Erster Weltkrieg wird am Sonntag beendet

Na gut, der Krieg ist seit 1918 beendet und die Welt hatte schon das Übel eines Zweiten. Dennoch wirkt der Erste Weltkrieg bis heute – oder eher Sonntag – nach: In dem Versailler Vertrag von 1919 wurde der deutschen Regierung damals sowohl die Kriegsschuld auferlegt und eine nicht genauer bezifferte Reparationsverpflichtung. Im Laufe der 20er Jahre wurden dann Zahlen genannt, aber Deutschland war immer weniger in der Lage diese zu finanzieren, so dass es zum Dawes-Plan und dem Young-Plan kam.

Dawes und Young wussten, dass nur eine funktionierende Ökonomie in der Lage sein würde, Wiedergutmachungsleistungen in nennenswertem Umfang zu leisten. Daher sahen beide Pläne vor, dass die deutsche Regierung einerseits jährlich eine bis 2,5 Milliarden Reichsmark aus dem Steueraufkommen an die Siegermächte des Weltkrieges überweisen sollte. Hinzukommen sollten aber internationale Anleihen zugunsten der deutschen Wirtschaft, um deren Wachstum zu finanzieren und so letztlich zu einer sicheren, regelmäßigen Zahlung beizutragen. Die sogenannte Dawes-Anleihe betrug knapp vier Milliarden Reichsmark (800 Millionen Goldmark) zu einem Zinssatz von sieben Prozent, die Young-Anleihe umfasste etwas weniger als 1,5 Milliarden Reichsmark (300 Millionen Goldmark) zu günstigeren 5,5 Prozent. Vor allem institutionelle Investoren, aber auch Privatanleger sicherten sich diese Wertpapiere. (Artikel in der Welt)

Beim Londoner Schuldenabkommen 1953 wurden die Auslandsschulden größtenteils erlassen, aber Zinsforderungen wurden aus den Verhandlungen ausgelassen und bis nach der Wiedervereinigung vertagt. Und daran dachte irgendwie zu dem Zeitpunkt niemand. Selbst in den 80ern, als alle übrigen Schulden bezahlt waren, waren die Schuldscheine eher historisches Sammelmaterial als eine gute Geldanlage.

Wie wir nun wissen, kam dann die Wiedervereinigung dann doch überraschend und damit wurden die Zinsen fällig. Und da im Abkommen eine 20-jährige Tilgung vereinbart wurde, werden am Samstag eben die letzten Schulden aus dem Ersten Weltkrieg, den 20er Jahren und der Nachkriegszeit bezahlt.

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