ArchivJuni 2012

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Herzlichen Glückwunsch Italien!
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Nationalismus und Patriotismus
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Gute Games, Guter Zweck, kleiner Preis
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Prügelnde Polizisten

Herzlichen Glückwunsch Italien!

Es halt leider nicht gereicht. Wiedereinmal sind wir im Halbfinale gescheitert und können am Sonntag nicht mit der deutschen Nationalmannschaft mitfiebern Europameister zu werden. Große Spieldiagnosen findet ihr woanders genug, hier nur auf die Schnelle einen Glückwunsch an die italienische Mannschaft und allen Fans am Sonntag ein spannendes und erfolgreiches Spiel – für wen auch immer man sein mag. 🙂

Das Video oben habe ich an dem Abend an der Ringstraße aufgenommen. Wir waren eigentlich schon auf dem Rückweg, aber offenbar war da noch mehr Huplaune vorhanden, als gedacht. Übrigens auch von deutschen Fans – viele Autos auf der Straße hupten zusammen mit den italienischen Freunden.

Nationalismus und Patriotismus

Ich wundere mich ein wenig, dass ein solcher Artikel nicht schon in meinem Blog ist – zumindest habe ich nichts gefunden – denn das Thema taucht bei jeder EM und WM seit 2006 auf: Der böse Nationalismus, der durch die Deutschlandfahnen und Fantum hervorgerufen wird. Die GRÜNE JUGEND hat durch eine entsprechende Aktion nun für einigen Wirbel gesorgt.

Ich halte von diesen ganzen Theorien nicht viel. Bei Weltmeisterschaften geht es um eins: Den Sport. In wenigen Wochen ist der Spuk wieder vorbei und baut sich auch in erster Linie während dieser Sportereignisse auf – weil man eben mit der eigenen Mannschaft mitfiebert. (Klar, einzelne Fahnen bleiben immer mal wieder hängen, aber es ist ja nicht so, dass dauerhaft die gleiche Art der oft ja auch internationalen Beflaggung bleibt.)

In wenigen Wochen kommen dann statt Deutschlandfahnen wieder Vereinsfahnen an die Fenster. Und dagegen habe ich nichts von der GRÜNEN JUGEND oder linken Gruppierungen gehört. Aber macht es einen Unterschied, ob man jemanden ablehnt, weil er Ire ist oder weil er aus Dortmund kommt und schwarz-gelb im Fußball schicker findet als blau-weiß. Die Sprüche bei solchen Spielen sind auch nicht ohne – vielleicht sogar harscher als bei Länderspielen.

Und eigentlich müsste hier auch entsprechender Protest aufkommen. Da fehlt er aber. Denn hinter dieser Theorie steht doch eins: Die Angst vor Ausgrenzung. Sprüche danach, das ein “wir” auch immer ein “die anderen” bedeuten würde, gelten auch für die Bundesliga. Diese Sprüche gelten für sehr vieles. Es gilt für Parteien, für Vereine, politische Strömungen und – auch wenn ich mir damit vielleicht Feinde in der GJ mache – doch auch ein wenig für Essgewohnheiten. Wenn man sich manche Äußerungen gegenüber “Fleischessern” angucke, ist doch auch die Frage im Raum, wo beginnt dann Diskriminierung und Ausgrenzung.

Aber sei es drum. Ich will jetzt keine Diskussion über Veganismus, Vegetarismus und gesunde Ernährung und Tierschutz lostreten, sondern nur eins deutlich machen: Jeder von uns hat mehrere Identitäten, die sich nicht ausschließen oder dazu führen, dass man sich über andere stellt. Man ist nicht entweder Deutscher oder Europäer, man kann Deutscher und Europäer sein. Darum kann man auch Fan der deutschen Nationalmannschaft sein und eine Deutschlandfahne aus dem Fenster oder am Auto hängen haben, ohne deshalb wieder in alte Denkmuster über Nationalismus zurückzufallen.

Und dann die deutsche Vergangenheit. Ja, die deutsche Vergangenheit hatte viel damit zu tun, dass man die nationale Identität Übersteigert hatte und sich als Herrenrasse in Europa über die anderen Staaten stellte. Die Folgen – Krieg, Zerstörung und Massenmord – sind bekannt. Aber wer damit bei jeder Gelegenheit die letzten inzwischen fast 70 Jahre Bundesrepublik negiert verkennt das neue – schwarz-rot-goldene – Deutschland. Die Bundesrepublik hat sich in Europa integriert und bereits früh diese europäische Säule zu einer Grundlage der eigenen Politik gestellt. Die Fahne die momentan in den Fenstern hängt und als Zeichen des Nationalismus bekämpft wird, war von den Nationalsozialisten verboten worden, da sie eben ein Zeichen der Freiheit darstellt und bei der deutschen Revolution 1848 genutzt wurde. Und eins ist ganz klar: Zu dieser Geschichte des Landes und zu seiner Identität gehört auch die nationalsozialistische Vergangenheit. Dies ist aber auch immer Teil der Politik der Bundesrepublik gewesen.

Natürlich gibt es viel Kritik an der Politik in Deutschland. Man kann auch darüber streiten, ob Deutschland in den 90er Jahren den Status einer Zivilmacht verloren hatte. Aber die Deutschlandfahne deswegen als nationalistisch zurückzuweisen, weil man sie mit dem Nationalsozialismus gleichsetzt, wird der Geschichte ebenso wenig gerecht, wie eine Aussage, dass der Holocaust ja schon Geschichte sei und man diesen vergessen solle.

Es geht mir mit diesem Artikel nicht dazu, irgendjemanden davon zu Überzeugen, dass Patriotismus doch eine neue Lebenseinstellung sei. Das kann ich kaum, bildet er doch bei mir sicherlich keinen Schwerpunkt. Nur diese ewige Debatte alle 2 Jahre bei der EM oder WM, dass die Deutschlandfahnen am Auto den Untergang eines demokratischen, toleranten und offenen Deutschlands bedeuten, nervt mich irgendwie und ich bin ja auch überrascht, dass ich nicht darüber geschrieben habe. Es zwingt einem niemand eine Deutschlandfahne aufzuhängen, man muss kein Fan der Nationalmannschaft sein, man kann die ganze EM ablehnen. Aber dieser moralische Zeigefinger und der Versuch anderen den Spaß an dem sportlichen Wettstreit zu verderben geht einfach nicht. Ausgrenzung findet beim Mannschaftssport auch absetzt von nationalen Mannschaften statt. Ausgrenzung findet aber auch statt, wenn man sich moralisch über einen anderen Teil der Bevölkerung stellt und diesen vorschreiben will, was gut und richtig ist.

Gute Games, Guter Zweck, kleiner Preis

Momentan gibt es das Humble Indie Bundle V zu kaufen. Es sind 4 bis 8 Spiele, bei denen man den Preis frei wählen kann. Wenn man weniger als den Durchschnittsbetrag bezahlt (momentan 8 Dollar), sind es nur vier – ansonsten kommen noch vier weitere dazu (unten mit * markiert). Und die Spiele sind wirklich gut und kosten einzeln meistens schon mehr als der Durchschnittsbeitrag. Aber man sollte nicht zu sparsam sein, denn das Geld geht wenn man es wünscht an gute Zwecke: Entweder an eine Organisation, die in Krankenhäusern für elektronische Unterhaltung sorgt. Oder für eine die Datenschutz und freie Meinungsäußerung fördert. Weiterlesen

Prügelnde Polizisten

Polizeigewalt ist ein schweres Thema. Einerseits sinkt der Respekt vor Polizisten in der Gesellschaft grundsätzlich immer mehr, es gibt mit Sicherheit viele falsche Anschuldigungen und oft sind es wahrscheinlich Entscheidungen, die schnell und schwer gefällt werden müssen. Aber das rechtfertig nicht alles. Im folgenden Panorama Beitrag sind zwei Fälle aus Bayern dargestellt, wo man diese Argumente m.E. nur sehr begrenzt wirken lassen kann. Eine Dolmetscherin, die angeblich die Polizisten angreift, obwohl sie nur zur Befragung da war, war dem Gericht für eine Anklage dann offensichtlich auch zu obskur, aber dass sie freiwillig vor die Wand läuft nimmt man den Polizisten dann schon ab. Und ein Einsatz mit Sondereinsatzkommando wegen Ruhestörung und dann unsensibler und überzogener Einsatz gegen Menschen mit Behinderung ist auch schwer zu erklären. Die Bilder ab 1.20 und die angsterfüllten Schreie des Jungen sprechen da wirklich für sich.