Karfreitagsdiskussion

Die Frankfurter Rundschau hatte es (zumindest bei der iPad Ausgabe) als Titelthema und auch sonst in den Medien ist eine große Diskussion aufgekommen über den Karfreitag. Nein, nicht den Tag an sich, sondern das Tanzverbot, welches an dem Tag und in NRW an sechs Tagen gilt. Besitzer von Diskotheken sehen sich in einer Zwickmühle zwischen geplanten Partys und Ordnungsstrafen, die angedroht wurden.

Mal abgesehen davon, dass ich mich frage, wie einem ein Gesetz, dessen letzte Fassung in NRW aus dem Jahr 1989 stammt noch überraschen kann und wieso man dann Partys für den Abend plant, ist es doch eine Grundsatzdiskussion, die nun begonnen wird. Sven Lehmann hat zu einer Aufhebung des Verbotes aufgerufen und unter anderem bei Facebook damit eine längere Diskussion angestoßen.

"Es kann nicht sein, dass die Minderheit der Leute, die christlichen Glauben aktiv praktiziert, der Mehrheit vorschreibt, wie sie den Tag zu verbringen hat, und ihr durch das Verbot bestimmter Veranstaltungen den Abend vermiest", sagte der Parteivorsitzende. Solche Vorschriften passten "nicht mehr in unsere Zeit und sollten abgeschafft" werden.

Ich muss sagen, dass ich das so einfach nicht teilen kann. Aber vielleicht erst was grundsätzliches: Ich bin kein großer Kirchengänger und werde dies wohl auch an Ostern nicht sein. Andererseits bin ich auch kein Discogänger, aber gehe gerne ins Kino, vielleicht gibt das einen Pluspunkt und gleicht mein “irgendwie Christ sein” dann wieder aus. Sei es drum, das nur als persönliche Vorbemerkung.

Und ich will dann auch grundsätzlich einsteigen: In der Diskussion wird immer wieder von der Minderheit gesprochen, die der Mehrheit etwas vorschreibt. Im weiteren wird dann auch oft auf die Säkularität hingewiesen. Und wehe einer verweist auf die christlichen Wurzeln Deutschlands. Sorry, aber Deutschland hat christliche Wurzeln. Stark vermischt mit heidnischen Ritualen und sicherlich auch mit islamischen und jüdischem Einflüssen – in unterschiedlicher Gewichtung. Aber die weniger ruhmreiche Geschichte des Mittelalters mit all ihren Religionskriegen zeigt eine deutliche “Gewichtung” auf dem Christentum.

Dies zu behaupten sagt nicht viel darüber aus, ob der Islam heute nun zu Deutschland gehört oder nicht. Das tut er meines Erachtens und wir haben eine andere Gesellschaft, die deutlich gemischter ist, was die Kulturen und Religionen angeht. Eine christliche Tradition bedeutet nicht, dass man damit eine Staatsreligion fordert oder die eine Religion über die anderen stellt. Aus der christlichen Prägung haben sich nun im Laufe der Geschichte Traditionen und Feiertage gebildet, die noch immer Bestand haben und auch nicht angezweifelt haben. Allenfalls der Buß- und Bettag wurde der Pflegeversicherung geopfert.

Wer nun fordert, dass man das Tanzverbot aufhebt, versucht die Tradition von ihrer Herkunft zu lösen und das macht es für mich dann merkwürdig. In dieser ist es der Tag des Todes Jesu Christi und auch wenn er drei Tage später wieder auferstanden ist, kann man doch wohl kaum sagen der Tag ist zu Gedenken dieses Ereignisses frei und darauf tanze ich dann erstmal eine Runde ab. “Toll, dass du gestorben bist, Alter?”

Den Tag seiner Herkunft zu berauben macht ihn beliebig. Dann kann man auch den Tag des Bieres zum Feiertag erklären und lässt Ostern einfach weg. Wenn man fordert, dass nicht die Religion zu bestimmen habe, dann muss man auch konsequent sein und religiöse Feiertage abschaffen. Sich aber von der Religion ein langes Wochenende bescheren zu lassen und dann im nächstem Atemzug zu sagen, dass die Religion sich aber bitte daraus zu halten habe, ist irgendwie schizophren.

Das klingt selbst für mich ziemlich konservativ und vielleicht werde ich ihn ein paar Jahren die Hände über dem Kopf zusammen schlagen, wenn ich das hier lese, denn der Verlust von Bindung zu den Feiertagen schreitet zunehmen voran – auch weil man sie dem Kommerz preisgegeben hat. Weihnachten wird zunehmend zur Kommerzshow, so dass man bereits vor dem Totensonntag und damit Mitte November über Weihnachtsmärkte laufen kann. Nur 39 Prozent der Kinder können noch genau sagen, wieso man dieses Fest feiert. Es geht dabei nicht um Missionierung zum christlichen Glauben oder eine Stärkung desselben, sondern um die Frage, was die Feiertage besonders macht. Und etwas Abwechslung und Ruhe schadet sicher nicht.

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