Rache für Wembley und der Fernsehbeweis

Heute stand die Deutsche Nationalmannschaft also im Achtelfinale gegen den “Lieblingsgegner” England. Das Ergebnis ist nichts neues: 4:1 haben die deutschen Spieler gewonnen und England damit die größte Niederlage während einer WM zugefügt. Und noch eine andere Ungerechtigkeit ist mehr oder weniger gesühnt worden: 44 Jahre nach dem berühmten Wembley Tor – bei dem England ein Tor gegeben wurde, obwohl der Ball nicht hinter der Torlinie war – wurde heute ein gültiges englisches Tor nicht gewertet. Zugegeben: 1966 war es deutlich unklarer und anders als bei dem alten Tor musste man nun nicht 24 Jahre auf die Klärung die Frage warten, ob es nun ein Tor war oder nicht. Aber ich wage auch mal zu behaupten, die Auswirkungen waren geringer heute. Während damals in der Verlängerung das Endergebnis von 4:2 dadurch zustande kam, dass Deutschland die Abwehr öffnete und mehr auf Angriff spielte, hatte die englische Mannschaft doch auch nach der Entscheidung weiterhin aktiv gespielt, aber eben nicht ganze 90 Minuten lang, sondern vielleicht 30.

Und für den Fall der Fälle, dass es doch als wichtiger angesehen wird, hier noch zwei mögliche Erklärungen, wieso es doch keins war:

1. Der Ball war nicht hinter der Linie:

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2. Es ist sowieso nur eine optische Täuschung:


(Originalbild von Jason Feldman, Übersetzung durch Spreeblick)

Etwas entscheidender war aber sicher das 1:0 im Spiel Argentinien gegen Mexiko. Die zweite Fehlentscheidung der Schiedsrichter an diesem Tag. Wer es nicht gesehen hat:

Es gab dann am Rande einige Diskussionen und ich wäre bei dem Gespräch zwischen dem Schiedsrichter und seinem Kollegen an der Seitenlinie (leider nicht im Video) hätte ich gerne Mäuschen gespielt :D Naja, es war jedenfalls ein klares – und auch unnötiges – Abseitsspiel. Denke der wäre eh reingegangen. Ich glaube jedenfalls, dass dieses Tor das Spiel Mexikos doch stärker beeinflusst hat und die Mannschaft aus Nordamerika doch etwas verstört hat, was womöglich zum 2:0 kurz danach führte. Aber das ist natürlich auch nur eine Theorie eines unwissenden Nur-WM-Guckers :)

Jedenfalls lassen beide Ereignisse von heute die Frage nach einem Fernsehbeweis wieder aufkommen. In einer Kolumne hatte Karsten Kellermann in der Rheinischen Post mal dagegen argumentiert:

„Das Rechteck der Leinwand soll voller Emotionen sein“, sagte Hitchcock. Das gilt genauso für das Rasenrechteck des Fußballs. Und Emotionen gibt es nun mal vor allem dort, wo diskutiert werden darf. Der Fußball lebt von seiner Offenheit: Niemand, der ins Stadion geht, weiß, wie es ausgeht. Und zwei Menschen, die ein Spiel sehen, haben nie dieselbe Meinung darüber.

[…]

Wembley lebt – ach, dieses Wort gäbe es gar nicht, hätte es damals […] den Fernsehbeweis gegeben, als Hurst für England gegen Deutschland traf im WM-Finale. Die Fußballgeschichte wäre um gefühlt eine Milliarde Debatten dies und jenseits des Ärmelkanals ärmer.

Da ist natürlich etwas wahres dran. Und ich denke Dinge wie Fouls oder selbst Handspiel kann und sollte immer eine Ermessenssache bleiben – es geht wohl auch nicht anders. Aber die Frage, ob ein Tor nun zählt oder nicht, ist so Spielentscheidend – immerhin ist es das Spielziel – dass hier eine genauere Analyse nur der Fairness dienen kann.

Wenn man weiterhin das “Drama” haben will, wie Günter Netzer in der ARD sagte, dann wären zusätzliche Torraumschiedsrichter vielleicht eine Alternative – in den europäischen Spielen werden sie in der kommenden Saison benutzt.

Wenn allerdings wirklich die Spannung beim Fußball davon lebt, dass der Sport nicht perfekt ist, wie Netzer es sagte, erklärt dies vielleicht meine mangelnde Begeisterung. Ich kenne zwar nur die Superbowl Spiele, aber Football hat für mich einen höheren Spannungsgrad trotz Videobeweis. Dieser ist dort auch reglementiert und ein unberechtigtes Einfordern wird mit dem Verlust eines Time-outs bestraft.  Sowas haben wir im Fußball nicht, aber dafür könnte man andere Regelungen finden (ggf. wenn man es direkt übernimmt eine Auswechslung?) Und bevor meine Kritik an dem Spannungsgehalt eines Fußballspiels Entrüstungsstürme in den Kommentaren hervorruft, schränke ich es vielleicht so ein, dass es unfair ist das Finale der Amerikanichen Football-Liga mit eher regulären Fußballpielen zu vergleichen, ohne zu wissen, wie spannend reguläres Football ist :)

Wer als Schiedsrichter im übrigen auf andere Art und Weise unsterblich werden will, sollte mal diesen Tipp ausprobieren. Gab es übrigens schon mehrmals – wenn auch nicht bei der WM und im Netz nur in schlechter Qualität :D – und in dem Zusammenhang hab ich auch eine Szene gefunden, die damit nichts zu tun hat: Nämlich ein Tor durch einen Torwart bei einem Abstoß. Hatte das letztens mal gedacht und tja, gab es auch schon :D

Dafür das ich ein Nur-bei-der-WM-Fußball-Gucker bin, ist das jetzt doch ein recht langer Artikel geworden… ;)

Update: Das Bild der Optischen Täuschungen gibt es nun in deutsch :)

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