ArchivJanuar 2011

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Promo-Show als Wahlveranstaltung getarnt
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Umsturz in Ägypten – Über Mehrheiten, Legitimation und ein Bauchgefühl
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Fantastische Briefmarken in England
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In drei Teufels Namen
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Medienkritik zum Aufstand in Ägypten
6
Die Rede von Mubarak
7
Medienkritik zum Aufstand in Ägypten
8
Challanger Katastrophe vor 25 Jahren
9
Obamas Kriege
10
“Dankt Gott für die toten Soldaten”

Promo-Show als Wahlveranstaltung getarnt

Ich sitze noch an der Uni und werde es wohl nicht bis um 20.15 Uhr nach hause schaffen. Dann könnte ich mir – zumindest theoretisch – “Unser Song für Deutschland” angucken, bei dem der deutsche Song für den Eurovision Song Contest ausgewählt wird. Auch wenn ich diesen eigentlich immer geguckt habe mit Freunden, hätte mich die Vorauswahl wohl nicht vor den Fernseher gelockt. Die habe ich nie geguckt. Und dieses Jahr hätte man es eigentlich auch “Lena in Concert” nennen.

Zugegeben, Lena hatte mit ihrem Charme sicherlich viel zum Gewinn im letzten Jahr beigetragen und dafür gesorgt, dass der Contest in diesem Jahr in Deutschland stattfindet. Aber das man daraus jetzt einen Freifahrtsschein macht, ärgert mich doch. Wo ist dann noch die Auswahl? Achja, man kann auch den Liedern wählen, die Lena im Februar auf CD herausbringt. Sie kann also zur Primetime ihre neue CD vorstellen und dafür mächtig Werbung machen. Und der Zuschauer hat dann die Wahl, welches Lied es sein soll.

Für die Kandidatin ist das doppelt praktisch: Die Teilnahme ist ihr sicher und den Verkauf der CD steigert es mit Sicherheit auch direkt. Super. Und da die Chancen den Erfolg mit einem bekannten Gesicht im diesen Jahr beim Song Contest zu wiederholen ist sowieso gering, also ist der Druck da sicher auch nicht so hoch.

In einem Artikel bei DerWesten schrieb Tim Rahmann, dass ein neuer Kandidat es schwer hätte und immer mit Lena verglichen worden wäre. Natürlich, da ist ein Druck hinter, aber es ist immerhin eine Chance. Und es ist eine Wahl. Hier wird Lena auf einen Thron gestellt, bei der man sich die Frage stellt, wieso man nicht eine Lenakratie einführt:

Er oder sie würde blass wirken, weniger frech, weniger authentisch. Zu Lena gibt es keine Alternative.

Woher will man das wissen? Sie hätte ja antreten können und dann können die Zuschauer eben dies entscheiden. Anstatt dessen ist dies hinter verschlossenen Türen geschehen und man bekommt es nur fortgesetzt. In den letzten Jahren war es m.E. immer eine gute Tradition die Entscheidung über die Gewinner sowohl bei der Vorauswahl, wie auch dem eigentlichen Contest den Menschen zu überlassen und weg von Juryentscheidungen im Hinterzimmer zu kommen. Offensichtlich gilt nun das Prinzip Lena und eine Mitbestimmung wird begrenzt. Aber sie hätte ja auch damals locker die Nachfolge von Horst Köhler antreten können im Lena-Wahn…

Umsturz in Ägypten – Über Mehrheiten, Legitimation und ein Bauchgefühl

Gerade lief bei Al Jazeera – der trotz des Rauswurfs durch ägyptische Behörden noch immer gute Berichterstattung liefert – ein Telefoninterview mit einem Mitglied der regierenden NDP. Einer der Kernsätze war, dass es Millionen Ägypter gäbe, die Mubarak als Präsident unterstützen. Auf die Frage, wo diese denn seien, kam erstmal nichts (was aber womöglich an der Verbindung liegen könnte) und dann der Hinweis, dass diese einfach nicht demonstrieren würden. Also die angeblich schweigende Mehrheit wieder mal. Sie wird oft herausgeholt, wenn eine große Menge gegen einen steht, aber eben nicht alle. So diskreditiert man die Demonstranten also als eine kleine Minderheit.

Ebenso wie sein Kollege gestern bezog er sich dann auf die Wahl von Mubarak und das er bis zur nächsten Wahl legitimiert sei. Formell mag das richtig sein, aber in Ägypten wird nicht nur der Präsident abgelehnt, sondern das gesamte Regime, was damit auch die Wahlen einschließt. Alle Wahlen in Ägypten waren von Protesten und Boykottaufrufen begleitet, die zeigen, dass das Wahlsystem nie respektiert wurde. Und nun kann man nicht die Legitimation für ein illegitimes Wahlsystem einfordern und damit einen unbeliebten Präsidenten stützen.

Nach den Ereignissen der letzten Tage habe ich aber den Eindruck, dass man genau dies mehr oder weniger versucht. Das Militär auf den Straßen ist “neutral” wird gesagt und schützt nur wichtige Gebäude. Aus dem Bauch raus würde ich sagen man probiert aus, wie lange der aktuelle Status quo hält. Den Menschen wird ihr Recht auf Demonstrationen zugestanden, weil man eh nicht dagegen ankommt, dazu etwas Symbolpolitik und man guckt ob der Protest bei Beginn der Arbeitswoche nicht abflaut.

Der Angriff gegen Al Jazeera und die Präsenz von Militärhubschraubern und –flugzeugen über Kairo vermitteln zwar auch ein Bild der Einschüchterung, aber irgendwie bezweifle ich (noch), dass Mubarak das Risiko eingeht das Militär gegen die Bevölkerung einzusetzen. Dies würde dann entweder schockierende Bilder in die Welt schicken und den Ruf und Beziehungen des Landes ruinieren. Alternativ würde das Militär sich vielleicht wirklich nicht gegen die eigene Bevölkerung stellen und damit dann auf diese Weise das Ende des Regimes von Mubarak herbeiführen bzw. es im schlimmsten Fall zu einem Bürgerkrieg kommen. Davon wollen wir mal nicht ausgehen und ich halte es wie gesagt auch für ziemlich unwahrscheinlich.

Die Krise zieht sich schon über das ganze Wochenende hin und ich schrieb Freitag schon, dass es spannend wird. Das es sich so lange hinzieht, hatte ich da nicht erwartet und weiß nicht, ob man froh oder enttäuscht drüber sein muss. Die Frage der nächsten Tage wird sein, wie sich die öffentliche Sicherheit entwickelt und wie das Regime damit umgeht und ob es der Opposition gelingt mit der Armee und anderen Gruppen einen Regierungswechsel auszuhandeln.

Beobachten kann man es weiterhin bei Al Jazeera und CNN, die deutsche Berichterstattung ist noch immer dürftig (siehe auch meine Medienkritik). Hinweisen möchte ich am Ende noch auf Richard Gutjahr hinweisen, der sich nun nach Kairo “durchschlagen” und von dort berichten wird. Ich bin gespannt auf seine Berichte und wünsche ihm viel Erfolg bei seinem Unternehmen.

In drei Teufels Namen

IMG_0294[1]Wieder ein Buch durch. Dieses mal “In drei Teufels Namen. Die etwas andere Geschichte der Hexen und ihrer Verfolgung”. Ich hatte es mir vor kurzem gekauft um ein wenig mehr über die Hintergründe und Geschichte der Hexenverfolgungen im Mittelalter zu erfahren und ich glaube das ist wirklich gelungen. Und das auch sehr unterhaltsam.

Dieter Breuers berichtet diese Geschichte nämlich anhand von Geschichten und Berichten der damaligen Zeit. Anstatt also reine Fakten zu präsentieren werden diese mit Einzelbeispielen verknüpft. Das Buch ist damit sicherlich keine wissenschaftliche Abhandlung, denn Fußnoten fehlen ebenso wie andere Quellenangaben, aber ich denke dennoch, dass meinen einen guten Überblick über die Geschichte erhält. Also für Interessierte eine klare Kaufempfehlung. Dennoch noch einige Beispiele und auch generell etwas dazu, was ich aus dem Buch gelernt habe.

Weiterlesen

Medienkritik zum Aufstand in Ägypten

Man weiss noch nicht genau, wie der Aufstand in Ägypten ausgehen wird. Mubarak hat gerade seine Rede gehalten und begegnet die Forderungen nach seinem Rücktritt mit einem Entlassen der Regierung und dem Hinweis, dass er sich über die Probleme in dem Land bewusst sei. Naja, darüber schreibe ich morgen wohl nochmal, aber ich bezweifle, dass die Menschen jetzt nach Hause gehen und sich denken, dass ja jetzt alles gut sei. Von daher wird es noch eine lange Nacht und spannende Tage und bisher gibt es für mich nur einen “Sieger” dieses Konfliktes: Al Jazeera, den arabischen Sender bzw. dessem englischen Ableger.

Wer sich live über die Ereignisse informieren wollte, kam an dem Sender nicht vorbei. In Deutschland haben wir eh nichts anzubieten, aber dazu komme ich noch. Damit lief im Büro dann CNN und als Webstream eben Al Jazeera mit aktuelleren Bildern aus Kairo. Der Sender hat gute Arbeit geleistet und neutral berichtet, so dass man den Sender durchaus mit CNN gleichsetzen kann. Ich habe sogar eher dem Stream gelauscht, als dem Fernseher.

Was heute aber vor allem aufgefallen ist, ist die miese Medienlandschaft in Deutschland. Die beiden privaten Nachrichtensender N-TV und N24 bringen alles – nur keine Nachrichten. Während sich die Lage in Ägypten zuspitze brachten diese belanglose Dokumentationen. Und was dann besonders nervt: Wenn eine Krake sich während der WM für eine Kiste mit Spanischer oder Deutscher Fahne entscheidet, sind die Sender live dabei. Ewigkeiten wird eine Tür gezeigt, wenn ein Wettermensch aus dem Gefängnis kommt. Aber wenn in einem Land Menschen für ihre Freiheit auf die Straße gehen und damit große Risiken eingehen, dann zeigt man lieber eine Dokumentation über das Bewegen einer Brücke. Ich weiß nicht, ob bei N24 doch nochmal bei Ägypten aufgetaucht hab, denn die Dauerwerbesendung von sonnenklar.tv, die Reisen anbietet habe ich mir nicht angeguckt, aber vielleicht tauchte das Wort Ägypten dann dort doch mal auf.

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gab es auch keine Unterbrechung, aber Sonderberichte – wobei beim ZDF ein unnötiger Schwerpunkt auf den Tourismus gelegt wurde. Und ob man Phoenix Vorwürfe machen kann, weiß ich nicht. Der Sender ist wahrscheinlich aus politischer “Rücksichtnahme” auf die Privatsender auch nur als “Ereignissender” bezeichnet worden. Ein wirklicher Nachrichtensender ist – so zumindest eine Einschätzung im netplanet Blog in einem sehr guten und lesenswerten Artikel zu dem Thema – wahrscheinlich von eben den Privaten bisher erfolgreich verhindert worden. Die meckern ja schon, wenn die Tagesschau ihre Sendungen per App aufs iPhone bringt.

Ich sage: Nehmt meine Gebühren und macht aus Phoenix ein vernünftiges Nachrichtenfernsehen. Die Privatsender hatten wirklich ihre Chance und nur weil ich Volksverblödung nicht zahlen muss (siehe normales Tagesprogramm bei RTL), heißt es ja nicht, dass nicht irgendjemand vernünftige Berichterstattung bringen kann. Wenn die lieber billige Dokumentationen als Füllmaterial zwischen Werbung und Dauerwerbesendungen nehmen, dann muss ein solcher Sender eben anders finanziert werden.

Ich hab kein Problem mit Al Jazeera oder CNN, ich verstehe Englisch, aber wieso man sich nicht auch in Deutschland einen vernünftigen Sender leisten kann, der zumindest ein wenig versucht in diese Richtung zu gehen, verstehe ich einfach nicht. Bei Inlandsberichten macht Phoenix das meist sehr gut, ich glaube, dass dies auch international gelingen könnte. Und das man dies auch finanziert bekommt und wie es geht, kann man ja auch in dem oben gelobten Artikel nachlesen.

Einen weiteren Artikel dazu hat Jens im Pottblog geschrieben, auch der ist sehr lesenswert. So und ich lasse Al Jazeera jetzt noch auf meinem iPhone etwas nebenbei laufen, während ich den Tag mit einer Folge Akte X ausklingen lasse :)

Die Rede von Mubarak

Ach… doch noch was zu der Rede. Je mehr man drüber nachdenkt und sieht, umso mehr fragt man sich, ob der Mann noch irgendeine Verbindung zu “seinem” Volk hat?

Die Menschen schreien, dass er gehen soll – und er entlässt nur die Regierung.

Nach 30 Jahren an der Regierung erklärt er den Menschen, dass er die Probleme von diesen kenne und tagtäglich an diesen arbeite. – Ich denke mal, dass die Menschen gerade darum auf der Straße sind, weil er dabei nicht so erfolgreich war.

Er erklärt, dass diese Proteste nur wegen der Freiheiten möglich seien. – Sollen die Menschen nun dankbar für die Grundrechte der Meinungs- und Versammlungsfreiheit sein? Mal abgesehen davon: Die Menschen haben sich diese Rechte genommen, was man an den Ausschreitungen sieht oder daran, dass die Ausgangssperre ihre Wirkung nicht entfalten konnte. Mubarak hat den Menschen die Rechte nicht gegeben, er tut jetzt nur so. Achja: Und war da nicht noch ne Internetsperre und Sperre von anderen Kommunikationsmitteln? Freiheit ist offensichtlich Auslegungssache.

Ich denke mit seiner Rede hat Mubarak die Protesten eher vor den Kopf gestoßen, als eine Lösung herbei zu führen. Er hält an einem Posten fest, denn das Volk ihm nicht zugesteht.

Die Frage bleibt, wie es weitergeht: Ich gehe nicht davon aus, dass der Protest abnimmt. Die Frage ist nur, wie Mubarak reagiert. Seine Aussage, dass die Grenze zwischen “Chaos” und Freiheit sehr gering sei und die heutigen Proteste Ergebnis der gewährten Freiheit sind, könnte darauf hindeuten, dass irgendwann ein “jetzt ist aber auch mal gut” kommt und stärker gegen Demonstranten vorgegangen wird. Es wird ein spannendes Wochenende. 

Medienkritik zum Aufstand in Ägypten

Man weiss noch nicht genau, wie der Aufstand in Ägypten ausgehen wird. Mubarak hat gerade seine Rede gehalten und begegnet die Forderungen nach seinem Rücktritt mit einem Entlassen der Regierung und dem Hinweis, dass er sich über die Probleme in dem Land bewusst sei. Naja, darüber schreibe ich morgen wohl nochmal, aber ich bezweifle, dass die Menschen jetzt nach Hause gehen und sich denken, dass ja jetzt alles gut sei. Von daher wird es noch eine lange Nacht und spannende Tage und bisher gibt es für mich nur einen “Sieger” dieses Konfliktes: Al Jazeera, den arabischen Sender bzw. dessem englischen Ableger.

Wer sich live über die Ereignisse informieren wollte, kam an dem Sender nicht vorbei. In Deutschland haben wir eh nichts anzubieten, aber dazu komme ich noch. Damit lief im Büro dann CNN und als Webstream eben Al Jazeera mit aktuelleren Bildern aus Kairo. Der Sender hat gute Arbeit geleistet und neutral berichtet, so dass man den Sender durchaus mit CNN gleichsetzen kann. Ich habe sogar eher dem Stream gelauscht, als dem Fernseher.

Was heute aber vor allem aufgefallen ist, ist die miese Medienlandschaft in Deutschland. Die beiden privaten Nachrichtensender N-TV und N24 bringen alles – nur keine Nachrichten. Während sich die Lage in Ägypten zuspitze brachten diese belanglose Dokumentationen. Und was dann besonders nervt: Wenn eine Krake sich während der WM für eine Kiste mit Spanischer oder Deutscher Fahne entscheidet, sind die Sender live dabei. Ewigkeiten wird eine Tür gezeigt, wenn ein Wettermensch aus dem Gefängnis kommt. Aber wenn in einem Land Menschen für ihre Freiheit auf die Straße gehen und damit große Risiken eingehen, dann zeigt man lieber eine Dokumentation über das Bewegen einer Brücke. Ich weiß nicht, ob bei N24 doch nochmal bei Ägypten aufgetaucht hab, denn die Dauerwerbesendung von sonnenklar.tv, die Reisen anbietet habe ich mir nicht angeguckt, aber vielleicht tauchte das Wort Ägypten dann dort doch mal auf.

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gab es auch keine Unterbrechung, aber Sonderberichte – wobei beim ZDF ein unnötiger Schwerpunkt auf den Tourismus gelegt wurde. Und ob man Phoenix Vorwürfe machen kann, weiß ich nicht. Der Sender ist wahrscheinlich aus politischer “Rücksichtnahme” auf die Privatsender auch nur als “Ereignissender” bezeichnet worden. Ein wirklicher Nachrichtensender ist – so zumindest eine Einschätzung im netplanet Blog in einem sehr guten und lesenswerten Artikel zu dem Thema – wahrscheinlich von eben den Privaten bisher erfolgreich verhindert worden. Die meckern ja schon, wenn die Tagesschau ihre Sendungen per App aufs iPhone bringt.

Ich sage: Nehmt meine Gebühren und macht aus Phoenix ein vernünftiges Nachrichtenfernsehen. Die Privatsender hatten wirklich ihre Chance und nur weil ich Volksverblödung nicht zahlen muss (siehe normales Tagesprogramm bei RTL), heißt es ja nicht, dass nicht irgendjemand vernünftige Berichterstattung bringen kann. Wenn die lieber billige Dokumentationen als Füllmaterial zwischen Werbung und Dauerwerbesendungen nehmen, dann muss ein solcher Sender eben anders finanziert werden.

Ich hab kein Problem mit Al Jazeera oder CNN, ich verstehe Englisch, aber wieso man sich nicht auch in Deutschland einen vernünftigen Sender leisten kann, der zumindest ein wenig versucht in diese Richtung zu gehen, verstehe ich einfach nicht. Bei Inlandsberichten macht Phoenix das meist sehr gut, ich glaube, dass dies auch international gelingen könnte. Und das man dies auch finanziert bekommt und wie es geht, kann man ja auch in dem oben gelobten Artikel nachlesen.

Einen weiteren Artikel dazu hat Jens im Pottblog geschrieben, auch der ist sehr lesenswert. So und ich lasse Al Jazeera jetzt noch auf meinem iPhone etwas nebenbei laufen, während ich den Tag mit einer Folge Akte X ausklingen lasse 🙂

Challanger Katastrophe vor 25 Jahren

Heute vor 25 Jahren explodierte die Raumfähre Challanger kurz nach dem Start. Wer das nicht mehr in Erinnerung hat, hier eine 10 Minuten Doku zu dem Unglück aus der Serie 100 Jahre – Der Countdown:

Die Süddeutsche hat hierzu heute einen sehr interessanten Artikel zur Geschichte des Space Shuttles generell. Lesenswert!

Obamas Kriege

image Heute habe ich das neuste Buch von Bob Woodward durchgelesen, in dem dieser sich mit “Obamas Kriegen” beschäftigt, womit nicht nur der “wirkliche” Kritik in Afghanistan gemeint ist, sondern auch der “Krieg” mit oder zwischen Militär und Beratern im eigenen Land. Woodward der zusammen mit Carl Bernstein den Watergate Skandal recherchierte gilt als einer der renommiertesten Journalisten der Vereinigten Staaten und dies erkennt man auch an dem Buch. An vielen Stellen bekommt man fast den Eindruck, Woodward habe bei den Besprechungen im Oval Office oder Situation Room dabei gesessen. Von daher bekommt man einen Einblick in die amerikanische Politik und diesen Konflikt zwischen Militär und politischer Führung im ersten Jahr der Präsidentschaft von Obama.

Kern war dabei die Frage nach der Strategie und die Anzahl der dafür benötigten Soldaten. Kernbegriffe dabei sind die Aufstandsbekämpfung (die eine hohe Präsenz zum Schutz der Bevölkerung benötigt) und die Terrorbekämpfung (nach der man mit Spezialkräften gezielt gegen Terrorcamps vorgeht). Auch die Frage, was ein “Sieg” oder “Erfolg” ist, spielt dabei eine Rolle.

Während die Militärs eigentlich nur eine wirkliche Option – 40.000 Soldaten auf unbestimmte Zeit – zur Aufstandsbekämpfung haben wollten, ging es Obama vor allem auch um die Frage, wie man diesen Krieg so beenden kann, dass die afghanische Seite selber für die Sicherheit sorgen kann. Dabei geht es dann nicht mehr um eine schwer vorstellbare Vernichtung der Taliban, als viel mehr eine “Eindämmung”, die eine Machtübernahme durch diese unmöglich macht. Dies führte dann über einen langen Weg, viele Diskussionen und interne Konflikte zu dem Strategiepapier von Obama, nachdem 30.000 Soldaten geschickt werden, um die Dynamik der Taliban zu stoppen.

Neben diesem internen Konflikt wird aber auch deutlich, welche Probleme die afghanische und pakistanische Regierung einer Lösung des Konfliktes dienen und wie ratlos auch die Vereinigten Staaten dort stehen.

Man bekommt beim Lesen also einen interessanten Einblick in die Politik der USA. Der Krieg spielt natürlich seine Rolle, aber man kommt nach dem Lesen einer eigenen Lösung nicht wirklich näher. Im Gegenteil: Es scheint eher so, als ob die handelnden Personen in der USA selber einem Erfolg bis zum Juli – dann soll der Rückzug eingeleitet werden – skeptisch gegenüber stehen. Aber der Fokus des Buches liegt eher darin, die Entscheidungsprozesse in den USA und Beziehungen zwischen den verschiedenen zivielen und militärischen Beratern darzustellen. Dazu ist dieses Buch wirklich interessant geschrieben und wer wissen will, wie die Amerikaner über diesen Konflikt denken und wie sie “ticken”, sollte es gelesen haben.

Hier kann man es bei Amazon kaufen und hier auch erstmal einen Blick in das Buch werfen

“Dankt Gott für die toten Soldaten”

Über eine Scientology und dann eine Ku-Klux-Klan Dokumentation bei YouTube (die ich sicher in den nächsten Tagen nochmal einbinden werde) bin ich auf “Amerikas meistgehasste Familie” gestoßen. Der Name erinnert irgendwie an “die strengsten Eltern der Welt” und die Doku lief auch auf VOX, aber da es eine BBC Produktion war, ist der Titel zu verschmerzen und es ist eine gut gemachte Dokumentation. Jedenfalls großen Respekt für den Reporter, der kritisch aber zugleich respektvoll über die Gemeinschaft berichtet. Die ersten Minuten sagen eigentlich schon alles, aber guckt es euch vielleicht direkt bis zum Ende an. Wobei Ende ist relativ, leider fehlt der 5. Teil auf YouTube 😉

Es ist schon schockierend was man da sieht. Dabei meine ich nicht Mal abstruse Ablehnungen von Homosexualität oder die Meinung, dass der Krieg in Afghanistan oder der 11. September eine Strafe Gottes sei. Das mag man noch unter weitgehende Meinungsfreiheit packen, insbesondere wenn man es religiös einbettet.

Aber es schwingt doch auch eine extreme Form der Menschenverachtung gegen eigentlich alle anderen mit, wenn man bei Beerdigungen von US-Soldaten mit Schildern am Straßenrand steht und Gott für die Toten dankt und das Opfer als wertlos und Sünder verspottet. Es gibt in dieser verklärten Weltsicht nur eine Handvoll Auserwählter – eben die Westboro Baptist Church – und ansonsten eine Welt voller Sünder, die alle in die Hölle gehen werden. Und noch skurriler ist dann die Fixierung auf Homosexualität, denn ob die Soldaten nun homosexuell sind oder nicht, spielt ja keine Rolle! Die “Sünde” ist ja, dass der Staat und die Gesellschaft immer weniger Probleme mit Homosexualität hat.

Sie “schützen” ihren Hass zwar damit, dass Gott die Menschen und die USA hassen würde und nicht sie selbst, aber das ist im Prinzip nur vorgeschoben. Denn helfen wollen sie auch nicht. Ihre Aktionen dienen alleine der Provokation, ihre Weltsicht kennt keine Vergebung, was die Aktionen dann noch unsinniger macht. Aber mit Menschenverstand kommt man wohl nicht wirklich weiter.

Neben den Menschen, die durch diese Provokation verletzt werden, tun mir aber auch die Kinder leid. Ich glaub im dritten Teil sieht man ja, dass diese nicht Mal wissen, worum es geht und fast auswendig gelernte Sätze aufsagen, wenn sie gefragt werden. Diese Kinder werden wahrscheinlich niemals selbstständig denken können und werden entsprechend indoktriniert. Wie soll es auch anders enden, wenn die ganze Welt drum herum ja verdorben ist?