Fernsehen können ist nicht naturgegeben

Guckt euch mal dieses Video an:

Reichlich unspektakulär, oder? Ein Zug fährt in einen Bahnhof ein. Um diesen Film hat sich eine Urbane Legende gebildet: Bei der Erstaufführung 1896 sollen die Menschen in Panik ausgebrochen sein und dem Zug ausgewichen sein. Ob dies stimmt oder nicht, der Film hat jedenfalls einige Aufregung verursacht damals – das ist unstrittig und war auch so beabsichtigt: Der Zug fährt immerhin direkt an den Zuschauern vorbei, eine Distanz zwischen Zuschauer und Handlung war erstmals aufgehoben worden.

Gut, das ist jetzt über 100 Jahre her und es ist viel geschehen: Die Zeit des technischen Aufbruchs damals ist vorbei. Wir haben 3D Filme und Züge fahren in Filmen seit Ewigkeiten nicht mehr nur an uns als Zuschauer vorbei, sondern auch über uns hinweg, ohne dass man in Panik gerät. Dennoch: Fernsehen muss erlernt werden.

In der Türkei wurde nun eine kleine Studie darüber durchgeführt und dort Menschen Filme vorgeführt, die bisher vom Fernsehen maximal gehört haben. Und auch wenn Panik nicht das Problem war, gab es Probleme bei bestimmten Perspektiven:

So konnte keiner von ihnen den Perspektivwechsel in einer Szene nachvollziehen, in der ein Mann zu sehen ist, der auf ein Haus zugeht und anschließend das Innere des Gebäudes aus seinem subjektiven Blickwinkel betrachtet. (…) Für die TV-Novizen ebenfalls völlig unverständlich war eine Szene, in der zuerst ein Haus gezeigt wird und nach einem Schnitt eine Frau, die in eben diesem Haus sitzt – der für Zuschauer mit Filmroutine völlig logische Zusammenhang zwischen dem Gebäude und der Person lässt sich für Menschen, die keinerlei Erfahrung mit bewegten Bildern haben, schlichtweg nicht herstellen.

Das interessante Ergebnis ist damit, dass Fernsehen keineswegs so intuitiv ist, wie man es vielleicht annehmen könnte.

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