Koranverbrennung

Es ist eine ungeheuerliche Provokation, die der Pastor Terry Jones für den 11. September plant: In Gainesville in Florida wird er Korane verbrennen. Es geht mir bei der Kritik nichtmal in erster Linie, um mögliche Reaktionen aus der islamischen Welt und der Angst vor irgendwelchen Reaktionen. Nein, das Problem ist grundlegender. Man macht soetwas einfach nicht. Ob nun Koran, Bibel, das Grundgesetz oder „Pippi in Taka-Tuka-Land“. Man verbrennt nicht einfach Bücher.

In einem Bericht über die Verbrennung hatte ich gehört, dass er sich damit rechtfertigt, dass er sich durch das Verbrennen von Bibeln oder amerikanischen Flaggen ja auch provoziert fühle. Damit aggiert Terry Jones offensichtlich eher nach dem Motto „Auge um Auge. Zahn um Zahn“, anstatt dem Motto zu folgen „Wenn dich einer auf die linke Backe schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“. Das ist nicht wörtlich gemeint nach dem Motto „Hier nimm diese Fahne doch auch noch“ oder  als „Kapitulation“ gegenüber der Provokation, sondern zeugt eher von einem Charakter der Gelassenheit.

Besonders oft höre ich ähnliche Argumentationen in Zusammenhang mit der Religionsfreiheit. „Du kannst ja mal versuchen in der Türkei eine Kirche zu bauen“ ist ein beliebtes „Argument“ im Bezug auf die Ablehnung von Moscheebauten in Deutschland. Als wenn wir die Freiheiten in unserem Land und die Menschenrechte davon abhängig machen, wie sie in anderen Ländern sind. Wenn andere Länder die Religionsfreiheit nicht achten, ist das doch kein Grund sie auch zu vernachlässigen. Denn wo soll soetwas ändern? Steinigen wir dann auch bald Menschen, weil „die“ das doch auch machen?

Gut, zum Thema zurück. Jones beruft sich ja auf eine Freiheit, die Meinungsfreiheit und zu der gehört es offensichtlich auch Bücher zu verbrennen – als politische Aktion. Mag sein, dass dies so ist. Ich denke ein „Bücherverbrennungsverbotsgesetz“ wäre auch überflüssig, aber zur Freiheit gehört auch Moral und ein verantwortungsvoller Umgang damit. Seine Aktion zeigt eins ganz definitiv nicht: Respekt vor anderen Meinungen und Weltanschauungen.

Und eigentlich ist es nicht nur mangelnder Respekt. Es ist eine Missachtung, ja eine Abscheu gegen diese Meinung. Und irgendwie greift dann auch dieser alte Spruch von Heinrich Heine:

„Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“

Und interessanterweise geht es bei diesem Zitat auch um die Verbrennung des Korans – vor über 500 Jahren. Wie wenig der Mensch offensichtlich aus seiner Geschichte gelernt hat. Auch das Christentum hat eben noch ihre Fundamentalisten, die im Kopf noch immer im tiefsten Mittelalter stecken…

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