Promo-Show als Wahlveranstaltung getarnt

Ich sitze noch an der Uni und werde es wohl nicht bis um 20.15 Uhr nach hause schaffen. Dann könnte ich mir – zumindest theoretisch – „Unser Song für Deutschland“ angucken, bei dem der deutsche Song für den Eurovision Song Contest ausgewählt wird. Auch wenn ich diesen eigentlich immer geguckt habe mit Freunden, hätte mich die Vorauswahl wohl nicht vor den Fernseher gelockt. Die habe ich nie geguckt. Und dieses Jahr hätte man es eigentlich auch „Lena in Concert“ nennen.

Zugegeben, Lena hatte mit ihrem Charme sicherlich viel zum Gewinn im letzten Jahr beigetragen und dafür gesorgt, dass der Contest in diesem Jahr in Deutschland stattfindet. Aber das man daraus jetzt einen Freifahrtsschein macht, ärgert mich doch. Wo ist dann noch die Auswahl? Achja, man kann auch den Liedern wählen, die Lena im Februar auf CD herausbringt. Sie kann also zur Primetime ihre neue CD vorstellen und dafür mächtig Werbung machen. Und der Zuschauer hat dann die Wahl, welches Lied es sein soll.

Für die Kandidatin ist das doppelt praktisch: Die Teilnahme ist ihr sicher und den Verkauf der CD steigert es mit Sicherheit auch direkt. Super. Und da die Chancen den Erfolg mit einem bekannten Gesicht im diesen Jahr beim Song Contest zu wiederholen ist sowieso gering, also ist der Druck da sicher auch nicht so hoch.

In einem Artikel bei DerWesten schrieb Tim Rahmann, dass ein neuer Kandidat es schwer hätte und immer mit Lena verglichen worden wäre. Natürlich, da ist ein Druck hinter, aber es ist immerhin eine Chance. Und es ist eine Wahl. Hier wird Lena auf einen Thron gestellt, bei der man sich die Frage stellt, wieso man nicht eine Lenakratie einführt:

Er oder sie würde blass wirken, weniger frech, weniger authentisch. Zu Lena gibt es keine Alternative.

Woher will man das wissen? Sie hätte ja antreten können und dann können die Zuschauer eben dies entscheiden. Anstatt dessen ist dies hinter verschlossenen Türen geschehen und man bekommt es nur fortgesetzt. In den letzten Jahren war es m.E. immer eine gute Tradition die Entscheidung über die Gewinner sowohl bei der Vorauswahl, wie auch dem eigentlichen Contest den Menschen zu überlassen und weg von Juryentscheidungen im Hinterzimmer zu kommen. Offensichtlich gilt nun das Prinzip Lena und eine Mitbestimmung wird begrenzt. Aber sie hätte ja auch damals locker die Nachfolge von Horst Köhler antreten können im Lena-Wahn…

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