Der beste Livestream zum Rücktritt von Klopp

Gestern hatte Jürgen Klopp angekündigt zum Ende der Saison in Dortmund aufzuhören. Für mich nicht das riesige Thema, Fußball ist nicht mein Ding. Trotzdem habe ich gestern mit großer Begeisterung einen Livestream gelesen. Das besondere findet man in diesem einen Beitrag zu Beginn der Pressekonferenz:

klopppkgerman

Kurz für alle, die kein englisch können: Der arme Journalist sitzt in der Pressekonferenz beim BVB, in der es um den Rücktritt von Klopp geht und kann kein Wort deutsch. Und dann geht es ziemlich genial weiter und man spürt förmlich wie nutzlos er sich vorkommt über etwas live zu berichten, von dem er kein Wort versteht. Hier der komplette Livestream zum nachlesen – von unten nach oben.

Der besondere Clou: Eigentlich steht doch alles wichtige drin, was man vielleicht wissen muss: Kein anderer Club bisher da, er will aber weiter was machen und ist auch nicht müde. Muss man wirklich mehr wissen? Okay, eins dann doch: Der Pressevertreter, der ganz am Ende noch nach Eintrittskarten für seinen Sohn fragte – schon sehr skurril. Die Chefredaktion hat sich entsprechend von dem Vertreter distanziert.

Für mich dennoch interessant, welcher Wirbel um einen Fußballtrainer gemacht wurde. Aber dazu später mehr…

 

Kommentare und Meinungsfreiheit

Nun als auch die Tagesschau: Nach der Süddeutschen wird auch dort überlegt, wie man mit Kommentaren und Trollen umgeht. Und es werden ziemlich abartige Beispiele für Kommentare gebracht:

Ihr dreckigen Minusmenschen! – Die ihr (…) BEWEISKRÄFTIGE Kommentare, die eure Lügen-Propaganda-Maschinerie ENTLARVEN, blockiert. Ihr gehört an euren Innereien an der Reichstagskuppel aufgehängt!

Und natürlich – wie immer wenn Beiträge gelöscht werden – wird gleich der Begriff Zensur genutzt und natürlich die Meinungsfreiheit, die eingeschränkt wird. Und bei öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern gleich noch mehr.

Dabei muss man eins nochmal deutlich betonen: Die Meinungsfreiheit wird nicht dadurch eingeschränkt, wenn irgendjemand einen nicht zuhören will. Niemand wird daran gehindert – wie ich hier – seine Meinung so ausführlich und groß breitzutragen, wie man es möchte.

Man kann sich das generell wie im normalen Leben vorstellen: Jeder kann seine Meinung haben, man könnte sie sogar auf der Straße frei äußern – beispielsweise in Demonstrationen. Dennoch muss ich niemanden zu mir nach Hause reinlassen, um mir einen Vortrag zu dieser Meinung anzuhören. Und selbst bei öffentlichen Veranstaltungen kann das Hausrecht auch dazu dienen, Störer zu entfernen, die eine normale Diskussion behindern.

Vor einiger Zeit gab es dazu einen Artikel bei scienceblogsund eine passende Grafik dazu:

Bild: xkcd, Text: Anatol Stefanowitsch, CC-BY-NC 2.5

„Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern…“

Man hat ja schon viel über das Sterben der Zeitungen geschrieben und gesprochen. Ich weiß nicht, wie alt obenstehendes Zitat ist, aber eigentlich ist heutzutage ja oft schon die Zeitung von heute veraltet, wenn man sie bekommt. Vieles hatte man im Internet oder Fernsehen schon weiter nach verfolgen können. Für einige ist Zeitungslesen dann noch ein morgendliches Ritual, andere – wie ich – schätzen gute Reportagen, Kommentare und eben, dass man außerhalb seiner Filter-Bubble noch anderes mitbekommt. Dennoch: Die Zeitung steht im Wettstreit mit anderen Medien.

Umso unverständlicher, dass die WAZ nun auf einen Teil der Leser verzichten mag:

„Bedingt durch unvermeidliche Logistikänderungen können wir Ihnen Ihre Zeitung ab dem 1. Juni 2013 leider erst am nächsten Werktag nach dem Erscheinungstag zustellen“, heißt es in einem Schreiben an die Abonnenten, das MEEDIA vorliegt.

Also man bekommt keine Nachrichten, die bis zu 24 Stunden alt sind: Nein! Die Nachrichten sind nun 24-48 Stunden alt, wenn man sie in den Händen hält. Um es mal deutlich zu machen: Manche Skandale oder Themen sind nach einem Tag schon wieder verschwunden oder sehen ganz anders aus.

Gut, diese Angelegenheit betrifft offenbar „vornehmlich“ Menschen außerhalb des WAZ Gebietes – ganz klar ist das nach Meedia Artikel wohl nicht. Aber schon ein weiterer Schritt Richtung Bedeutungslosigkeit von Papiermedien. Da hilft das ePaper Angebot auch nur begrenzt – oder streben Zeitungen nun auf digital-only Varianten zu?

Tatortwatch

Irgendwie ist es schon interessant. Man kommt aus dem Kino wieder und findet einen Haufen Meldungen über einen Twitteraccount @tatortwatch in seiner Timeline bei Twitter. Und dann in Verbindung mit GRÜN. Da wird man als Parteimitglied ja schon neugierig und guckt nach. Die Beschreibung des Accounts sagt:

Aus Liebe zum #Tatort und #BürgerInnenrechten dokumentieren hier #Grüne Rechts- & InnenpolitikerInnen BürgerInnenrechtsverletzungen live.

Wie das ganze Aussehen kann, dann mal an ein paar Beiträgen dokumentiert:

An diesem Konzept gibt es einige Kritik, die GRÜNEN würden bevormunden heißt es da teilweise. Ich persönlich halte von solchen Aktionen zwar auch nicht viel, aber fällt dennoch auch unter sonst bei Twitter sehr hoch geachtete Meinungsfreiheit, oder? Ich meine, die Kritik an der Fernsehserie „24“ ist ja auch altbekannt, würde es da auch eine solche Aufregung geben? Klar, das ist nicht zu vergleichen. Jack Bauer, der folternd und Bürgerrechte ignorierend den längsten Tag seines Lebens wieder und wieder erlebt, ist natürlich ein anderes Kaliber als der sonntagliche Tatort. Aber wer anerkennt, dass man dort Kritik am Vorgehen haben kann, mag vielleicht auch lockerer auf diese Tatortkritik blicken. Und wenn es wie heute am Ende auf ein „korrektes“ Vorgehen der Polizei hinausläuft, ist doch alles gut und eher positiv für die Sendung. Generell sollte man vielleicht etwas lockerer mit soetwas umgehen. Wem das den Spaß verdirbt, kann den Account ja ausblenden oder nicht folgen.

Und um politische Aktionen geht es nicht:

Aber gut, wer provoziert, muss vielleicht auch damit leben. Nur sollte man sich eben auch überlegen, ob man manches nicht vielleicht zu ernst sieht. Ob nun Satire-Account oder nicht. Er ist immerhin „aus Liebe zum Tatort“ entstanden :)

Umgang mit „Geheimdossiers“ bei Zeitungen: Urheberrecht und Steueroasen

Es ist schon ziemlich seltsam, was man auf dem WAZ Rechercheblog lesen kann. Dass dem Verteidigungsministerium nicht gefällt, dass im November letzten Jahres viele geheime Daten aus dem Bundestag zum Afghanistankrieg veröffentlicht wurden, ist klar. Nun geht das Ministerium aber juristisch dagegen vor:

Mit Bezug auf das Urheberrecht will das Ministerium nun diese Unterlagen aus dem Internet löschen lassen.

Mit dem Urheberrecht? Gegen Journalisten? Bei staatlichen Dokumenten? Geheimnisverrat zählt ja nicht, weil die WAZ diesen ja nicht begangen hat. Daher dann Urheberrecht.

Problematisch dürfte aus meinem Laienverständnis vor allem der Volltext sein. Würde die Zeitung nur Zitate präsentieren und mit diesen Arbeiten, könne man nichts dagegen sagen. So aber schon. Ob es durchgeht oder nicht, wird am Ende vielleicht ein Gericht entscheiden. Die WAZ hat jedenfalls angekündigt der Forderung nicht nachzugeben. Ich habe mir die Daten jedenfalls schon mal gesichert.

Persönlich finde ich, dass geleaktes Material öffentlich bleiben sollte. Wie sonst soll man sich ein persönliches Bild machen? Sonst unterliegt man am Ende nur der Auswahl der Medien.

Darum finde ich auch nicht ganz unproblematisch, wenn die Süddeutsche sich nun weigert, Daten aus dem Dossier zu Steueroasen an den Staat weiter zu geben. Heribert Prantl sagt hierzu:

Behörden können ihren Nutzen aus dem veröffentlichten Material ziehen wie jeder andere auch; aber Behörden haben kein Recht auf Sonder-, Extra- und Geheimlieferung. Würden staatliche Ermittlungen auf noch nicht veröffentlichtem, aber weitergegebenem Material beruhen, das Journalisten den Behörden offeriert haben – dann könnte darüber nicht mehr unbefangen berichtet und kommentiert werden.

Die Medien sind nicht die Hilfsorgane von Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung, Journalisten keine Hilfspolizisten. (…) Die Presse wird bisweilen als vierte Gewalt bezeichnet; das ist übertrieben. Aber wenn man bei dieser Terminologie bleiben will: Es gilt dann auch hier die Gewaltenteilung.

Ich weiß nicht genau, wie die SZ nun damit umgehen will. Natürlich müssen Informanten geschützt werden. Und wenn die veröffentlichten Informationen dann auch ausreichen, um die Steuersünder in Deutschland aufzutreiben, dann soll mir das auch Recht sein. Aber das ist das Minimum, was es geben sollte. Ansonsten hat er mit einem Satz am Ende allerdings vollkommen Recht:

Die Staatsgewalten haben ganz andere Mittel und Möglichkeiten als die Presse, um gegen Steuervermeidung, Steuerflucht und Steuerbetrug vorzugehen. Die Staatsgewalten haben ganz andere Mittel und Möglichkeiten, Geldströme zu kontrollieren. Sie müssen nur wollen, sie müssen es nur tun. Sie müssen damit beginnen.

Eine Forderung, die man nur unterstützen kann.

Generell zeigt sich aber, dass „geleakte“ Daten nicht nur ein moralisches Problem, sondern – ganz abseits von dem Geheimnisverrat – auch juristische Fragen aufwirft.

Medienkritik zum Aufstand in Ägypten

Man weiss noch nicht genau, wie der Aufstand in Ägypten ausgehen wird. Mubarak hat gerade seine Rede gehalten und begegnet die Forderungen nach seinem Rücktritt mit einem Entlassen der Regierung und dem Hinweis, dass er sich über die Probleme in dem Land bewusst sei. Naja, darüber schreibe ich morgen wohl nochmal, aber ich bezweifle, dass die Menschen jetzt nach Hause gehen und sich denken, dass ja jetzt alles gut sei. Von daher wird es noch eine lange Nacht und spannende Tage und bisher gibt es für mich nur einen “Sieger” dieses Konfliktes: Al Jazeera, den arabischen Sender bzw. dessem englischen Ableger.

Wer sich live über die Ereignisse informieren wollte, kam an dem Sender nicht vorbei. In Deutschland haben wir eh nichts anzubieten, aber dazu komme ich noch. Damit lief im Büro dann CNN und als Webstream eben Al Jazeera mit aktuelleren Bildern aus Kairo. Der Sender hat gute Arbeit geleistet und neutral berichtet, so dass man den Sender durchaus mit CNN gleichsetzen kann. Ich habe sogar eher dem Stream gelauscht, als dem Fernseher.

Was heute aber vor allem aufgefallen ist, ist die miese Medienlandschaft in Deutschland. Die beiden privaten Nachrichtensender N-TV und N24 bringen alles – nur keine Nachrichten. Während sich die Lage in Ägypten zuspitze brachten diese belanglose Dokumentationen. Und was dann besonders nervt: Wenn eine Krake sich während der WM für eine Kiste mit Spanischer oder Deutscher Fahne entscheidet, sind die Sender live dabei. Ewigkeiten wird eine Tür gezeigt, wenn ein Wettermensch aus dem Gefängnis kommt. Aber wenn in einem Land Menschen für ihre Freiheit auf die Straße gehen und damit große Risiken eingehen, dann zeigt man lieber eine Dokumentation über das Bewegen einer Brücke. Ich weiß nicht, ob bei N24 doch nochmal bei Ägypten aufgetaucht hab, denn die Dauerwerbesendung von sonnenklar.tv, die Reisen anbietet habe ich mir nicht angeguckt, aber vielleicht tauchte das Wort Ägypten dann dort doch mal auf.

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gab es auch keine Unterbrechung, aber Sonderberichte – wobei beim ZDF ein unnötiger Schwerpunkt auf den Tourismus gelegt wurde. Und ob man Phoenix Vorwürfe machen kann, weiß ich nicht. Der Sender ist wahrscheinlich aus politischer “Rücksichtnahme” auf die Privatsender auch nur als “Ereignissender” bezeichnet worden. Ein wirklicher Nachrichtensender ist – so zumindest eine Einschätzung im netplanet Blog in einem sehr guten und lesenswerten Artikel zu dem Thema – wahrscheinlich von eben den Privaten bisher erfolgreich verhindert worden. Die meckern ja schon, wenn die Tagesschau ihre Sendungen per App aufs iPhone bringt.

Ich sage: Nehmt meine Gebühren und macht aus Phoenix ein vernünftiges Nachrichtenfernsehen. Die Privatsender hatten wirklich ihre Chance und nur weil ich Volksverblödung nicht zahlen muss (siehe normales Tagesprogramm bei RTL), heißt es ja nicht, dass nicht irgendjemand vernünftige Berichterstattung bringen kann. Wenn die lieber billige Dokumentationen als Füllmaterial zwischen Werbung und Dauerwerbesendungen nehmen, dann muss ein solcher Sender eben anders finanziert werden.

Ich hab kein Problem mit Al Jazeera oder CNN, ich verstehe Englisch, aber wieso man sich nicht auch in Deutschland einen vernünftigen Sender leisten kann, der zumindest ein wenig versucht in diese Richtung zu gehen, verstehe ich einfach nicht. Bei Inlandsberichten macht Phoenix das meist sehr gut, ich glaube, dass dies auch international gelingen könnte. Und das man dies auch finanziert bekommt und wie es geht, kann man ja auch in dem oben gelobten Artikel nachlesen.

Einen weiteren Artikel dazu hat Jens im Pottblog geschrieben, auch der ist sehr lesenswert. So und ich lasse Al Jazeera jetzt noch auf meinem iPhone etwas nebenbei laufen, während ich den Tag mit einer Folge Akte X ausklingen lasse :)

Bayerns Bundesratsinitiative zu „Killerspielen“

Lange war es um die bösen und gefährlichen „Killerspiele“ ruhig geworden, aber nun hat der angezählte Ede aus Bayern das Thema wieder aufgegriffen und die bayerische Landesregierung hat eine entsprechende Bundesratsinitiative beschlossen.

Der Beschluss umfasst dabei acht Eckpunkte:

1. Verbot virtueller Killerspiele im Strafgesetzbuch
2. Verbot real nachempfundener Killerspiele wie Gotcha, Paintball oder Laserdrome im Ordnungswidrigkeitenrecht
3. Verbot offensichtlich schwer jugendgefährdender Filme und Computerspiele
4. Vermiet- und Verleihverbot indizierter jugendgefährdender Filme und Computerspiele
5. Verbesserungen bei der Freiwilligen Selbstkontrolle
6. Erhöhung des Bußgeldrahmens bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz
7. Verbesserungen bei Internet, Fernsehen und Online-Spielen durch Änderung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages der Länder
8. Initiative im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit

Gucken wir uns diese doch zunächst einmal in aller Kürze an, bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, wie sinnvoll (oder eher sinnlos) das Ganze eigentlich ist. Zur Begrifflichkeit „Killerspiele“ empfiehlt sich noch ein Artikel bei Telepolis ;)
Punkte 1 und 2 sind abgesehen von meiner Ablehnung eines solchen Verbotes schon aus einem einfachen Grund ziemlich blödsinnig, wie Heiko auch in seinem Affenhaufen Blog schreibt, denn:

virtuelle Killerspiele im PC werden ggfs. mit
Gefängnisstrafe belegt, in der Realität auf einen anderen Menschen zu
schießen wird zur Ordnungswidrigkeit. Man wird also kostenpflichtig
verwarnt bzw. bekommt einen Bußgeldbescheid.

Punkte 3 und 4 richten sich weniger an den Jugendschutz, sondern an den Erwachsenenschutz, denn „schwer jugendgefährdender Filme und Computerspiele“ können indiziert und damit nur über 18 Jährigen zugängig gemacht werden – und diese sollten doch eigentlich damit umgehen können, oder? Zumindest wird 18jährigen Männern schon automatisch eine Waffe in die Hand gedrückt!

Gegen Punkte 5 und 6 habe ich nichts und bei 7 vielleicht auch nicht mal. Dass man die FSK verbessert mag noch in Ordnung sein und Erwachense zu bestrafen, die sich nicht an die Jugendschutzregelungen halten finde ich auch okay. OPunkt 8 ist wie Punkt 7 so schwammig, dass ich da nix zu sagen kann.

Aber immerhin hat die CSU es jetzt wieder geschafft für schwere Probleme eine einfache Lösung zu finden. Anstatt die sozialen Probleme anzugehen, die junge Menschen ausgrenzen oder das Gefühl geben Verlierer zu sein, wird eine Jugendkultur angegriffen, nur weil einige Wenige nicht damit umgehen können.

Natürlich können Computerspiele negative Einflüsse auf (junge) Spieler haben, soziale Isolation, Suchtsymtome oder Vernachlässigung der Schule sind solche Aspekte, die man durchaus ernstnehmen und angehen muss. Das Gefühl im Spiel als „Gewinner“ herauszugehen kann als positive Erfahrung im Vergleich zur Lebensrealität, wo dies nicht so einfach möglich ist, zwar auch zur Steigerung des Selbstwertgefühls, aber eben auch zum Verlust der Verbindungen in die Realität führen. Dies hat mit „Killerspielen“ aber wenig zu tun, denn auch ganz humane Spiele können hierzu führen, als Beispiele mögen Onlinerollenspiele, aber auch Klassiker wie Civilization herhalten, die eine Suchtwirkung aufbauen können. Entscheidend hierfür ist etwas eigentlich völlig normales: Medienkompetenz – insbesondere der Eltern. In einem Zeitungsartikel vor einiger Zeit wurde gefragt, wo denn die Eltern in dieser ganzen Frage sein? Müssten Sie nicht kontrollieren, wieviel und vor allem wie oft die Kinder vor dem Rechner sitzen? Natürlich kennen diese sich nicht alle in der Welt der Computerspiele aus, aber selbst wenn es nur eine zeitliche (keine inhaltliche) Kontrolle gibt, dürften selbst grässliche „Killerspiele“ keine alzugroße Wirkung haben.

Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen stellte dazu Ende November in einem Interview mit dem Tagesspiegel fest:

Unser Problem ist, dass unsere Schule zu sehr auf Wissensvermittlung setzt und zu wenig auf soziales Lernen. Die Nachmittagsgestaltung der Schulen müsste unter der Überschrift „Lust auf Leben wecken“ stehen. Wir vermitteln den Kindern zu wenig Möglichkeiten zum Austoben und bieten ihnen damit zu wenig Anerkennungs- chancen. (…) Schon bei der frühen Aufteilung der Kinder auf Hauptschule, Realschule oder Gymnasium sind wir auf einem falschen Kurs, weil die Hauptschüler zu diesem Zeitpunkt schon mitgeteilt bekommen, dass sie Verlierer sein werden.

Er fordert des Weiteren auch verstärkte Kontrolle der Eltern und eine Verbesserung der Vorhanden Jugendschutzmechanismen – auch heute wieder in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung. Ich muss sagen, dass ich dagegen auch nichts habe. Jugendschutz bedeutet nunmal die Jugend zu schützen und dann muss auch nicht alles (auf normalem Wege) zu bekommen sein, aber ein allgemeines womöglich noch pauschales Verbot Spielen solcher Art.

Denn eins sollte man auch nicht vergessen: Verbote sind auch anziehend und irgendwo wird ein Jugendlicher immer auf so ein Spiel stoßen können, denn beispielsweise das Internet hört nicht an der deutschen Grenze auf. Und momentan erlebt man das ein oder andere mal ja noch, dass ein Spiel extra für den deutschen Markt entschärft wurde, um einer verschärften Jugendkontrolle zu entgehen. Das führt dann soweit, dass in Strategiespielen keine menschlichen Soldaten, sondern Roboter aufeinander schießen, aber mich hat es zumindest nie gestört :)

Im übrigen gab es Kinder- und Jugendliche, die auf einander schießen doch auch schon immer, oder? Als Kind habe ich auch Räuber und Gendarm gespielt, wo man auch mit Spielzeugpistolen oder der „Handpistole“ aufeinander geschossen hat und der andere „tot“ war. Man mag darüber und über „Killerspiele“ ja halten, was man will, aber ich bezweifle deren starke schädigende Wirkung für die Gesellschaft.

Und damit dann zum Abschluss noch eine provokante Frage, die Markus Reschke in seinem Blog aufgeworfen hat:

Warum kümmert man sich so stark um das Verbot von Killerspielen zur
Vermeidung von Amoklaüfen, durch die verhältnismäßig nur wenige
sterben, wenn z.b. durch die Folgen des Passivrauchens deutlich mehr
Menschen sterben? Und was wurde aus dem Rauchverbot, welches mir
weniger in den Medien prässent erschien als Killerspiele?

Eine wie ich finde mehr als berechtige Frage. Betrachten wir doch einfach die Zahlen: 2006 ist eine Person in Elmsdetten durch „Killerspiele“ gestorben (und das war die Selbsttötung des Täters), davor 2002 nochmal 16 Personen. Es wurden mindestens 37 Personen verletztend und sicherlich einige hundert in Panik und Angst versetzt, was ich alles nicht herabreden will. Passivrauchen hingegen tötet jährlich geschätzte 3.000 Menschen und wie reagiert die Politik? Mit butterweichen Regelungen, da man die Wirtschaft ja nicht schädigen wollte. Mal abgesehen davon, das selbst eine Pub-Kultur wie Irland Rauchverbote haben und damit besser fahren als vorher, zeigt sich, dass hier reiner Populismus gegen eine Gruppe von Menschen und Unternehmen am Werk ist, die nicht eine so starke Lobby haben, wie unsere Raucher. Nach der Logik der bayerischen Staatsregierung müsste es hier übrigens nicht nur ein Rauchverbot in öffentlichen Gaststätten geben, sondern das Rauchen würde komplett verboten!