Archiv10. April 2012

1
Die Tribute von Panem – The Hunger Games
2
Iron Sky

Die Tribute von Panem – The Hunger Games

Plakat von Hunger GamesWie gestern noch geschrieben, war zu Ostern spontan ein großer Kinobesuch geplant mit zwei Filmen. Neben Iron Sky guckten wir vorher “Die Trubute von Panem – The Hunger Games”. Die Geschichte ist kurz erzählt: In einer zukünftigen Welt sind die USA in Distrikte eingeteilt. Als Erinnerung an einen Bürgerkrieg und als Zeichen der Macht werden aus jedem Distrikt einmal pro Jahr jeweils ein Mädchen und ein Junge ausgewählt, um bei den sogenannten “Hunger Games” anzutreten. Dies sind Kämpfe auf Leben und Tod in einer wie auch immer geahnten Arena. Und für die Geschichte wird dies eben in erster Linie aus dem Blick von Katniss Everdeen erzählt, die sich freiwillig meldet, um ihre Schwester vor den Spielen zu bewahren.

Soweit zum Inhalt, aber angesichts des Hypes, der um den Film gemacht wurde, war das ja vielleicht schon bekannt. Ich hatte selber ja schon gehört, es sei eine Mischung aus Twilight und Harry Potter und am Ende war es wohl nur der Harry Potter Teil und die Dystopsie, die mich dann doch gelockt hatte. Zuerst wollte ich aber das Buch lesen, denn Hollywood kann aus einer guten Geschichte ohne “Teams” oder aufgebauschter Liebe immer ein Twilight machen. Und beim Lesen war ich schon positiv überrascht: Die Geschichte ist gut, wenn auch sicherlich nicht sehr tiefgründig oder mit massiven Überraschungen, aber sie liest sich gut und bietet erfrischende Unterhaltung. Und das kann man auch vom Film sagen. Er ist gut dargestellt und hält sich recht eng am Buch.

Aber ich finde er hat eine Schwäche (Achtung kleiner Spoiler!): Er setzt eben doch auf “Team Peeta” gegen “Team Gale”. Beispielsweise indem im Film nicht deutlicher gemacht wird, dass Katniss ihre Liebe in erster Linie als Strategie für eine Fernsehshow sieht. Im Buch sagt sie dies am Ende recht offen. Was sich in Folgebänden tut, weiß ich nicht, aber so macht man aus einer vermeindlichen Fernsehshow eine wahre Liebesgeschichte.

Aber sei es drum. Die Dystopsie im Hintergrund ist wirklich gut und wird durch neue Szenen in dem Film deutlich aufgewertet. Und dann – und das ist ein wesentlicher Unterschied zu Twighlight – geht es nicht um die Beziehung als solches, die sich über den ganzen Film herzieht und die Geschichte ansich darstellt. Die Liebe in Tribute von Panem ist nur ein Beiwerk zu einer größeren Geschichte. Wer will, kann dann natürlich schmachtend für sein “Team” dort sitzen und sich darauf fokussieren oder – so wie ich – eher die auf Geschichte eines abscheulichen Unterhaltungsevents.

Wer im übrigen auch lieber die Bücher lesen will und dem Englischen nicht ganz unmächtig ist, sollte vielleicht zum englischen Buch greifen. Das kostet im Schuber mit allen drei Bänden nämlich weniger (als Taschenbuch) als die deutsche Ausgabe des ersten Bandes. Und wirklich schwer ist es nicht zu lesen.

Iron Sky

Der heutige Ostertag war echt gelassen im Kino, wo neben den Tributen von Panem auch Iron Sky geguckt wurde. Von dem Film hatte ich ja schon mal berichtet – als Erinnerung nochmal der Trailer:

Und der Film ist wirklich gut geworden. Die negative Kritik der letzten Tage kann ich so nicht wirklichteilen. Klar, die Story ist hanebüchen und wer mit Logik an den Weltraumkampf im Jahr 2018 herangeht, kann den Film nur schlecht finden. Aber man kann den Film nicht wirklich ernst nehmen, das will er auch garnicht. Es ist ein Klischee-überfüllter Film, der sich selber auf die Schippe nimmt. Ganz und garnicht kann ich aber die Kritik aus der Zeit teilen, in der es heißt:

So wirkt der Film bisweilen wie der Traum eines jeden startrekbegeisterten Neonazis und strickt, sicher ungewollt, an kryptofaschistischen Legenden. Und dass diese Weltraumnazis von vorvorgestern den Amerikanern aus dem Jahr 2018 das Wasser reichen können, ist selbst im Rahmen der hanebüchenen Story von Iron Sky ärgerlicher Unfug.

Hergeleitet wird diese Aussage daraus, dass Nazis nicht gleich als völlige Idioten dargestellt werden, die Kommandostrukturen da noch existieren und der antiquierte Bau noch läuft. Also müssen Nazifilme entweder toternst oder noch offensichtlicher Klamauk sein, wie “Mein Führer”? Bei dem gab es auch Kritik, aber mit einem Iron Sky ist das definitiv nicht zu vergleichen. In Iron Sky sind Nazis Gegner, die genauso unter Spott leiden müssen wie amerikanische Republikaner, Nordkoreaner und viele andere. Und ja, man weißt nicht gleich direkt und immer wieder auf das menschenverachtende System der Nazis hin. Das bedeutet aber nicht gleich, dass alles egal ist. Und es wird angedeutet. Brauchen aufgeklärte Filmfans immer die Keule, um bei einem solchen Film nicht als “startrekbegeisterter Neonazi” zu gelten? Und ohne zuviel zu verraten, natürlich gibt es auch einen moralischen Teil.

Der Film hat mir Spaß gemacht. Er ist witzig, wenn man sich auf eine vollkommen abgedrehte Geschichte einlassen kann, die auch technisch ganz gut umgesetzt ist. Er ist eine Satire auf amerikanische und internationale Politik, ein etwas abgedrehterer Invasionsfilm mit einem Hauch von Steampunk – auch wenn die Nazibauten jetzt natürlich nicht soo alt sind 🙂

Mein Tipp: Guckt ihn euch mal an, wenn es für euch kein Problem ist, Nazis zu sehen ohne gleich  blind mit dem Kopf darauf gestoßen zu werden, dass sie für ein unmenschliches System stehen, wenn ihr bewusst auch etwas abstrusere Handlungsabläufe akzeptiert und Lust auf etwas abgedrehtere Science Fiction habt. Zu Panem morgen mehr… 🙂