Halbzeit bei Game of Thrones

Gut, Grund für das Loslegen ist die neue und letzte Staffel Game of Thrones. Gerade nach der neusten Folge ging es bei facebook in vielen Kommentaren ziemlich rund, aber ich wollte nichts dazu schreiben, weil das bei facebook womöglich auch Leuten angezeigt wird, die nicht gespoilert werden wollen. Also beginne ich jetzt endlich mit meinen Vorsatz für mehr Bloggen,  schreibe eine unnötig lange Einleitung geschrieben, damit nicht zu Beginn irgendwas auftaucht und werde jetzt im Folgenden meine Meinung zum ersten Teil der letzten achten Staffel von Game of Thrones loswerden.  (Das war eine Spoilerwarnung!) 🙂

So und um dann direkt loszulegen mein Fazit:  Die Folge rund um die Schlacht von Winterfall war für mich enttäuschend. 

Aber fangen wir vorher an: Ich finde die zweite Folge der achten Staffel großartig. Sie hat mich an meine Zeiten der Sieben Gezeichneten Kampagne bei DSA erinnert und hat die Geschichte zusammen geschnürt. Es wurde das Gefühl des  Abends vor einer entscheidenden Schlacht perfekt erzeugt. Es wurden Charaktere nochmal zusammengebracht, die im Angesichts des sicheren Todes auf ihre Art und Weise das zusammen Erlebte rekapitulierten. Es wurden – vor allem denke ich an den Ritterschlag von Brienne – Dinge erledigt, die noch offen waren und wo es am Ende auch egal war, ob sie „legal“ sind oder nicht. „Wir werden sterben“ war das Motto, das sich durch die ganze zweite Folge zog zusammen mit dem Ausblick auf die Entscheidungsschlacht. Ich hatte fast das Gefühl, dass man nach Folge 3 eigentlich die Serie beenden könnte von der Bedeutung die aufgebaut wurde.

Die nächste Folge bot zwar viele Elemente der Entscheidungsschlacht, aber war für mich am Ende doch zu vorhersehbar und vor allem was die Emotion und den Tod von Charakteren mit wirklichen Auswirkungen doch etwas wenig zu bieten hatte. Einzig Aryas Schleichangriff am Ende kann man davon etwas ausnehmen.

Ich will auch nicht auf Logikfragen eingehen, also nach dem Sinn des Angriffes der Dothraki beispielsweise, denn sowas kann ich eigentlich gut wegstecken und fand die immer stärker verschwindenden Flammen sogar recht stimmungsvoll. Epische Schlachten müssen nicht logisch sein, sondern sollen Bedrohung anzeigen – und Emotionen wecken.

Darum will ich mich auch nicht mit Kleinigkeiten aufhalten, sondern direkt den wichtigsten Punkt ansprechen: Alle zentralen Charaktere haben diese Schlacht überlebt, obwohl sie oft an der Front gestanden haben und neben ihnen die weiteren Verteidiger fielen wie nichts. Ja, es ist seltsam eine Folge schlecht zu finden, weil zuwenig Charaktere sterben, aber wir sind 3 Folgen vor dem Ende einer Serie, die genau durch solche Überraschungen doch erst seine Würze bekam.

Schon die letzte Staffel hatte keine wirklichen Überraschungen mehr, vieles war vorhersehbar. Das war da aber vielleicht auch nötig, um Handlungsstränge zu verbinden und den Abschluss der Serie vorzubereiten. Aber hier hatten wir die wichtigste Schlacht der Menschheit, wenn man es mal so zusammenfassen will. In den letzten Folgen wurde massiv darauf hingearbeitet und mit „Wir werden alle sterben“ die Frage wer es am Ende schafft aufgeworfen.

Und ja, es sind wichtige Charaktere der Serie gestorben: Theon oder Jorah Mormont mal herausgegriffen, aber wenn man ehrlich ist, sind doch die Geschichten von allen toten Charakteren erzählt gewesen. Welche Bedeutung hatten sie noch für die zukünftige Geschichte? Jorah Mormont war schon längst durch Tyrion ersetzt und nur ein Beiwerk gewesen; Theon hat seine Ehre wieder hergestellt; Dondarrion hat seine Aufgabe jetzt erfüllt, aber war ja auch nicht wirklich zentral; ohne Nachtwache spielt auch Eddison Tollett keine Rolle mehr. Auch Lyanna Mormont war keine zentrale Figur, trotzdem war ihr Tod vielleicht vorhersehbar, aber steht für eine andere Art des Heldenmuts als den den man sonst präsentiert bekam – und sie tötete damit den Riesen. Auch Melisandres Ableben am Ende war stimmungsvoll und passend, aber zeigt ja auch, dass ihre Aufgabe erfüllt war.

Was hätte dagegen ein Tod von einer der Hauptpersonen bedeutet? Was hätte ein Tod von Brienne mit Jamie und dem Verrat seiner Schwester gemacht? Was wenn Denerys nach einem heldenhaften Opfer in der Krypta ohne Tyrion hätte auskommen müssen? Wie hätte der Norden darauf reagiert, wenn Sansa gestorben wäre? Oder wenn ein toter Sam keinen Beweis mehr für Johns Herkunft bieten kann? Ich meine, man kann sich viele wahrscheinlich bessere Fragen ausdenken – Artikel dazu finden sich nach Folge 2 genug im Netz – und ein Drehbuch der früheren Staffeln von Game of Thrones hätte da sicher auch eine spannende Verwicklung in die Serie gebracht.

Aber noch etwas ist mir völlig unverständlich: Man hat dort schon das Element der wiederbelebten Toten – wieso nutzt man es nicht? Sam, der im Kampf ja eher verängstigt agierte, konfrontiert mit einem wiederbelebten Tollett? Jorah, der am Ende seiner Kräfte Denerys von einer Untoten befreien muss, um dann festzustellen, dass es das Oberhaupt seines Hauses ist, das er vor der Schlacht noch in die Krypta schicken wollte? Dieser Effekt verpuffte in dieser Folge doch völlig – eins der Hauptschrecken eines Herrschers über die Untoten.

Diese Mängel sorgen dafür, dass die 3. Folge der letzten Staffel von Game of Thrones eine imposante und in Einzelszenen dramatisch und gut inszenierte Schlacht ist, die sich aber für mich zu wenig von „normaler Fantasy“ abgrenzt und zu wenig „Game of Thrones“-WTF-Momente erzeugte, die wirklich hängen blieben. Ich weiß noch, wie ich bei der Roten Hochzeit das Buch zur Seite legen musste, weil das ein so krasser Moment war. Wie das Seriengucker empfanden, müssen diese beschreiben, aber solche Szenen finden sich immer wieder in dieser Reihe. Aber jetzt wo man die Zuschauer durch 4 wirklich aufreibende Folgen zum Abschluss bringen kann, verkommt die größte und bedeutendste Schlacht zu einer vorhersehbaren Episode bis man sich Cercei stellt.

Ich bin gespannt, was kommt, aber momentan tendiere ich fast dazu, dass ich es spannender gefunden hätte, wenn der Nachtkönig gewonnen hätte. Überraschender in jedem Fall. Die einzige neue Frage aus dieser Folge ist, wie sich die Tat von Arya auswirkt und ob sie damit alte Prophezeihungen erfüllt. Der Konflikt zwischen John und seiner Tante Dany wird interessant werden und natürlich die Konfrontation mit Cersei, aber das beides war vorher schon absehbar und hätte vielleicht noch angespitzt werden können. Dagegen haben wir eine globale Bedrohung verloren. Und ja, mir ist bewusst, dass man keine großen neuen Plots aufmachen kann, wenn man nur noch drei Folgen hat, aber wenn die einzige Überraschung dieser großartigen Serie ist, wer am Ende auf einem Thron sitzt, dann ist dass doch etwas zuwenig „Game of Thrones“. Aber vielleicht sehe ich das in einer Woche auch alles schon ganz anders, weil ich was übersehen habe oder dann so überrascht werde 😉

Nun interessieren mich aber eure Meinungen 🙂

1 Kommentar

  1. Du beschreibst, meine Gefühle und Gedanken beim schauen dieser Episode ganz zutreffend. Sitzt du in meinem Kopf? Spaß beiseite… Auch ich dachte immer wieder während der Schlacht, dass es eigentlich sehr gut wäre, wenn der Nachtkönig sie gewänne und Cercei sich diesem ich stellen müsste. Aber gut, dass wäre ja auch für sie eine verlorene Schlacht gewesen, von daher bleibt der Ausgang so wohl noch spannend.
    Auch ich hatte ein sehr gutes Gefühl nach der Zeiten Episode, die mich perfekt in eine Endzeitstimmung versetzte. Es wäre für mich absolut logisch und vertretbar gewesen, wenn mehr tragende Figuren nicht überlebt hätten.
    Das Ende der Schlacht überraschte mich dann doch ein wenig. Mit Arya hatte ich nun gerade nicht gerechnet.

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