Wie man Deanerys verstehen könnte…

Irgendwie entwickelt sich der Blogneustart auch vor allem durch Game of Thrones. Dieses mal ist der Titel nicht so subtil, aber sorry, geht nicht anders. Trotzdem: Wer noch nicht weiß, wieso man sie eventuell nicht verstehen könnte, sollte jetzt aufhören zu lesen 🙂

Ich werde auch nicht lange auf die Diskussion eingehen, ob das Verhalten der „Mutter der Drachen“ jetzt lange vorhersehbar war oder nicht. Diese Diskussion geht für mich nämlich stark am Thema vorbei: DASS Daenerys keine Grenzen kennt, wenn es um ihre Ziele geht, wusste man schon zu den Zeiten, als es noch gegen Sklavenhändler ging. Von daher gab es in der Tat keinen Grund anzunehmen, dass sie nicht auch zur MAD QUEEN werden könnte. Also ja: Alle Hinweise aus den Staffeln 1-7 sind völlig okay, aber darum geht es eigentlich nicht.

Meine Kritik basiert nicht darauf, dass sie plötzlich zur Mad Queen wird und damit Eigenschaften ihres Vaters übernimmt. Ich finde sogar gut, dass es zu dieser Entwicklung kam. Johns „Du bist meine Königin“ bzw. „Ich will den Thron nicht“ musste so ja auch mal aufgebrochen werden, damit man so nochmal etwas Konflikt hinein bekommt, denn nur davon lebt(e) diese Serie. Was mir nicht gefällt, ist die Geschwindigkeit oder der Mangel an Bereitschaft in der aktuellen Staffel wirkliche Charakterentwicklung vorzunehmen.

Daniel und ich haben einen Podcast dazu aufgenommen, der bald kommt (hier unser Rückblick auf Folgen 1-4) , aber – sozusagen ein Spoiler dazu – dort habe ich die Geschichte von Littlefinger in Erinnerung gerufen: Wie lange wurde sein Versuch dargestellt, die beiden Schwestern Arya und Sansa gegeneinander auszuspielen? Der Verrat von Varys in dieser Folge: Eine kleine Szene mit Küchenmädchen zu Beginn und dann in 10 Minuten abgefrühstückt.

Und genau das ist das Problem mit der achten Staffel. Sie nimmt sich keine Zeit mehr, sondern springt von Szene zu Szene und bringt Unlogik um Unlogik hinein. Wie viel hätte man aus diesem Verrat machen können? Was für ein schöner Konflikt wäre der Gegner im eigenen Lager, der für jemanden kämpft, der nicht König werden will? Wie viel mehr hätte man ihre geistige Situation, ihren Verlust an Kontakten darstellen können – ja sogar müssen, wenn man die Serie ernst nimmt! Alle Verluste waren Randszenen ohne große Nachbesprechungen.

Stattdessen bringt man plötzlich den Zusammenbruch im Moment des Sieges. Die Stadt kapituliert. Ihr Plan ist komplett aufgegangen. Sogar die in der letzten Folge als gefährliches Instrument aufgebauten Skorpione haben keine Wirkung gehabt. Sie wurden ja nicht mal benutzt oder auch nur in die richtige Richtung ausgerichtet:

Also Sieg auf ganzer Linie. Und anstatt sich dem Roten Bergfried und damit ihrer Hauptgegnerin zu widmen macht Daenerys das einzig logische und zerstört vorher noch die halbe Stadt, um im Moment des Sieges gleich die Angst in die Herzen ihrer Untertanen einzubrennen? Das soll ein ganz logischer Schachzug für die Frau sein, die ihrer Konkurrentin damit Zeit verschafft in Ruhe abzuhauen oder vielleicht doch noch ein Ass aus dem Ärmel zu holen? Sorry, aber nur begrenzt logisch.

Gut, Wahnsinn muss nicht logisch sein. Er ist vielleicht das Gegenteil davon. Aber es bleibt die Frage, wieso sie in diesem Moment dem Wahnsinn verfällt? Vorher scheint sie ja noch sehr beherrscht ihren Angriff zu fliegen und sitzt dann sehr entspannt und ruhig auf der Burgmauer und beobachtet die Situation.

Und damit komm ich zum Einstieg zurück. Ich habe zwar letztens gelesen, dass es bei Game of Thrones inzwischen so sei, dass es wie beim Fußball danach viele Menschen gäbe, die danach schreiben, wie besser sie alles gemacht hätten, aber ich bin überzeugt davon, dass man ihren Stimmungswechsel mit recht einfachen Dingen hätte nachvollziehbarer machen können. Eure Meinung gerne in den Kommentaren – und dann versuche ich mich mal als Drehbuchautor:

1. Deutlicheres Anspielen der kritischen Momente

Eine Option völlig ohne große Einbrüche wäre es gewesen, den Verfall im Laufe der Schlacht deutlich zu machen: „Serienheld“ auf YouTube vermutet beispielsweise, dass sie den Widerstand, den sie in Meeren erlebt hatte, sofort im Keim ersticken wollte, damit sich das nicht wiederholt. Mal ganz abgesehen davon, dass man an dem großen Spekulieren (!) über den Grund von Deanerys Handeln schon erkennt, was diese Serie verloren hat: Wieso bei einer wahnsinnig werdenden Frau nicht Erinnerungen einspielen oder Zivilisten in Königsmund kurz mit (eingebildeter) goldener Maske auftauchen lassen? Vielleicht die Kapitulation der Lannister-Truppen gegen John deutlicher gestalten oder eine Geste der Zivilbevölkerung ihm gegenüber, die sie bestärkt, dass sie ihren Thron eben nur durch den jetzt starken Gewalteinsatz bekommen kann.

2. Spannendere Schlacht

Seien wir ehrlich: Dieser Kampf um Königsmund war keiner. Es war eine One-Dragon-Show. Schon vor der Zerstörung der Stadt. Über die Unlogik dabei komme ich noch nicht weg, aber erst im Nachhinein ist mir deutlich geworden, wie glatt alles ging. Keine Überraschungen, eine golde Kompanie die am Ende überhaupt keine Rolle spielte und damit war Cersei eigentlich auch keine Bedrohung.

Das ist aber jetzt keine große Kritik, aber hat trotzdem Potential verschenkt. Eine Wendung in diesem Kampf hätte leicht erklären können, warum Daenerys zu einem überzogenen Mittel gegriffen hätte. Der Drachenangriff wäre damit vielleicht weniger verrückt, sondern eher so umstritten, wie der Einsatz der Atombombe im zweiten Weltkrieg (dazu bitte keine Diskussionen hier, ich empfehle Hardcore History – Logical Insanity).

3. Verrat oder Missverständnis

Etwas mehr gegen verrückt wäre es wahrscheinlich gegangen, wenn man mit der Loyalitätsfrage des Volkes gespielt hätte. Was, wenn nur einige Glocken geläutet hätten? Wenn das Glockenläuten vielleicht gar nur ein taktisches Manöver gewesen wäre, um die Angreifer in Sicherheit zu wiegen und dann in den Rücken zu fallen? Oder zumindest, wenn Daenerys dieses Gefühl bekommen hätte durch unklare Szenen in den Straßen?

4. Der tote Drache

Bei der Besprechung mit Daniel für den Podcast war mir noch eine andere Idee gekommen: Warum ist Rhaegal eigentlich in der letzten Folge abgeschossen worden? Klar, Baustein für die Verrücktheit der Mutter, etc. aber faktisch hatte es nicht viel bedeutet. Die Flotte hätte man auch ohne drachischen Begleitschutz fahren und versenken lassen können und mit einem Drachen mehr in diesen Kampf fliegen können. Dann hätte man sich zum einen nicht der Peinlichkeit der dieses mal völlig nutzlosen Skorpione preisgeben müssen, denn sie hätten eine Rolle spielen können und der Schock des getöteten Drachen in dieser Schlacht hätte genau der Punkt sein können, mit dem man das Durchdrehen von Daenerys herleiten könnte. Und in der letzten Folge hätte man noch etwas mehr Charakterspiel beispielsweise um den Verrat von Varys noch etwas aufbessern können.

Gleiches hätte man wahrscheinlich auch mit dem Tod des letzten wirklich Verbündeten Grauer Wurm hinbekommen, aber der ist wahrscheinlich noch zu wichtig, als Verkörperung von Daenerys militärischer Macht im Vergleich zu Johns Nordmännern.

Fazit

Ja, sicher nicht perfekte Ideen, man kann aus allem mehr machen, aber ich zumindest hätte bei einer besseren Umsetzung nicht das Gefühl gehabt, man will das nur noch schnell hinter sich bringen. Ich kenne das auch von langen Rollenspielabenden, wo man nur noch eine vermeindlich kleine Szene spielen müsste und die Zeit knapp wird, dann wird auch gekürzt und es wird vielleicht nicht ganz so rund, wie gewünscht. Es ist nur schade, wenn bei einer solch grandiosen Serie am Ende nur noch dieses Gefühl an die Fans weitergibt. Mehr zu inhaltlichen Kritik in den nächsten Stunden auch im System Matters Podcast. 

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