Tennis und die Nibelungen

Gleich zweimal tauchten gestern die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in den letzten Stunden auf meinem Nachrichtenradar auf. Den Anfang machte Freitag Abend ein sehr verärgertes Facebook Posting einer sehr guten Freundin, in der sie sich über den SWR beklagte:

Ich werde einen bitterbösen Brief an den SWR schreiben – geht gar nicht, wie die die Übertragung der Nibelungenfestspiele aufziehen. Bin echt stinkig. Der Zdf-Theaterkanal konnte das besser – aber der hat auch nicht Kim Fischer hingestellt und diesen komischen Typen, der spricht, als sei er der Witzeazubi von Oliver Pocher.

Ich war in Berlin und hab einfach mal kurz bei Twitter reingeguckt und schon gelesen, dass während des Bühnenstückes Backstage geschaltet wurde für Interviews. Fand ich für eine Übertragung eines solchen Events schon sehr befremdlich. Nachdem ich mitbekommen hatte, dass das noch läuft, habe ich dann auch zweimal gesehen, wie das ablief.

Bei der offenbar etwas moderneren und womöglich auch mit dem Weltkrieg und Nationalsozialismus verbunden Inszenierung gingen beispielsweise Luftschutzsirenen an. Und anstatt zu zeigen, was auf dann der Bühne passierte, schaltete man nach hinten zu einer „Waffenkammer“ also den Requisiten für eine kurze Erklärung und einige Fragen an den Mitarbeiter dort.

Fassungslos war ich aber als später Siegfried stirbt, wird zur Moderatorin Kim Fischer geschaltet, die einem dann in der Kamera an eine Szene vor 2 Stunden erinnert. Offenbar war das Stück als Rückblende inszeniert und man hatte nun den Punkt erreicht, wo man wieder im „jetzt“ ist. Bezeichnender war dann aber der Hinweis von ihr, dass dies nun die spannende Stelle im Stück sei. Schön, dass zu hören, anstatt sie zu sehen.

Um ehrlich zu sein: Ich kann das Stück nicht einordnen – selbst dann nicht, wenn ich es von Beginn an gesehen hätte. Von daher nichts zur eigentlichen Inszenierung und gerne Korrekturen meines Eindrucks zur Inszenierung aus einem vorherigen Absatz in den Kommentaren. Aber ich kann nachempfinden, wie Menschen, die sich bewusst für dieses Programm entscheiden, enttäuscht sind. Kommentatoren sind schon bei Fußballspielen Grund für Diskussionen und Petitionen, aber da sieht man zumindest die Live-Übertragung und nicht die Kommentatorenkabine, während unten ein Elfmeter geschossen wird. Von daher hat es mich gerade für interessierte Leute wirklich geärgert.

Ich hatte das auch auf Twitter verfolgt, darum konnte ich einen Tweet vom SWR danach nicht nachvollziehen:

Für die positiven Tweets muss man glaube ich ganz schön suchen. Eine Alternative gab es wohl in der Tat auf der Homepage als zweiter Stream (etwas versteckt).

Aber mit der einfachen Aussage, dass es ja einen anderen Stream gab, ist es m.E. nicht getan und ich hoffe, die Verantwortlichen ziehen ihre Schlüsse daraus. Die Überlegung die Nibelungenfestspiele vielleicht einem breiteren Zuschauerkreis zugänglich zu machen, finde ich ja nachvollziehbar und ganz gut. Aber dies kann m.E. nicht auf Kosten derer geschehen, die sich eben damit auskennen und für die dieses Ereignis etwas besonderes ist. Wie wäre es beispielsweise mit einer Vorberichterstattung mit Bildern hinter der Bühne, Interviews und einer kurzen Zusammenfassung, soweit hilfreich. Oder kann man die Kommentare der Moderatoren nicht einfach mit kurzen Einblendungen rüberbringen. Also als Text (von mir aus auch Videotext), anstatt einem aus dem Stück wieder in die Realität zu ziehen?

Und dann bitte einen anderen Moderator. Ich habe ihn währenddessen ja nur kurz gesehen, aber zufällig später noch seine „Comedy“ Sendung, die vor Sexismus und auch Rassismus nur so strotzte. Beispiele: Angebliche Körperdurchsuchung bei ner schönen Frau als Teil der Einlasskontrolle (nur verbal) und später „Inder- statt Kinderschminken“ bei dem Kindern – in einem schlechtem Deutsch war es glaube ich – Hitlerbärte gemalt wurden. Über Humor kann man sich ja streiten, aber irgendwo ist es dann nicht mehr lustig. Und wenn ich mir solch einen Blödsinn – soll es wohl gegeben haben – bei einer eher niveauvolleren Veranstaltung wie dem Nibelungenfestspielen vorstellt, kollidieren zwei Welten aufeinander.

Lieber SWR. Bildungsauftrag geht ganz einfach anders und auch sensibler für Interessierte an den Festspielen, die man nicht ins Internet abschieben sollte, sondern bei einer solchen Veranstaltung immer noch die Hauptzielgruppe sind.

Wimbledon nicht in der ARD

So, gestern war dann Tennis an der Reihe und offenbar war das Wimbledon Finale mit der deutschen Sabine Lisicki nicht im öffentlich-rechtlichen zu sehen. Hier habe ich bei Twitter auch vereinzelt Kritik gelesen. Wie Viel man für Fußball ausgebe und dass es ja noch anderen Sport gäbe.

Stimmt, zum Beispiel das Finalspiel im Rollstuhlbasketball. Aber beim Tennis hatte Sky sich die Rechte gesichert, als von einem deutschen Star dabei offenbar noch nichts zu sehen war. Bei Spiegel Online hatte ich was von 700.000 Euro für das ganze Turnier gelesen.

Die ARD hat zwar versucht, auch an die Rechte zu kommen, aber Sky hat da auch nichts zu verschenken und wohl eine gepfefferte Summe gefordert. (gleicher Artikel spricht vom 1,5 Mio. € für dieses eine Spiel)

Hätte die ARD das Zahlen sollen? Ist Sky nun ein Spielverderber. Beides nicht. Das Geschäftsmodell von Sky ist nunmal Exklusivität und die ARD sollte auch nicht Geld zum Fenster rauswerfen.

Man wird sicher überlegen, ob man sich an neuen Ausschreibungen für Wimbledon beteiligen wird bei den öffentlich rechtlichen, aber machen wir uns nichts vor: Die Zeiten wo ständig Tennis über die Flimmerkiste lief sind vorbei. Ob Sabine Lisicki das dauerhaft ändern kann? Und dann zahlt die ARD (oder ZDF) am Ende viel Geld dafür, dass niemand Tennis guckt – und man sich vielleicht über diese oder jene Fehlfinanzierung ärgert.

Ärgerlich ist es natürlich dennoch, aber es ist eben auch überraschend und kam ja auch etwas aus dem Nichts. Da einen Vorwurf draus zu machen, dass die öffentlich-rechtlichen nur (über zuviel könnte man generell ja mal reden) Fußball bringen, ist dann doch überzogen.

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