Mit Pacman durch Gelsenkirchen

Mit Pacman durch Gelsenkirchen

Bei Google Maps gibt es wieder ein kleines Spielchen. Mit einem Mausklick wird aus der Straßenkarte nämlich ein Spielbrett für die bekannte punktefressende Spielfigur – natürlich inklusive Monster. Dazu ganz einfach bei Google Maps den gewünschten Stadtausschnitt wählen und unten links auf das Icon klicken. Eine festgelegte Spielfläche in der Mitte der aktuellen Ansicht wird dann zur Spielfläche. Viel Spaß :)

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Was mir der Absturz der Germanwings Maschine über mich, Betroffenheit und vor allem die Medien zeigte…

Die Woche ist vorbei und war von einem bestimmt: Dem Absturz der Germanwings Maschine aus Barcelona am Dienstag. Als ich im Radio davon hörte, war ich natürlich wie viele andere auch betroffen und ja auch interessiert daran, wie das geschehen konnte. Man hat sich auch darüber unterhalten, es war eben ein Tagesthema. Dennoch ging die Arbeit ihren gang, ich konnte sogar problemlos noch ins Kino. Nicht, dass mir die Menschen nicht leid tun würden, die darunter zu leiden haben, aber ich glaube persönliche Betroffenheit und Aufgeregtheit ist immer relativ von eigenen Erfahrungen, Interessen und Verbindungen. Aber darüber könnte man auch viel schreiben.

Dennoch kam  – nach dem ich dann am nächsten Morgen mitbekommen habe, wieviel darüber berichtet wurde und dass es sogar Livestreams gab – die Frage auf, ob meine nichtsogravierende Neugier ein Zeichen von Gleichgültigkeit sei und mir Gedanken machen sollte. Aber das Interesse blieb und als es am Mittag dann per Twitter die Ankündigung gab, dass es eine Sondersendung bei ARD gäbe, habe ich eingeschaltet. Und das hat mich dann doch total verwirrt, die Frage eher verstärkt und gleichzeitig die Frage aufgeworfen, ob es nicht vielleicht auch etwas viel Medienwirbel ist. Was man zu sehen bekam war nämlich der Besuch der Kanzlerin und Ministerpräsidentin in Frankreich, wo sie minutenlang den Rettungskräften die Hand schüttelte.

Nur um das nochmal deutlich zu machen: Der Besuch ist und war richtig, es war richtig, dass Sylvia Löhrmann Anteil an dem Leid der Schülerinnen und Schüler in Haltern genommen hat und dorthin gefahren hat und den Rettungskräften kann nicht genug gedankt werden. Was sie sehen und erleben müssen, was sie leisten verdient unser allen Respekt.

Aber ich fragte mich eben doch, ob nicht Sensationshascherei hier wichtiger war als ein Informationsinteresse. Half es irgendeinem Angehörigen, dass man minutenlang diesen Besuch zeigte und dabei belanglose Kommentare brachte? Ich hatte mir von der Sondersendung (im übrigen auch beim ZDF) mal eine kurze Zusammenfassung erhofft der letzten Ereignisse.

Zufällig war mir am gleichen Morgen auch ein Artikel von Peter Welchering über den Weg gelaufen. In dem beschreibt er, wie er angefragt wurde als Experte in eine Sendung zu gehen um mit zu spekulieren. Wollte er nicht, was die andere Seite offenbar ziemlich nervig fand. Das passte in das Bild von Medien, denen es um den Effekt und Hype geht – und diesen vielleicht zu schüren – anstatt um Aufklärung. Zugegeben: Ich habe am Dienstag nichts dergleichen geguckt, aber gab es in einer der Sendungen Spekulationen über den möglichen Suizid eines Piloten? Ich denke nicht. Es wurde also viel über nichts geredet.

Und Donnerstag dann die schockierende Meldung, dass der Co-Pilot wahrscheinlich einen Selbstmord mit der Ermordung von rund 150 Personen kombiniert hat. Und auch dann ging es in den Medien sehr schnell: Das Haus wird abgebildet, der komplette Name veröffentlicht und im Wahn der schnellste und exklusivste zu sein, wird dann auch mal die falsche Person abgebildet. Ich will jetzt nicht an der Diskussion teilhaben, ob es richtig ist den Nachnamen schon auszuschreiben oder Bilder des Toten zu veröffentlichen. Der Spiegel hat dazu gestern folgendes gesagt:

https://www.facebook.com/spiegelonline/posts/10153164385819869

Ich glaube das kann man so teilen. Der Co-Pilot ist mit den zusätzlichen Informationen von gestern, die immer mehr Hinweise auf einen Selbstmord-Mord geben, sicherlich eine Person der Zeitgeschichte geworden. Aber das gibt Medien noch lange nicht das Recht ihn und seine Familie als Freiwild anzusehen. Aber gut, das war bei den Opfern ja auch nicht anders, wie die Berichte von Journalisten, die Schülerinnen und Schüler und generell trauernde Fotografieren und zu Statements drängen.

Beim Täter kommt aber noch was anderes dazu: Hass. Er wird auch von einigen Medien m.E. offen geschürt und aufgebaut.

So zum Beispiel der Berliner Kurier heute. Das ist eben, was ich vor wenigen Tagen bei facebook als Schwarz-Weiß denken kritisierte. Dort wurde in einer schon am Donnerstag gegründeten Gruppe vom “Monster” gesprochen, was “in der Hölle brennen” solle. Das beantwortete zu dem Zeitpunkt natürlich nicht das “Warum?”. Inzwischen kann man es vielleicht erklären, denn es gibt ja Hinweise auf eine psychische Erkrankung. Nochmals: Die rechtfertigt nichts und beim Selbstmord noch 150 Leute mit in den Tod zu reißen ist unvorstellbar, aber es ist eben auch eine – ganz offiziell bescheinigt – kranke Person gewesen. Das muss in einen Umgang damit einfließen.

Und noch eins ist wichtig: Keiner der Verwandten, Freunde oder Nachbarn des Piloten haben mit dem Mord etwas zu tun. Trotzdem haben auch sie einen Menschen verloren und verdienen den Respekt auch in Ruhe trauern zu können.

Mir hat diese Woche zwei Dinge nochmal deutlich gemacht: Betroffenheit und deren Stärke ist rein subjektiv. Ich denke viele Menschen sind – ohne Hysterie – mehr betroffen von der Katastrophe als ich. Vielleicht fliegen sie mehr, kennen Leute, die im Flugwesen arbeiten, haben eine engere Verbindung zu Betroffenen oder ähnliches. Das ist normal und ich glaube Anteilnahme und Betroffenheit müssen nicht gemessen werden. Bei einigen Medien ist diese Woche aber aufgefallen, dass Anteilnahme und Betroffenheit von vielen genutzt wird, um Schlagzeilen zu machen, Einschaltquoten zu erhöhen und einfach auf dieser Welle mit zu schwimmen – im übrigen Trauer und Sorgen von Angehörigen missachtend. Was bringen diese Spekulationen hoch drei am Unfalltag oder das Vergnügen weinend und trauernd in Medien weiterverarbeitet zu werden – vielleicht in einer schönen Fotostrecke?

Das Thema ist vielleicht nicht neu, aber diese Woche ist es mir besonders aufgefallen und offensichtlich auch vielen, vielen anderen:

Das letzte ist bekanntlich Satire, aber da steckt ja auch immer ein Körnchen wahrheit drin. Ich könnte die Liste beliebig fortsetzen – durchaus auch mit anderen Ansichten – aber mir rennt die Zeit weg. Vielleicht gibt es morgen noch einen Nachtrag :)

 

Buch zur Berliner Brücke

Buch zur Berliner Brücke

Ich kenne die Stadt nicht anders: Kurt-Schumacher Straße, eine lange Brücke direkt nach der Grillostraße, der direkte ungestörte Weg nach Buer – naja, Stau mal ausgenommen, aber als Bahnfahrer hat man damit auch weniger zu tun. Aber das es mal ganz anders war, zeigt das neue Buch des Heimatbund Gelsenkirchen: “Berliner Brücke”. Es geht dabei um diese Brücke, die 700m lang über die Bahnanlagen in Schalke führt. Momentan hat man mit der Bahn ja nur noch zu tun, wenn man überlegt, ob man die Uechtingstraße fährt – wo man dann unter Umständen wenige Minuten darauf warten muss, dass die Bahn eben durchführt.

Früher war das offensichtlich anders: In einer 14 Stunden langen Messung noch vor der Brücke aus dem Jahr 1956 senkte sich die Schranke 118mal und führte zu 5 Stunden und 18 Minuten Wartezeit.1 In der im Ruhrgebiet offenbar typischen Selbstironie nannten die Gelsenkirchener diese Schranken “Glückauf” Schranke – mit Glück war sie auf :)

Naja, und da es so nicht weitergehen konnte, wurde schließlich die Berliner Brücke gebaut. Optionen, Probleme und viele technische Details werden in dem kleinen Heft gut beschrieben. Für 5 Euro ein nettes Stück Heimatgeschichte zu einer Brücke, die heute eine der Lebensadern der Stadt ist, vor 50 Jahren aber noch an einem Trennpunkt unserer Stadt stand.

Zu bekommen ist es unter anderem in der Buchhandlung Junius. Die WAZ hatte heute auch einen Bericht dazu.

berlinerbrueckebuch

Fotos: Beitragsbild mit Gedenkschild Berliner Brücke von Michael Westphal unter CC-by-sa 3.0 Lizenz / Buchfoto: Eigene Aufnahme

 

  1. Koenen, Hans-Joachim / Heimatbund Gelsenkirchen:”Berliner Brücke”, Gelsenkirchen 2015, S.10 []

Einige Gedanken zum Edathy Verfahren 3

Ich hab irgendwie länger überlegt, ob ich zum Edathy Verfahren was schreiben soll. Das Thema ist emotional so aufgeladen, dass leider nicht ins Detail geguckt wird. Klar: “5.000 Euro Strafe für einen Kinderschänder” klingt und wäre schlimm für das Justizsystem. Nur ist es nicht so einfach und auch nicht ganz richtig. Zunächst ganz klar: Edathys Verhalten kann nicht verteidigt werden. Das will ich hier auch nicht. Bilder von nackten Kindern zu kaufen ist schon mehr als seltsam und zum Glück inzwischen strafbar.

1. Keine Strafe ohne Gesetz

Aber eben erst “inzwischen”. Erst durch den Skandal um Edathy wurde das Gesetz verschärft und dies auch wirklich verboten. Es ist aber eine Grundlage des Rechtsstaates, dass man nicht für etwas verurteilt werden darf, was zum Tatzeitpunkt nicht verboten war – egal wie seltsam es sein mag, dass es nicht verboten ist. Während “Unwissenheit nicht vor Strafe schützt”, sollte aber “Nichtstrafbarkeit” vor Strafe schützen. Man stelle sich mal vor, wenn rückwirkend willkürlich Strafen eingeführt werden könnten.

2. Moralische Schuld ist nicht juristische Schuld

Es ärgert, da solche Bilder nach moralischen Vorstellungen untragbar sind und die Grenze zu Pädophilie verständlicherweise nicht gesehen wird. Inzwischen ist der Straftatbestand ja auch ausgeweitet werden und ich sage sogar: Edathy hat sich schuldig gemacht. Aber es handelt sich aufgrund der “Keine Strafe ohne Gesetz”-Regel nur um eine moralische Schuld. Er hätte wissen können und müssen, dass sowas nicht richtig ist. Um juristisch schuldig zu sein, muss aber eben zum Tatzeitpunkt die Tat auch strafbar sein.

In der Politik gilt im übrigen öfter diese moralische Schuld: Es sind bestimmt mehr Rücktritte sind durch moralisches Fehlverhalten oder Fehler von Untergebenen entstanden, als durch wirkliche juristische Schuld. Aber das ist jetzt nicht statistisch überprüft – wäre mal interessant :)

3. Kein Freispruch, kein Verfahren

Aber ich denke genau diese Unterscheidung ist dann das juristische “Problem”. Nach dem was ich mitbekommen habe, wäre es für die Staatsanwaltschaft sicherlich nicht leicht, ihn vor Gericht zu einer Verurteilung zu bringen. Wenn die Bilder wirklich – wie gesagt – nackte Junge waren, war das nicht strafbar. Ich kann nicht wissen, ob man manche der Bilder stärker auslegen hätte können und ob es da mehr gab. Wenn dem so wäre, wäre es in der Tat ein Skandal, dass die Staatsanwaltschaft sich auf den Deal eingelassen hat. Aber erstmal muss man glaube ich von anderem ausgehen. Und dann hätte es vielleicht vor Gericht einen wirklichen Freispruch gegeben und so gibt es zumindest ein Eingeständnis dieser Handlungen, auch wenn Edathy dies nicht Geständnis nennt.

Das Verfahren ist im Übrigen nichts neues: Regelmäßig werden solche Deals durchgeführt, um Gerichte zu entlasten. Das mag man kritisieren – bei Ecclestone sehe ich das auch viel kritischer – aber es ist ein mehrere tausend Male im Jahr benutzter Weg, um Verfahren zu beenden.

Die Geldstrafe, dass nur am Rande, dürfte sich nach dem Einkommen der Person richten. Aber das wirlich nur am Rande, da hab ich nicht genauer nach recherchiert. 5.000 Euro erscheinen erstmal wirklich überschaubar wenig. Andererseits: Wenn es einen hoher Beitrag gewesen wäre, hätte man den Promibonus auch genannt, oder? (So wie ich vielleicht bei Ecclestone :D)

4. Das politische Problem

Ich glaube nicht, dass Edathy besser behandelt wurde, weil er Politiker war. Das Leben liegt hinter ihm. Ich gehe eher davon aus, dass wirklich mangelnde Beweislage dazu führte, dass man diesen Weg gewählt hatte. Interessant wird nur die politische Dimension des Verfahrens, nämlich die Frage, wer Edathy wann etwas gesagt hat. Denn dadurch sind womöglich Beweismittel verschwunden, die das Verfahren vielleicht hätten anders verlaufen lassen. Aktuell nur Spekulation. Man kann nicht wissen, ob Edathy mehr als “nur” posierende Kinder betrachtet hat. Aber es bleibt der Beigeschmack und die Bedeutung des Untersuchungsausschuss steigt m.E. durch das Verfahren an. Umso trauriger, dass die SPD (+Union) im Untersuchungsausschuss nun den Blick weg von der SPD richten.

Fazit: Kein Mitleid mit Edathy aber juristisch problematisch

Es wird immer gesagt, Edathy wäre schon genug bestraft durch sein öffentliches Leben. Zugegeben, mein Mitleid hält sich etwas in Grenzen, dafür ist mir sein Verhalten zu unverständlich. Aber ich sehe eben auch keine Verschwörung und – anders als bei Ecclestone – auch kein Promibonus. Ich sehe ein Gericht, was angesichts einer schweren – vielleicht durch seine politischen Beziehungen erschwerten – Beweislage, einen Weg gefunden hat, dieses Verfahren irgendwie zu lösen. Jakob Augstein spricht im Spiegel von einem “ungesunden Volksempfinden” im Bezug auf das Urteil. Ich weiß nicht, ob man es sich so einfach machen kann. Die Grenze  zwischen dem Angucken nackter Kinderkörper und praktizierten sexuellen Handlungen ist sowohl in der Berichterstattung als auch in den Köpfen nicht wirklich ausgeprägt. Zumindest in den Köpfen ist das nachvollziehbar, in den Medien wäre vielleicht etwas mehr Detail hilfreich.

Aber eins ist doch richtig: Anstatt sofort alle Befürchtungen von einem Staat, der Politiker, Pädophile und Reiche schützt, bestätigt zu sehen, sollte man vielleicht auch überlegen, warum es zu dieser Entscheidung kommt. Wieso sollten gerade ein Richter und Staatsanwalt auch ein unnatürliches Verständnis für einen starken Kinderschänder haben? Nur weil es ein Politiker ist, den keiner mehr will, dessen Karriere beendet ist und bei dem eine deutliche Verurteilung vielleicht viel mehr Druck von der SPD Spitze genommen hätte? Kann es nicht auch eine nachvollziehbarer Erklärung geben?

Wie gesagt: Soweit “Bitte entschuldigen Sie, Herr Edathy” wie heute in der ZEIT geschrieben zu sagen, würde ich nicht gehen, aber auch hier wird ein juristischer Blick auf das Verfahren geworfen und nochmal deutlich gemacht, was eine Verurteilung erschwert hat.

Und noch einen Satz aus dem Justizwesen kennt jedeR: “In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten” und bei einer Verhandlung wäre daraus wahrscheinlich ein “In dubio pro Edathy” geworden – wie im Gelsenkirchen Blog vor zwei Tagen beschrieben. Sowohl diesen Artikel, wie auch den in der ZEIT und dem Spiegel rate ich angesichts der momentan emotional aufgeladenen Stimmung zu lesen und einzuordnen.

Und vielleicht erkennt man dann, dass der Satz  “5.000 Euro Strafe für einen Kinderschänder” viele problematische Aussagen enthält: Es ist keine Strafe, denn das Verfahren ist eingestellt worden. Edathy ist zu nichts verurteilt worden. Juristisch unschuldig, moralisch ganz sicher nicht. Aber “Kinderschänder” ist eben generell ein weiter Begriff, der zum Zeitpunkt der Tat auch noch – zumindest juristisch – anders definiert wurde. Und dann bleibt vom Skandal vielleicht nur ein juristisches Problem…

“Kindeswohl” von Ian McEwan

Am Sonntag habe ich mir als Hörbuch das neue Buch von Ian McEwan gekauft. Ich möchte “Saturday” und “Abbitte” von ihm schon sehr und das Kernthema das neuen Buches war auch interessant: Wie damit umgehen, wenn ein Jugendlicher und seine Eltern eine lebensnotwendige Bluttransfusion aus religiösen Gründen ablehnen? Eine Richterin steht vor genau dem Problem. Dazu kommt dann noch ein Ehemann, der sie betrügt bzw. verlässt und weitere moralische Fragen zu siamesischen Zwillingen oder wir orthodox eine Bildung sein darf.

Das Buch machte soweit Spaß und war spannend, regte zum Nachdenken an, bis genau diese Fragen geklärt waren und im Prinzip nur noch das zwischenmenschliche im Raum stand. In den anderen Büchern nett, fand ich es jetzt nicht wirklich spannend, überraschend und nach den moralischen Fragestellungen, die zum nachdenken und mitentscheiden einluden doch auch etwas fade.

Auch im Rückschau der Zeit findet sich eine ähnliche Kritik:

Dieser Ehekonflikt allerdings bleibt vollkommen blass und unausgeführt; beinahe hat man den Eindruck, als hätte McEwan, wie in Fernsehserien üblich, geradezu pflichtschuldig auch noch einen Liebeskonflikt als Kontrapunkt zu dem philosophischen Diskurs an sein Buch herangestrickt.

Insgesamt bleibt das Buch aber für den ersten Teil eine gute Unterhaltung und macht Spaß zu … naja bei mir hören. Das lag sicher auch an der Sprecherin Eva Mattes, die Stimmung und Personen gut rüber gebracht hat.

Entweder als Buch oder Hörbuch kaufen.

Wie das Hans-Sachs Haus zu seinem Namen kam..

…hat das Institut für Stadtgeschichte in einem alten Dokument gefunden:

8bit Philosophy erklärt den Gesellschaftsvertrag

Über Nerdcore bin ich auf folgendes Video gestoßen, welches aus einer Reihe stammt, bei der im 8-bit Spieleformat Philosophie erklärt wird. Natürlich ist mein Beispiel politischer Natur und zeigt die philosophische Antwort darauf, wieso man eine Regierung braucht:

 

Kurz gesagt: Trotz verschiedener Ansichten darüber, wie der “Naturzustand” des menschlichen Zusammenlebens aussieht. Da gibt es zum einen die “Jeder gegen Jeden” Position und diejenige, dass der Mensch nicht prinzipiell negativ dem anderen gegenüber gestellt ist und viele Probleme nur aufgrund von Ungleichheit entstanden sind. Das folgende Zitat von Rousseau beschreibt das ganz gut:

Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen: dies ist mein und der Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Not und Elend und wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: ‚Hütet euch, auf diesen Betrüger zu hören; ihr seid verloren, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte allen gehören und die Erde niemandem.

Mehr will ich dazu jetzt nicht loswerden, die Zeiten der politischen Theorie liegen leider zu lange zurück und sie wurde nur selten so nett rübergebracht, wie in diesem Video. Guckt auch mal in die anderen Videos der Reihe :)

Playstation abgeschossen

Playstation abgeschossen

Wer wissen will, wie ein Krieg im Digitalen Zeitalter aussehen könnte, kann dieser Tage auf dieser Seite mal vorbei gucken. Zugegeben, ein Krieg wäre wohl was anderes, aber hier fliegen digitale Raketen über die Weltkarte, um durch ihre Menge eben Störungen in Netzwerken verursachen.

hackangriffe

Zwei Einschlagsorte tauchen immer wieder auf: Saint Louis und Seattle. Der Grund: Angriffe auf die Server von Microsoft zu Xbox Live und von Sony zum Playstation Network. Bereits vor einigen Wochen hieß es, dass die Hackergruppe “Lizard Squad” zu Weihnachten die beiden Netze lahmlegen wollte. Das Hackernetzwerk “Finest Squad” hatte daraufhin die Idenität einiger Personen offengelegt und behauptet, sie hätten den SpielerInnen damit Weihnachten gerettet.

Nun spätestens gestern konnte man sagen, dass das etwas zu früh gelobt war. Am Mittwoch konnten wohl noch Angriffe auf die Server abgewehrt werden, gestern kam dann der Absturz. Bis in die Morgenstunden gingen die Angriffe wohl, bis dann der nächste Weihnachten rettete:

Und das wohl auch nur begrenzt: Xbox Live schien im Laufe des Freitags wieder anzulaufen. Die Playstation hat ihr Netz aber noch immer nicht unter Kontrolle.

Irgendwie war mir ja vor dem Wechsel zur Playstation schon bekannt, dass die mit dem Netzwerk mal Probleme hatten, aber das hatte sich ja auch verbessert und ich bin ja eigentlich kein Spieler im Multiplayer. Und trotzdem ärgere ich mich über diesen Ausfall und über mich selbst. Der Grund ist relativ profan: Ich hatte mir exta für diese freien Tage Dragon Age Inquisition aufbewahrt. Wer es nicht kennt, dem reicht vielleicht die Zusammenfassung, dass das ein Spiel in einer Fantasywelt ist, welche sehr storygebunden ist und viele, viele Stunden geht. Von daher bieten sich so freie Tage eigentlich an. Und ich hätte es sogar spielen können, aber es gibt ein kleines Problem: Das Spiel baut – wenn man das möchte – auf den Vorgängern auf und übernimmt Entscheidungen und den Ausgang der früheren Spiele in die aktuelle Handlung. Dafür muss es aber diese Daten aus dem Internet vom Server herunterladen. Und da beginnt dann auch mein Problem: Ohne PSN keinen Zugriff auf diese Daten und kein Spiel in “meiner Welt”.

Ich könnte natürlich einfach in der generischen spielen, aber ganz ehrlich: Das Spiel spielt man nur einmal und es lebt von den Entscheidungen, da wartet man dann auf die 2-3 Minuten, die man dann online braucht. Und es ist auch nicht so, dass ich die letzten Tage dauerhaft vor der Playstation saß und versuchte mich anzumelden. Mein “Zocker-Urlaub” hatte da schon genug alternativen zu bieten wie Elite:Dangerous oder endlich Molten Core in WoW. So langsam möchte ich dann aber doch mal loslegen können und wie heißt es so schön: Morgen ist ja auch noch ein Tag. Und vielleicht hat Sony dann das Playstation Netzwerk auch wieder im Griff.

 

 

Pegida Teilnehmer nicht aus der Verantwortung entlassen

Seit einigen Tagen bestimmen die Pegida Demonstrationen und deren Ableger ja die Medien. Gestern gab es dazu einen passenden Kommentar in der SZ unter dem Titel: “Eine Absolution des Mitläufertums ist unangebracht“. Kern waren Aussagen, man müsse ja die TeilnehmerInnen der Demo von den Organisatoren unterscheiden und die Sorgen der TeilnehmerInnen ernst nehmen. Eine der Kernaussagen des Artikels ist folgende:

Denn es [das Differenzieren der TeilnehmerInnen] enthebt die Sympathisanten ohne Grund ihrer Verantwortung für die Mittel und Wege, mit denen sie ihre wie auch immer gearteten Besorgnisse öffentlich verbreiten.

In dem Artikel geht es noch um die Freiheiten in einer Demokratie, die angeblich nicht existieren würden. Zentral ist für mich aber, dass insbesondere die CSU gerne so tut, als sei es normal, dass tausende Menschen gegen eine Islamisierung auf die Straße gehen und damit Öl ins Feuer gießt. Was man jetzt braucht, sind Demokraten, die mal deutlich sagen, dass das was da passiert nicht akzeptabel ist.

Die Angst ist ganz einfach unbegründet – besonders in Sachsen. Man kann nicht etwas relativieren oder akzeptieren, was nicht wirklich existiert:

Und da kann man auch niemanden aus der Verantwortung entlassen. Wer sich an Rechtsextreme hängt und mit diesen demonstriert ist nicht ein armer Bürger, der sich verlaufen hat. Ich gehe davon aus, dass jemand, der an Demonstrationen teilnimmt soweit denken kann, dass man weiß, in welches Fahrwasser man sich begibt.

Leider verfällt die CSU in Deutschland zunehmend dem Drang lieber gegen die Menschen zu schießen, die sich nicht wehren können, anstatt sich vor diese zu stellen und für ein Miteinander zu arbeiten. Es gibt in Deutschland nur eine “Leitkultur” und das ist unser Grundgesetz. Alles andere ist in Bewegung, ob nun durch Kommerz, Digitalisierung oder Säkularisierung. Die Welt dreht sich eben weiter.

Weihnachts- und Wintermärkte 1

Vorhin bin ich über diesen Artikel über das “BamS”-Märchen vom Weihnachtsmarktverbot gestolpert. In dem wird mit dem Mythos aufgeräumt, dass irgendwelche Politiker in Berlin verboten hätten, dass ein Weihnachtsmarkt Weihnachtsmarkt heißt und stattdessen Wintermarkt heißt. Es handelt sich um eine freie Entscheidung der Marktbetreiber, die diese auf ihrer Homepage auch deutlich erklären.

In dem Zusammenhang ist mir eins aufgefallen: In Gelsenkirchen haben wir seit Jahren schon ein “Lichterfest” in der Innenstadt. Okay, zugegeben handelt es sich nur um eine Beleuchtung, aber ganz ehrlich: In meiner Erinnerung hing dieser Stern – der verdächtig nach einem Stern über Bethlehem aussieht – früher nur während des Weihnachtsmarktes.

Aber auch dieser hat doch mit dem angeblichen christlichem Abendland nicht mehr viel zu tun. Immerhin wird er hier auch vor dem Totensonntag bereits gestartet. Wie das den Kirchen gefällt ist bekannt.

Aber machen wir uns nichts vor: Den meisten dieser Menschen, die das Abendland “verteidigen”, geht es nicht um Weihnachten, das Christentum oder was auch immer “das Abendland” sein mag. Es geht gegen Ausländer. Da nimmt man dann gerne jeden Vorwand. Dass Umbenennungen einfach mit neuen Kunden, einem Protest gegen “Weihnachtsrummel” oder eben zur Förderung von Kommerz genutzt wird, passt da nicht so ins Konzept. Da sind die Ausländer, die uns die Kultur rauben viel einfacher.

Ginge es um christliche Werte, wären so Werte von Nächstenliebe bekannt und wie Maria und Josef sich in einem Land der “Patrioten” fühlen würden, kann man sich ja auch vorstellen: Die kamen doch auch nur nach Bethlehem um dort als Sozialschmarozer ein besseres Leben zu finden, oder?