Politcamp #1 – Twitter 1

Heute war der erste Tag des Politcamps und mein Resüme will ich mal in drei Artikel packen. Der erste – also dieser – hat Twitter zum Schwerpunkt, da sowohl die Eröffnungssession wie auch eine spätere sich um diesen Dienst drehten. In einem weiteren geht es dann jeweils um die Wahlkampfarena und Gedanken zur Digitale vs. Politische Kommunikation.

Aber vielleicht erstmal etwas Einleitendes: Beim Politcamp treffen sich an diesem Wochenende über 600 Webaktivisten und politisch Aktive hier in Berlin, um wie bei einem Barcamp verschiedene Schnittpunkte zwischen Web 2.0 und Politik zu diskutieren und voneinander zu lernen. Gestern abend gab es mit einer kleinen Twitterlesung und BBQ ein Warm-Up und heute um 10 Uhr ging es dann auch wirklich los. Neben den Sessions, die den Rahmen für die drei Artikel heute bieten, war ich noch bei einer Session zu WordPress, die aber außer einigen Pluginempfehlungen eben doch zu Einführend in das System war, so dass ich jetzt nicht weiter darauf eingehen möchte :)

Nun aber zum ersten Themenkomplex: Twitter. Keine Ahnung, ob es ein TweetCamp gibt, bei dem es nur um Twitter geht, aber dieser Dienst hat auch diese Veranstaltung fest im Griff. Diskussionen über die Sessions finden darüber statt – entweder durch regelmäßigen Blick aufs Handy und Suche nach #pc09 oder durch die Twitterwall, eine Leinwand auf die eben diese Beiträge gebeamt werden. Auch zwei Sessions drehten sich heute um diesen Mikrobloggingdienst.

Den Beginn machte eine Session mit prominentem Besuch: Volker Beck (MdB SPD), Franz Schäffler (MdB FDP) und Matthias Groote (MdEP SPD) berichteten dort von ihren praktischen Erfahrungen als twitternde Politiker. Die Bedeutung von Twitter oder Web 2.0 ist an verschiedenen Stellen immer angeklungen. Volker Beck wies am Beginn darauf hin, dass Twitter eben gedacht ist für kurze Mitteilungen insbesondere mit speziellen Interessenslagen, wie der Menschenrechtspolitik, die in den klassischen Medien nicht immer durchkommt. Und zusätzlich ist es eben ein weiterer Kommunikationskanal – aber eben auch nicht mehr als das. Franz Schäffler geht aber davon aus, dass die Community noch an Bedeutung gewinnen wird.

Besonders interessant war die Einschätzung von Volker Beck, der bei Facebook und Twitter qualitativ hochwertigere Anfragen vorfindet, als bei abgeordnetenwatch, wo eher Querulanten die Fragen stellen könnten. Man muss aber sicher noch abwarten, wie es sich ändert, wenn die Anzahl der Twitternutzer zunimmt und womöglich Querulanten auch dieses Medium finden. Aber wahrscheinlich würde dann – so Beck – auch der Moment kommen, wo mit zunehmenden Anfragen auch mal die Abgeordnetenbüros das Antworten übernehmen müssten. Transparent aber eben nicht mehr direkt vom Abgeordneten.

Wichtig ist aber eben auch die Sprache. Bei der Diskussion über die Internetsperren (#Zensursula) gab es eben viele technische Fakten, aber eine bildliche Sprache für den normalen Bürger oder nicht so technikaffinen Politiker fehlte ein wenig. Volker Beck benutzte zur Verdeutlichung folgendes Bild: So gäbe es einen Kinderpornohändler am Ende der Straße. Man sperrt daraufhin die Straße, verhaftet den Händler aber nicht. Solche Verweise bringen die Thematik einfacher rüber, als die die Hinweise, wie leicht es ist die Sperren zu umgehen.

In der Session ist mehr gesagt worden, aber das soll es jetzt erstmal sein. Später wurden von einer Mitarbeiterin von DerWesten nämlich einige Regeln für die Benutzung von Twitter durch Politiker vorgeschlagen:

  1. Wer präsent sein will, muss schnell sein. Also wenn man auf eine Diskussion reagiert, dann schnell und nicht zu lange zögern, denn dann tauchen andere Namen im Artikel auf.
  2. Zeig was dir wichtig ist. Man kann nicht alles in 140 Zeichen ausdrücken, aber ein Link hilft dann schon.
  3. Ganz oder garnicht. Hier spricht sie sich gegen Saisontwitterer aus. Ich finde es ist Definititionssache, aber gegen wenige Tage mal Ruhe spricht m.E. nicht wirklich viel. Das sage ich aber vielleicht auch leicht, weil ich selber – bei meinem privaten Account – auch unregelmäßig twittere.
  4. Nicht mit der Wahl aufhören – mehr muss man nicht dazu sagen, oder?
  5. Folge anderen. Also nicht nur einseitig senden, sondern auch reagieren. Bisher habe ich es beim Grünen Account eher vernachlässigt, da ich mit meinem Hauptaccount folge, aber das sollte ich vielleicht doch mal ändern. Macht retweet auch angenehmer :)
  6. Sprich mit mir und nicht zu mir. Eben mitdiskutieren bei Twitter, aber vor allem auch Antworten, wenn man angeschrieben wird.
  7. Mitarbeiter dürfen auch schreiben, wenn es transparent ist. Also Hashtags nutzen, wenn nicht der Politiker direkt twittert.
  8. Profil gut einrichten. Insbesondere die Bio nicht vergessen mit Kontaktinfos.

Die folgende Diskussion dreht sich dann auch sehr stark darum, wie weit es beim Politiker menscheln soll oder allgemein eher darum, wieviel man auch persönlich freigeben soll. Eine richtige Antwort dazu gab es aber auch nicht – ist aber auch nicht verwunderlich :)

Mein Twitterfazit: Beim Grünen Twitteraccount muss ich vielleicht nochmal den ein oder anderen aus meinen Hauptaccount übernehmen, ansonsten den ein oder anderen Denkansatz und viele neue Follower an diesem Tag :)

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  1. Pingback: Klaus Lübke Blog » Bericht vom Politcamp 09 in Berlin - update

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