Sturm über Gelsenkirchen

Was war das für ein Abend gestern. Bei mir gab es die ersten Vorahnungen, als ein Freund beim Online-Spielen mitteilte, er müsse eben kurz das Auto in die Garage bringen. Sein Vater habe ihn gewarnt, dass da einiges im Anmarsch ist. Gut, „etwas windig“ war da noch der Gedanke, aber dann ging es ja wirklich los. Äste schlugen mir vor das Fenster, Licht flackerte, an Spielen war kaum noch zu denken. Nicht nur weil die Mitspieler ebenso fasziniert an den Fenstern hingen, auch das Internet war bei diesen oft etwas instabiler. Und als dann bei mir der Strom auch mal für eine Sekunde ausfiel und der Rechner sich ausschaltete, habe ich es lieber so gelassen. Später wurden dann draußen die Folgen deutlich (Fotos von Dana Dimanski aus Sutum):

Das ist im übrigen die Kurt-Schumacher Straße :)
Das ist im übrigen die Kurt-Schumacher Straße :)

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Heute beginnt dann das große Aufräumen: Oberleitungen und Straßenbahnschienen wurden zerstört, so dass diese erstmal ausfallen. Die 301 fährt noch im unterirdischen Bereich zwischen Consolidation und dem Hauptbahnhof. Ansonsten sollte auf Busse ausgewichen werden. Und selbst da gibt es noch Probleme im Straßenverkehr. Die Kurt-Schumacher Straße war beispielsweise noch bis vor kurzem komplett gesperrt. Ob dieser Status noch anhält, weiß ich nicht, ich würde aber davon ausgehen.

Friedhöfe, Sportanlagen, Spielplätze und Schulhöfe bleiben bis auf weiteres im übrigen gesperrt, so eine aktuelle Meldung der Stadt.

Hier einige Links, falls ihr auf dem Laufenden bleiben wollt:

Ich versuche auch das ein oder andere davon zu posten, aber direkt an der Quelle macht vielleicht für den ein oder anderen mehr Sinn :)

An dieser Stelle auch nochmal mein Respekt und Dank für die vielen Helferinnen und Helfer, die seit gestern Abend damit beschäftigt sind, diese Schäden zu beseitigen!

Kirchensteuer und mehr…

In den letzten Wochen habe ich mehr in meinem (partei-)politischen Blog unter www.patrick-jedamzik.de gepostet. Zum Beispiel gestern was zur Kirchensteuerdiskussion oder unserer Tour zum Baumschutz in der letzten Woche. Und natürlich zum Wahlergebnis. Ich hatte ja gesagt, ich verlinke darauf – leider jetzt mit etwas Verzögerung, aber das bessert sich – hoffentlich :)

Plakatierungsverstöße im Landtagswahlkampf

Ab dem heutigen 13. April dürften in Gelsenkirchen Plakate für die Landtagswahl gehängt werden. Bereits am Mittwoch tauchten aber schon Plakate der rechtspopulistischen ProNRW und später auch der CDU auf. Diese hatte gar die ganze Bahnhofstraße in Beschlag genommen: Mehr als 24 Stunden vor dem genehmigten Termin – und mehr als 12 Stunden bevor die Kandidaten und zugelassenen Parteien überhaupt feststanden. Die Stadt hatte am Donnerstag reagiert und nach einem Ultimatum die Plakate abgenommen – auf Kosten der Parteien. Der CDU Chef-Tann findet dies unverhältnismäßig. Ich sage: Es ist richtig, denn sonst besteht keine Chancengleichheit und diejenigen, die Regeln respektieren werden benachteiligt. Mehr dazu findet ihr im neuen Blog.

Margarethe Zingler Platz

Heute Abend war im Bildungszentrum eine Informationsveranstaltung zum Margarethe Zingler Platz – dem Hauptmarkt in Gelsenkirchen. Momentan hat man auf dem Platz ja einen kleinen Teil (gut ein Drittel), welcher als regulärer Platz genutzt wird und auf dem auch der Markt stattfindet. Der übrige Teil des Platzes wird momentan als Parkplatz genutzt. Zur Vergegenwärtigung hier nochmal die Grafik aus der städtischen Ausschreibung für das Bauvorhaben:

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Grob gesagt kann man sagen, dass die große Fläche (etwas mehr) als Parkplatz dient. In der Grafik ist es natürlich das geplante Bauprojekt.

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Stärkungspakt – Ausweg aus der kommunalen Verschuldung?

An diesem Wochenende ist große Klausurtagung der GRÜNEN aus Gelsenkirchen zum Haushalt. Aber neben den konkreten Zahlen für das Jahr 2012 stand gestern erst mal der kommunale Stärkungspakt zur Konsolidierung der Finanzen von Städten und Kommunen. Im November war dieses Gesetz vom Landtag verabschiedet worden und das Innenministerium beschreibt es wie folgt:

Überschuldete Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen sollen wieder handlungsfähig werden. Deshalb will das Land sie schon ab diesem Jahr jährlich mit insgesamt 350 Millionen Euro unterstützen. Im Gegenzug müssen diese Kommunen aber einen klaren Sanierungskurs einschlagen.

Stadtkämmerer Lunemann hatte uns durch die tückischen Details und weiteren Informationen zu diesem Pakt geleitet und ich versuche hier die wesentlichen Elemente seines guten Vortrages wiederzugeben – freilich aus Gelsenkirchener Sicht. Es sei noch angemerkt, dass eventuelle Meinungsäußerungen ob nun direkt oder von euch zwischen den Zeilen herausgelesen maximal meine Meinung darstellen und keineswegs eine GRÜNE Position.

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Mindestlohn ist Minimum

Heute fand eine kleine, aber feine Demonstration an der Zeppelinallee vor der Zentrale der Arbeitgeberverbände statt. Grund hierfür waren Äußerungen des Verbandsgeschäftsführers Dr. Christopher Schmitt, der den Mindestlohn eher für arbeitslosigkeitsfördernd darstellte und damit deutlich ablehnt. (Siehe Pressemitteilung hier) Mit der kleinen Demo und der Forderung “Mindestlohn ist Minimum” demonstrierten nun Teile der Grünen Jugend, DGB, verdi, Jusos und Falken um die anderen Sichtweisen aufzuzeigen.

Demonstration vor den Arbeitgeberverbänden

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Remember, Remember the 9th of November

Okay, das Originalzitat bezieht sich auf den “Gunpowder Plot” in England und den 5. November, aber irgendwie schwirrte mir dieser Spruch im Kopf rum und er passt auch auf jeden neunten November für mich.

Denn wie jedes Jahr fand auch gestern die Demonstration der Demokratischen Initiative zum Erinnern an die Pogromnacht 1938 statt, in der jüdische Geschäfte und Synagogen geplündert und abgebrannt wurden. In der Nacht wurden in Deutschland mindestens 91 Menschen ermordet, im Rahmen der Novemberpogrome wird aber inzwischen von mehr als 400 Toten ausgegangen. Oberbürgermeister Frank Baranowski hatte im Jahr 2006 den gelsenkirchener Ehrenbürger Kurt Neuwald zitiert, der seine Erfahrungen in dieser Nacht wie folgt beschrieb:

„In der Reichskristallnacht wurde ich nicht sofort verhaftet. Unsere Familie hatte am ganzen Abend Radio gehört, und so wussten wir, was sich anbahnte. Dann hörten wir in der Arminstraße, dort wohnten auch andere Juden, Scheibengeklirr und sahen, dass die SA Leute abholte. Wir, mein Vater und meine Brüder, flohen durch den Hintereingang unseres Hauses nach auswärts. Wir konnten uns bei einer nichtjüdischen Familie in Köln verstecken, acht Tage lang, bis die Verhaftungswelle zu Ende war. Dann konnten wir nach Hause zurückfahren und die Schäden, die angerichtet wurden, mit unseren eigenen Mitteln bezahlen.
Ich kann nur sagen, dass von unserem Geschäft, dem Bettengeschäft, das wir damals hatten, die Federn durch die ganze Straße flogen. Die Daunenbetten wurden zerschnitten. Alles wurde kaputt geschlagen. Viel blieb da wirklich nicht über. Anderen ging es ähnlich. In den Wohnungen wurde das Porzellan und auch die Möbel zertrümmert. Die Bilder an den Wänden wurden zerschnitten.
Unsere Wohnung in der Arminstraße lag in der zweiten Etage. Nebenan hat ein SA-Sturmführer gewohnt. Der kam in der Reichskristallnacht zu uns in die Wohnung, während seine Truppe damit beschäftigt war, unser Geschäft zu zerstören. Er erklärte meiner Mutter, es täte ihm sehr leid, aber er müsse nun seine Pflicht erfüllen. Aber er wollte die Wohnung verschonen. Wenn meine Mutter ihm Geld gäbe, könne er seine Leute ablenken. Meine Mutter gab ihm 100 Mark. Der Mann ist mit seinen Leuten nach der Zerstörung des Geschäfts in eine Wirtschaft gegangen – und unsere Wohnung ist verschont geblieben.“

Gelsenkirchener Zahlen für diese Nacht habe ich nicht gefunden, aber insgesamt wurden von den etwas mehr als 500 in Gelsenkirchen lebenden Juden 492 Opfer des nationalsozialistischen Massenmordes.

Nun ist das alles mehr als 70 Jahre her, aber es ist kein Grund Geschichte einfach zu vergessen und Geschichte sein zu lassen. Noch immer gibt es Ewiggestrige, die rassistischen Ideologien anhängen und meinen Deutschland würde es auch nur einen tacken besser gehen, wenn man sich in dieser globalisierten Welt wieder abschottet. Erst vor wenigen Wochen war das Falkenheim in Hassel von Nazis beschmirrt worden.

Freilich gegen Juden richtet man sich nicht mehr so öffentlich – auch wenn die abstruse Theorie einer jüdischen Weltverschwörung in entsprechenden Kreisen noch immer zelebriert wird. Nein, Opfer der aktuellen Angriffe sind Muslime in Deutschland und dies ein weiterer Grund zu solchen Demos zu gehen. Es geht nicht um irgendwelche Schuldgefühle – die habe ich als Mensch der 1980 geboren ist für diese Ereignisse nicht mehr. Es geht nicht darum, dass man zu Kreuze kriecht wegen der Ereignisse und sich schlecht fühlen muss. Aber es geht darum sich diesem schrecklichen Ereignis zu erinnern, um daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Novemberpogrome dienen dabei als Sinnbild für die rassistische Verfolgung von Menschen in den Jahren 1933 bis 1945, die  zu Diskriminierung und am Ende zu millionenfachem Mord führte. “Wehret den Anfängen” ist die Schlussfolgerung daraus, an die man sich jährlich erinnert. Wenn Moscheen brennen wäre man schon einen Schritt zu weit. Diskriminierung fängt mit Worten an und nicht erst, wenn Menschen körperlich angegriffen und Häuser angezündet werden.

Am Anfang sagte Dr. Stefan Goch vom Stadtinstitut für Stadtgeschichte, dass diese Erinnerung immer schwerer fällt, wenn Zeitzeugen immer stärker wegfallen und das Ereignis damit mehr und mehr aus dem Bewusstsein verschwindet. Ich finde man muss daran arbeiten, dass dies nicht geschieht. Das Dritte Reich ist nicht einfach nur ein dunkler Schatten der Vergangenheit, es ist ein warnendes Beispiel dafür, wozu Intoleranz, Rassismus und Unmenschlichkeit führen kann. Und ein Tag im Jahr ist sicher nicht zu viel, um sich daran zu erinnern.

Auftaktkundgebung am Hauptbahnhof

Gelsenkirchen als “Fairtrade-Stadt”

imageGestern abend war das erste Treffen einer Arbeitsgruppe statt, die das Bestreben Gelsenkirchen zu einer “Fairtrade-Stadt” zu machen, unterstützt und umsetzt. Der Stadtrat hatte im Juli einen entsprechenden Beschluss gefasst, sich an der Kampagne “Fairtrade Towns” zu beteiligen. Diese Kampagne zeichnet Städte aus, die sich für die Förderung des fairen Handels engagieren. In Deutschland sind dies bereits über 50 Städte, die man hier einsehen kann.

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Graffiti an der Unterführung Robert-Koch-Straße

Die Gelsenkirchener unter euch kennen vielleicht die Unterführung an der Robert-Koch-Straße unter der Overwegstraße hindurch zum Stadtgarten (bzw. in die Innenstadt). Ziemlich dunkel und dann noch beschmirrt ist das doch etwas ungemütlich. Ein wenig soll nun daran gearbeitet werden. Bei der letzten Sitzung der Bezirksvertretung hatten wir bereits darüber gesprochen und nun wird das in die Tat umgesetzt: Grafitti-Kunst wird den Übergang verschönern. Erste Impressionen bei DerWesten.de.

Leerstand am Bahnhof

Ankündigung von Avanti

Als ich Dienstag Abend vom Rollenspiel in Oberhausen nach Hause kam, staunte ich nicht schlecht, als ich bei avec lesen konnte, dass der Laden bald dicht macht. Genaueres erfährt man natürlich nicht so einfach, aber ich finde das schon sehr bedauerlich. Zum einen mochte ich den Laden, zum anderen stellt sich bei so etwas ja immer die Frage: Was kommt danach?

Etwas weiter im Bahnhof zum Beispiel hatte Dunkin’ Donuts das Ladenlokal gewechselt und war in ein kleineres umgezogen – vielleicht ist Gelsenkirchen nicht so Donuts orientiert – und die alte Stelle sieht noch immer so aus:

Weiteres leeres Schaufenster

Wahrscheinlich ist die Lage dort auch etwas schlechter als vorne im Eingangsbereich – wage ich einfach mal zu behaupten. Dennoch: Irgendwie ist in Gelsenkirchen doch eine ziemliche Fluktuation an Geschäften zu erkennen – im Bahnhof, wie in der Innenstadt. Und irgendwie ist das nicht sonderlich aufbauend, wenn man sich die Frage der Wirtschaftlichkeit stellt.

Naja, mal abwarten, vielleicht kommt ja die große Überraschung in einigen Tagen :D