SimCity – Wirklicher Unsinn?

SimCity Stau

Ich weiß nicht, ob ihr in den letzten Tagen den Trubel um SimCity mitbekommen habt. SimCity ist ein Computerspiel, welches einem ermöglicht eine Stadt zu bauen. Man muss sich um die Bildung seiner Einwohner kümmern, Polizei und Feuerwehr und natürlich Wohnraum zur Verfügung stellen. Soweit die Kurzfassung. Das Spiel gab es vor Jahrzehnten zum ersten mal und als es im letzten Jahr hieß, dass es eine Neuauflage 8 Jahre nach dem letzten Teil geben wird, war nicht nur bei mir die Freude groß. 

Und diese hatte sich in den letzten Wochen immer mehr erhöht. Immer mehr Details wurden bekannt über das faszinierende System, bei dem sich Städte in der Region gegenseitig unterstützen. Leute in Nachbarstädte pendeln, um dort zu arbeiten und generell jeder Bürger simuliert werden würde. Dafür seien dann auch die Server notwendig, und man müsse darum das Spiel immer online spielen.

Und dann kam der letzte Donnerstag: Das Spiel erschien auch in Deutschland. Bereits in den USA, wo das Spiel zwei Tage vorher erschienen war, gab es einige Probleme, weil die Server überlastet waren. EA hatte angeblich reagiert und sich für den Europastart besser vorbereitet. Ganz offensichtlich war dem nicht so. Aber schon gut. Ich war eh krank, hatte andere Probleme mit meiner Vorbestellung und zu guter letzt hatte ich eh nicht große Hoffnungen, dass dies nun der erste Start eines Online-Spiels sei, der plötzlich reibungslos klappte.

Die Tage wurde es nicht wirklich besser, aber immerhin kam man zum Spielen. Und SimCity gefällt mir wirklich gut. Oder gefiel, aber dazu gleich mehr. Es macht Spaß eine Stadt aus dem Boden zu stampfen. Die Spezialisierungen sind nett und geben den Touch einer Wirtschaftssimulation und die Möglichkeit Gebäude mit Updates einfach zu erweitern (z.B. mehr Wagen für die Polizei) ist wirklich nett und einfach. Und mit anderen zu spielen ist – theoretisch – auch sehr nett. So hat sich in unserem Ruhrgebiet die Ölstadt Gelsenkirchen um den Strom gekümmert, Oberhausen um Müll und Abwasser und die Casinostadt Duisburg sorgte für frisches Wasser aus dem Wasserhahn. Aber hier zeigen sich noch Probleme im System:  Die Server sind nicht synchron. Massiver Überschuss in der Stromversorgung kommt bei anderen Spielern nicht an und darum gehen die Lichter in den Casinos langsam aus, was den Touristen natürlich nur begrenzt gefällt.

Aber das sind „nur“ Serverprobleme. Nach einigen Tagen waren sie noch nervig. Wie es in den letzten Tagen aussieht, weiß ich nicht, aber soetwas kann man in den Griff bekommen. Hoffe ich zumindest, denn ohne diese Funktion ist beispielsweise das Hauptmanko das Spiels nicht zu ignorieren. Zu kleine Karten lassen sich nur durch gute Regionalplanung ausgleichen. Und auch Multiplayer macht ohne das nun wirklich keinen Sinn.

Nerviger war eher, dass das Spiel nicht wirklich klappte. Der Verkehr brach immer schnell zusammen. Massiver Stau bringt alles zum erliegen. Anstatt Hauptstraßen werden Nebenstraßen – bei etwa gleicher Strecke – zum Ziel genutzt. Und auch Krankenwagen kommen nicht zum Ziel: Denn Blaulicht ist nur ein optischer Effekt im Spiel. Vorrang haben die Einsatzwagen nicht. Das Titelbild zeigt beispielsweise wie sich der Verkehr auf der Autobahn – dem einzigen Zugang zur Stadt – zieht:

SimCity Stau
SimCity Stau

Bis vor kurzem dachte ich noch, dass sei ein kleiner Bug. Und ich hatte sogar gewünscht doch bei Autos den Fahrweg einzuzeichnen. Wie ich heute erfahren habe, eine wohl unerfüllbare Forderung.

Ursprünglich war ich eben davon ausgegangen, dass – mehr oder weniger – alle Einwohner wirklich simuliert werden. Ein Zitat, auf dass ich heute hingewiesen wurde und was von den Designern stammte, hatte ich sinngemäß vorher auch schon gehört:

‚You’ll see individual Sims walk from home to work, or go and rob businesses, or lose their house and go live in the park. And that’s what’s actually happening – it’s not just a visualisation of what’s going on, the simulation is built out of all of those individual activities.‘

Nun zeigt sich. Ganz so individuell ist es doch nicht. Der Grund lässt sich in einem englischen Forum nachlesen. Dort heißt es: 

The agent system that is used for utilities (power, water, sewage) seems to be identical to the system that handles traffic.

The problem is that, just as power can sometimes take a ridiculously long time to fill the entire map (because the „power agents“ just randomly move about with no sense) traffic and workers can do the same thing. Workers leave their homes as „people agents.“ These agents go to the nearest open job, not caring at all where they worked yesterday. They fill the job, and the next worker goes to the next building and fills that job, and so it goes until all the jobs are „filled.“ So, when you have all your „worker“ sims leaving their houses for work in the morning, they all cluster together like some kind of „tourist pack“ until they have all been sucked into „jobs.“ They don’t seem to care if the job is Commercial or Industrial, only that it’s a job.

 

Die – nicht zwingend genaue – Übersetzung aus dem deutschen Forum:

Das Agentensystem der Glass Box Engine, welches für Strom, Wasser und Abwasser zuständig ist, scheint die gleichen Probleme wie das Verkehrssystem zu haben.

Das Problem, das Strom teilweise eine Ewigkeit braucht, um die ganze Karte komplett zu füllen (da die „Strom Agenten“ sich einfach zufällig bewegen) scheint eben auch bei Arbeitern und dem Verkehr aufzutauchen. Arbeiter verlassen ihr Zuhause als „Arbeitsagent“. Diese Agenten gehen zur nächsten offenen Arbeitsstelle, egal wo sie am Tag vorher gearbeitet haben. Sie gehen zum nächstliegenden Arbeitsplatz, der nächste Agent wieder zum nächste Arbeitsplatz und so weiter, bis die Arbeitsplätze alle besetzt sind. Wenn nun alle Arbeiter am Morgen ihr „Zuhause“ verlassen versammeln sie sich wie eine Touristenherde bis schließlich alle ihren Arbeitsplatz gefunden haben. Es spielt keine Rolle, ob dieser Arbeitsplatz in einem Industrie- oder Gewerbegebiet ist. Hauptsache es ist ein Job.

Wozu das führt wird in folgendem Video deutlich:

Ich muss sagen: Das hat mich geschockt. Der Rest waren für mich Startprobleme, die man hoffentlich zeitnah lösen kann, die aber langfristig den Spielspaß nicht verletzten. Dieser Grundfehler im System kann das ganz anders aussehen lassen. Und was schlimmer ist: Er zerstört die Illusion. Als Rollenspielleiter weiß ich: Man trickst vielleicht und lässt Dinge mysteriöser aussehen, als sie sind. Solange die andere Seite den Trick nicht merkt und alles realistisch wirkt, ist alles gut. Und auch wenn mich schon geärgert hatte, dass Wasser aufgrund des Agentensystems nicht einfach so in der Stadt verteilt wird, war mir dies egal. Aber Wasser ist auch keine Person mit Beruf, Wohnung und vielleicht Kindern, die zur Schule müssen. Die Frage von Identitäten, die die Stadt bilden war für mich das besondere dabei. Dies wird so nicht einfach wieder herzustellen sein. Aber gut, vielleicht bekommt man es ja spielbar hin. Am Verkehrssystem wird angeblich jedenfalls stark gearbeitet.

Aber nicht nur aus Zeitgründen liegt SimCity gerade etwas auf Eis. Vielleicht kommen einige Updates dazu, dass alles besser und spielbar wird und man am Ende dieses System auch anerkennen kann, weil die Stadt funktioniert und es Spaß macht diese zu entwickeln. Dann noch größere Karten und alles wäre gut. Und dann reiche ich auch eine bessere Vorstellung des Spiels nach :)

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