Londoner Schuldenabkommen – 60 Jahre alt und dennoch ein Vorbild?

Unterzeichnung des Londoner Schuldenabkommens

Wie gut Deutschland immer dar steht. Griechen, Spanier oder Italiener haben ihre Schulden, wir können gut leben und müssen für andere das Eisen aus dem Feuer holen, weil die über ihre Verhältnisse leben. So stellt es sich die Eurokrise zumindest für viele Stammtische dar. Jetzt kann man lange darüber streiten, wer „wir“ ist und vor allem darauf hinweisen, dass ein Teil der Schulden dort auch ganz einfach auf unserem Wohlstand basiert. Wir verkaufen lieber nach Griechenland, als griechische Produkte zu kaufen und das Risiko für unsere Banken  bei einer griechischen Staatspleite ist auch mehr als vielsagend. Aber auch uns ging es mal wirklich schlecht: 

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg war zwar viel wieder aufzubauen, aber die Folgen des ersten Weltkrieges hatten gezeigt, welche Probleme Staatsschulden für einen Staat bringen könnten. Also lud man die junge Bundesrepublik Deutschland 1953 nach London ein und beschloss am 27. Februar das sogenannte Londoner Schuldenabkommen. Deutschlands Schulden aus der Zeit vor und nach dem zweiten Weltkrieg wurden nicht nur von ca. 29,7 Mrd. DM auf 14,5 Mrd. DM mehr als halbiert, es wurden auch faire Rückzahlungsbedingungen in den Vertrag integriert.

Unterzeichnung des Londoner Schuldenabkommens
Hermann Josef Abs unterzeichnet das Londoner Schuldenabkommen am 27. Februar 1953 (Foto: Deutsche Bank AG, Kultur und Gesellschaft Historisches Institut, Frankfurt am Main, CC-Lizenz)

Zum Beispiel musste Deutschland seine Schulden nur aus laufenden Einnahmen bezahlen. Wenn die Handelsbilanz also negativ aussieht (mehr Importe als Exporte finanziell gesehen), konnte die Rückzahlung ausgesetzt werden. Die Gläubiger hatten sich damit zugleich auch in die Verpflichtung genommen, die deutsche Wirtschaft zu stärken und Handelsbilanzüberschüsse zuzulassen, um das Geld für die Schulden wieder zu erlangen.

Angewendet auf Griechenland könnte der Staat ab sofort seine Schuldenzahlungen einstellen, bis die Mittel durch die Aufwertung von Olivenhandel, Tourismus, Schifffahrt oder anderen Bereichen zur Verfügung stehen. Die stärkeren Handelspartner hätten sich so stärker in die Verantwortung genommen. Nun wird aber nur innerhalb von Griechenland durch das Kürzen von Reallöhnen und öffentlichen Leistungen diesem Problem entgegen getreten. Mit katastrophalen Folgen für das Sozialgefüge in den Staaten.

Und noch eins ist wichtig: Die Frage der Tragfähigkeit von Schulden. Bei Deutschland war 1953 bereits bei ca. 23 % des Bruttoinlandsproduktes ein solches Risiko gesehen worden. Also die Tatsache, dass von allem Geld, was in Deutschland erwirtschaftet wird, fast ein Viertel gleich dem Schuldenstand darstellt, reichte damals aus, um zu Verhandlungen zu rufen. Griechenland plagt sich momentan mit 160% herum, und maximal Optimisten hoffen es auf 120% senken zu können. Bei Entwicklungsländern liegt die kritische Messlatte übrigens bei 80%.

Aber klar, die Situation ist etwas anders und man kann sicher auch nicht 1:1 einen solchen Vertrag übernehmen. Dennoch bietet er einige interessante Impulse, wenn man ihn rückblickend betrachtet und einfach mal anerkennt, welche Chancen Deutschland gegeben wurden und wie Chancen von Entwicklungsländern oder eben auch Griechenland heute durch den aktuellen Umgang mit Staatsschulden verbaut werden.

Siehe dazu auch: 

Und natürlich auch als Erklärbär-Video von erlassjahr.de

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