ArchivOktober 2009

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Nachtrag zur Spielemesse
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Buchhandel ala Thalia
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Wüstenblume

Nachtrag zur Spielemesse

Ein wenig zur Spielemesse hatte ich ja schon im Rahmen unseres “System Matters” Special zur Messe geplaudert. Aber danach war immer noch einiges zu tun, also gibt es hier eine kleine Ergänzung dazu mit gespielten Brettspielen:

IMG_0375Fangen wir mal mit Small Worlds von Days of Wonder an, welches wir am Freitag spielen konnten. Dabei geht es darum sein Volk zu Glanz und Gloria zu führen. Dabei erobert man Regionen ganz einfach per Plättchen, die man auslegt. Interessant macht das Spiel aber auch die unvorhersehbare Kombination von Rassen und Spezialfertigkeiten: Also der Beserker-Elf ist da genauso möglich, wie die Seefahrer-Rattenmenschen mit jeweils besonderen Fertigkeiten, wie weniger Plättchen für die Eroberung von bestimmten Gebieten, zusätzliche Punkte für bestimmte Regionen, zusätzliche Einheiten für Eroberungen und ähnliches. Alles in allem ein tolles Spiel, welches trotz der strategischen Ausrichtung nicht überfrachtet ist. [Bei Amazon kaufen]

IMG_0376Genauso wenig überfrachtet ist Frag von Pegasus. Es ist ein reines Ballerspiel auf dem Brett – natürlich rein virtuell, denn man spielt nicht selber, sondern seinen virtuellen Avatar in einem Computerspiel.  Ob man dies nun wegen dem Jugendschutz so handhabt oder warum auch immer – es hat eben seine positiven Auswirkungen: Wenn man stirbt hat es keine weiteren Auswirkungen, außer dass man seine Waffen verliert. Schwupps, ist man wieder da! Und vor allem: Immer nachdem man jemanden abgeschossen hat, bekommt man einen Hack für das Spiel – besonders beliebt: Man wird noch virtueller und kann durch Wände gehen und nicht abgeschossen werden. Also alles in allem ein schnelles Spielchen, welches sich besonders durch die einfachen Regeln auszeichnet. Je nach Situation wirft man einfach eine verschiedene Anzahl sechsseitiger Würfel und bestimmt den Erfolg. Und erweiterbar ist es auch. Offiziell zwar erst mit einer Erweiterung, die eingeplant ist und schon auftaucht, aber dessen Veröffentlichungstermin man nicht kennt. Inoffiziell kann man sich aber natürlich auch Dinge wie Capture the Flag oder Teamspiele ausdenken. Tolles und schnelles Spiel. [Bei Amazon kaufen]

image Nicht auf der Spielemesse, aber später zuhause getestet hab ich Dominion und Space Alert. Erstes ist Spiel des Jahres geworden und ist bereits mit einer Erweiterung und einem eigenen Spin-off Spiel versehen worden. Das Spiel ist ein reines Kartenspiel, bei dem es darum geht Siegpunkte zu sammeln. Jede Runde kann man dabei eine Aktion und einen Kauf durchführen. Durch bestimmte Karten, die man sich kauft, können daraus aber dann mehr Aktionen werden. So kann sich ein Zug dann durchaus etwas länger hinziehen, wenn man mit einem “Marktplatz” beispielsweise eine Karte mehr ziehen, eine weitere Aktion (der Marktplatz ist schon eine) durchführen und einen weiteren Kauf tätigen kann, für den man dann auch noch ein Gold zusätzlich bekommt. Alle Karten – also die ausgespielten und neu gekauften kommen dann wieder auf den Stapel und werden später dann neu gezogen. So macht es Sinn, auch 6 Gold dafür zu zahlen 3 Gold zu erhalten – auf Dauer rentiert es sich. [Bei Amazon kaufen]

imageSpace Alert war ebenfalls ein Spiel des Jahres – mit dem Sonderpreis “Neue Spielwelten”. Es handelt sich um ein kooperatives Spiel, welches sehr hektisch ist. Man spielt die Besatzung des Raumschiffs, welches das Schiff gegen Angriffe verteidigen muss und dabei Schüsse, Schilde und Energieverwaltung koordinieren muss. Dabei legt man pro Phase eine Reihenfolge von Aktionen fest. Zum Schießen und beim Aufladen der Schilder wird Energie aus dem unteren Teil des Schiffes abgezogen, die dort natürlich vorhanden sein muss. Und zusätzlich macht es vielleicht auch Sinn mit mehreren Waffen gleichzeitig zu feuern, um den Schaden zu vergrößern. Also muss jeder Schritt gut überlegt sein. Das Problem: Per CD oder jemanden der dies per Stopuhr nachverfolgt, werden in den ersten 10 Minuten des Spiels die Situationen beschrieben – während man gleichzeitig die Karten auslegt und sich koordiniert werden Kartenaustausche angesagt (10 Sekunden), neue Bedrohungen angesagt und verschiedene Phasen zur Kartenauslegung definiert – ziemlich stressiges, kooperatives Spiel. Macht aber Spaß 😉 [Bei Amazon kaufen]

Buchhandel ala Thalia

Heute fand sich in der Süddeutschen Zeitung ein sehr interessanter Artikel zum Büchermarkt: Es ist nämlich zu einfach zu sagen, dass man als Käufer entscheidet, welches Buch gut ist und welches nicht. Nein, davor ist meist noch der Buchhandel und am Beispiel von Thalia wird gezeigt, dass es bei der Auswahl welches Buch wie präsentiert wird nicht unbedingt auf die Qualität desselben ankommt, sondern in erster Linie was der Verlag zahlt. Unter Umständen fliegt ein ganzer Verlag aus den Regalen. Interessant wäre nur, ob Thalia nur das schwarze Scharf unter den Filialbuchhandlungen ist, oder ob auch beispielsweise die Mayersche dieses Konzept fährt oder Amazon. Letzterem geht es zwar auch um die Vielfalt und alles anbieten zu können, aber wie kommt was in deren Großlager und wie entscheiden sich Buchempfehlungen dort?

Wüstenblume

Direkt am Abend der Bundestagswahl hatte ich noch das Vergnügen mit zwei guten Freundinnen in die Spätvorstellung von Wüstenblume zu kommen. Zunächst hatte ich den Film schicksalshafterweise mit Feuerherz verwechselt, also war von einem Film über Kindersoldaten ausgegangen. Ob meine beiden Begleiterinnen mich nun bewusst in dem Fehlglauben ließen, sei mal dahin gestellt, aber als ich herausbekam, um was es in dem Film wirklich ging, waren die Karten gekauft und mein Pfirsichsaft in der Kinobar auch fast ausgetrunken. Vielleicht war es aber auch ganz gut so, denn Wüstenblume dreht sich auch um das Schicksal vieler Kinder in Afrika, genauer um das von Mädchen, denn es geht um die Genitalverstümmelung ((Ich verwende die gleichen Begriffe wie von terre de femmes vorgeschlagen, werde hier im Artikel deshalb immer von Genitalverstümmelung sprechen und nicht von Beschneidung, da dies das Ausmaß der Tat deutlicher macht. Eine Beschneidung wird womöglich der bei Männern zu schnell gleichgesetzt und dadurch verharmlost. Gegenüber Opfern sollte dennoch dieser Begriff benutzt werden, denn als verstümmelt sollte man diese dennoch nicht bezeichnen.)) derselben, die vor allem dort aber auch in anderen Teilen der Welt geschieht.

Wahrscheinlich hätte ich mir den Film ohne diesen Irrtum und ohne meine Begleiterinnen nicht angesehen. Warum kann ich nichtmal genau sagen, das Thema hatte mich vorher nicht wirklich interessiert. Es wäre vermessen zu behaupten der Film hätte nun alles geändert, aber ein wenig mitfühlender, was dieses Thema angeht bin ich dann doch geworden. Aber vielleicht kurz erstmal worum es geht:

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch Wüstenblume von Waris Diries, in dem diese ihren Weg von der somalischen Steppe bis zum weltberühmten Starmodell darstellt. Dies alleine erscheint einem oft schon wie ein Märchen und voller glücklicher Zufälle getragen, aber hinter allem liegt der Schatten eben der Beschneidung mit drei Jahren, die sie schließlich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in einem Interview publik macht und damit das Thema der öffentlichen Diskussion aussetzt.

Wie schon gesagt: Es ist oft wie ein großes Märchen: Die Flucht aus Somalia gelingt nur, weil die Großmutter jemanden in London kennt, dort lernt Waris die Lebenskünstlerin Marilyn kennen und schließlich wird sie in einem Fastfood Restaurant als Modell entdeckt. Manche Geschichten schreibt das Leben eben doch selbst. Immer wieder wird in diese Geschichte jedoch der dunkle Schatten der Vergangenheit eingepflegt, ob nun beim Flirt in der Disco, als sie Marilyn beim Sex überrascht oder eben ganz konkret, als sie unter Schmerzen leidend ins Krankenhaus geht. Und als schließlich das Interview aufkam hoffte ich nur, dass es bei der Erzählung bleibt und einem der Rückblick erspart bleibt. Aber der Film hätte seine Wirkung verfehlt, würde er diesen Zeitsprung nicht machen und das Gesicht des leidenden Kindes überspringen. Die ganzen im Film deutlich werdenden Folgen dieses Verbrechens an kleinen Mädchen haben in dieser Szene ihren Ursprung.

Im Prinzip ist dies auch der Wendepunkt ihres Lebens wenn man es so will. “Die Genitalverstümmelte” sei ihr Job geworden, so ihr Manager. Ein ziemlich harter und unangenehmer Job, wie man auch in einem Interview für die Brigitte nachlesen kann:

Ich habe es so satt, darüber zu sprechen. Ich mache das nicht zum Vergnügen, es ist nicht leicht sich immer wieder vor Menschen zu stellen und diese sehr persönliche Geschichte zu erzählen. Es ist anstrengend, und es wird mit der Zeit auch langweilig. Es geht hier nicht um meinen persönlichen Kampf, deshalb macht es mich wütend, wenn Leute mir zurufen: "Viel Glück, was du machst ist großartig." Als wäre ich alleine für die Bekämpfung von Genitalverstümmelung verantwortlich.

Und auch wenn ich den Film zu Beginn ein wenig als Märchen – von armen somalischen Flüchtling zum Top-Modell – bezeichnet habe, darf man diesen Hintergrund nicht vergessen. Und vor allem nicht, dass sie damit symbolisch für die Mädchen in der Welt stehen, die diesen Weg nicht gehen können.