ArchivNovember 2016

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Über die angebliche Unwahrheit der Umfragen in der US-Wahl
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Warmup zur Wahlnacht

Über die angebliche Unwahrheit der Umfragen in der US-Wahl

Es ist eine Woche her, dass es zum überraschenden Sieg von Donald Trump über Hillary Clinton kam. Wobei für mich weniger überraschend ist, dass es so gekommen ist, als viel mehr, dass die Amerikaner es soweit haben kommen lassen. Trotzdem wird immer eher so getan, als ob die Umfragen katastrophal falsch lagen.

Zum einen: Lagen sie nicht. Ich habe am Abend vorher ja noch die Daten angeguckt und folgendes Ergebnis gesehen:

uswahlen-knapp

Die Karte zeigte die Staatenverteilung anhand der Umfragen – darunter auch die Staaten, die eigentlich umstritten waren. Dabei wurden einfach die letzten auch knappen Umfragen genutzt.

Natürlich zeigte auch dies einen Sieg von Clinton, aber jedem musste klar sein, dass es knapp wird. Ein Staat der kippt und schon ist alles gegessen.

Umso überraschender dann am Abend, als ich in der ARD (oder ZDF?) im Vorbericht von 268 Stimmen von Clinton ausging. Sie müsse nur einen der umstrittenen Staaten gewinnen und alles sei geritzt. Schon eine unverständliche Position, aber wenn man einige Staaten eben sicher für Clinton zuweist, die umstritten sind, dann ist der Sieg von Clinton eben in greifbarer Nähe.

Zweitens: Wahrscheinlich ist nicht sicher. Hierzu gibt es eine interessante Analyse von Stefan Niggemeyer bei Übermedien. Selbst wenn die New York Times von 80% Chance ausgeht, bleiben 20% Unsicherheit.

Und dann beginnt die spannende Frage, wie wir im Kopf mit Prozentzahlen umgehen? Was bedeuten 30% Regenwahrscheinlichkeit, 80% Sicherheit für den Ausgang im Wahlkampf oder sogar 83% Überlebenschance beim Russisch Roulette für einen?

Jedenfalls ein interessanter Artikel, der sich zu lesen lohnt.

Und trotz allem bleibt ein alter Spruch: Demokratie ist eben keine Demoskopie.

Warmup zur Wahlnacht

Irgendwie ist es schon skurril: Gerade ein Blogpost zur Wahl in den USA unterbricht (hoffentlich beendet) meine Blogpause. 2008 bei der ersten Wahl von Obama war dies ein Schwerpunkt meines Blogs, ich habe Nächte mit den Vorwahlen verbracht … naja, und war Student, was das alles etwas leichter machte. Zum Glück kann ich Mittwochs momentan aber auch immer erst später anfangen, so dass ich auch diese Wahl live beobachten kann.

Die Umfragen deuten ja einen kleinen Vorsprung von Clinton an, aber irgendwie weiß ich nicht, wie man diesen trauen kann. Spätestens seit dem Brexit weiß man ja, dass immer etwas unberechenbares in Wahlen und Abstimmungen stecken kann.

Inhaltlich ist meine Begeisterung auch etwas anders als 2008. Ich will jetzt nicht in die Diskussionen einsteigen, wie Obama in den letzten Jahren gewirkt hat und ob er eine “lame duck” war oder ganz schlimm oder was auch immer, aber 2008 hatte er schon auch bei meine eine kleine Begeisterung hervorgerufen. Die empfinde ich heute bei den Wahlen nicht. Vielleicht wäre es mit Bernie Sanders anders gewesen, aber so ist es trotz der Vorfreude auf eine Frau an der Spitze der USA und natürlich der weitaus näheren Politik am Ende doch eher die Angst vor Trump die die Nacht dominieren wird. Zumindest noch.

Womit wir nach der politischen Einleitung beim organisatorischen Warmup wären. Aktuell sieht es nach Umfragen so aus:

Umfragen vor der Wahl - Quelle: www.realclearpolitics.com

Umfragen vor der Wahl – Quelle: www.realclearpolitics.com

Interessanter Nebenaspekt: Gestern war das Verhältnis noch etwas klarer Pro Clinton. Zumindest erinnere ich mich an 210 Stimmen auf ihrer Seite. 270 sind für den Sieg benötigt. Man sieht, dass gerade an der Ostküste noch einige Staaten in Grau und damit umkämpft sind. Darunter auch die klassischen “Battleground-States” wie Ohio oder Florida.

Dank einer Übersicht des Krautreporters Christian Fahrenbach (facebook Post)habe ich dies nach Zeiten sortiert und die spannenden Staaten aufgeführt. In Klammern die Angaben, wann 2012 ein Sieger bekannt gegeben wurde. Die Tendenzen dahinter basieren auf Angaben von RealClearPolitics. Bei weniger als 2% Vorsprung für einen Kandidaten “too close”, ansonsten die Tendenz (!) mitgegeben. Keine Prognose oder soetwas. Die sind nicht umsonst grau und umkämpft 😀

01:00 Uhr MEZ

  • Georgia (1,5 Stunden): Neigt zu Trump
  • Virginia(4,5 Stunden): Neigt zu Clinton
  • Ansonsten viele Trump Staaten (Ausnahme Vermont)

01:30 MEZ

  • North Carolina (3,5 Stunden) und Ohio (4 Stunden) – beide unklar. Ohio eher Trump, aber sehr vage.
  • West Virginia dürfte an Trump gehen

02:00 MEZ

  • Florida (ewig): too close
  • Pennsylvania (2 Stunden): Leicht Clinton
  • New Hampshire (2 Stunden): too close
  • Maine (sofort): Leicht Clinton
  • Viele weitere Staaten

02:30 MEZ

  • Arkansas: Sicher Trump

03:00 MEZ

  • Insgesamt 15 Staaten, darunter 4 Battlegrounds:
  • Arizona (1,5 Stunden): Eher Trump
  • Colorado (3 Stunden): Eher Clinton
  • Michigan (5 Minuten): Eher Clinton
  • New Mexico (2 Stunden): Eher Trump

04:00 MEZ

  • Iowa (1,5 Stunden): Eher Trump
  • Navada (2 Stunden): too close
  • Ansonsten mit Utah und Montana Trump Staaten

05:00 MEZ

  • Stunde der Demokraten. In einem anderen Blog wurde geschrieben: “Sollte Hillary Clinton vor 5 Uhr morgens zumindest 192 Wahlmänner zugesprochen bekommen haben, ist ihr der Sieg nicht mehr zu nehmen. Die ausstehenden 78 Stimmen kommen nämlich noch sicher um 5.”
  • California, Hawaii, Washington (wurden sofort so gewertet), Oregon (30 Minuten)
  • Nur Idaho gilt als Republikanisch

07:00 MEZ

  • Alaska als letzter Staat, aber klar republikanisch.

 

Kleiner Nachtrag: Ich habe nach dem Erstellen des Artikels mal mit der Karte herumgespielt und dann kommt man auf folgendes Ergebnis, wenn man alle unklaren Staaten anhand der aktuellen Tendenzen darstellen lässt:

uswahlen-knapp

Wir sehen also: 6 Stimmen Unterschied. Wird ne spannende Kiste. 2000 bei Bush war es 271 zu 267.