Töchter führen zum Linksruck in der Familie

Es gibt wahrscheinlich einige Themen, bei denen das Interesse bei Sozialwissenschaftlern etwas ausgeprägter ist, als bei dem übrigen Teil der Bevölkerung. Der Zeitungsartikel, dass Töchter die Eltern politisch eher nach Links, Jungen eher nach Rechts1 abrücken lassen, gab im Freundeskreis jedenfalls eher die „Wo ist der Bus?“ Antwort. Tja, und somit muss sich die große Blogosphäre mit dieser Information herumschlagen2 :)

Nun so haben Forscher jedenfalls nach Studien in Deutschland und Großbritannien herausgefunden, dass die Geburt einer Tochter die Möglichkeit von links stehenden Eltern um zwei Prozent erhöht, während dies bei Söhnen umgekehrt ist. Amerikanische Soziologen hatten im Vorfeld bereits rausgefunden, dass Abgeordnete sich nach der Geburt einer Tochter in moralisch aufgeladenen Diskussionen eher einer „feministischeren“ Position annähernden – beispielsweise bei der Frage der Abtreibung.

Die Hintergründe vermuten die Forscher ebenso wie bei unterschiedlichem Wahlverhalten – 2005 stimmten beispielsweise 44,3 Prozent der Frauen für rot-grün, aber nur 40,2 Prozent der Männer – in unterschiedlichen Lebenssituationen:

„Männer, die im Regelfall besser verdienen, interessieren sich mehr für niedrige Steuersätze, die meist konservative Parteien fordern. Frauen hingegen richten ihre Wahlentscheidung stärker an Themen wie dem Sozialstaat oder der Familienpolitik aus – hier engagieren sich eher Parteien der Linken“

Im Bezug auf die Kinder wird also davon ausgegangen, dass Väter sich bei der Geburt der Tochter in die weibliche Position eindenken und dann die Höhe der Steuern vielleicht eine geringere Rolle spielt, während eine Mutter durch die Geburt eines Sohnes in die andere Richtung bewegt werden könnte.

Parteipolitisch ist dies aber wohl kaum nutzbar, werden doch gleichviele Jungen wie Mädchen geboren, allenfalls – so spekuliert der Artikel zum Ende – durch Fotos mit dem eher den anderen Lager zugehörigen Kindern könnte ein anderer Eindruck erzeugt werden.

Interessante Nebeninformation: Eine gefestigte politische Sichtweise im Elternhaus erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder diese annehmen um 20 Prozent. Was mich nur noch interessiert: Wie hoch ist die Grundwahrscheinlichkeit oder wie ist es im anderen Fall? Immerhin haben die zwei Söhne im Hause Jedamzik doch eine ziemlich eindeutige politische Präferenz :)

  1. im Sinne von Konservativ []
  2. bei anderer Reaktion wahrscheinlich auch []
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