ArchivJuni 2013

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Angespielt: Eufloria
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Microsoft rundert zurück: Kein Online-Zwang und kein DRM bei der Xbox One
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Solidarität mit den Demonstranten in der Türkei
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“Wenn es keinen Handy-Empfang gibt, würde ich mir auch kein Handy kaufen.”
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Playstation Update
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Sony besiegt Microsoft
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“Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern…”

Angespielt: Eufloria

Nachdem ich letztens einen Blick auf meine Steam-Bibliothek geworfen habe, tauchten ganz unten so viele Spiele auf, die ich nie angeguckt hatte – sie waren Teil von Bundles oder ein kurzweilig interessantes Angebot. Um diese mal genauer anzugucken gibt es jetzt “60 Minuten mit…” “Angespielt” bei denen ich mir diese Spiele mindestens 60 Minuten mal angucke und dann eine kurze – und natürlich unvollständige – Meinung dazu schreibe, aber nach 60 Minuten sollte man zumindest einen kurzen Eindruck bekommen.

Teil 1 ist nun Eufloria. Dies ist ein etwas anderes Strategiespiel, denn man spielt Pflanzen, die sich durch den Weltraum verbreiten:

Eufloria

Eufloria: Hier ein Bild der Spieler-Kolonie in Blau – daneben der rote Gegner

Über Setzlinge (hier die kleinen blauen Pünktchen) verbreitet man sich auf andere Planeten und errichtet dort Bäume, die entweder neue Setzlinge produzieren oder den Planeten schützen. Die Planeten haben dabei sehr übersichtliche Eigenschaften, die sich auf die Setzlinge dort übertragen:

Eufloria - Statistiken

Eufloria – Statistiken

Hier ist die Statistik von einem umkämpften Planeten, sonst tauchen dort eben die Baumbau-Buttons aus. Ganz habe ich die drei Fähigkeiten noch nicht raus. Schnelligkeit zum Beispiel lässt die Setzlinge wirklich schneller über die Karte bewegen und so beispielsweise eben diesen Schutzbäumen ausweichen. Starke Setzlinge haben gegen diese bessere Chancen und Energie lässt sie länger durchstehen.

Man sieht, es geht irgendwann auch in einer per Text präsentierten Geschichte darum, diese unbekannten anderen Setzlinge zu besiegen, um “den Farmer” zu unterstützen. Dieser stategische Aspekt von Eufloria kam erst am Ende der Stunde auf, als man das Tutorial hinter sich gelassen hat. Dann bekommt man es wirklich mit Kämpfen zu tun, muss die richtigen Planeten entscheiden, um auch vernünftige Setzlinge erhalten.

Eufloria Kampf

Eufloria Kampf

Fazit nach 60 Minuten: Nette Idee, ich muss es mir aber noch länger angucken. Etwas langatmig ist das Warten auf die Setzlinge, bis man mal ein paar zusammen hat. Dazu eine eher ruhigere Musik gibt dem Ganzen einen fast meditativen Charakter. Dennoch verbirgt sich dahinter glaube ich noch viel mehr Strategie und Tiefgang, als ich es bisher erleben konnte in den ersten 60 Minuten. Ich denke da kommen noch ein paar dazu 🙂

Microsoft rundert zurück: Kein Online-Zwang und kein DRM bei der Xbox One

Irgendwie hatte man es erwartet: Nach dem Triumph der Playstation 4 bei der E3 rudert Microsoft zurück: Auch bei der Xbox wird es keinen Online-Zwang geben und man wird auch weiterhin Spiele verleihen, gebraucht ver- oder einkaufen können und Importtitel benutzen können. Dies wurde jedenfalls offiziell bekannt gegeben.

Wegfallen dafür wird wohl das Family-Sharing, nachdem Spiele mit bis zu 10 “Familienangehörigen” geteilt werden konnten – und sogar zeitgleich gespielt werden könnte. Selbst DLCs wären wahrscheinlich geteilt worden. Ich selber war erst vor wenigen Tagen darauf gestoßen und hatte mich bei Twitter schon gefragt:

Für den geplanten Artikel hier im Blog reichte die Zeit nicht, aber auch dieses auf den ersten Blick verlockende Angebot hatte einen Haken: Spielehersteller können die Funktion ausschalten, was beim Tausch der Disk nicht mal eben geht.

Hinzu kommt, dass man dieses Konzept nicht hinreichend präsentiert hat. Nach der Kritik wäre es ein leichtes gewesen, dieses Feature bei der E3 in den Mittelpunkt zu stellen. Ganz nach dem Motto: “Ja, bei uns wird es ein DRM geben, aber ihr könnt eure Spiele dennoch mit euren “Familienmitgliedern” teilen. Und zwar nicht nur das Spiel, sondern auch alle DLCs, die ihr euch dafür gekauft habt. Und das gemeinsame Spielvergnügen kann dann auch zeitgleich erfolgen.” Wie gesagt, die Infos zu Family-Share waren nur spärlich bei einer kurzen Recherche in der letzten Woche, aber gerade damit hätte Microsoft punkten können.

Und vielleicht sogar offensiv werben können. Was wäre mit einem reinen Online-Store, wie man ihn von Steam beim PC kennt. Gut, beim PC war wegen des Kopierschutzproblems ein Gebrauchtmarkt nie so existent, aber Steam läuft und funktioniert auch wegen günstiger Sales und ähnlichem. Ein Xbox – Konzept mit der Möglichkeit Spiele am Veröffentlichungstag eben nur digital zu kaufen, per Family-Share zuteilen und das auch noch günstiger als die CD Fassungen (und wenn es nur 10 Euro wären), hätte vielleicht die Präsentation bei der E3 anders ausehen lassen.

T3N hat aber noch andere weiterhin kritische Punkte aufgelistet:

Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass die Kombination aus Kamera, Bewegungs- und Sprachsteuerung weiterhin dauerhaft angeschlossen sein muss. Darüber hinaus ist nicht bekannt, ob der Konzern auch für unabhängige Entwickler (Indies) nachbessert. Nach dem derzeitigen Stand können diese ihre Spiele nämlich im Gegensatz zur PlayStation 4 nicht selbstständig publishen.

Darüber hinaus liegt die Xbox noch immer 100 Euro hinter dem Konkurrenten und hat nun was die Features angeht eher nur nachgezogen, ob dies ausreicht, ist noch eine andere Frage.

Um das Rennen zu gewinnen, muss Microsoft nicht nur aufholen – wie mit dieser Erklärung vielleicht geschehen – sondern überholen. Viele Leute haben sich – auch aufgrund des PR Debakels – wahrscheinlich innerlich schon der Konkurrenz von Sony zugewandt. Diese zurück zu gewinnen wird schwer. Mein oben stehendes Gedankenspiel würde meines Erachtens noch immer funktionieren, ebenso wie generell die Preisschraube bei Spielen oder wirkliche Angebote an Features.

So wird es noch ein langer, schwerer aber auch spannender Weg bis die neuen Konsolen Ende des Jahres auf den Markt kommen…

Solidarität mit den Demonstranten in der Türkei

Man könnte die aktuelle Situation in der Türkei leicht mit der in Stuttgart vor gut 1,5 Jahren vergleichen, als die Demonstrationen dort gewaltsam niedergeschlagen werden sollten. Bei beiden Protesten ging es um den Schutz eines Parkes vor einem Bauprojekt.  Aber eben nur fast, denn in der Türkei war nur der Anlass gleich, irgendwann ging es um viel mehr. Die autoritäre Reaktion auf die ersten Proteste feuerte den Widerstand erst weiter an und gestern nun die bisher letzte und brutalste Eskalation, die das Land zerreißt. Auch wenn Mappus sicherlich auch in die Kritik gekommen ist, eine solche grundsätze Kritik wie Erdogan gab es bei ihm nicht. Und anders als in Stuttgart scheint nach der einen Eskalation nun nicht wirklich Ruhe einzukommen.

Ich will jetzt nicht die Geschichte des Protest oder die aktuelle Situation zusehr eingehen, dafür verweise ich auf die aktuelle Medienberichterstattung. Das ändert sich ja auch ständig. Aber wenn man einen Punkt herausholen will, dann zitiere ich mal folgenden Tweet:

Ärzte, die verhaftet werden, weil sie Verletzungen versorgen? Das ist nicht nur eine Info aus diesem Tweet, auch Berichterstattungen von ZDF und ARD dokumentieren entsprechendes Vorgehen gegen Ärzte und Lazarette. Nur als Anmerkung: Im Völkerrecht und selbst im Krieg sind Ärzte bewusst geschützt. Ob man sich dran hält ist dann noch eine andere Frage, aber das wären Kriegsverbrechen in Konflikten zwischen Staaten. Hier wird das Mittel genutzt im Umgang mit den eigenen Bürgern.

Aber wie weit es darum steht, mag dieses Zitat aus der Rede von Erdogan heute zeigen:

In den Kommentaren wurde angemerkt, dass es auch “alle die Schaden anrichten” heißen könnte, aber offenbar ist Erdogan ja bei seinen Aussagen sehr freizügig.

Auch sehr merkwürdig – aber vielleicht eine andere politische Kultur? – ist ja generell sein Aufritt: Das Land gerät ins Chaos, Menschen werden verletzt, die Welt blickt auf Istanbul und was macht der Regierungschef: Eine große organisierte Veranstaltung zum Personenkult.

Ich werde die Situation in der Türkei jedenfalls im Auge behalten. 1009313_10201383803219977_1848234838_o

“Wenn es keinen Handy-Empfang gibt, würde ich mir auch kein Handy kaufen.”

Microsoft läuft von einem PR-Debakel ins nächste. Nachdem Sony bei der E3 schon geschickt den Konkurrenten ausgestochen haben, stellt sich der Hersteller der Xbox nun selbst ein Bein. Der Vize-Präsident der Microsoft-Studios meinte zum Online-Zwang: “Wenn ich zum Beispiel in einem Gebiet leben würde, in dem es keinen Handy-Empfang gibt, würde ich mir auch kein Handy kaufen.”. Auch Microsofts Unterhaltungs-Chef Don Mattrick leistete sich ein Meisterstück: “Zum Glück haben wir ja ein Produkt für alle, die keine Internetverbindung bekommen können: Es heißt Xbox 360.” Was für ein arrogantes Auftreten den möglichen Kunden gegenüber! Ich denke so wird Microsoft noch tierisch auf die Nase fallen. Zeigen werden es die Verkaufszahlen im November, wenn die Konsolen auf den Markt kommen.

Playstation Update

Hier noch ein kleines Video, mit dem Sony sich über die restriktiven Regelungen zum Verleih von Videospielen bei der Xbox lustig macht. Nicht direkt, aber man weiß, was gemeint ist. Gezeigt wird nämlich, wie man bei der PS4 ein Spiel verleiht:

Diesbezüglich gibt es auch schon – wenn auch wahrscheinlich weniger ernst gemeinte Verschwörungstheorien:

Nach offizieller Aussage war ein Verbot von Verleih oder Wiederverkauf aber von der Sony Geschäftsführung nie geplant gewesen, man habe nur eben nichts dazu gesagt. Und so habe es auch besonders viel Spaß gemacht, diese Position bei der Pressekonferenz so zu verkaufen. Der Preis im übrigen soll auch keine Reaktion auf die Xbox One sein.

Zum Abschluss noch der Hinweis, dass der Verkauf der Konsolen sich bei Amazon durchaus schon gedreht hat: Die PS4 führt die Verkaufsliste aktuell an, die Xbox ist dafür durchgereicht worden und nur noch vierter. Klare Zahlen gibt es dazu aber natürlich noch nicht.

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Sony besiegt Microsoft

In Los Angeles findet gerade die E3 statt – eine der größten Messen für Video- und Computerspiele. Spielehersteller präsentieren dann – wie bei der Gamescom in Deutschland – ihre neuen Projekte und heizen die Fans schon mal an.

Dieses Jahr war es aber etwas heißer, als sonst, denn Sony und Microsoft wollten neue Details zu ihren Spielekonsolen “Playstation 4” und “Xbox One” bekannt geben.

Microsoft hatte im Vorfeld ja schon einiges bekannt gegeben und die Xbox One nicht nur als Spielekonsole, sondern als Multimedia Center für das Wohnzimmer präsentiert. Sony hatte sich bei der Präsentation der Playstation im Frühjahr eher blamiert, als es außer einem Kontroller nicht viel zu sehen gab.

Heute Abend sollte sich das aber wenden. Die Präsentation von Microsoft fand ich zunächst sehr viel ansprechender und war auch stärker von “exklusiven Titeln” getragen, also solchen, die man auf der Playstation nicht bekommen wird. Bei Sony gab es dagegen mehr von Spielen zu sehen, aber oft nur mit sehr geringen exklusiven Anteilen. Bis dahin sah es für mich noch immer – ohne jetzt detailierte technische Vergleiche – nach einem Sieg für Microsoft aus. Vielleicht war da auch noch etwas mehr Neuheitsbonus drin, denn die Spielepräsentation dort lief schon am Vorabend deutscher Zeit.

Als Sony in der Nacht also nachlegte, fand ich es nicht wirklich spannend. Nur in den letzten Minuten hatte sich das Blatt deutlich gedreht. Auch meine Beobachtungen in einem zeitgleichen Chat bestätigten dies: Vorher war dort der Kleinkrieg zwischen Xbox-Fans und Playstation-Anhängern noch sehr aktiv, irgendwann ging es nur noch um die Kosten des Multiplayers bei der Playstation, denn die Xbox One hat meines Erachtens eine deutliche Breitseite abbekommen:

Kurz vor Ende ging es nach dem Spielen nämlich um die technischen Fragen der Playstation und da warb Sony sehr ausgiebig mit den Hauptkritikpunkten an der Xbox. Dort können Spiele nicht verliehen oder gebraucht gekauft werden (zumindest nicht ohne eine Gebühr zu bezahlen) und man muss sich mindestens einmal in 24 Stunden anmelden, sonst läuft das Gerät nicht. Beides hat Sony aufgegriffen und unter deutlichem Applaus der Zuschauer ausgiebig zurückgewiesen. Darunter ging dann unter, dass man zukünftig für das Spielen online auch bei der Playstation zahlen muss. Zumindest kann man dies aus der Aussage schließen, dass ohne Playstation Network Plus noch Singleplayer und Mediathek möglich sei.

Minuten später dann der vernichtende Schlag: Nur 399 Euro wird die neue Konsole kosten. Microsoft hatte am Nachmittag noch 499 Euro als Preis für die Xbox genannt.

Preislich günstiger (selbst mit Onlinegebühren), mehr Rechte und Möglichkeiten bei gekauften Spielen, keine Onlinepflicht und offenbar auch noch leichte Technikvorteile. Wie Microsoft das wieder gut machen will, darf abzuwarten sein. Ich habe jedenfalls trotz gewisser Antipathie gegen die Playstation doch erwogen den Generationenwechsel dann auch mit einem Systemwechsel zu verbinden, denn ein Mediencenter für zuhause brauche ich glaube ich nicht wirklich.

Und Kinect, was man als Begründung für den höheren Preis heranziehen könnte und sicherlich besser ist als das Playstation Pendant? Kein wirkliches Argument. Die Spiele dafür sind für mich eher unspannend und generell ist die Ernüchterung über diese Technologie zumindest für etwas ernsthaftere Spieler wohl eher gering.

Es bleibt abzuwarten, wie dieser Wettstreit weitergeht. Eine Social-Media Analyse hatte jedenfalls direkt nach der Präsentation der Playstation 4 deutliche Verschiebungen gesehen.

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Interessanter als ein solcher Index – wie auch immer er erstellt wird – dürften wohl

die Vorbestellungen sein. Momentan liegt die Xbox One bei Amazon auf Platz 3 vor der Playstation 4 auf Platz 4. Ob sich das ändert, wird man wohl erst in den nächsten Tagen feststellen, wenn die Ergebnisse dieser Präsentationen ihre Verbreitung erreichen. 

 

“Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern…”

Man hat ja schon viel über das Sterben der Zeitungen geschrieben und gesprochen. Ich weiß nicht, wie alt obenstehendes Zitat ist, aber eigentlich ist heutzutage ja oft schon die Zeitung von heute veraltet, wenn man sie bekommt. Vieles hatte man im Internet oder Fernsehen schon weiter nach verfolgen können. Für einige ist Zeitungslesen dann noch ein morgendliches Ritual, andere – wie ich – schätzen gute Reportagen, Kommentare und eben, dass man außerhalb seiner Filter-Bubble noch anderes mitbekommt. Dennoch: Die Zeitung steht im Wettstreit mit anderen Medien.

Umso unverständlicher, dass die WAZ nun auf einen Teil der Leser verzichten mag:

“Bedingt durch unvermeidliche Logistikänderungen können wir Ihnen Ihre Zeitung ab dem 1. Juni 2013 leider erst am nächsten Werktag nach dem Erscheinungstag zustellen”, heißt es in einem Schreiben an die Abonnenten, das MEEDIA vorliegt.

Also man bekommt keine Nachrichten, die bis zu 24 Stunden alt sind: Nein! Die Nachrichten sind nun 24-48 Stunden alt, wenn man sie in den Händen hält. Um es mal deutlich zu machen: Manche Skandale oder Themen sind nach einem Tag schon wieder verschwunden oder sehen ganz anders aus.

Gut, diese Angelegenheit betrifft offenbar “vornehmlich” Menschen außerhalb des WAZ Gebietes – ganz klar ist das nach Meedia Artikel wohl nicht. Aber schon ein weiterer Schritt Richtung Bedeutungslosigkeit von Papiermedien. Da hilft das ePaper Angebot auch nur begrenzt – oder streben Zeitungen nun auf digital-only Varianten zu?