Polizei weißt Loveparade-Veranstalter Schuld zu

Zugegeben, der Innenminister wollte sich formell nicht zum Hauptschuldigen der Katastrophe bei der Loveparade äußern, aber der Tenor bei der vorhin zuende gegangenen Pressekonferenz war eindeutig: Der Veranstalter hat seine Ordner nicht im Griff gehabt.Wichtige Hintergrundinformation ist, dass die Verantwortung für den Tunnelbereich beim Veranstalter lag und bei dessen Ordnern.

Der erste Fehler war demnach wohl schon direkt zu Beginn. Vereinbart war eine Öffnung um 11 Uhr, wenn es voller wird auch schon um 10. Geöffnet wurde das Gelände um 12 Uhr. Da gab es aber bereits entsprechenden Rückstau. Wahrscheinlich wäre dies am Ende dann aber nicht das Problem gewesen. Nach der weiteren Darstellung gab es dann das Problem, dass die Menschen oben an der Rampe nicht weiter auf das Gelände geführt wurden, sondern zum Betrachten der Floats nahe des Eingangs stehen blieben und damit für einen Pulk dort sorgten und Neuankömmlingen den Eintritt versperrten. Dies folgte dann erneut zum Rückstau.

Als dieser zunahm, wurde die Polizei vom Veranstalter um Hilfe gebeten. Um den Rückstau oben aufzulösen und damit die Situation auf der Rampe zu entlasten sollten damit – nach Bericht der Polizei – alle Zugänge geschlossen werden und oben dafür gesorgt werden, dass die Menschen weiter aufs Veranstaltungsgelände gehen. Allerdings wurden die Zugänge nicht wirklich geschlossen, sondern am Westende wurde nach der Durchfahrt eines Krankenwagens der Durchgang nicht nur geschlossen, sondern sogar später ein weiteres Gitter geöffnet, so dass weitere Menschen in die überfüllte Situation an der Rampe strömten. Die Polizei habe nach eigener Darstellung sogar versucht, hier entgegen zu steuern und Polizeiketten im Tunnel gebildet, die aber die Menschen nicht abhalten konnten, was auch zu folgendem Augenzeugenbericht passt:

An einer größeren Straße kontrollierte uns die Security auf Glasflaschen. Danach ließ man uns weiter durch. Es wurden immer mehr Leute. Etwa fünf Meter weit im Tunnel stand eine Reihe von Polizisten, wollte die Menge zurückhalten. Hinter ihnen war sogar noch etwas Platz. Da wurden manche Raver furchtbar wütend. Sie hatten keine Lust zu warten, traten auf die Beamten ein. Ganz viele drängelten sich einfach durch. Der Druck durch die Massen immer größer. Schließlich wichen die Polizisten, die förmlich überrannt wurden, zur Seite aus. Alles strömte in den Tunnel. Der war schließlich so voll, dass man nicht mal mehr den Arm heben konnte.

Dies steht natürlich diamentral zur Aussage des Veranstalters, die Polizei habe Sperren freiwillig aufgegeben. Zum einen hatte sie dies offensichtlich nicht freiwillig, zum anderen ist es nach der Darstellung der Polizei ja auch eine Reaktion auf das Scheitern der Ordner. Die Krönung des ganzen war dann noch, dass laut Informationen des Polizeiinspekteurs nichtmal genug Ordner da waren um alle Einzelkontrollen zu besetzen (als dies noch notwendig war). Auch an anderer Stelle gab es wohl zuwenig Personal seitens des Veranstalters.

Zum Grund, wieso die Menschen an Mästen, dem Container oder eben der Treppe emporgestiegen sind, wollte man keine weiteren Spekulationen abgeben. Dies kann natürlich meiner Ansicht nach an Ungeduld liegen, aber vielleicht auch einfach – und das spekuliere ich eher – als eine Fluchtmöglichkeit aus der Enge. Die dabei überrannten Absperrungen wurden dann zur Stolperfalle.

Alles in Allem ist ein erschreckendes Bild des Veranstalters gezeichnet worden, der nach dem Motto „Wird schon irgendwie“ an die Veranstaltung gegangen ist und dessen Sicherheitsdienst mit der Situation überfordert war. Natürlich ist es ein Bericht Seitens der Polizei und man darf gespannt sein, wie der Veranstalter darauf reagiert. Immerhin war es aber so eine Pressekonferenz bei der man – trotz Hinweisen auf die Ermittlungen – durchaus den Eindruck hatte neues zu erfahren. Und Respekt gilt auch dem Polizeiinspekteur, der sichtlich bewegt war, als er von den Toten sprach und mit den Tränen ringen musste. Menschliche Gesten, die man bei den vorgelesenen Erklärungen von Stadt und Veranstalter doch etwas vermissen konnte.

Weitere Berichte der Pressekonferenz gibts bei der Zeit und DerWesten.

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