ArchivApril 2012

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Plakatierungsverstöße im Landtagswahlkampf
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Neuer Blog
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Warum Grass unrecht hat…
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Die Tribute von Panem – The Hunger Games
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Iron Sky
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Modern Family
7
Dead or alive Poetry Slam

Plakatierungsverstöße im Landtagswahlkampf

Ab dem heutigen 13. April dürften in Gelsenkirchen Plakate für die Landtagswahl gehängt werden. Bereits am Mittwoch tauchten aber schon Plakate der rechtspopulistischen ProNRW und später auch der CDU auf. Diese hatte gar die ganze Bahnhofstraße in Beschlag genommen: Mehr als 24 Stunden vor dem genehmigten Termin – und mehr als 12 Stunden bevor die Kandidaten und zugelassenen Parteien überhaupt feststanden. Die Stadt hatte am Donnerstag reagiert und nach einem Ultimatum die Plakate abgenommen – auf Kosten der Parteien. Der CDU Chef-Tann findet dies unverhältnismäßig. Ich sage: Es ist richtig, denn sonst besteht keine Chancengleichheit und diejenigen, die Regeln respektieren werden benachteiligt. Mehr dazu findet ihr im neuen Blog.

Neuer Blog

Da jetzt als Kandidat für die Landtagswahl etwas mehr Parteipolitik aufkommt und das Blog Grünes Gelsenkirchen in seiner geplanten Form nicht funktioniert, habe ich mich dazu entschieden einen neuen Blog zu starten. Die Seite Patrick-Jedamzik.de dient damit im Unterschied zu diesem Blog eher der Darstellung meiner politischen Positionen und als meine “Visitenkarte” in der Politik. Der Blog hier war ja oft auch durch andere Themen geprägt und so ist es vielleicht einfacher schneller das zu finden, was einem als Wähler oder Bürger interessiert. Es wird unter PatJe.de möglichst immer Verlinkungen geben und grundlegendere oder der ein oder andere analytischere Text wird auch weiter hier erscheinen. Ansonsten guckt doch mal im neuen Blog vorbei.

Warum Grass unrecht hat…

Bild mit Günther Grass un den Flaggen von Israel und dem IranEs ist so viel in den letzten Tagen über Günther Grass geschrieben worden – Grund genug, dass ich meinen Senf auch noch dazu gebe 🙂 Vielleicht zunächst zur Antisemitismusfrage. Ich halte ihn nicht für einen Antisemiten und das Einreiseverbot nach Israel für überzogen. Dennoch muss man schon in der Grundlage seines Gedichtes eine Aussage kritisieren: Die Aussage, dass Kritik an Israel verboten sei und er nun der Mutige sei, der dies endlich ausspreche. Kritik an israelischen Siedlungswesen und auch U-Boot Verkäufen gab es vorher schon zuhauf. Sich hier als Märtyrer im Vorfeld hinzustellen ist eigentlich schon der Ruf danach so abgestempel zu werden, bedient es sich doch irgendwie dem Motto, dass Juden jede Kritik an dem israelischen Staat gleich Dämonisieren und damit nicht weit von der Verschwörungstheorie einer jüdischen Weltherrschaft entfernt. Gut, aber ich will Grass nicht unterstellen, soetwas zu meinen.

Im Kern ging es ihm ja um etwas gutes – den Frieden. Das Problem und meines Erachtens das wahre Grundproblem des Artikels: Israel ist nicht die Ursache. Seit mehreren Jahren verstößt der Iran gegen geltendes Recht und was noch entscheidender ist, er poltert gegen Israel. An der Spitze des Irans steht jemand, der ganz offen davon spricht, Israel von der Landkarte zu fegen:

“Kann eine [gemeinsame] Front es dulden, wenn in ihrer Mitte eine fremde Macht entsteht? Dies wäre eine Niederlage und wer immer die Existenz dieses Regimes anerkennt, erkennt in Wirklichkeit die Niederlage der islamischen Welt an. […] Ich zweifle nicht daran, dass die neue Welle, die im geliebten Palästina begonnen hat, sich in der gesamten islamischen Welt ausbreiten wird. Es handelt sich um eine Bewegung, die als Welle der Moral sehr bald den Schandfleck [Israel] aus der Mitte der islamischen Welt beseitigen wird – und das ist machbar.”

Also ganz neben der juristischen Frage, auf die ich gleich am Rande nochmal eingehen werde, gibt es verständlich ein großes Gefühl der Unsicherheit. Und da behauptet Grass die israelischen Atomwaffen wären das Problem für den Weltfrieden? Der Israel hat diese – nach offenem Geheimnis – seit den 60er Jahren und nicht damit gedroht andere Staaten von der Landkarte zu tilgen. Die Kriege des Landes waren konventionell, auch wenn man – natürlich zurecht – über den ein oder anderen streiten kann.

Aber ist es nicht fair, wenn beide Staaten die Bombe haben? Im Kalten Krieg hatte es doch auch geklappt. Nein. Zum einen weil ich mehr davon halte die Waffen abzuschaffen, anstatt sie zu verbreiten und vor allem würde dies die Lage im Nahen Osten kaum stabilisieren – das Gegenteil ist der Fall. Mal ganz abgesehen davon, dass bei dem kleinen Küstenstreifen Israel eine geschickt gezündete Bombe wirklich ausreichen dürfte, um das Land zu entvölkern, wwährend der Iran fast 3x soviele Menschen auf einer fast 70fach so großen Fläche hat. Vor allem würde eine schiitische Bombe auch Befürchtungen bei den sunnitischen Staaten drumherum auslösen und womöglich zu einem Wettrüsten in der Region Sorgen sorgen. Juhu! Noch mehr Atombomben bedeuten ja auch mehr Frieden nach dieser Logik. Ich halte es für ein Pulverfass, nicht nur wegen terroristischen Bedrohungen, sondern weil man nie weiß, wann vielleicht noch jemand den Knopf drückt.

Bleiben wir aber bei Israel: Es ist unsicher wovon man bei einem militärischen Schlag ausgehen könnte. Wahrscheinlich wäre es ein gezielter Anschlag auf Forschungsanlagen. Ich halte das für keine richtige Option und die Auswirkungen sind unabsehbar. Ich gehe aber auch davon aus, dass Israel sich der Risiken im Bezug auf Terrorimus im günstigsten und wirklichem Krieg im schlimmsten Fall bewusst ist und nicht leichtfertig mal eben losschlägt. Wie gesagt, ich will aber auch nicht dafür sprechen, nur mal eine andere Sichtweise aufzeigen. Israel lebt in ständiger Bedrohungen von Raketen: 2011 wurden 680 Raketen und Granaten auf das Land abgeschossen – pro Tag also fast 2 Stück statistisch gesehen. Und die Vorwarnzeit? 15 Sekunden. Und dann hockt in der Nähe ein Staat, der nicht nur diese Raketenschützen militärisch unterstützt und das Existenzrecht Israels ganz offen angreift, sondern auch noch an Atomwaffen bastelt, um dies dann vielleicht in die Tat umzusetzen? Was soll man da machen?

Es ist der Iran, der die Regeln verletzt und damit den Weltfrieden verletzt. Er hat – anders als Israel – den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und sich damit zu Inspektionen verpflichtet. Man mag – und kann – Israel dafür kritisieren nicht beigetreten zu sein – wie Indien und Pakistan seinerzeit auch, aber das war immerhin ehrlich. Wer sich zu nichts verpflichtet, muss sich auch an nichts halten. Das ist beim Iran eben anders und auch keine Doppelmoral.

Und wenn Grass dann fordert, 

“daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird”

ist daran ja nicht viel auszusetzen – jedes Jahr beschließen die Vereinten Nationen per Akklamation (also ohne Abstimmung) eine atomwaffenfreie Zone im Nahen Osten. Aber mal abgesehen von der Tatsache, dass Israel es nicht muss und es durchaus glaubwürdige Schätzungen von 200 Sprengköpfen ausgeht und man sich fragen sollte, was Inspektionen da noch sollen, ist es doch eher ein peinliches vorgehen. Anstatt Kritik an dem wahren Übeltäter zu üben, einem diktatorischen und menschenrechtsverletzenden System, wendet man sich an den “heuchlerischen Westen”, an Israel, welches die einzige Demokratie der Region darstellt. Und dies wird dann als “Verursacher der erkennbaren Gefahr” dargestellt, dem man zum “Verzicht auf Gewalt auffordern” soll. Gehts noch?

Es ist die Machtlosigkeit, die sich in diesem Gedicht wiederspiegelt. Grass läuft damit in die Provokationsfalle, wie man an der Reaktion im Iran ja sehen kann. Der Iran provoziert, indem er Regeln bricht und gegen den Iran poltert, man geht mit politischen Mitteln mehr oder weniger erfolgreich dagegen vor, und Israel macht deutlich, dass es eine iranische Bombe nicht dulden werde und schwupps…Israel ist der Böse. Aber ich hatte ja schonmal beklagt, dass es immer erst dann wichtig wird, wenn Israel reagiert.

Günter Grass hat Unrecht, weil er einseitig ist und Israel die Schuld zuschiebt. Und weil er keine Lösungen hat und tut als wäre alles so einfach. Was würde sich ändern, wenn Israel sagt man greift unter keinen Umständen an und internationale Inspektionen zulassen würde? Würde der Iran Israel dann sein Existenzrecht zugestehen und sich an die vertraglichen Bedingungen des Atomwaffensperrvertrages halten, die Produktion offenlegen und auf die Bombe verzichten? Irgendwie zweifle ich daran.

Foto: Eigene Montage mit Günther Grass Bild unter CC-Lizenz von Florian K.

Die Tribute von Panem – The Hunger Games

Plakat von Hunger GamesWie gestern noch geschrieben, war zu Ostern spontan ein großer Kinobesuch geplant mit zwei Filmen. Neben Iron Sky guckten wir vorher “Die Trubute von Panem – The Hunger Games”. Die Geschichte ist kurz erzählt: In einer zukünftigen Welt sind die USA in Distrikte eingeteilt. Als Erinnerung an einen Bürgerkrieg und als Zeichen der Macht werden aus jedem Distrikt einmal pro Jahr jeweils ein Mädchen und ein Junge ausgewählt, um bei den sogenannten “Hunger Games” anzutreten. Dies sind Kämpfe auf Leben und Tod in einer wie auch immer geahnten Arena. Und für die Geschichte wird dies eben in erster Linie aus dem Blick von Katniss Everdeen erzählt, die sich freiwillig meldet, um ihre Schwester vor den Spielen zu bewahren.

Soweit zum Inhalt, aber angesichts des Hypes, der um den Film gemacht wurde, war das ja vielleicht schon bekannt. Ich hatte selber ja schon gehört, es sei eine Mischung aus Twilight und Harry Potter und am Ende war es wohl nur der Harry Potter Teil und die Dystopsie, die mich dann doch gelockt hatte. Zuerst wollte ich aber das Buch lesen, denn Hollywood kann aus einer guten Geschichte ohne “Teams” oder aufgebauschter Liebe immer ein Twilight machen. Und beim Lesen war ich schon positiv überrascht: Die Geschichte ist gut, wenn auch sicherlich nicht sehr tiefgründig oder mit massiven Überraschungen, aber sie liest sich gut und bietet erfrischende Unterhaltung. Und das kann man auch vom Film sagen. Er ist gut dargestellt und hält sich recht eng am Buch.

Aber ich finde er hat eine Schwäche (Achtung kleiner Spoiler!): Er setzt eben doch auf “Team Peeta” gegen “Team Gale”. Beispielsweise indem im Film nicht deutlicher gemacht wird, dass Katniss ihre Liebe in erster Linie als Strategie für eine Fernsehshow sieht. Im Buch sagt sie dies am Ende recht offen. Was sich in Folgebänden tut, weiß ich nicht, aber so macht man aus einer vermeindlichen Fernsehshow eine wahre Liebesgeschichte.

Aber sei es drum. Die Dystopsie im Hintergrund ist wirklich gut und wird durch neue Szenen in dem Film deutlich aufgewertet. Und dann – und das ist ein wesentlicher Unterschied zu Twighlight – geht es nicht um die Beziehung als solches, die sich über den ganzen Film herzieht und die Geschichte ansich darstellt. Die Liebe in Tribute von Panem ist nur ein Beiwerk zu einer größeren Geschichte. Wer will, kann dann natürlich schmachtend für sein “Team” dort sitzen und sich darauf fokussieren oder – so wie ich – eher die auf Geschichte eines abscheulichen Unterhaltungsevents.

Wer im übrigen auch lieber die Bücher lesen will und dem Englischen nicht ganz unmächtig ist, sollte vielleicht zum englischen Buch greifen. Das kostet im Schuber mit allen drei Bänden nämlich weniger (als Taschenbuch) als die deutsche Ausgabe des ersten Bandes. Und wirklich schwer ist es nicht zu lesen.

Iron Sky

Der heutige Ostertag war echt gelassen im Kino, wo neben den Tributen von Panem auch Iron Sky geguckt wurde. Von dem Film hatte ich ja schon mal berichtet – als Erinnerung nochmal der Trailer:

Und der Film ist wirklich gut geworden. Die negative Kritik der letzten Tage kann ich so nicht wirklichteilen. Klar, die Story ist hanebüchen und wer mit Logik an den Weltraumkampf im Jahr 2018 herangeht, kann den Film nur schlecht finden. Aber man kann den Film nicht wirklich ernst nehmen, das will er auch garnicht. Es ist ein Klischee-überfüllter Film, der sich selber auf die Schippe nimmt. Ganz und garnicht kann ich aber die Kritik aus der Zeit teilen, in der es heißt:

So wirkt der Film bisweilen wie der Traum eines jeden startrekbegeisterten Neonazis und strickt, sicher ungewollt, an kryptofaschistischen Legenden. Und dass diese Weltraumnazis von vorvorgestern den Amerikanern aus dem Jahr 2018 das Wasser reichen können, ist selbst im Rahmen der hanebüchenen Story von Iron Sky ärgerlicher Unfug.

Hergeleitet wird diese Aussage daraus, dass Nazis nicht gleich als völlige Idioten dargestellt werden, die Kommandostrukturen da noch existieren und der antiquierte Bau noch läuft. Also müssen Nazifilme entweder toternst oder noch offensichtlicher Klamauk sein, wie “Mein Führer”? Bei dem gab es auch Kritik, aber mit einem Iron Sky ist das definitiv nicht zu vergleichen. In Iron Sky sind Nazis Gegner, die genauso unter Spott leiden müssen wie amerikanische Republikaner, Nordkoreaner und viele andere. Und ja, man weißt nicht gleich direkt und immer wieder auf das menschenverachtende System der Nazis hin. Das bedeutet aber nicht gleich, dass alles egal ist. Und es wird angedeutet. Brauchen aufgeklärte Filmfans immer die Keule, um bei einem solchen Film nicht als “startrekbegeisterter Neonazi” zu gelten? Und ohne zuviel zu verraten, natürlich gibt es auch einen moralischen Teil.

Der Film hat mir Spaß gemacht. Er ist witzig, wenn man sich auf eine vollkommen abgedrehte Geschichte einlassen kann, die auch technisch ganz gut umgesetzt ist. Er ist eine Satire auf amerikanische und internationale Politik, ein etwas abgedrehterer Invasionsfilm mit einem Hauch von Steampunk – auch wenn die Nazibauten jetzt natürlich nicht soo alt sind 🙂

Mein Tipp: Guckt ihn euch mal an, wenn es für euch kein Problem ist, Nazis zu sehen ohne gleich  blind mit dem Kopf darauf gestoßen zu werden, dass sie für ein unmenschliches System stehen, wenn ihr bewusst auch etwas abstrusere Handlungsabläufe akzeptiert und Lust auf etwas abgedrehtere Science Fiction habt. Zu Panem morgen mehr… 🙂

Modern Family

imageSeit gestern gibt es einen neuen Fernsehsender in Deutschland: RTL nitro. Und anders als die anderen “Spartenkanäle” von RTL, Sat.1 und Co, wo meiner Ansicht nach eher alter (oft eigener) Kram wieder und wieder wiederholt wird,  gibt es dort auch ein aktuelles Programm mit amerikanischen Serien. Eine die ich jetzt gesehen habe, ist “Modern Family”.

Diese Sitcom ist in den USA extrem erfolgreich und konnte in der dritten Staffel sogar noch von den Zuschauerzahlen zulegen. Es ist eine “Mockumentary”, was als neuer Begriff für einen fiktionalen Dokumentationsfilm steht. Der Stil entspricht dabei ein wenig dem von Stromberg mit Interviews zwischen den einzelnen Szenen, in denen die Charaktere diese kommentieren.

Wie der Name sagt, geht es um die moderne Familie, wobei es drei Familien sind: Der als Al Bundy bekannt gewordene Ed O’Neill ist dabei als Jay Pritchett mit einer deutlich jüngeren Kolumbianerin verheiratet, die ihren Sohn aus erster Ehe in die Familie mitbringt. Dies bringt natürlich für sich schon etwas Zündstoff und dazu kommt natürlich der kulturelle und altersmäßige Unterschied.

Der Sohn von Jay Pritchett ist homosexuell und bildet zusammen mit seinem Ehemann Cameron und dem Baby Lilly die zweite Familie und ist demnach auch sehr modern. Schon fast klassisch ist die dritte Familie mit Jays Tochter Claire ihrem sich selber sehr modern empfindenden Ehemann Phil und den drei Kindern.

Heute liefen die ersten beiden Folgen und ich kann gut verstehen, wieso die Serie in den USA gut ankommt. Sie ist witzig, mal abgedreht, mal ernst und nicht plump auf Dialog ausgerichtet. Sie ist damit bei mir für die Aufnahme einprogrammiert und gibt Hoffnung, dass RTL Nitro seinen Platz in der Favoritenliste verdient hat. Neben Modern Family läuft da auch Rom und 24, die zwar nicht neu (für mich teilweise schon) aber dennoch gut sind. The Office und Nurse Jackie sind auch aufgenommen, aber da kann ich noch nichts zu sagen – außer dass “The Office” bekanntlich die Vorlage für unseren Stromberg war 🙂

Foto: ABC

Dead or alive Poetry Slam

Meine bisherigen Erfahrungen mit Poetry Slams waren sehr überschaubar bis nicht existent. Wie das abläuft habe ich natürlich schon gehört und bei der ratcon im letzten Jahr gab es schon entsprechendes, bei der Grünen Jugend im Herbst auch, aber das war es dann auch. Richtige Slams [1. richtiger Plural?] waren das nicht. Also war ich gespannt, als es heute abend gleich zu einem spezielleren Poetry-Slam im Schauspielhaus Bochum ging: Dead or Alive war er tituliert und natürlich ging es nicht ums Überleben für die Teilnehmer, sondern es war ein Wettstreit zwischen aktuellen Künstlern und bereits gestorbenen.

Sulaiman Masomi, Rachel „Rocky“ Bernstein (Seattle / Barcelona), Theresa Hahl und Felix Römer mussten sich dabei also Künstlern stellen, die nicht mehr persönlich antreten konnten, dessen Werke aber weiterlebten und von Schauspielern des Schauspielhauses dargestellt werden. Ich kann die vier Wettstreiter des Teams “Dead” nicht mehr aufzählen, aber am stärksten war Berthold Brecht und Heiner Müller. Vom Ablauf traten beide Gruppen abwechselnd mit einer Person auf. 7 vorher aus dem Publikum ausgewählte Personen gaben als Jury dann eine Bewertung von 1-10 und aus der Summe [2. größter und niedrigster Wert ausgenommen] ergab sich dann ein Wertung für den Künstler und für das Team dann am Ende eine Gesamtwertung. Die beiden Besten aus jedem Team tragen dann im Finale nochmal gegeneinander an.

Wobei gegeneinander meines Erachtens nicht der Kern zumindest dieses Slams ist. “Zufällig” waren am Ende beide Teams gleich gut und es gab einen Doppelsieg. Im Mittelpunkt stand und steht das Werk des einzelnen, welche auch verschiedener nicht sein konnten: Theresa Hahl hatte das Finale beispielsweise eher mit einem gefühlorientiereren oder moralischen Werk erreicht, während der Darsteller von Heiner Müller eher mit einer spaßigen und unterhaltsamen Geschichte überzeugte.

Interessant fand ich bei diesem ersten Slam genau diese verschiedenen Erzählstile und Formen der Erzählungen und das lockere Umfeld während der Veranstaltung. Und hier besonders mal den Blick zurück auf frühere Künstler und den Vergleich mit aktuellen Themen oder Darstellungen. Und auch ein Herr Brecht kann – wie ich heute gelernt habe – durchaus von der Ausdrucksweise mithalten.

Der nächste “Dead or alive”-Slam ist im November und ich bin bestimmt wieder dabei 🙂

Dana hatte gerade bei Facebook noch was politisches gepostet, darum hier noch was zu Demokratie als Poetry-Slam: