland führen…



In den kommenden Wochen werde ich mich ab und an mit Fragen der Verschuldung von Entwicklungsländern auseinandersetzen, insbesondere im Hinblick auf den G8 Gipfel. Teil I soll dem IWF, dem Internationalen Währungsfond gewidmet sein, der sich mit den Schuldenfragen auf internationaler Ebene beschäftigt.









